Anzeige
Anzeige
Anzeige
StartBusiness & ManagementFrank Erhard im Interview::Über Fachkräftemangel im Gastgewerbe

Frank Erhard im InterviewÜber Fachkräftemangel im Gastgewerbe

Fachkräftemangel ist ein dringendes Thema in der Hotellerie und Gastronomie. Hoteldirektor Frank Erhard vom Hotel Zugspitze in Garmisch-Partenkirchen spricht im Interview darüber, wie man Auszubildende fit für den Beruf macht und was für Fachkräfte von morgen heute schon wichtig ist.

Worauf muss man als Hotelier bei der Ausbildung von Fachkräften heute besonders achten?

Frank Erhard: Wichtig ist, Azubis nicht als günstige Arbeitskräfte zu sehen – wir bilden Fachkräfte aus! Natürlich besteht unsere Ausbildung hauptsächlich aus Vormachen und Nachmachen. Doch das fachliche Hintergrundwissen nimmt man eher selten beim Abendservice mit. Daher wollen wir uns Zeit für Schulungen auf einer möglichst breiten Palette verschiedener Themengebiete nehmen. Kürzlich hatten wir beispielsweise eine Schulung zum Thema Tee, zusammen mit einem renommierten Hersteller und in Kürze werden wir eine Brauereiführung durchführen. Nur so weitet sich der Blick und der Erfahrungshorizont von Auszubildenden.

Wie kann man Mitarbeitenden von morgen eine solide Fachkompetenz im Arbeitsalltag vermitteln?

Was wir heute in unser Fachpersonal investieren, zahlt sich morgen doppelt aus. Das heißt, wir müssen den Azubis schrittweise Kompetenzen und Verantwortung übertragen. Unsere Auszubildenden im Hotel Zugspitze sollen nicht nur drei Jahre an der Bar stehen und die Getränke ausschenken oder Besteck polieren. Natürlich gehört das auch dazu. Doch nach einiger Zeit bekommen sie erste eigene Tische zugewiesen und können Bestellungen direkt am Gast aufnehmen und buchen. Wir führen sie in jeder Abteilung Schritt für Schritt an die Fertigkeiten heran, die sie in ihrer Ausbildung beherrschen müssen.

Und wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Wir wollen frisch gebackene Fachkräfte an uns binden und versuchen ihnen daher einen garantierten Arbeitsplatz nach der Ausbildung zu bieten. Allerdings sind die Jahre des Lernens mit der bestandenen Prüfung noch lange nicht vorbei. Gerade nach der Ausbildung sehen wir bei den übernommenen Azubis noch einmal einen gewaltigen Schub in Sachen Selbstbewusstsein. Ihnen wird mehr Verantwortung zugesprochen und sie nehmen diese auch gerne an. Uns ist es wichtig – auch wenn das beiden Seiten immer wieder schwerfällt –, dass unsere Auszubildenden nach ein bis zwei Jahren als Fachkraft in unserem Hotel unbedingt auch andere Erfahrungen, nämlich außerhalb unseres Hauses sammeln.

Lange Arbeitszeiten und geringe Entlohnung: Bremst der Ruf der Hotellerie und Gastronomie den Bewerbermarkt nach wie vor?

Ja, das ist leider immer noch so. Natürlich sind Wochenendarbeit, Feiertags- und Abendschichten nicht für jeden lukrativ. Das kennt man in der Hotellerie und Gastronomie schon. Der schlechte Ruf deckt sich in den meisten Fällen aber nicht mehr mit der Gegenwart. Er stammt aus den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten. Und darunter leiden wir immer noch. Schlechte Bezahlung mit unbezahlten Überstunden, Feiertage wurden nicht angerechnet und sechs bis sieben Tage-Wochen waren früher normal – beim Gehalt einer Vollzeitkraft. Von mangelndem Respekt gar nicht zu reden.

Haben sich die Berufsbedingungen in Hotel und Restaurant im Vergleich zu früher denn bereits verbessert?

In den vergangenen Jahren hat sich zum Glück etwas geändert. Die Gehälter gehen langsam nach oben und Stunden werden korrekter geführt. Im Hotel Zugspitze versuchen wir mit verschiedenen Maßnahmen ganz gezielt für eine Aufbesserung des Betriebsklimas zu sorgen: Eine digitale Zeiterfassung mit minutengenauer Abrechnung wurde implementiert. Unsere Mitarbeiter erhalten 50 Prozent Rabatt auf Hausleistungen und Massagen, auch stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Darüber hinaus haben wir während der pandemiebedingten Kurzarbeit die Gehälter um 100 Prozent aufgestockt.

Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus?

Ich bin zuversichtlich, dass die gesamte Hotel- und Gastronomiebranche in ein paar Jahren ihr schlechtes Image ablegen kann und auch wieder mehr Auszubildende zu uns kommen. Denn mal ganz ehrlich: Welchen Beruf gibt es noch, der so vielfältig ist, wie der im Hotel und im Restaurant? Das Hotel ist für mich immer noch der faszinierendste Arbeitsplatz der Welt.

Newsletter-Registrierung

Topaktuell auf den Punkt gebracht!
Werktäglich berichtet der kostenlose Tophotel-Newsletter über aktuelle Ereignisse in der nationalen und internationalen Hotelwelt. Profitieren Sie von journalistisch hochwertiger Information und Inspiration für das tägliche Business.
ANMELDEN
Sie interessieren sich für Produktnews und technische Innovationen in der Hotellerie? Testen Sie auch unseren kostenfreien HOTEL+TECHNIK-Newsletter​
close-link