Die Deutschen lassen sich den Urlaub trotz Krisenzeiten immer mehr kosten, setzen dabei aber verstärkt auf kalkulierbare Pauschalangebote. Individuelle Reisen gehen hingegen leicht zurück.
Die Bundesbürger haben im vergangenen Touristikjahr für vorab gebuchte mehrtägige Urlaubsreisen 87,9 Milliarden Euro ausgegeben – über fünf Prozent mehr als im Vorjahr und damit ein neuer Rekordwert. Das geht aus Daten des Marktforschungsunternehmens Yougov hervor, die der Deutsche Reiseverband (DRV) zum Auftakt der Reisemesse ITB Berlin vorstellte.
Im Vergleich zum letzten Jahr vor der Pandemie liegen die Ausgaben mittlerweile fast 20 Milliarden Euro höher. Die Zahl der Reisenden blieb laut DRV auf hohem Niveau stabil, die Anzahl der tatsächlich unternommenen Reisen sank jedoch um knapp ein Prozent. Besonders Auslands- und Flugreisen waren gefragt, während Urlaube und Tagesausflüge im eigenen Land rückläufig waren. „Reisen bleibt für die Menschen ein Grundbedürfnis – selbst in wirtschaftlich und geopolitisch unsicheren Zeiten. Das konstant hohe Reisevolumen zeigt: Urlaub hat weiterhin hohe Priorität“, sagte Albin Loidl, Präsident des DRV.
Organisierte Reise wächst stärker als der individuelle Reisemarkt
Pauschal- und Bausteinreisen über Veranstalter legten laut DRV überproportional um 9,3 Prozent auf 43,4 Milliarden Euro zu. Damit entfällt rund die Hälfte des gesamten Reiseumsatzes auf dieses Segment – ein Anteil, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen ist.„Pauschal- und Bausteinreisen gewinnen weiter Marktanteile. Viele Kunden setzen bewusst auf verlässliche Angebote und professionelle Betreuung – und damit auf Sicherheit“, so Loidl.
Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch die gestiegene Nachfrage nach Fernreisen, Kreuzfahrten und Flugpauschalreisen ins östliche Mittelmeer – Reisearten, die überwiegend als Pauschalangebote gebucht werden. Der individuell organisierte Urlaub entwickelte sich dagegen gegenläufig: Selbst gebuchte Auslandsreisen gingen um fünf Prozent zurück, Inlandsreisen um drei Prozent. Besonders der Sommer war mit einem Minus von acht Prozent bei Individualreisen betroffen.
Reisende werden preissensibler
Obwohl die Gesamtausgaben für Reisen stiegen, zeigen die Daten eine wachsende Preissensibilität der deutschen Urlauber. Laut Yougov sanken die Nebenausgaben im Zielgebiet – etwa für Restaurantbesuche – um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ausgaben für vor Ort gebuchte Leistungen wie Ausflüge und Aktivitäten gingen um ein Prozent zurück. „Viele Urlauber gönnen sich die Auszeit, aber geben während des Aufenthaltes im Zielgebiet weniger aus“, erläuterte DRV-Präsident Loidl.
Um Kosten zu senken, wichen viele Reisende laut DRV auf günstigere Ziele und Nebensaisonzeiten aus. All-Inclusive-Angebote wurden verstärkt genutzt. Zudem buchten die Deutschen ihren Urlaub deutlich früher als in den Vorjahren: „Früh buchen heißt für viele: bessere Preise und mehr Planungssicherheit“, so Loidl.
Die rund 8.000 stationären Reisebüros in Deutschland setzten laut DRV-Hochrechnung 21 Milliarden Euro um – ein Rückgang gegenüber den 22 Milliarden Euro im Vorjahr. Davon entfielen 14,3 Milliarden Euro auf das Privatkundengeschäft und 6,7 Milliarden Euro auf Geschäftsreisen.
Kreuzfahrten als Wachstumstreiber
Als dynamischstes Segment der deutschen Reisewirtschaft erwiesen sich erneut Kreuzfahrten. Die Ausgaben für Hochsee- und Flusskreuzfahrten stiegen um acht Prozent auf rund 6,7 Milliarden Euro. Loidl führte das auf die gute Kalkulierbarkeit der Leistungen und ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis zurück, das in preissensiblen Zeiten besonders gefragt sei.
Bei den Hochseekreuzfahrten war die Nordsee mit einem Anteil von 37 Prozent das beliebteste Fahrtgebiet. Das westliche Mittelmeer folgte mit 20 Prozent, der Atlantik einschließlich Kanaren, Madeira, Kapverden, Azoren und Portugal kam auf 14 Prozent. Auf die Ostsee und das Baltikum entfielen sieben Prozent, auf Karibik, Mittel- und Südamerika gut sechs Prozent. Das östliche Mittelmeer erreichte rund fünf Prozent. Kleinere Anteile von jeweils etwa zwei Prozent verzeichneten der Arabische Golf und Orient, Transatlantik- und Weltreisen sowie Asien, Ozeanien und Australien. red/sar