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Start Technik & Betrieb Brandschutz & Sicherheit Gastbeitrag zum Thema Brandschutz: Nach dem Umbau ist vor der Technik-Anpassung

Gastbeitrag zum Thema BrandschutzNach dem Umbau ist vor der Technik-Anpassung

Planen Hotelbetreiber die Modernisierung ihres Betriebs, müssen sie beachten, dass Eingriffe in die Bausubstanz oder Nutzungsänderungen auch eine Anpassung des Brandschutzes nach sich ziehen. Andernfalls droht sogar die Betriebsschließung.

Nach einem Hotelumbau sollten Betreiber prüfen, ob das Brandschutzkonzept angepasst werden muss. Nachlässigkeiten können die Behörden auf Grundlage von Landesbaurecht, Versammlungsstätten-, Beherbergungs- oder Betriebssicherheitsverordnung mit Bußgeldern und Auflagen bis hin zu Betriebsschließungen ahnden. „In einem 58-Betten-Hotel wurden zunächst keine Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) eingebaut, weil diese erst ab 60 Betten vorgeschrieben sind. Doch in der Hochsaison kam es zu einer Kontrolle durch die Gewerbeaufsicht. Die Beamten zählten 62 belegte Betten – das Hotel war voll ausgelastet und hatte für vier mitreisende Kinder aufgebettet. Eine sofortige Schließung konnte nur durch Verdopplung des Rezeptionspersonals und eine kurzfristige RWA-Installation binnen drei Wochen vermieden werden“, so der Brandschutzsachverständige Jürgen Siewert, der auch Vorsitzender des Fachausschusses Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik ist. Auch geringfügige Umbauten oder Umdekorierungen, Renovierungen und kleine Veränderungen in Fluchtwegen können eine Überarbeitung oder eine Regenerierung des Brandschutzkonzepts erforderlich machen.

Kritische Aufsichtsbehörden

Nach Erfahrung des Brandschutzexperten Tobias Schümann, ebenfalls Mitglied im BHE-Fachausschuss RWA, schauen Aufsichtsbehörden, aber auch die Sachversicherer, immer stärker auf Einhaltung der Brandschutzkonzepte – und das auch rückwirkend. Nachrüstungen werden nicht nur dann nötig, wenn bestimmungswidrig kein Rauchabzug vorhanden ist, sondern auch, wenn die vorhandenen Lösungen nicht mehr aktuell sind. So ist der Gebäudebetreiber gemäß Paragraph 3 der Musterbauordnung und den jeweiligen Landesbauordnungen verpflichtet, die Anlagen in einem nach Stand der Technik zuverlässigen und funktionssicheren Zustand zu erhalten. Fachfirmen sollten Hotelbetreiber deshalb auf eventuelle Versäumnisse hinweisen, beispielsweise im Zuge der Pflichtwartungen.

Manche Feuerwehren akzeptieren nicht, wenn der Rauchabzug statt elektromotorisch nur per Hand über mechanische Fenstergestänge geöffnet werden kann. Ersatzlösungen werden oft gefordert, wenn für die RWA keine Ersatzteile mehr beschafft werden können. Bestandsschutz gebe es dann nicht mehr, denn das Sicherheitsniveau richte sich nach dem Stand der Technik, heißt es dann. Im Schadenfall kann es bei nicht angepassten Brandschutzkonzepten zu weiteren Problemen kommen: So prüfen Sachversicherer bei Feuerschäden, ob alle behördlichen und gesetzlichen Regeln eingehalten wurden. Dazu zählt der Zustand der RWA und ob diese vorschriftsgemäß gewartet wurde. Falls nicht, kann die Versicherungsleistung gekürzt werden.

