Friedrich Niemann im Porträt»Ich mache jetzt mein eigenes Ding«


 

 

Kaufmännisches Handeln im Kleinen wie im Großen

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Auch wenn Niemann seine Rolle im mein.lychen derzeit nicht als Hauptberuf sieht, ist der Hotelier dennoch voll in seinem Element – sowohl als Gastgeber als auch als Kaufmann. Die Preispolitik (Doppelzimmer werden für 95 Euro verkauft, Studios für 125 Euro) wurde im Team mehr als einmal diskutiert, in puncto Vermarktung liegt das primäre Ziel auf dem Direktvertrieb über die eigene Website, der Verkauf über Portale wie Booking.com oder Airbnb wird aber nicht außer Acht gelassen. »Bei der Qualität, die wir hier bieten, könnten wir wahrscheinlich deutlich höhere Preise aufrufen – wir können uns aber auch nicht aus dem Markt schießen. Bisher haben wir noch keine Widerstände hinsichtlich des Pricings gespürt«, betont der Hotelier. Als Zielgruppe hat er Gäste aus Berlin und dem Umland im Visier, generell auch Urlauber aus den neuen Bundesländern, die vielleicht in der Kindheit einmal ihre Ferien in der Uckermark verbracht haben. Je weiter Friedrich W. Niemann über die strategischen Ziele des Hauses aufklärt, desto stärker wird sein kaufmännisches Denken erkennbar: Expansion? Warum nicht? »Wenn das Konzept funktioniert, wird man es auch irgendwann skalieren können. Ich will natürlich nicht in Deutschland oder Europa überall neue Dachstühle bauen – aber möglicherweise eignen sich Formen von Franchise oder Pacht für eine Erweiterung«, so Niemann. Überdies ließe sich auch ein Verbund kreieren, schließlich gäbe es in der deutschen Hotellerie zwar viele Partnerschaften, Kooperationen und ähnliches, aber nichts für Kleinbetriebe.

Adjutant der Individualhotellerie

Aus dem 54-Jährigen spricht der Unternehmer, der gestalten will und es jetzt auch kann. Als Kettenhotelier war dies längst nicht immer möglich. »Befehlsempfänger und Umsetzer zu sein, ist nicht unbedingt meine Sache. Ich bin vor 30 Jahren in die Hotellerie eingestiegen, um unter anderem kreativ und selbstständig zu arbeiten.« Die aktuelle Entwicklung in der Branche hinsichtlich der Konsolidierung sieht Niemann äußerst kritisch, insbesondere in Bezug auf den Marriott-Starwood-Merger. »Da kommt eine riesige Maschine auf uns zu; das hat mit Hotellerie aber nichts mehr zu tun.« Hier sieht Niemann auch deshalb eine Gefahr, da seiner Ansicht nach letztlich die Individualhoteliers die Entwicklung der Hotellerie nach vorne treiben, nicht die Ketten. Für den 54-Jährigen reinste Motivation: »Ich verzichte zwar jetzt auf ein wenig, mache dafür aber mein eigenes Ding.« Er sei jetzt nicht mehr ausführendes Organ eines Global Players, sondern kann in seinem eigenen Haus direkt agieren und die Entscheidungen so fällen, wie er es wirtschaftlich vertreten kann. »Aber auch dahingehend, dass die Strategien mit den eigenen Werten und Zielen übereinstimmen.«

Kurz-Vita Friedrich Niemann:
Rheinland, Rumänien, Uckermarn

Nach einem Studium an der Fachhochschule Heilbronn und der Reims Business School war Niemann in vielen leitenden Positionen tätig, darunter in den Hilton- Häusern Athenée Palace Hilton Bucharest, Hilton Sofia und Hilton Munich City. Darüber hinaus zeichnete der Rheinländer für Kempinski u.a. in Leipzig und Dresden verantwortlich. Anfang 2013 eröffnete der 53-Jährige in Berlin das erste Waldorf-Astoria auf deutschem Boden; 2015 beendete Niemann seine Karriere bei Hilton und seit Anfang 2016 ist er Partner und Geschäftsführer der Berliner Niederlassung der Schweizer Kreativ Agentur milani design & consulting.

MEIN.LYCHEN

Berliner Straße 43
17279 Lychen
Telefon: 039888-522188
www.meinlychen.de
Kategorie: Bed & Breakfast
Inhaber: Friedrich W. und Konrad Niemann
Gastgeberin: Angelika Fuss
Logis: 6 Zimmer und Studios
Preise: DZ ab 95 €, Studio ab 125 €

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