Expansionpläne für DeutschlandPremier Inn sieht Potenzial für 300 Häuser

Hotel, Kino, Fitnessstudio: Die Angebote im ehemaligen Einkaufszentrum „Atrium“ in Bamberg sollen sich ergänzen. Das Gebäude wird dafür komplett saniert. (Bild: Premier Inn/Bornhofer Architekten)

Die britische Hotelkette Premier Inn plant eine Expansion der Extraklasse in Deutschland. Schon jetzt hat sich das Unternehmen mehr als 40 hiesige Standorte gesichert. Im Rahmen der Akquise setzen die Verantwortlichen auch auf den Trend zum Mixed-Use-Konzept, wie sie gegenüber Tophotel erklären.

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Chris-Norman Sauer ist ständig auf der Suche nach neuen Grundstücken. An A-Standorten wie Frankfurt, München und Hamburg, in B-Städten wie Stuttgart oder Heidelberg und mittlerweile auch in C-Citys wie Erlangen und Heilbronn oder dem rheinland-pfälzischen Trier. Der Acquisitions Director Germany von Premier Inn weiß, „dass es hierzulande nicht leicht ist, noch freie Flächen zu finden“. Er sagt: „Auf ein Angebot kommen zig Bewerber unterschiedlicher Assetklassen, darunter Büro- und Wohnungsbau. Man muss also schnell sein.“ Besonders Areale in Innenstadtlage und mit der optimalen Größe (In A-Städten etwa 250 Zimmer, an B- und C-Standorten 150 bis 200 Zimmer) zu finden, sei nicht leicht.

Zwar investiert die zum britischen Konzern Whitbread gehörende Hotelkette auch in Bestandsgebäude – doch das reicht für die Anzahl der geplanten Neueröffnungen nicht aus (Text unten). Deshalb setzt das Unternehmen auch auf Mixed-Use-Konzepte. „Nahe des Dortmunder Hauptbahnhofs haben wir beispielsweise ein deutlich größeres Areal gekauft, als für den Hotelbau nötig wäre. Dort planen wir eine gemischte Nutzung“, so Acquisitions Director Sauer.

Chris-Norman Sauer, Premier Inn

Zudem wird Premier Inn im „Atrium Bamberg“, einem seit Jahren leerstehenden ehemaligen Einkaufszentrum mit rund 28.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, ab 2021 ein Hotel mit 161 Zimmern betreiben. Die Verantwortlichen haben bereits einen Pachtvertrag über 20 Jahre mit dem Entwickler, der Eyemaxx Real Estate, abgeschlossen. Eröffnen sollen dort zudem Einzelhandelsgeschäfte, ein Fitnessstudio und ein Kino. So finden die Hotelgäste Unterhaltung sowie sportliche Angebote direkt vor der Tür. Es entstehen Synergie-Effekte, die sich positiv auf beide Seiten auswirken sollen.

Bei der Realisierung solcher Projekte ist Premier Inn flexibel. Michael Hartung, Managing Director und Development Director von Premier Inn Deutschland: „Die Spanne reicht vom Einbringen des Mietvertrags bis hin zur selbstständigen Entwicklung des Hotels in einem Joint Venture mit Büro-, Wohn- oder Einzelhandels-entwicklern.“ Der Managing Director ist überzeugt, dass sich Mixed-Use weiter durchsetzen wird. „Die Großstadt der Zukunft wird aus durchmischten Vierteln bestehen, aus dorfähnlichen Strukturen innerhalb des Gesamtgefüges.“ Auch die zunehmende Urbanisierung sowie Alterung der Gesellschaft förderten die vermehrte Realisierung solcher Quartiere.

Generell setzt Premier Inn bei der Expansion auf Wachstum im Eigenbestand. Chris-Norman Sauer: „Mindestens 50 Prozent der Immobilien sollen im Eigenbestand bleiben. Wir sind Fans davon, den gesamten Lebenszyklus mitzunehmen. Wenn ich viele Zwischenstadien in Form von Eigentümern, Franchisegebern und so weiter habe, schlägt sich das auch auf den Profit nieder.“ Besonderes Potenzial für erfolgreiches Wirtschaften sieht der Acquisitions Director im süddeutschen Raum. „Bamberg oder Regensburg sind Städte, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat, die aber einiges zu bieten haben.“

50 Standorte im Visier

Umgerechnet 1,1 Milliarden Euro hat die britische Muttergesellschaft von Premier Inn, das an der Londoner Börse notierte Traditionshaus Whitbread PLC, bereits in das Wachstum in Deutschland investiert. Geplant ist, jährlich weitere 225 bis 340 Millionen Euro Kapital zur Verfügung zu stellen. Denn der führende Hotelbetreiber im Vereinigten Königreich will noch weiter wachsen: Die Verantwortlichen sehen ein Potenzial von rund 300 Premier Inn Hotels auf dem deutschen Markt.

Michael Hartung, Premier Inn

43 deutsche Standorte hat sich Premier Inn bereits gesichert. Bis Ende 2020 plant das britische Unternehmen, in Deutschland mindestens 20 Hotels in Betrieb zu haben. „Wir haben von Anfang an eine breite Präsenz im Markt angestrebt, uns aber zunächst auf die größten Hotelmärkte konzentriert. Nachdem wir nun in den zu Beginn definierten 26 Zielstädten fast überall Hotels oder Projekte gesichert haben, folgte jüngst die Ausweitung unseres Expansionsprofils auf die 50 attraktivsten Städte“, sagt Michael Hartung, Managing Director und Development Director von Premier Inn Deutschland.

Dabei setzt Premier Inn auf bebaute wie unbebaute Grundstücke, bevorzugt zum Kauf, aber auch zur Pacht, sowie passende Turnkey-Hotelprojekte, leer stehende Konversionsobjekte oder Mischnutzungskomplexe. Als ideales Objekt betrachtet das Management eine Bruttogeschossfläche zwischen 4.500 und 12.000 Quadratmetern. Auch Portfolio-Deals stehen auf der Agenda des Unternehmens. Zuletzt hat Premier Inn drei Hotels in Süddeutschland gekauft sowie im vergangenen Jahr 19 Objekte von der Foremost Hospitality Group übernommen, die 2020 umfirmieren sollen.

Verena Usleber

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