Nachrüstung erfordert Experten

Notwendig, insbesondere bei der Nachrüstung, sind angepasste Lösungen. Fast immer, so Siewert, wird ein RWA-Spezialist erforderlich sein, denn es sind meist einige Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. Zum einen technische, denn Bauart und Größe von Lichtkuppel oder Fenster beeinflussen maßgeblich die notwendige Leistung des Motors. Zum anderen sind oft auch innenarchitektonische Aspekte zu berücksichtigen, etwa, dass Motoren in Fensterfarbe einzubauen sind und die Leitungsführung zu diesen verdeckt erfolgen soll. Hersteller und Errichter sowie Kunden hoffen, dass in naher Zukunft die Ansteuerung der Stellglieder für die Öffnung auch kabellos möglich sein wird – „und zwar ohne, dass die Instandhaltungskosten durch den jährlich erforderlich werdenden Batterieaustausch ausufern“, so Schümann. Auch solle bei Funklösungen im Sinne der Nachhaltigkeit im Vorfeld schon über ein Batterie-Entsorgungskonzept nachgedacht werden, regt der BHE-Fachmann an.

Nebenbedingung für eine natürliche Entrauchung über Dach und Fassade ist, dass ausreichend Zuluft im unteren Teil des Raums nachströmt. Je nach Raumart können dazu auch zusätzliche Ventilatoren erforderlich sein. Mit ihnen können sogar offene Bereiche wie Türöffnungen oder Galerien rauchfrei gehalten werden, sofern sie sich dazu eignen. Eventuell kann auch eine vorhandene raumlufttechnische Anlage ergänzend eingesetzt werden. Für eine Entrauchung reicht diese Anlage allerdings wegen des meist zu geringen Luftdurchsatzes normalerweise nicht aus. Auch müssten in den Lüftungskanälen Brandschutzklappen verbaut werden, um bei einem Brand die zusätzliche Rauchverbreitung zu vermeiden. Eine Alternative kann ein maschinelles Rauchabzugssystem sein, bei dem der Rauch nicht durch natürlichen Aufstieg der warmen Luft durch Öffnungen im oberen Raumbereich entweicht, sondern mit Ventilatorsystemen an geeigneter Stelle aktiv nach draußen gezogen wird.

Entrauchung über die Fenster

Nahezu alle Fenstertypen, egal ob Dreh-, Kipp- oder Schwingfenster, können mit einem motorischen Antrieb zur Öffnung nachgerüstet werden. Problematischer kann dies bei denkmalgeschützten Fenstern oder Festverglasungen sein. Diese müssen entweder ausgetauscht oder durch alternative Lüftungen ersetzt werden. Eventuell bieten sich hier auch andere RWA-Systeme an, wie etwa Überdrucksysteme, bei denen durch zusätzlich einströmende Luft der Raucheintritt verhindert wird. Auch wenn für große Konferenzsäle die Versammlungsstätten-Verordnung gilt, reicht eine Fensternachrüstung nicht aus. Hier fordern die Versammlungsstätten-Verordnungen die Berücksichtigung der DIN EN 12101-2 für natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte.

Angesichts der Vielzahl von eventuell zu beachtenden Vorschriften und anderen Gewerken in der Haustechnik rät Schümann: „Alle beteiligten Parteien, wie Denkmalschutzbehörde, Bauaufsichtsbehörde, Betreiber, ausführendes Unternehmen,  Brandschutzplaner/Konzeptersteller, nicht zu vergessen die Feuerwehr, müssen an einen runden Tisch. Wenn Sie einfach einen Motor an ein Fenster bauen, haben Sie schlechte Karten.“ Allerdings sollten neben den baurechtlichen Regelungen auch objektspezifische Aspekte berücksichtigt werden, bei denen die wirtschaftlichen Folgen von Feuer und Verrauchung einfließen. In manchen Häusern könnte es daher sinnvoll sein, nicht nur Flucht- und Rettungswege in die RWA einzubinden, ergänzt BHE-Experte Siewert. Fachkundig beraten werden Hotel- und Gaststättenbetreiber dabei, wenn die Vergabe der Leistungen an qualifizierte Fachfirmen erfolgt – möglichst mit BHE- oder VdS-Zertifikat, die nach aktuellen Normen und Vorschriften arbeiten.


Zur Autorin

Doris Porwitzki ist Sicherheitsfachredakteurin und betreut redaktionell die Plattform für Sicherheitsinformationen Secupedia.


 

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