BodenbelägeGefahr aus dem Boden

Den Großteil unserer Zeit verbringen wir in Innenräumen, ausgelegt mit Bodenbelägen jeglicher Art, die zum Teil schädliche Stoffe emittieren. Ein Risiko, denn diese nehmen wir über die Haut oder die Atmung auf. Zwar gibt es Verbote und Grenzwerte, jedoch nicht für alle besorgniserregenden Stoffe. Tophotel skizziert den Status quo.

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 Sie sind unsichtbar und häufig geruchlos. Wir spüren sie nicht und doch sind sie in der Luft allgegenwärtig: VOC – volatile organic compounds – zu Deutsch: leicht flüchtige organische Verbindungen. Studien des Umweltbundesamtes, des US-Umweltministe-riums USEPA und anderen Forschungsstellen zufolge treten diese Stoffe in der Raumluft häufig auf; die Konzentration sei bis zu 100 mal höher als in der Außenluft. Eine ihrer Quellen sind Bodenbeläge. Auch SVOC, schwerflüchtige organische Verbindungen, wie die zur Weich-PVC-Herstellung verwendeten Phthalate dünsten zwar langsam, dafür aber dauerhaft aus. An Partikeln angelagert – vor allem im Hausstaub – nehmen wir sie über die Haut und die Atemluft auf. Viele von ihnen sind als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft und daher gesundheitsgefährdend, aber auch schlecht für die Umwelt.

Zwar hat das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) Zulassungsbedingungen für Bodenbeläge entwickelt, nach denen Stoffe mit der Kennzeichnung »T« und »T+« vermieden werden sollten. Aber um ein eindeutiges Verbot handelt es sich dabei laut einer vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Studie* nicht. Auch die europäische REACH-Verordnung nimmt sich dem Thema »besorgniserregende ­Stoffe« an. In deren Anhang XVII sind derzeit 63 Stoffe registriert, die aufgrund ihrer Risiken nicht verwendet werden dürfen. Die meisten davon sind für Bodenbeläge irrelevant.

Für viele Stoffe gibt es derzeit keine rechtlichen Auflagen, obwohl sie als problematisch eingestuft wurden. So fanden sich beispielsweise in elastischen Bodenbelägen Phthalate wie DEHP, Biozide wie Permethrin gegen Mottenbefall oder halogenorganische Verbindungen in Teppichen. Innerhalb der Studie wurden sogar problematische Stoffe in Bodenbelägen vorgefunden, deren Gehalte oder Freisetzungen derzeit eigentlich unzulässig sind.

Doch die Gefahr der in Bodenbelägen enthaltenen Stoffe wird zunehmend erkannt. »Besonders besorgniserregende Stoffe« – Substances of Very High Concern (SVHC) – sollen künftig in den Anhang XIV der REACH-Verordnung aufgenommen werden. Zwar sind sie damit nicht direkt verboten, jedoch dürfen sie nur noch mit einer Zulassung verwendet werden. Ab Februar 2015 soll diese Zulassungspflicht bereits für die Phthalate DEHP, BBP, DBP und DIBP gelten. Jedoch sind Importerzeugnisse von dieser Regelung aus-­genommen, weshalb in diesen schädliche Stoffe weiter enthalten sein können.

Auch in Hotels kommen Bodenbeläge verschiedenster Art zum Einsatz. So sind sowohl die Gäste als auch die Mitarbeiter ständigen Emissionen aus dem Boden ausgesetzt. Doch es gibt Alternativen, denn nicht in allen Bodenbelägen sind SVHC enthalten. Einige Hersteller haben mittlerweile neue Produktlinien eingeführt, bei denen auf Weichmacher und andere gefährliche Stoffe verzichtet wird, indem diese durch weniger schädliche ersetzt werden. »Bei ›Re/cover green‹ wird das bedenkliche, bei herkömmlichen Designbelägen eingesetzte Polyvinylchlorid komplett durch Polyurethan ersetzt«, erklärt Johannes Schulte, Geschäftsführer von Vorwerk. »Die Kollektion besteht überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen und entspricht damit voll und ganz den Anforderungen von ›Eco Balance‹ sowie der REACH-Verordnung der Europäischen Union.« So besteht der Teppich unter anderem aus Rizinus-Pflanzenöl.

Auch Project Floors geht in der Herstellung seiner elastischen Bodenbeläge neue Wege und verzichtet seit Januar 2013 auf Weichmacher und setzt stattdessen auf die Alternative Hexamoll DINCH. Der von der BASF entwickelte Stoff wurde speziell für Produkte entwickelt, bei denen enger menschlicher Kontakt besteht, und findet sich bereits in Spielzeug, Medizinprodukten und Lebensmittelverpackungen. »Das Besondere an dem Weichmacher Hexamoll DINCH ist, dass er ohne den Zusatz von Phthalaten auskommt«, so Marco Knop, Marketingleiter bei Project Floors. »Unabhängige Gutachten belegen hervorragende toxikologische Eigenschaften und beste Werte in der Ökoeffizienz-Analyse im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung ökologischer und ökonomischer Aspekte über den Lebenszyklus eines Produktes.«

Nora systems folgt eben jenem Beispiel und verzichtet in ihren Kautschuk-Bodenbelägen auf Weichmacher und Halogene. Auch die Verlegewerkstoffe wie Kleber, Grundierung und Spachtelmasse stellen keine Gefahr da. Das garantiert das Siegel »Blauer Engel«, mit dem diese Produkte ausgezeichnet sind. Der »Blaue Engel« ist eines von vielen freiwilligen Labeln, die zu einer Verbesserung im Bereich des Gesundheitsschutzes beigetragen haben. Daher lohnt es ich beim Kauf von Bodenbelägen auf diese Zeichen zu achten, will man schadstoffreie Produkte erwerben.

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