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Start Technik & Betrieb Gebäude- und Energietechnik Fundamental vernetzt: KNX im Hotel SI-Suites in Stuttgart

Fundamental vernetztKNX im Hotel SI-Suites in Stuttgart

In Stuttgart setzt das Hotel SI-Suites schon länger auf KNX und weitere Technologien, um die Digitalisierung voranzutreiben. Am Anfang galt es nicht nur, die Hotelmanagement-Software einzubinden. Es musste insgesamt wohlüberlegt und strukturiert vorgegangen werden.

Das Hotel SI-Suites liegt nah an Stuttgarter Flughafen und Messe. Als Teil des SI-Erlebniszentrums bietet es den Gästen zahlreiche Freizeitmöglichkeiten vor Ort. Die 192 Zimmer und Suiten sind aufgeteilt in vier Gebäudekomplexe. Vor gut sieben Jahren hat der Hotelbetreiber angefangen, seine Technik auf eine zukunftsfähige Basis zu stellen. “Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit – dieses Motto haben wir uns auf die Fahnen geschrieben“, erklärt der Geschäftsleiter des Hotels SI-Suites Thomas Behrendt.

Aus den Erfahrungen, die sein Haus im Netzwerk “Future Hotel“ des Fraunhofer IAO gesammelt hat, ist ein fortlaufendes Digitalisierungsprojekt entstanden. Als Steuerungstechnik dient von Anfang an der Feldbus-Standard KNX. Gemeinsam mit Anbieter Jung sowie Installateur und Systemintegrator Meevi-tec setzten die Partner das System mit einem “Jung Visu Pro“-Server auf. Dieser steuert Beschattung, Raumtemperatur und Licht.

“Für uns war ein wichtiges Kriterium, dass das System skalierbar ist, dass es immer wieder Spielraum für künftige Entwicklungen bietet“, betont Behrendt. Das hieß am Anfang zum Beispiel, genügend Leitungen ziehen und die Serverkapazitäten groß dimensionieren.

Gebäudetechnik als Herzstück

“Ich sehe ein Zusammenspiel aus verschiedenen Technologien, die miteinander vernetzt sein und funktionieren müssen. KNX ist ein Teil davon. Nur wenn ich den Ausbau strukturiert anfange, gelingt dies auch“, so Behrendt. “Ich fange ein Haus ja auch auf dem Fundament an und nicht mit der Seitenwand.“ Bevor man begonnen habe, KNX-Kabel zu ziehen, habe er zum Beispiel den Server erweitert und auch WLAN-Kabel verlegt.

“Eine Gebäudesystemtechnik, die raum- und gewerkeübergreifend alle technischen Komponenten vernetzt, bildet das Herzstück einer zukunftsfähigen Hotelinfrastruktur“, ergänzt Katharina Beatriz Varga, Key Account Managerin Hospitality bei Jung. “Die Gebäudetechnik sollte so ausgelegt sein, dass eine Integration von Trends und Technologien auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist.“

Wichtig sei, bei der Auswahl aller Komponenten auf internationale, offene Standards zu achten und auf ein System, das flexible Verkabelung erlaubt. “Einbaugehäuse wie für Schalterdosen dürfen nicht an proprietäre Systeme gebunden sein, die Komponenten müssen sich untereinander verstehen können.“

Anbindung an Protel

Behrendt formulierte auch konkrete Anforderungen. So galt es, im Projekt beispielsweise eine Schnittstelle für das KNX-System von Jung zur Hotelmanagement-Software Protel zu entwickeln. Auch entstand erstmals bei Jung die Möglichkeit, über KNX die Temperatur für verschiedene Zimmer flexibel zu regeln. “Wir konnten die vielfältigen von der Nutzerseite gegebenen Wünsche vonseiten der Produktentwicklung auch wirklich umsetzen“, erklärt Katharina ­Beatriz Varga. Es sei ein sukzessiver Prozess, der weiterlaufe.

