Gebäudeautomation in HotelsWohldosiert und wartungsfreundlich

Nicht nur dem Gästekomfort zuträglich, sondern auch kosteneffizient für den Hotelier ist eine intuitive Klimasteuerung. (Bild: Henrik Schipper/Kranz Parkhotel, Siegburg)

Gebäudeautomation kann – wenn sie intuitiv und einfach zu bedienen ist – die Gäste begeistern und dem Hotelier das Leben erleichtern. Stefan Löhr von Albrecht Jung erläutert, worauf Sie achten sollten, um smarte Technologien möglichst sinnvoll nutzen zu können.

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Die Gäste öffnen die Tür und betreten ihr Hotelzimmer. Aus der hinteren Ecke des Raumes ertönen sanfte Klänge. Sie stellen ihre Koffer ab und schauen, wo die Musik herkommt. Dabei entdecken sie den individuellen Willkommensgruß auf dem TV-Bildschirm, aus dem gleichzeitig die Töne kommen. Nach ein paar Minuten schaltet der Fernseher sich automatisch ab. Nachdem die Gäste ihre Koffer ausgepackt haben, legen sie sich aufs Bett und schalten den Fernseher wieder ein, um sich von der Anreise zu erholen. In dem Moment fahren gleichzeitig die Jalousien runter, damit die Sonne dabei nicht blendet. Das ist ein mögliches Szenario, bei dem die Gebäudeautomation für einen hohen Gästekomfort schon bei der Ankunft sorgt.

„Wenn wir über Komfortgewinn sprechen, sollten wir Technologie aus der Perspektive der Gäste betrachten“, empfiehlt Stefan Löhr, Teamleiter internationale Märkte und Business-Development bei Albrecht Jung. Für ihn hat oberste Priorität, dass die Technik einfach zu bedienen ist. „Sie darf keine Hürde darstellen“, betont er. Das sieht er als größte Herausforderung im Umgang mit Gebäudeautomation an. Gäste sind unzufrieden, wenn die Bedienung zu lange dauert oder zu kompliziert ist. Noch schlimmer: Wenn das Personal auch nicht weiterhelfen kann – zumindest nicht schnell und einfach. Deshalb: „Automation sollte wohldosiert und zielgerichtet, also anwendungsorientiert eingesetzt werden – und nie als Selbstzweck!“ Außerdem muss sie als Teil des Hotelkonzepts wahrgenommen werden.

Modernste Technologie auch hinter gediegenen Schaltern

Welche Hotels Gebäudeautomation einsetzen sollten, ist für Stefan Löhr ganz klar: Alle! Egal ob klassisches Grandhotel oder hippe Lifestyle-Bude. „Leider hält sich der Gedanke sehr hartnäckig, dass Gebäudeautomation Bedienstellen aus Glas mit Touch und vielen LEDs voraussetzt.“ Es gebe auch Bedienstellen mit Oberflächen aus Messing oder mit 24-Karat-Goldauflage. Sie eigneten sich für die Bedienung der Automation genauso wie das hochtechnisierte Touchpad. Denkbar sei auch der Einsatz eines klassisches Kipphebelschalters, der der Bedienphilosophie des frühen 20. Jahrhunderts entspricht. In Kombination mit einer Oberfläche aus handgebürstetem Messing passe es gestalterisch in ein Grandhotel. Diese Kippschalter würden dann über Binäreingänge, Tasterschnittstellen oder Nebenstelleneingänge mit KNX verbunden.

„Natürlich gibt es Konzepte, bei denen Gäste eine gewisse Erwartungshaltung haben“, räumt Stefan Löhr ein. Gerade wenn sich Hotels als hochtechnisiert präsentieren. Dennoch empfinden seiner Erfahrung nach alle Gäste, unabhängig von der Klassifizierung oder Kategorisierung des Hotels, in dem sie übernachten, die Willkommensszene beim Öffnen der Zimmertür als angenehm. Das löse zwar nur unterschwellig Begeisterung aus, die sich vielleicht nicht in den Bewertungen auf den Portalen wiederfinde. Aber Begeisterung bleibe Begeisterung.

