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StartBusiness & ManagementGastgewerbe::5 Tipps, um Nachwuchs zu gewinnen

Gastgewerbe5 Tipps, um Nachwuchs zu gewinnen

Auszubildende zu finden ist eines der dringendsten Themen im Gastgewerbe. Gastautor Frank Simmeth gibt 5 Praxistipps, wie Nachwuchs für die Branche gewonnen und im Betrieb gehalten werden kann.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“ Als ich vor über 30 Jahren meine Ausbildung zum Koch in einem Münchner Fünfsternehotel begonnen habe, war dieser Spruch noch wirklich gelebter Alltag. Gott sei Dank haben sich die Zeiten geändert und es hat sich bei den meisten Führungskräften herumgesprochen, dass eine schlechte Behandlung kein Mittel ist, jungen Menschen den „notwendigen feinen Schliff“ beizubringen.

Zwei Dinge sprechen eine klare Sprache, dass wir bezüglich Nachwuchses in der Branche für viele Jahre auf dem falschen Weg waren. Zum einen, dass es bis vor ein paar Monaten nahezu unmöglich war, offene Ausbildungsplätze zu besetzen und zum anderen die vielen „kaputten Malocher“ in Küche, Service und Chefetagen.

Neue Wege gehen

Ermutigend sind die Nachrichten gerade von vielen „Neudenkern“ unserer Branche, die neue Wege gehen, ihre Betriebe zu Lehrschmieden umfunktionieren und gerade in Zeiten von Corona frei nach dem Motto: „Jetzt erst recht“, gewissenhaft in den Nachwuchs investieren.

Junge Menschen in den Beruf zu bringen, erfordert von Betrieb und Ausbildern jedoch ein ganz schönes Stück Arbeit und Kompetenz. Auch für Ausbilder gilt hier deshalb eine der Grundregeln der agilen Welt: Der Flexibelste kontrolliert die Situation. Hier deshalb 5 Coach-Tipps für Ausbilder:

  1. Gehirngerecht arbeiten

„Warum hat mein Auszubildender keinen Plan für nach der Ausbildung! Will er denn keine Karriere machen?“ Rein psychologisch betrachtet wird manchmal von Auszubildenden etwas abverlangt, wozu sie einfach die Fähigkeiten noch nicht haben. Unsere Fähigkeit, große Zeiträume zu „denken“, entsteht im Frontalhirn. Dieser Bereich ist aber beim Menschen erst mit circa 23 Jahren ganz ausgebildet. Manch Auszubildender ist mit der Frage: „Wo siehst du dich in 10 Jahren“ also einfach nur überfordert.

Da aber Motivation und Zukunft untrennbar miteinander verbunden sind, ist es sinnvoll, mit Auszubildenden Ziele zu setzen, die eher kurz oder mittelfristig sind, wie zum Beispiel Wochen- oder Jahresziele. Hilfreich kann es auch sein, mit jungen Menschen ein Tagesziel zu vereinbaren: „Das würde ich dir heute gerne zeigen und beibringen!“

2. Trainieren statt kritisieren

„Der kann sich einfach nicht konzentrieren!“ Das trifft den Punkt ganz genau. Babys können sich drei Sekunden auf eine Sache konzentrieren, Jugendliche ein paar Minuten und Erwachsene bringen es auf circa 20 Minuten. Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit müssen wir also genauso trainieren wie zum Beispiel Frusttoleranz. Erwachsene haben nur oftmals vergessen, dass es auch für sie ein hartes Stück Arbeit war, ins Berufsleben zu finden und den Ansprüchen der anderen zu genügen. Was mir heute leichtfällt, fällt einem Auszubildenden oftmals alles andere als leicht. Jetzt noch mit Kritik einen draufzusetzen oder mit klugen Lebenssprüchen wie zum Beispiel: „Du musst dich halt mal anstrengen!“, sorgt eher für Frust und widerstand.

