Gastkommentar von Marco Nussbaum "Wer die Rendite über die Bezahlung der Menschen stellt, wird am Ende scheitern"

Marco Nussbaum (Bild: MarcoNussbaum.com)

Wie wird die Budget-Hotellerie in zehn Jahren aufgestellt sein? prizeotel-Chef Marco Nussbaum wagt in seinem Gastkommentar einen Blick in die Kristallkugel.

“Wir haben 2008 mit dem Pre-opening unseres prizeotel Bremen-City angefangen und dieses im Februar 2009 geöffnet. Wird sind also im Februar nächsten Jahres zehn Jahre am Markt. Schaue ich auf die vergangenen 10 Jahre zurück, hat sich viel – sehr viel getan. Nicht nur bei prizeotel, sondern auch in der Budgethotellerie. Es gab die Etap und Ibis Hotels, dann B&B Hotels und anschließend Motel One hinzu. Letztere sind ursprünglich auch an Autobahnstandorten gestartet und haben sich zu DEM Hotelkonzept in Deutschland entwickelt.
Motel One hat die Budget-Hotellerie gesellschaftsfähig gemacht. Zentrale Lagen, hohe Qualität, tolles Preis-Leistungsverhältns. Auf den Zug sind dann weitere Betreiber aufgesprungen, auch wir. Die Vielzahl der Produkte in der Budgethotellerie hat zugenommen und damit auch der Wettbewerb in diesem Segment. Schaut man sich die Produkte heute an, dann sieht man, dass massiv in Qualität investiert wird. Die FF&E Budgets gehen kontinuierlich nach oben, alleine die Lobbys haben schon Anmutungen von Vier-Sterne Hotels. Das wird auch in den nächsten zehn Jahre so weiter gehen, denn Projektentwicklungen dauern an und der Vormarsch der Budgethotellerie ist noch nicht vorbei. Die Marken entdecken nun gerade auch die B- und C-Standorte in Deutschland für sich. Blickt man auf das europäische Ausland oder auch die USA, wird deutlich, dass die Dichte der markengebunden Hotels dort viel größer ist als in der aktuell immer noch fragmentierten Hotelwelt in Deutschlands. Die Budgethotellerie wird in allen Bereichen weiter Druck auf die renovierungsbedürftigen- und profillosen Drei- und Vier-Sterne-Hotels in Deutschland machen.

“Wir sind immer noch ein Peoples Business”

Qualität in die Hardware ist aber nun das eine. Auch wenn die Digitalisierung in großen Schritten vorangeht, sind wir immer noch ein Peoples Business, wir arbeiten mit Menschen für Menschen. Wenn aber viele der neuen Produkte und Hotelstandorte nicht mehr Betreiber-, sondern Investmentgetrieben sind, dann kommt der Mensch zu kurz. Wer die Rendite der Immobilien über die Bezahlung der Menschen stellt, wird am Ende scheitern.
Viele dieser Konzepte werden die nächsten Jahre am Markt eröffnen. Das kann und wird nicht gut gehen, vor allem nicht in Zeiten des Fachkräftemangels.
Mit dem Blick auf die politischen Rahmenbedingungen glaube ich, dass es die nächsten zehn Jahren auch zu einem Crash kommen wird. Wahrscheinlich früher als wir denken. In der Krise liegt aber auch die Chance, denn dann wird es vermehrt Übernahmen geben – und wenige Marken werden immer stärker.
Die Digitalisierung treibt den Konsolidierungsprozess der Branche weiter voran, der nächste Crash wird ihn beschleunigen. Dazu werden wir in den nächsten Jahren erleben, dass die Buchungsportale in eigene Immobilien investieren und parallel dazu auch noch viele der derzeitigen Marketingkooperation und Franchisemarken obsolet machen. Es liegen spannende Zeiten vor uns, ich freue mich darauf.”
Marco Nussbaum

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In der Dezember-Ausgabe hat sich Tophotel dem Thema Budgethotellerie eingehend gewidmet. Weitere Informationen finden Sie hier.