Green Sign PodiumsdiskussionNachhaltigkeit in der Hotellerie

Die Prodiumsdiskussion von Green Sign hätte eigentlich auf der diesjährigen ITB stattfinden sollen. (Bild: petrmalinak/Shutterstock.com)

Obwohl die diesjährige ITB nicht stattfand, will Green Sign aber nicht auf seine zehnte Podiumsdiskussion verzichten – und führt sie auf digitalem Weg. Alle Podiumssprecher kommen “zu Wort”, aber in schriftlicher Form. Wir veröffentlichen die Statements nach und nach und lassen die Diskussion so täglich weiter wachsen.

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Passend zur “grünen” ITB widmet sich auch dieses Panel voll und ganz dem Thema Nachhaltigkeit. Green Sign hat alle Podiumssprecher kontaktiert und die Antworten zu der Fragestellung “Nachhaltigkeit in der Hotellerie – kurzfristige Euphorie oder langfristiger Buchungserfolg” zusammengestellt. Den Anfang macht Michael Bauer, Inhaber vom Wald Hotel Heppe.

Green Sign: Herr Bauer, Sie sind der Vertreter der Privathotellerie. Das Thema Nachhaltigkeit soll bei Ihnen damit begonnen haben, dass Sie bei der Geburt Ihres Kindes zu Stoffwindeln gewechselt haben. Wie haben Sie Ihr privates Bewusstsein für Nachhaltigkeit in Ihren geschäftlichen Bereich übertragen?

Bild: Anna Hornstein Fotografie

Ich muss, um diese Frage zu beantworten, ein bisschen weiter ausholen, weil wir eigentlich als Hotel mit unserer einzigartigen Alleinlage mitten im Wald schon immer nachhaltig gehandelt haben, ohne es beabsichtigt zu haben. Wir hatten schon immer die Möglichkeit, Waren regional zu beziehen und Brennstoffe für unsere Hackschnitzelheizung selbst zu ernten und zu verarbeiten. An den großen Stellschrauben wurde schon gedreht, als ich in der Geschäftsleitung noch nicht so viel Einfluss hatte.

Richtig Fahrt aufgenommen hat die Nachhaltigkeit bei uns im Betrieb, mit der Geburt unseres ersten Sohnes vor vier Jahren. Da hatten wir Zuhause schon nahezu plastikfrei gelebt, einfach weil wir das mit dem ganzen Müll, mit dem wir die Natur belasten, ganz schrecklich fanden. Als wir dann mit waschbaren Stoffwindeln um die Ecke kamen, hat schon manch einer dumm geguckt, weil er gedacht hat “Ah, das sind die Dinger, die man mit einer Sicherheitsnadel vorne zusammen macht”. Dass das eigentlich schon eine ganz moderne Sache ist, war den Wenigsten klar.

Nachhaltigkeit war bei uns zuhause schon immer ein riesiges Thema und die Sensibilisierung hatte bei uns eh schon ganz lange stattgefunden, weil wir die Natur, die uns unmittelbar umgibt, erhalten wollen. Meine Kinder haben so viel Spaß in der Natur. Und dadurch sind uns dann nach und nach in unserem Betrieb Abläufe und Stellen aufgefallen, die ruhig ein bisschen mehr Nachhaltigkeit vertragen konnten. Auch schon bevor das Verbot für Strohhalme kam, haben wir Pappstrohhalme gekauft. Als das Betriebsauto kaputt ging, haben wir uns ein E-Auto angeschafft. Die Trinkbecher im Wellnessbereich sind aus Zuckerrohr, die Mitnehmbehälter für Lebensmittel sind aus Zuckerrohr oder Bambus. Das ist zwar alles total machbar, aber beeindruckt die Leute trotzdem. Plastiktüten zum Mitnehmen haben wir durch kompostierbare Taschen und Baumwolltaschen ersetzt, da ist ja auch Werbung drauf – die Leute laufen im Supermarkt damit herum und wir werden darauf angesprochen.

Sie machen scheinbar eine ganze Menge. Was sind in Ihrem Hotel drei nachhaltige Highlights?

Den ersten Platz belegt definitiv die Hackschnitzelheizung. Die hat uns dabei geholfen, Geld und CO2 zu sparen. Das war einer der besten Sachen, die wir in den letzten 20 Jahren angeschafft haben. Platz zwei, und das hat mich sehr viel Tüftelei gekostet, sind die Verbrauchsartikel im Badezimmer gegen plastikfreien Zero-Waste zu tauschen. Platz 3 könnte der Ökostrom sein, wobei ich nicht sicher bin, ob das noch etwas Besonderes ist. Platz 3 könnte sich der Ökostrom mit der Regionalität teilen, weil wir hier sehr orts- und regionsverbunden leben und auch einkaufen. Es kommt zwar nicht ein Lieferant und bringt alles – mal kommt der Bauer und bringt Salat, an einem anderen Tag kommt der Hühnerwirt und bringt die Freilandeier. Es ist zwar ein bisschen mehr Aufwand, aber bei uns funktioniert es so gut, weil es eben alles in der Ortschaft gibt. Hier im Dorf ist das Leben ein Geben und Nehmen, der eine pflückt für den anderen die Äpfel und darf die Hälfte behalten, wiederum ein anderer darf seine Kühe auf einer begrasten Weide des Nachbarn stellen im Tausch gegen zehn Kilogramm Fleisch im Jahr. Das Schöne ist, man kann die Dinge auch wirklich angucken und sehen. Oft fragen die Leute “Wo kommt das denn her?”, und die Gäste interessieren sich für die Nachhaltigkeit, möchten sie anfassen.