Dabei gelte es auch, auf klare Formensprache sowie eindeutige und intuitive Kennzeichnungen der Bediengeräte zu achten, sagt sie. “Gäste, die nicht verstehen, wie das Licht aus- oder die Lüftung eingeschaltet wird und aus Verzweiflung den Stecker ziehen, gehen mit einem negativen Gefühl.“

“Wir haben unsere eigenen Schalter gelabelt, Piktogramme kreiert, etwa für die Leseleuchten über dem Bett“, ergänzt Behrendt. “Für uns war relativ schnell klar, dass wir mehrgleisig fahren wollen. Die Zimmersteuerung über Bring-Your-Own-Device ist noch Zukunftsmusik. Das ist durch die verschiedenen Anbieter wie Apple und Android noch zu differenziert.“

Sie könnten als Hotel die entsprechende Schnittstelle zwar für jedes Betriebssystem einzeln einbauen. Alle einzubauen wäre allerdings kaum wirtschaftlich. “Bauen Sie eine der Schnittstellen ein, legen Sie sich auf ein Device fest. Das wird nicht funktionieren. Deswegen haben wir auf Schalter gesetzt.“

Die Guest Journey technisch begleitet

Außerdem sei wichtig gewesen, bestimmte Abläufe zu automatisieren und dafür gewisse Gewohnheiten messbar zu machen. So wisse er heute, welche Durchschnittstemperatur die Gäste wählen, und konnte damit den Wohlfühl-Temperaturbereich festlegen, der voreingestellt ist. “Durch unsere Analysen haben wir einen Mittelwert bestimmen können, der liegt im Schlafzimmer niedriger als im Wohnzimmer.“ Von hier können die Gäste um eine Spanne nach oben oder unten regeln.

Mit dem Einchecken fährt das Zimmer hoch. Die Fußbodenheizung im Bad startet. Der Fernseher geht an. Außerdem fährt das KNX-System die Temperatur von der Sollabsenkung auf den Mittelwert herauf. Sind die Gäste im Zimmer, können sie sich individuell Temperatur, Licht und Jalousie einstellen.

Es gibt verschiedene Szenarien: Zum Beispiel fahren beim Fernsehszenario die Vorhänge zu, und die Stehleuchten gehen an. In den großen Zimmern gibt es zudem einen Bluetooth Connector von Jung, den die Gäste nutzen können, um eigene Musik abzuspielen.

Im Bad ist der Lichtschalter kombiniert mit einem Schalter für Radio. Außerdem ist im Badezimmerspiegel eine TV-Übertragung integriert, mit Steuerungsmöglichkeit der Kanäle sowie der Lautstärke. (Bild: Meyerfoto, Berlin )

Checken die Gäste wieder aus, wird der Connector automatisch zurückgesetzt. Als Nächstes fahren die Jalousien hoch, dann schaltet das Licht nach einer gewissen Zeit aus, und die Temperatur sinkt auf den Sollwert ab. Außerdem greift die automatische Beschattungssteuerung. Sie ist mit einer Wetterstation gekoppelt.

Weitere digitale Systeme

Unabhängig von KNX, aber als weiteres Puzzleteil der digitalen Guest Journey ermöglicht das Hotel kontaktloses Check-in und -out über das System von Code2Order. “Der Anbieter arbeitet mit einer progressiven Web-App. Das heißt, Sie laden keine App auf Ihr Smartphone, sondern die App ist browserbasiert“, erklärt Behrendt.

Hier sieht er einen Trend beim Thema Bring-Your-Own-Device. Künftig könnte er sich vorstellen, mit dem eigenen Device etwa einzustellen, morgens sanft geweckt zu werden, indem die Jalousien aufgehen. “Web-Apps sind das Format, wo es gerade hingeht. Hier tun sich aber viele Firmen noch schwer, zum Beispiel mit den Sicherheitsstandards.“

Ein Schließsystemhersteller habe dazu in der Zwischenzeit eine Lösung. “Wir werden jetzt bald die Schlösser und den Zimmerschlüssel digital verfügbar machen.“ Und das ist sicherlich nicht das letzte Projekt, denn die Zeit bleibt ja nicht stehen.

Marie Christin Wiens

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