Das mächtigste Instrument heißt hier: ermutigendes Feedback! Die Faustregel lautet: Je geringer die Kompetenz, desto direkter das Feedback. Feedback gehört also weniger in ein Jahreszielgespräch als in den Alltag. Auszubildende müssen immer genau wissen und verstehen, was sie schon erreicht haben und was noch nicht. Ein Satz wie: „Das schaffst du schon noch!“, öffnet hier oftmals Türen, die bei Kritik hingegen eher geschlossen bleiben.

3. Analogien nutzen

Mit vielen Anforderungen des Alltags kämpfen Jugendliche nur im Berufsleben. Bei Freizeit und Hobby erfüllen sie manche Anforderungen scheinbar problemlos. Mancher Auszubildender, der im Alltag eher Probleme hat, sich zu konzentrieren, hat keine Probleme damit, stundenlang komplexe Aufgaben in einem Videospiel zu meistern.

Ein Trick ist deshalb, Anforderungen mit anderen Lebensbereichen zu verknüpfen, in denen es einem jungen Menschen leichtfällt, diese zu erfüllen. Der Vorteil von Analogien ist, dass sie gehirngerecht und verständnisvoll sind. Menschen haben oft in anderen Lebensbereichen bereits unbewusste Strategien entwickelt, um erforderliche Ressourcen (z.B. Mut, Selbstbewusstsein, Durchhaltevermögen) abzurufen. Werden solche Strategien in das Berufsleben übertragen, fließen solche Ressourcen praktisch als „Beifang“ mit ein.

4. Stärken stärken

Wer sagt, dass Ausbildung immer nur in eine Richtung gehen muss? Die Krisenzeit hat aufgezeigt, dass wir alle irgendwie wieder „Lernende“ werden müssen. Auszubildende haben Stärken, Fähigkeiten und Talente. Gerade „Digital Natives“ verstehen beispielsweise Zusammenhänge und Wirkungsweisen der sozialen Netzwerke viel besser als die sogenannten „Babyboomer“. Aber auch der Azubi in der Küche, der vielleicht außergewöhnlich gut zeichnen kann, kann an irgendeiner Stelle im Unternehmen einen „Heldendienst“ erweisen. Das erfordert natürlich auch ein wenig abteilungsübergreifendes Denken. Dann entstehen aber durchaus Win-Win-Situationen der besonderen Art. Sich verantwortungsvoll in ein Unternehmen einbringen zu können, sorgt nicht nur für Zugehörigkeit, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein.

5. Denkmuster aufbrechen

Manch Ausbildungsleitfaden in der Branche gibt nicht mehr das Anforderungsprofil im wahren Leben wieder. Wo hier Kammern zu statisch reagieren, müssen Betriebe Pionierarbeit leisten. Nicht nur für Auszubildende, sondern für alle Mitarbeiter muss das Thema „Lernen und Entwicklung“ deshalb eine neue Bedeutung bekommen und einen Weg zurück in den Alltag finden. Gerade wenn bei jungen Menschen das Hauptaugenmerk auf das Fachliche legt wird, werden wahrscheinlich „nur gute Fachleute“ aber keine Meister gewonnen. Die Geheimmittel heißt „interdisziplinäres Lernen“, also übergreifend.

Agile Unternehmen schicken ihre Auszubildende nicht nur in verschiedene Abteilungen, sondern beispielsweise zeitweise zum Imkern, Altenheimen oder Bauernhöfen, um Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein, soziales Gewissen oder Gewissenhaftigkeit zu vermitteln. Spätestens wenn wir in dieser Liga angekommen sind, wird es vermutlich auch leichter, offene Ausbildungsstellen in der Branche zu besetzen.


Frank Simmeth (Bild: www.foto-constance-gruber.de)

Zum Autor

Frank Simmeth ist zertifizierter Coach nach INLPTA, DVNLP, ECA, und DACHPP.

 

 


 

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