Würden Sie sagen, dass sich dieses steigernde nachhaltige Engagement Ihres Hotels in Ihren Buchungen wiederspiegelt?

Nicht direkt. In erster Linie war unsere Absicht hinter dem nachhaltigen Handeln nicht, mehr Gäste zu erreichen oder die Auslastung zu steigern. Auch schon bevor die Nachhaltigkeit modern wurde, haben wir sehr nachhaltig gehandelt, ohne es großartig zu propagieren. Dadurch, dass dies aber nun jetzt auch auf die Tafel geschrieben werden kann, hat sich eine neue Gästeschicht etabliert. Wir machen da kein großes Ding draus, aber es ist schön, weil diese Gästeschicht auch Zuhause sehr nachhaltig lebt und da ein reger Austausch mit uns stattfindet. So kann man sich auch gegenseitig helfen und neue Ideen vorschlagen.

Sie haben jetzt schon sehr viele Sachen genannt, die Sie bereits umsetzen und die klar als Vorreiter für die Nachhaltigkeit in der Hotellerie platzieren. Welche drei Ratschläge können Sie noch unentschlossenen Hoteliers für eine schnelle, unkomplizierte und nachhaltige Umsetzung mit auf den Weg geben?

In aller erster Linie würde ich jedem sagen, dass er den Energieverbrauch und die Energiequelle des Hauses unter die Lupe nehmen sollte, von vorne bis hinten, die Wärme, der Strom, alles. Es gibt Stellschrauben, auf die man keinen Einfluss hat. Ich kann meinen Gästen nicht sagen “Lasst euer Licht nachts nicht an und duscht nur solange wie ihr drunter steht”. Sowas kann man den Gästen nicht vermitteln, das machen die einfach von sich aus. Die Stellschraube Energie vereint das Einsparpotenzial und die Nachhaltigkeit. Es ist ja oft so, dass die Leute Angst haben, nachhaltig zu leben, weil sie denken es ist so teuer, aber gerade bei der Energie ist es meistens das Gegenteil. Früher haben wir 60.000 Euro im Jahr für Heizöl ausgegeben. Seitdem wir die Hackschnitzelanlage haben, sind es noch 15.000 Euro für die Dienstleistung, Holz hexeln zu lassen. Wenn man sich das mal auf der Zunge zergehen lässt, wieviel Geld sich dadurch sparen lässt und auch noch CO2, das ist schon unglaublich.

Das nächste ist das Frühstücks Buffett. Das ist definitiv auch bei uns einer der größten Müllverbrauchsorte, weil fast alles in winzigen Verpackungen steckt. Manche Sachen kann man nicht einfach in großen Mengen auf das Buffett stellen und hoffen, dass die Gäste damit zurechtkommen. Aber ein bisschen was kann jeder machen. Und dabei hilft dann auch wieder diese neue Gästeschicht, die auf bestimmte Dinge hinweist und aufmerksam macht. Neulich hat mir ein Gast statt kleinen Honigpäckchen empfohlen, eine Honigwabe auszuprobieren. Ich weiß nicht, wie die Gäste darauf reagieren werden. Man muss ein bisschen herum probieren, und ein Heilmittel für alle Sachen gibt es nicht. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Die Verbrauchsartikel im Gästebadezimmer sind mein dritter Tipp. Es gibt feste Seifen, es gibt Nachfüllfläschchen, da ist so viel Potential.

Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre im Bereich Nachhaltigkeit in der Hotellerie?

Ich würde mir wünschen, dass es nicht mehr etwas Besonderes sein muss, Nachhaltigkeit hervorzuheben. Dass jeder sich bei dem Thema auch in die Karten schauen lässt, dass der Austausch größer ist. Jeder sollte auch bei seinen Mitbewerbern da hineinsehen können, etwas verändern können und Dinge für sich mitnehmen können. Ich mache bei unseren Anlagen und Rechenbeispielen kein Geheimnis, wenn sich jemand dafür interessiert, weil es ja letztendlich jedem guttut. Es gibt nichts, wo ich sage “Ätschibätsch, ich spare dabei und du jetzt nicht”. Das machen sehr viele Leute und es ist ein typisches Hotelier-Ding. Es ist noch nicht in den Köpfen der Leute angekommen, dass sich mit mehr Personen mehr erreichen lässt. Ich bin immer froh über den Austausch mit den Gästen, wenn mir jemand etwas erklärt, was ich noch nicht wusste oder anders herum, und so würde ich mir das bei den anderen Hoteliers auch wünschen.

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