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Start Coronakrise Gastgewerbe erhöht Druck auf Politik: Dehoga fordert Perspektiven und Ausgleich für Sonderopfer

Gastgewerbe erhöht Druck auf PolitikDehoga fordert Perspektiven und Ausgleich für Sonderopfer

Mit Blick auf den Bund-Länder-Gipfel am 22. März 2021 fordert Guido Zöllick, Präsident des Dehoga Bundesverbandes, einen konkreten Fahrplan zur sicheren und verantwortungsvollen Öffnung der Betriebe sowie schnelle und verbesserte Hilfszahlungen. Denn die Angst der Betriebe “vor dem endgültigen Aus” nehme zu.

Nach einem Jahr Corona ist die Not im Gastgewerbe riesig. Ende März befindet sich die Branche seit Beginn der Pandemie insgesamt sieben Monate im Lockdown. Viele Betriebe, wie Discotheken und Clubs, sind seit einem Jahr durchgehend geschlossen. Guido Zöllick, Präsident des Dehoga Bundesverbandes, Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland, und Stephan von Bülow, Vorsitzender der Dehoga-Fachabteilung Systemgastronomie, machten dies im Rahmen der Pressekonferenz “Aktuelle Lage des Gastgewerbes und Forderungen an die MPK am 22.03.21” am heutigen Donnerstag in Berlin noch einmal deutlich.

“In der Branche wachsen Verzweiflung, Wut und Zukunftsängste dramatisch”, sagte Zöllick. Mit Blick auf den Bund-Länder-Gipfel am 22. März 2021 fordert er einen konkreten Fahrplan zur sicheren und verantwortungsvollen Öffnung der Betriebe sowie schnelle und verbesserte Hilfszahlungen. “Wenn die Politik dem Gastgewerbe erneut ein Sonderopfer abverlangt, damit andere Wirtschaftszweige sowie Schulen und Kitas geöffnet bleiben können, müssen die finanziellen Ausfälle entschädigt werden. Die Hilfen sind aufzustocken und zu verlängern.”

Nie dagewesene Umsatzverluste

Restaurants und Hotels verzeichnen im Zuge der Corona-Krise nie dagewesene Umsatzverluste (wir berichteten). Nach Angaben des Statistischen Bundesamts brachen die Umsätze im Jahr 2020 um 39 Prozent ein. Daneben geht aus einer Umfrage des Dehoga vom 9. März 2021 hervor, dass die Betriebe seit 1. März 2020 bis heute Umsatzeinbußen von 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum hinnehmen mussten. Im Februar 2021 sank der Umsatz laut Angaben der 6.500 Umfrageteilnehmer sogar um 77,9 Prozent. “Die Konten sind leer, die Rücklagen sind aufgebraucht, die Nerven liegen blank”, erklärt Zöllick. “Die Angst der Betriebe vor dem endgültigen Aus nimmt zu.” 72,2 Prozent der Unternehmer bangen nach Angaben des Bundesverbandes um ihre Existenz. Jeder Vierte (24,8 Prozent) ziehe konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung.

“Das Gastgewerbe, die Hotellerie kämpfen ums nackte Überleben”, ergänzte Lindner. Besonders dramatisch sei die Lage der Stadt- und Tagungshotellerie. In der ersten Märzwoche habe die Zimmerauslastung in Deutschland lediglich bei 13,5 Prozent gelegen. Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München hätten nur einstellige Auslastungszahlen.

Umsatzverluste auch bei Zulieferfirmen

Auch die Partner der Branche, wie die Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Brauereien, Ausstatter, Einrichter, landwirtschaftlichen Betriebe, den Großhandel und das Handwerk, sind massiv betroffen. Laut einer aktuellen Dehoga-Umfrage, an der sich 1.300 Zulieferfirmen beteiligt haben, beliefen sich die Umsatzverluste aufgrund der Einschränkungen für das Gastgewerbe in 2020 auf durchschnittlich 37 Prozent. Für Januar und Februar 2021 beklagen die Unternehmen Einbußen in Höhe von 46,5 Prozent. “Die Zahlen belegen die große Bedeutung des Gastgewerbes für das Funktionieren der Wirtschaftskreisläufe und für die Wertschöpfung über die Branchengrenzen hinaus”, so Zöllick.

Vom nächsten Treffen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am kommenden Montag erwartet Zöllick konkrete Zusagen für die Branche und ihre Partner. “Am 22. März muss es einen klaren Fahrplan geben, wann unter welchen Voraussetzungen die Restaurants und Hotels öffnen dürfen. Uns geht es nicht um eine Öffnung um jeden Preis. Wir benötigen jedoch eine verlässliche Perspektive. Sicher und verantwortungsvoll.” Der Endlos-Lockdown sei keine Lösung.

Politische Entscheidungen sorgen für Frust

Im Kampf gegen die Pandemie mahnt Zöllick zielgerichtete, widerspruchsfreie und effektive Maßnahmen an. “Unseren Betrieben ist nicht zu vermitteln, dass die Bundesregierung einerseits Urlaub auf Mallorca wieder möglich macht, aber einen Besuch im Biergarten weiterhin nicht erlaubt. Das führt zu maximalem Frust in unserer Branche.” Auch in Deutschland gebe es Regionen mit zum Teil sehr niedrigen Inzidenzwerten. Hotels und Restaurants hätten zudem umfassende Hygienekonzepte erarbeitet. “Das heimische Gastgewerbe ist nachweislich kein Pandemietreiber. Lockerungen dürfen unsere Branche nicht benachteiligen. Wir erwarten Gleichbehandlung mit anderen Branchen und Sachverhalten”, stellt Zöllick klar. “Es ist Aufgabe der Politik, alles dafür tun, dass die Betriebe keinen Tag länger als gesundheitspolitisch geboten geschlossen bleiben.” Dazu gehöre insbesondere auch ein besseres Management beim Impfen und Testen.

Nachbesserungen bei Überbrückungshilfen nötig

Neben fehlenden Perspektiven kritisiert Zöllick auch die Defizite bei den Hilfen. “Die zugesagten Hilfen fließen nach wie vor viel zu langsam und sind insbesondere für die großen Hotel- und Gastronomieketten nicht ausreichend, um einen monatelangen Lockdown zu überstehen.” Die schnelle Auszahlung der vollständigen November- und Dezemberhilfen müsse jetzt Priorität haben. Zudem müssten auch verbundene Unternehmen, die ebenso erhebliche Verluste erlitten haben und im Verbund ein negatives Betriebsergebnis ausweisen, Anspruch auf die November- und Dezemberhilfe haben. Weiter seien Nachbesserungen bei den Überbrückungshilfen unverzichtbar. Zöllick fordert die Berücksichtigung eines Unternehmerlohns und die Heraufsetzung der erstattungsfähigen Fixkosten für alle Unternehmen auf 100 Prozent. “Es darf dabei keine Benachteiligung der größten Arbeitgeber der Branche geben”, so Zöllick. Mit dpa

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