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StartBusiness & ManagementGastbeitrag::Wie gelingt gesundes Arbeiten im Hotel?

GastbeitragWie gelingt gesundes Arbeiten im Hotel?

Wer den Mix aus Arbeiten und Wohnen nicht nur temporär, sondern als festen Bestandteil der Hospitality-Kultur etablieren will, muss das Mobile-Office in Hotels neu denken und gestalten. Wie das gelingt, erklärt Boris Bandyopadhyay, Farb- und Materialexperte sowie Interior Designer.

Egal, ob im eigenen Zimmer oder in der Lobby: Das Hotel wird von immer mehr Geschäftsreisenden als Arbeitsort genutzt. Dabei sei es jedoch wichtig, Arbeitssituationen und -plätze anzubieten, die die Gesundheit unterstützen. Schließlich wüssten die Kunden gerade durch ihre Homeoffice-Erfahrungen, wie wichtig es ist, auch bei temporären Arbeitsplätzen auf die gesunde Arbeitsumgebung zu achten.

Bei der Planung und Gestaltung von Hotelzimmern werden individuelle Arbeitsbereiche mit großem Monitor, ergonomischem Arbeitsstuhl und guter Ausleuchtung laut Boris Bandyopadhyay zukünftig eine größere Rolle spielen. Damit kommen jedoch auch Form-, Farb- und Materialwelten in das Zimmer, die einerseits mit Farben wie Schwarz, Anthrazit und dunklen Blau-/Grautönen sowie mit silberfarbenen Metalloberflächen an das Office erinnern, aber andererseits durch die Anpassungen zum Beispiel von wohnlichen Bezugsstoffen oder anderen Gestellfarben in Hoteleinrichtungskonzepte integriert werden müssen, um die warme, gemütliche Zimmerwirkung nicht zu zerstören.

Zwei Lebenswelten zusammenbringen

Laut Bandyopadhyay ist es keine leichte Aufgabe, diese zwei Lebenswelten so zusammenzubringen, dass eine Atmosphäre von Geborgenheit und Inspiration  entstehen kann, die gleichzeitig zwei Gefühle bedient: Einmal jenes, sich zuhause und aufgehoben zu fühlen; andererseits jenes, an diesem Ort temporär gesund arbeiten zu können.

Zwar konnten Reisende auch bisher schon in fast jedem Zimmer entweder mit dem Laptop auf dem Bett oder an einem kleinen Tisch sitzen und arbeiten. Doch schon das reiche häufig, um dem Wohlbefinden oder dem eigenen Körper zu schaden. Zum Beispiel durch den zu kleinen Laptop-Bildschirm oder das ungenügende Licht. Daher gelte es, die klassischen Bürofarben mit silbrigen Edelstahl- und Chromoberflächen und Tönen wie Anthrazit, Dunkelblau, Grau und Weiß in Richtung wohnlicher Arbeitsmöbel zu entwickeln.

Brauntöne wirken beruhigend

Vor allem Naturbezüge, Wärme, Nähe, Kommunikation, Individualität und Regeneration sind laut Bandyopadhyay wichtige, entspannende Gegenpole zu den Arbeitsbereichen im Hotel.

Brauntöne erinnern an Natur und haben daher eine beruhigende Wirkung. (Bild: Boris Bandyopadhyay)

 

Beruhigung werde zum Beispiel über Brauntöne unterstützt, die Wärme vermitteln. Graublau- und Graugrüntöne, gedeckte warme Farben, seien in der Lage, einem Raum eine warme, kommunikative Atmosphäre des Wohlbefindens zu geben. Der Trend zu Naturmaterialien und Oberflächen wird laut Bandyopadhyay noch stärker werden, weil sie Halt geben, Wärme ausstrahlen und gerade rauere Naturoberflächen einen Gegenpol zu den glatten Bildschirmoberflächen bilden.

Fokus auf natürliche Materialien

Materialien und Oberflächen, die keinen seriellen Charakter haben, sondern bewusst ihre Einzigartigkeit herausstellen und die sogar kleine „Fehler“ oder Unregelmäßigkeiten zeigen, vermitteln laut Bandyopadhyay Individualität und stehen für natürliche Prozesse wie Werden, Wachsen und Vergehen. Natürliche Materialien lenken den Blick auf Details. So würden kleine, aber auffällige Muster, wie sie in Massivholzoberflächen und Möbeln zu finden sind, auf intuitiv-menschliche Erfahrungswelten fokussieren und hätten dadurch eine entspannende Ausstrahlung, die zu uns selbst führe.

Die Sehnsucht nach Natur, Reisen und Ferne bringe alle Naturfarben wie Grün, Himmel- und Meerblau, aber auch energiegeladene, inspirierende Farben wie Rot, Orange und Gelb ins Spiel, die laut Bandyopadhyay sowohl im privaten Hotelzimmer als auch in den Gemeinschaftsbereichen Einzug halten werden, zum Beispiel als Akzente an Wänden, als Textilien oder in Form von hervorgehobenen Ausstattungselementen wie Möbeln.

Hotelzimmer mit Nischenbereichen

In den Zimmern selbst können die Grundelemente des gesunden Arbeitens über Bürostühle mit individualisierbaren Sitz- und Rückenpolstern, flexiblen und vor allem in ihrer Helligkeit und Lichttemperatur anpassbare Lampen sowie Monitoren, die auch als Bildelemente einsetzbar sind und so zum Beispiel Kunstwerke zeigen könnten, umgesetzt werden.

