In Restaurants und Hotels fehlen die Gäste. Nur mit immer höheren Preisen halten die Betriebe ihre Umsätze. Ein Teil der Kundschaft zieht daraus Konsequenzen.
Gaststätten schließen, für immer mehr Menschen wird das Essengehen zum Luxus: Das deutsche Gastgewerbe ist in der ersten Hälfte dieses Jahres noch tiefer in die Krise gerutscht. Preisbereinigt sind die Umsätze im Vergleich zum schwachen Vorjahreszeitraum noch einmal um 3,7 Prozent gesunken, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Zum Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019 fehlen demnach real 15,1 Prozent. „Damit gehen wir auf das sechste Verlustjahr in Folge zu“, sagt Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband). „Insbesondere die Gastronomie ist stark betroffen. Im sechsten Jahr in Folge verzeichnet sie hohe reale Umsatzverluste."
Nur deutliche Preiserhöhungen hätten den Wirten und Hoteliers die Erlöse im ersten Halbjahr 2025 noch einigermaßen gerettet. Nominal lagen die Umsätze nur 0,1 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Mit einem realen Rückgang um 4,1 Prozent wurde die Gastronomie härter getroffen als Hotels und andere Beherbergungsbetriebe, die einen Rückgang um 2,6 Prozent verkraften mussten.
Nach einem kurzen Zwischenhoch zu Ostern hat sich die Lage im Juni weiter eingetrübt. Die Umsätze lagen real 5,9 Prozent unter dem Vorjahresmonat und einschließlich der Preiserhöhungen 3,4 Prozent niedriger als vor einem Jahr.
Höhere Umsatzsteuer auf Speisen
Zur Flaute beigetragen hat mutmaßlich der seit Jahresbeginn 2024 wieder gültige volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf Speisen. Nach dem Willen der neuen Bundesregierung soll dieser Satz zum kommenden Jahr wieder auf das Niveau aus der Corona-Zeit von sieben Prozent gesenkt werden.

"Ohne die sieben Prozent Mehrwertsteuer droht nicht nur ein Sterben gastronomischer Vielfalt, sondern auch ein spürbarer Verlust an Lebensqualität und Aufenthaltskultur in unseren Innenstädten. Gerade im ländlichen Raum sind Gasthäuser oft die letzten verbliebenen Orte der Begegnung. Fällt die Gastronomie dort weg, verlieren ganze Regionen dauerhaft ihre Mitte", betont Zöllick und ergänzt: "Die Einführung der sieben Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen ist die überfällige steuerliche Gleichbehandlung von Essen und entscheidet über die Zukunft vieler Restaurants.“
Gastronomie massiv unter Druck
Zeitgleich zu den sinkenden Umsätzen explodierten laut Dehoga die Kosten. Beim Personal melden Betriebe einen Anstieg von 34,4 Prozent, bei Lebensmitteln von 27,1 Prozent, bei alkoholfreien Getränken 33,7 Prozent, bei alkoholischen Getränken 17,9 Prozent und bei Energie 27,6 Prozent (Juli 2025 gegenüber Januar 2022).
Die hohen Preise belasten nach Verbandsangaben nicht nur die Restaurants, Gasthäuser und Cafés, sondern auch die Gäste. Preissensibilität und Konsumzurückhaltung nehmen zu. Viele Gäste würden seltener essen gehen, günstigere Gerichte wählen sowie auf Vorspeisen oder das zweite Getränk verzichten. Der Dehoga beobachtet ein „Trading down“. Verlierer seien die Restaurants und Gasthäuser, denn die Verbraucher würden auf Essen zur Mitnahme oder den Lebensmitteleinzelhandel ausweichen, denn dafür gelten seit jeher sieben Prozent Mehrwertsteuer. dpa/red