GastbeitragFolgen des Megatrends Urbanisierung für die Hotellerie

Sabrina Gambino-Kreindl gründete zusammen mit ihrem Bruder Alessandro Gambino die „Urban-Lifestyle“-Hotelmarke Gambino Hotels als Antwort auf die moderne Kultur des Reisens. (Bild: Gambino Hotels)

Das Reisen hat im 21. Jahrhundert eine neue Dimension erreicht: Es ist heute fast für jeden möglich. Viele Menschen nutzen diese Chance, sich aus ihrem gewohnten Umfeld wegzubewegen. Oft ist das Reisen motiviert durch die Arbeit, manchmal ist es ein spontaner Gedanke, aber immer ist es die Neugier auf das Andere, der Wunsch, Neues kennenzulernen.

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Zudem wachsen unsere Städte, verändern ihre Strukturen und werden multikulturelle Metropolen, die mehr und mehr Menschen anziehen. Die Urbanisierung ist einer der Megatrends unserer Zeit, vom renommierten Zukunftsinstitut folgendermaßen definiert:

„Immer mehr Menschen leben weltweit in Städten und machen sie zu den mächtigsten Akteuren und wichtigsten Problemlösern einer globalisierten Welt. Doch Städte sind mehr als Orte, Urbanisierung beinhaltet mehr als den Wandel von (Lebens-)Räumen. Durch neue Formen der Vernetzung und Mobilität wird Urbanität vor allem zu einer neuen Lebens- und Denkweise.“

Was bedeutet dieser Megatrend für die Hospitalitybranche?

Die Urbanisierung, vor allem in unseren westlichen, dicht besiedelten Großstädten, ist flächenlimitiert. Nehmen wir München als Beispiel: Die Stadt kann nicht unendlich wachsen. Daraus resultiert ein Streben nach intelligenter Nutzung der verfügbaren Flächen. Parallel dazu werden die wenigen Flächen immer teurer und damit wirtschaftlich schwieriger darstellbar.

Wohnraum und Gewerbefläche fließen vermehrt ineinander über und verändern so nach und nach das gesamte Stadtbild. Beispielhaft dafür ist in München das neu entstehende Werksviertel. Wohnflächen, Bildungsstätten, Gewerbeflächen, Hotels und Büroflächen, Kunst und Kultur werden auf diesem Areal bewusst im gemeinsamen Kontext entwickelt. Ethnische Restaurants und Cafés verschmelzen mit bayerischen Gastwirtschaften, avantgardistischen Fashionstores, Surfshops und innovativ gestalteten Supermärkten zu einer homogenen Einheit. Verschiedene Kulturen teilen sich den Lebensraum, geben dem neuen Viertel ein Gesicht und verändern so den typischen Charakter des gesamten Quartiers. Auf diese Weise entsteht für uns das Urbane – und daraus wiederum ein neuer Lebensstil, der „Urban Lifestyle“.

Die Urbanisierung fordert ein Umdenken der Produkte und Angebote

Das Economysegment startet gerade erst durch. Wenn uns die Budget-Hotellerie in ihren Anfängen eines gelehrt hat, dann dass die Größe eines Zimmers nur noch eine geringe Rolle spielt. Die Qualität der Zimmer muss dagegen stetig verbessert werden, und Flächen, die wenig bis keinen Gewinn bringen, werden minimiert. Ein Hotel in dieses neue Umfeld zu integrieren, verpflichtet dazu, den selbstbewussten Reisenden diese urbanen Strukturen zugänglich zu machen.

Denn die neuen Reisenden machen sich frei von sozialen Zwängen; sie sind Individualisten und verfolgen einen flexiblen Lebensstil. Sie möchten etwas Besonderes erleben, genießen und immer dort sein, wo es vibriert. Darüber hinaus stellt der „Urban Lifestyle“ auch eine Abgrenzung zum Mainstream dar. Andersartigkeit und Neuartigkeit finden sich in dieser Lebensform wieder – und genau das muss ein Hotel für die künftige Generation Reisender ausdrücken und wiedergeben.

Es braucht Konzepte, die kulturelle und soziale Vielfalt zelebrieren und klug interpretieren. Die Leichtigkeit, die dadurch im Hotel entsteht, spüren auch die Mitarbeiter, und so geben auch sie dieses Lebensgefühl intuitiv an die Gäste weiter.

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