Trotz teils starker Kritik, will Bayern eine Lizenz für die Luca-App erwerben. Der Dehoga Bayern gibt deshalb eine Einschätzung zum digitalen Tool und erklärt, warum er für ein bundesweit einheitliches Gesundheitsportal mit offenen Schnittstellen ist.
Die Luca App dient der digitalen Erfassung und Nachverfolgung von Kontaktdaten. Anders als der bei Corona-App der Bundesregierung, registrieren sich Nutzer nach dem Download mit persönlichen Daten wie Name, Adresse und Telefonnummer. Die App verschlüsselt die persönlichen Daten und erstellt temporäre QR-Codes. Bei jedem Besuch eines gastgewerblichen Betriebs soll vor Ort entweder der QR-Code gescannt werden oder der Gast muss einen QR-Code des Betriebes scannen, so der Dehoga Bayern.
Beim Verlassen des Betriebes wird der Gast automatisch ausgecheckt, wenn er einen vordefinierten Radius verlässt. Im Falle einer Infektion kann das zuständige Gesundheitsamt alle anwesenden Personen zurückverfolgen und benachrichtigen.
Welche Funktionen hat die Luca-App nicht?
Im Gegensatz zu Mitbewerbern, wie der App Darfichrein, hat die Luca-App laut Dehoga Bayern keine weiteren Anwendungen, wie zum Beispiel:
- Validierung des Test- und Impfstatus des Gastes
- Click & Meet-Funktion
- Zuordenbarkeit der Gäste bis auf Sitzplatzebene
- Individualisierbarkeit zum Beispiel mit Betriebslogo oder Speisekarten
Welche Kritik gibt es an der Luca-App?
Der Chaos Computer Club (CCC) wirft den Betreibern der App beispielsweise ein zweifelhaftes Geschäftsmodell, mangelhafte Software und Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe vor. Laut CCC wurden in den vergangenen Wochen eklatante Mängel in Spezifikation, Implementierung und korrekter Lizenzierung der Luca-App aufgedeckt. "Die nicht abreißende Serie von Sicherheitsproblemen und die unbeholfenen Reaktionen des Herstellers zeugen von einem Mangel an Kompetenz und Sorgfalt", so der CCC. Auch die Welt oder das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichteten über Mängel.
Welche Alternativen gibt es?
Neben der Luca App gibt es laut Dehoga Bayern knapp 50 Mitbewerber, darunter Darfichrein, die sich in der Initiative "Wir für Digitalisierung" zusammengeschlossen haben. Ihnen gehe es nicht darum, die Luca-App per se zu verhindern, sondern um eine offene Schnittstellenlösung, anstatt eines "staatlichen Quasi-Monopols". Dann könnte jeder Betrieb für sich entscheiden, welche Lösung für seinen speziellen Fall die beste Variante ist.
Wofür steht der Dehoga Bayern?
"Wir sind nicht per se gegen Luca, wir stehen jedoch für eine offene Schnittstellenlösung, die nicht nur sicher, sondern auch praktikabel für den Gast und den Gastgeber ist. Und das aus guten Gründen, denn wir stehen auch für einen Paradigmenwechsel", so der Dehoga Bayern. Bislang werde eine Politik des Einschränkens der Bewegungsfreiheit durch Schließung gastgewerblicher Betriebe betrieben.
"Der Lockdown und das damit verbundene Berufsverbot für unsere Branche erfolgt erklärter Maßen nicht, weil es in unseren Betrieben zu einem erhöhten Infektionsgeschehen gekommen ist, sondern weil der Bevölkerung Möglichkeiten genommen werden sollen, zum Beispiel abends noch auszugehen oder im Land umherzufahren und Urlaub zu machen." Ziel sei es, dass die Bevölkerung möglichst in der eigenen Wohnung bleibt, um Kontakte zu vermeiden, bei denen eine Übertragung des Virus stattfinden könnte.
Dehoga Bayern: Konzeptöffnungen sollen ermöglicht werden
"Nachdem auf dem Gebiet der Aerosolforschung neue Erkenntnisse vorliegen und deren führende Wissenschaftler ebenso wie anerkannte Virologen festhalten, dass im Freien nahezu keine Gefahr einer Übertragung des Virus besteht, fordern wir als ersten Schritt die Öffnung der Außengastronomie", sagt der Dehoga Bayern.
Dies habe zwei Vorteile: Zum einen würden durch das Anwenden der vorgegebenen Schutz- und Hygienekonzepte sichere Bereiche geschaffen, gleichzeitig würde die Zahl der Kontakte in ungeschützten Bereichen reduziert. Zum anderen würde dadurch ein nicht zu unterschätzendes Ventil für die Bevölkerung geschaffen werden. Umfragen würden zeigen, dass gastronomischen Angebote ein Mehr an Lebensqualität bedeutet und damit indirekt mehr Akzeptanz für Beschränkungen in anderen Bereichen schaffen würde.
Darüber hinaus fordert der Dehoga Bayern, dass Konzeptöffnungen auch für den Innenbereich ermöglicht werden sollen, um weitere sichere Begegnungsstätten zu schaffen. Der Verband bezieht sich dabei auf die Möglichkeiten der Impfung und negativen Schnelltests. "Unsere gemeinsam mit der Bayerischen Staatsregierung und deren Experten entwickelten Konzepte haben sich bewährt und können sinnvoll ergänzt werden." Da Nachbarländer, insbesondere Österreich und Südtirol, auf Konzeptöffnungen setzten und Reisen für Geimpfte sowie für Getestete zulassen würden, wäre es zudem wirtschaftlich fatal, wenn bayerische Betriebe geschlossen bleiben müssten, so der Dehoga Bayern.
Voraussetzungen für Konzeptöffnungen mit Freitesten und -impfen seien laut Verband:
- eine flächendeckend kommunal organisierte Schnelltestinfrastruktur (möglichst viele Testmöglichkeiten – Test vor dem Betrieb muss Ausnahme bleiben)
- Schnelltestergebnisse und Impfstatus mit verifizierten Kontaktdaten via verschlüsselten QR-Code müssen digital vorhanden und abrufbar sind
- Daten von negativ getesteten oder geimpften Gästen im Rahmen der vorgeschriebenen Gästeregistrierung müssen digital in die Kontaktdatenerfassung übernommen werden können
- offene Schnittstellen zu den Gesundheitsämtern
Weiter erklärt der Dehoga Bayern, dass für Kunden und Gäste drei Schnittstellen ausreichen sollten, um diesen einen sicheren Einlass in Betriebe zu ermöglichen. Diese seien:
- Schnelltest oder Impfung, bei der die personenbezogenen Daten erfasst werden
- Person erhält Test- oder Impfergebnis als QR-Code (Ausdruck oder Handy) mit entsprechender Gültigkeitsdauer
- Scannen des QR-Codes vor Einlass in den Betrieb mit Abfrage über Schnittstellen zum jeweiligen Impf- beziehungsweise Testzentrum
Dieser Prozess wird bereits in einem Modellprojekt der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) getestet. Einen detaillierten Überblick finden Sie in einem Schaubild.
Abschließend hält der Dehoga Bayern fest: "Nachdem die Luca App - im Gegensatz zu Darfichrein - die meisten erforderlichen Anforderungen nicht erfüllt, sind wir für ein bundesweit einheitliches Gesundheitsportal mit offenen Schnittstellen für alle Anbieter."