Eine andere Lösung seien spezielle Nischen, die vom Bett aus nicht sichtbar sind, in denen eine kleine, aber ergonomische Arbeitssituation geschaffen wird. Raumtrennelemente können hier in bestehenden Zimmern zur Abtrennung genutzt werden. In neuen Hotelplanungen könnten solche Nischenlösungen von Anfang an mitgeplant werden, beispielsweise auch als Erweiterung von Einbauschränken, die die Arbeitselemente integrieren und bei Beendigung der Arbeit einfach geschlossen werden können.

Arbeitsbereiche in der Lobby

Neben dem Hotelzimmer werden laut Bandyopadhyay auch arbeitsfreundliche Gemeinschaftsflächen oder -räume immer wichtiger, die konzentriertes Einzelarbeiten ermöglichen und gegebenenfalls auch als kleinere Teambereiche genutzt werden können. Diese Raumfunktionen können zwar auch in eigene, entfernte Räume im Gebäude verlegt werden, wie das klassische Konferenzzimmer, das dazu gebucht werden kann. Dem gegenüber stehe die Hotellobby.

Zwar war die Hotellobby schon immer ein multifunktionaler Raum, der unterschiedliche Zielgruppen bedienen und Aufgaben erfüllen musste. Die Schaffung konzentrierter Einzelarbeitssituationen sei aber eine neue Herausforderung. Das liege zum Beispiel daran, dass laut Bandyopadhyay viele Möbel primär für Bürosituationen und nicht für Hotels gestaltet worden sind. Dazu gehören zum Beispiel kleinere, modulare Sitzelemente, die von hohen Seiten- und Rückenpartien umgeben sind.

Flexible Funktionsbereiche

In dem Ansatz, in dem die Lobby als „Forum“ dient, müssen Flächen und Funktionsbereiche laut Bandyopadhyay deutlich flexibler geplant und modularer genutzt werden, um auf unterschiedliche Nutzungszyklen und -arten schnell reagieren zu können. Das Farb-, Material- und Oberflächenkonzept für eine versatile (also flexibel nutzbare) Hoteleingangs-, Empfangs- und Co-Working-Situation in einer Hotellobby muss diese Szenarien so antizipieren, dass trotz Vielfalt ein einheitlicher Gesamteindruck, in dem Gäste alles als Einheit empfinden.

Da Atmosphäre über Licht, Blickachsen/-beziehungen und durch den Einsatz eines ganzheitlichen Interior-Designkonzeptes erzeugt wird, in dem alle Einrichtungselemente aufeinander abgestimmt sind, ist die passende Farb-, Material- und Oberflächenstrategie entscheidend, um diese Idee des vielfältigen kommunikativen Eingangs- und Foyerbereichs in den Raum zu übersetzen. Bequemes Sitzen müsse hier auch zum gesunden Sitzen oder Stehen werden, das atmosphärische Lichtkonzept müsse partiell auch gut ausgeleuchtete Arbeitslichtsituationen bieten.

Die Akustik werde zum zentralen Problem, wenn Gäste nicht nur am Computer arbeiten, sondern auch ungestört telefonieren müssen. Eine Lösung können laut Bandyopadhyay akustisch abgeschirmte Arbeitsbereiche sein, eine andere die Integration von Raum-im-Raum-Lösungen in das Hoteleinrichtungskonzept.

 


Über den Autor

Porträt Boris Bandyopadhyay (Bild: Boris Bandyopadhyay)

Warum nicht selbst ausprobieren und lernen, fragte sich der deutsch-indische Designer Boris Bandyopadhyay? So baute er 1992-96 eine experimentelle Objektmöbelwerkstatt auf und entwarf unkonventionelle Möbel, die nicht mehr an ein Material gebunden waren oder sich einer bestimmten Stilrichtung zuordnen ließen. Materialien sowie die Wirkung von Farben und Oberflächen in der Innenarchitektur beschäftige ihn in seinem Designstudium an der Köln International School of Design (KISD) von 1996-2001.

In Köln kam die Auseinandersetzung mit grundlegenden Gestaltungslehren, Neuen Medien, Ecodesign und Experience Design hinzu, deren Ergebnisse als Designobjekte zur Internationalen Möbelmesse (IMM) Köln präsentiert wurden. 2001-06 baute er mit Freunden das Designstudio Atlante auf und realisierte für Kunden wie Deutsche Telekom, Brau- und Brunnen AG, Verdi und vielen mehr Medien- und Interior Designprojekte bevor er für drei Jahre an die Hochschule der Künste Bern (HKB) ging. Er untersuchte dort unter anderem, wie Räume auf die Kommunikation zwischen Menschen wirken.

Das Interesse für das Zusammenspiel zwischen Dingen und Menschen im Raum führte 2011 zur Gründung seines Interior Design Studios und zum Konzept des „Inspirational Space“, das er für Start-ups, Tech-Unternehmen und Innovationsnetzwerke bereits erfolgreich realisiert hat. Zudem arbeitet er an Residential- und Officeplanungen, sowie an einem neuen Hospitality-Projekt im Rhein-Main-Gebiet, das die Themen Arbeiten- und Wohnen innovativ verbindet. Bandyopadhyay lebt und arbeitet als Farb- und Materialexperte und Interior Designer in Berlin und Frankfurt am Main.

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