Finanzielle Vorteile

Für den Hotelier ergeben sich durch die Gebäudeautomation ebenfalls Vorteile – auch wenn diese sich in Sachen Gästekomfort nur schwer monetär beziffern lassen. Das ist ähnlich wie bei einer schönen Badarmatur oder hochwertigen Möbeln. Die Automation kann, wenn sie richtig eingesetzt wird, zum Wohlbefinden der Gäste beitragen, die gern wiederkommen und eventuell auch bei Freunden und Familie Empfehlungen aussprechen.

Messbarer ist der Nutzen für den Hotelier bei der Energieeinsparung. Hier lohnt es sich zum Beispiel, eine Anwesenheitsüberwachung in den Zimmern einzusetzen. Ist das Zimmer leer, gehen Klima- und Lichtsteuerung in den Stand-by-Betrieb. Multipliziert mit der Anzahl der Zimmer ergeben sich schnell hohe Verbrauchssenkungen. „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich alle Investitionen im Bereich der Energieeffizienz für den Hotelier lohnen, deren Amortisation sich allein durch die Energieeinsparung rechnet“, sagt Löhr. Zudem ließen sich Aufgaben des Housekeepings oder der Haustechnik effizienter gestalten.

Frühzeitig planen

Was finanzielle Vorteile betrifft, machte Stefan Löhr bisher die Erfahrung, dass diese größer ausfallen, wenn die Technik für die Gebäudeautomation frühzeitig in die Planung eingebunden wird. Im Hotelneubau sollte die Gebäudeautomation deshalb von Anfang an mitgedacht werden. „Die Planer sollten frühzeitig und ganzheitlich mit dem Konzept des Hotels vertraut sein, um so früh wie möglich ihre Ideen einbringen oder Anforderungen und ‚Use-Cases‘ für die Systemauswahl ableiten zu können“, betont Löhr. Gebäudetechnik hat ihm zufolge einen viel größeren Einfluss auf das Gesamterscheinungsbild als noch vor wenigen Jahren.

Der Technisierungsgrad muss je nach Hotel und davon abhängig, ob es ein Neu- oder Bestandsbau ist, für jedes Objekt individuell betrachtet werden. „Jedes Gebäude und jedes Konzept ist anders, was das Ganze auch so spannend macht. Ein Bestandsgebäude im Zuge einer Renovierung zu automatisieren ist jedoch gar nicht so aufwendig, wie oftmals angenommen“, sagt Stefan Löhr. Selbst wenn die Gebäudetechnik im Bestandsbau nur punktuell eingesetzt werde, könne das zu einer hohen Kostensenkung für den Hotelier und einer Komfortsteigerung für die Gäste führen. Ein Beispiel, wie das für Löhr erreicht werden kann, ist die Anwesenheitsüberwachung in den Zimmern, verknüpft zum Beispiel mit der Klimatechnik. Wie einfach eine Nachrüstung ist, hänge davon ab, wie die Kabel und Leitungen verlegt sind.

Dem Trend in die Zukunft folgen

Ob die Anlage mit hochwertigen Komponenten arbeitet, zeigt sich in der Lebensdauer und im zuverlässigen Betrieb. „Sollte trotzdem nach- und ausgebessert werden, müssen kleinere Dinge durch die Haustechnik schnell und unkompliziert erledigt werden können. Wartungen oder Modifikationen sollten aber von dem Errichter oder einem Fachmann vorgenommen werden. Mit der richtigen Systemarchitektur ist die Wartung relativ simpel, da sich der Fachmann aus der Ferne auf die Anlagen schalten und Updates oder Modifikationen vornehmen kann“, sagt Löhr.

Die Zukunft für die Gebäudeautomation in Hotels ist rosig. Durch die gestiegene und immer noch steigende Nutzung von smarten Produkten im eigenen Zuhause setze sich der Trend auch in der Hotellerie weiter fort. Stefan Löhr: „Nun gilt es, diesen Weg konsequent weiterzuverfolgen, damit wir hier auch im internationalen Kontext eine führende Rolle einnehmen.

Mareike Knewitz

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