»Hoteleröffnungen sind meine Leidenschaft«

Sofitel Macau At Ponte 16

Expats haben meist geografische Vorlieben. Bei Goran Aleks ist es Asien. Nach dem Tsunami nahm er jedoch Abstand von dieser Region und arbeitete stattdessen in Frankreich und Australien. Schließlich zog es ihn wieder zurück in seine Lieblingsdestination, wo er heute als General Manager des Sofitel Macau At Ponte 16 und als Vice President South China Luxury Upscale Brands fungiert.

 

Mit einem »Around the World«-Ticket hat es angefangen. Das war im Jahr 2000. Goran Aleks, damals 24 und bereits Hoteldirektor in Augsburg, nahm eine Auszeit, packte seinen Rucksack, verließ seine Heimatstadt und flog gen Osten. »Ich habe eine Rundreise durch verschiedene Länder und Städte in Asien gemacht, war in Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, auf den Philippinen, in Singapur und Hongkong«, zählt Aleks auf. Es habe nicht lange gedauert, bis er sein Faible für Südostasien entdeckte. »Ich habe 150 Bewerbungen geschrieben, mir einen Anzug gekauft und nach zwei Monaten hatte ich einen Job als stellvertretender Direktor in Khao Lak in Thailand«, sagt der GM. Als sein damaliger Chef ein halbes Jahr später entlassen wurde, übernahm er dessen Position.

15 Jahre ist es inzwischen her, seit er mit dem 310 Zimmer großen Sofitel Magic Lagoon Resort & Spa auch seine bislang ungebrochene Karriere bei »der Firma«, wie er den französischen Konzern AccorHotels nennt, begonnen hat. Dort erlebte er auch Ende 2004 den Tsunami mit. 150 Tote unter den Gästen, 50 unter den Angestellten, das Haus zerstört. »Ich war damals jung, 26 Jahre alt, und konnte die Geschehnisse recht gut verarbeiten«, erzählt er. Als Fünf-Sterne-Haus und unter der Marke JW Marriott wurde das Hotel schließlich wieder aufgebaut.

Aleks jedoch ging für ein Jahr ins Sofitel-Hauptquartier nach Paris, wo er als Projekt- und Krisenmanager arbeitete. Dort lernte er seine Frau kennen, auch seine Tochter wurde in Paris geboren. Nach einem Jahr Basisstation in Europa zog es ihn jedoch wieder in die Ferne, auf die sprichwörtliche andere Seite der Welt, nach Australien. Fünf Jahre blieb er in Down Under, arbeitete an der Gold Coast und im prosperierenden Brisbane in zwei Sofitel-Häusern.

 

Seit Ende 2009 ist er zurück in Asien. »Das Sofitel Philippine Plaza in Manila ist eine Hotelikone«, beschreibt er seinen Arbeitsplatz als General Manager und Area General Manager der Phlippinen und von Indonesien, den er vier Jahre lang innehatte. Das Hotel, in dem 1.200 Angestellte arbeiten und das über knapp 600 Zimmer und Suiten verfügt, ist eine begehrte Adresse bei Adligen, Prominenten und Politikern. Die Zuständigkeit für Indonesien behielt er auch bei seinem nächsten Jobwechsel, für den er nach Bali übersiedelte. Ab Januar 2013 konnte er sich die Position des Hoteldirektors des Sofitel Bali Nusa Dua Beach Resorts auf die Visitenkarte schreiben.

Gleich zu Beginn erwartete ihn in dem 415-Zimmer-Suiten- und Villen-Haus eine besondere Aufgabe: Der 2013 in Indonesien stattfindende APEC Summit hatte als eines der Quartiere das neue Sofitel ausgewählt. Während des Gipfels hat Aleks den indonesischen Präsidenten sowie 21 Staatschefs beherbergt. Das Luxusresort wurde für zwei Monate geschlossen und im Dezember wiedereröffnet. Die darauffolgende Bilanz des ersten Jahres war äußerst erfreulich: »Die Auslastung lag bei 70 Prozent. Der Umsatz entsprach dem Budget. Unser Brunch-Konzept wurde von einem internationalen Hotel-Magazin unter die zehn weltweit besten gewählt«, sagt Aleks.

Seit Mai leitet er das Sofitel in der Altstadt von Macau und gibt in seiner Funktion als Vice President Süd China Michel Molliet Rapport über die Zusammenarbeit mit 32, ihm unterstehenden Hoteldirektoren. Sein normaler Arbeitstag beginnt mit dem Weckerklingeln um sechs Uhr morgens. Zwei bis drei Stunden checkt er seine E-Mails, ab neun Uhr folgen Termine. »Arbeit ist Leben und ich genieße es. Hoteleröffnungen sind wie eine Leidenschaft für mich«, sagt er. Die Kombination Hotel- und Area-Manager, die auch häufiges Reisen, viele Openings und Verantwortung für zahlreiche Mitarbeiter bebeutet, kommt Aleks gerade recht. »Ich bin 39 Jahre alt – das perfekte Alter für Respekt, aber auch noch jung genug, um die Karriere weiter voran zu bringen«, sagt er selbstbewusst.

Somit ist auch sein Arbeitsplatz in China folgerichtig. »Dort boomt es überall, nicht nur in Shanghai. Sanya, im Süden der chinesischen Ferieninsel Hainan, ist sozusagen das ›Bali‹ Chinas. Auch der Norden, wo es viele Fabriken gibt, entwickelt sich stark«, erklärt Aleks, der Thai gelernt hat und jetzt Chinesischunterricht nimmt. Bis 2018 stünden zudem zahlreiche Hoteleröffnungen an, aktuell in Sanya, bis Herbst auch in Foshan in der südchinesischen Provinz Guangdong.

Der sportbegeisterte Direktor, der als Ausgleich zum Job Marathon läuft und eine Bestzeit von 3 Stunden 21 Minuten vorweisen kann, sieht seine Tochter jedoch nur alle drei Monate. Sie lebt bei ihrer Mutter in Paris. Wenn er seine in Augsburg lebende Familie besucht, ist das für ihn wie eine Reise in eine andere Welt. »Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie mein Leben früher war«, sagt Aleks 15 Jahre nach Verlassen der Heimat. Seine Realität: Ein Luxushotel leiten, das zu den Top 5-Häusern in Macau zählt, und in dem Mitarbeiter aus 17 Nationen unter einem Dach arbeiten sowie viele Reisen. »Als GM übernimmst du auch eine Art Vaterrolle. Ich wurde schon von Mitarbeitern gefragt, ob ich bestimmten Heiratsverbindungen zustimmen würde.«