Erweiterung des Spa-Bereichs im Mohr Life Resort LermoosGrandiose Inszenierung

Im "Mohr Escape" können Gäste das Bergpanorama genießen. (Bild: Alex Filz)

Im 800 Quadratmeter großen neuen Spa-Bereich “Mohr Escape” sind die Gäste Zuschauer und Akteure zugleich. Sie genießen das Zugspitzpanorama als einzigartiges Naturschauspiel und bewegen sich dabei inmitten einer bühnenreifen Interpretation von Ruhe und Zurückgezogenheit.

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Vor mehr als 200 Jahren wurde der Gasthof Drei Mohren in der Gemeinde Lermoos in Tirol errichtet. Warum ausgerechnet hier? Das liegt vermutlich daran, weil das Zugspitzmassiv von der Tiroler Südostseite am eindrucksvollsten wirkt. Aus dieser Richtung präsentiert es sich als riesiger frei stehender Felsblock, der mit knapp 3.000 Metern Seehöhe weiter als alle anderen Berge der Umgebung in den Himmel ragt.

Von der Herberge ist nach zahlreichen Renovierungen und Umbauten nicht mehr viel zu erkennen. Rund um den alten Kern entwickelte sich in den vergangenen 20 Jahren sukzessive ein Viersterne-Superior-Hotel mit 81 Zimmern, das wegen seiner Lage an einem unbebaubaren Moor noch immer den gleichen Panoramablick zur Zugspitze bietet wie einst der Gasthof. Nach dem Lockdown im März hat das Haus seit dem 18. Juni wieder für Gäste geöffnet.

In der Glasfassade über der mittigen Einstiegszone des “Mohr Escape”-Außenbeckens spiegelt sich das Zugspitzmassiv.

3.300 Quadratmeter Wellness

Das Mohr Life Resort – dessen Name die Geschichte des Hauses ebenso anklingen lässt wie das englische Wort „more“ (Deutsch: mehr) – befindet sich im Besitz von Tina Künstner-Mantl und Klaus Mantl. Seit 1998 betreibt das Hoteliers­paar das Haus zusammen mit der Familie und hat inzwischen mehrere Hotelerweiterungen realisiert. So entstanden die drei Hotelbereiche „Mohr Heart“, „Mohr Lifestyle“ und „Mohr Evolution“, die insgesamt 18 verschiedene, bis zu 100 Quadratmeter große Zimmertypen umfassen. Hinzu kommt ein 2.500 Quadratmeter großer Spa-Bereich, der den Gästen neben Fitness- und Anwendungsräumen, Dampfbädern, Saunen und Ruhezonen auch einen großen Indoorpool und ein kleines Außenbecken bietet.

Dieser Bereich wurde nun um das 800 Quadratmeter große „Mohr Escape“ erweitert. Hierbei handelt es sich um ein unterhalb der Hotelanlage an einem Hang mitten im Grünen platziertes Gebäude mit Indoorpool, großem Außenbecken, Sauna und weitläufigen Ruhebereichen. Erreichbar ist es direkt vom Garten aus sowie über einen unterirdischen Verbindungsgang, der vom bestehenden Spa im Mohr Life ausgeht.

Das “Mohr Escape” befindet sich direkt unterhalb der Hotelanlage mitten im Grünen.

Doch warum eine Erweiterung des ohnehin so großzügigen Spa-Bereichs? Klaus Mantl erachtet es für wichtig, seinen Gästen, von denen viele sehr wellnessaffin sind, immer wieder etwas Neues bieten und sie überraschen zu können. Ziel des „Mohr Escape“ sei, einen Rückzugsort zu schaffen – einen „Ort, an dem Gäste ein Stück weit dem stressigen Alltag entfliehen und sich in lässiger Atmosphäre geborgen fühlen können“.
Dass dieses neue Angebot von den Hotelgästen tatsächlich rege wahrgenommen wird, ist nicht zuletzt Verdienst der beauftragten Architekten vom Südtiroler Büro Noa Network of Architecture. Sie haben Innen- und Außenräume geschaffen, die mit großer Sinnlichkeit sowohl in die bestehende Hotelstruktur als auch in die Berglandschaft eingebettet sind.

Bühne und Tribüne in einem

Wenn die Architekten im Zusammenhang mit diesem Projekt von einem „Theatrical Spa“ sprechen, dann meinen sie damit nicht etwa eine theatralisch-affektierte Gestaltung. Sie hatten vielmehr ein Bauwerk im Sinn, das in vielerlei Hinsicht mit den Eigenheiten des Theaters spielt. Durch das mit großen Glasflächen nach Osten orientierte Gebäude wird das mächtige Zugspitzmassiv inszeniert. So werden die Gäste zu Zuschauern eines grandiosen Naturschauspiels. Aufgrund der Offenheit und Durchlässigkeit des Gebäudes sind sie aus der Perspektive der anderen Gäste aber zugleich Akteure auf einer Bühne. Dieser permanente Wechsel zwischen einer eher passiven und einer aktiven Rolle erzeugt eine gleichermaßen anregende wie beruhigende Spannung.

Das „Theater“ beginnt bereits an der Tür zum unterirdischen Verbindungsgang. Direkt über ihr befindet sich eine mit vielen Glühbirnen eingerahmte weiße Tafel, die mit einzeln angebrachten schwarzen Buchstaben an eine klassische Theater-Anzeigetafel erinnert. Hiernach gelangen die Gäste auf einem weichen roten Teppich in den zweigeschossigen Neubau. Dessen Inneres wird visuell vor allem vom angenehmen Kontrast zwischen den feingliedrigen, skelettartigen Betonrahmen und einer von organischen Formen geprägten Innenausstattung bestimmt. Wesentlich hierbei ist die Tatsache, dass die Architekten nicht nur für die Gebäudeplanung verantwortlich waren, sondern auch für das gesamte Interior – ein großer Teil der Möblierung wurde eigens für dieses Projekt geplant und maßgefertigt. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es der Eigentümerfamilie ein großes Anliegen war, alles wie aus einem Guss erscheinen zu lassen. Um sicherzustellen, dass dieses Ziel tatsächlich erreicht wird, erhielten die Planer im Zuge eines Planungsprozesses mit intensiven Abstimmungsphasen weitgehend freie Hand.

Die weichen Formen der Pendelleuchten und Rauminstallationen stehen im Kontrast zur rechtwinkligen Beton-Tragstruktur.

Beruhigende Kontraste

Den räumlichen Rahmen des neuen Spa-Bereichs bildet die rigide, rechtwinklige Sichtbeton-Tragstruktur, deren Bauteile mit erdfarbenen Pigmenten durchgefärbt und außerdem sandgestrahlt wurden. Resultat sind sehr haptische raue Oberflächen, die die Sinnlichkeit handwerklich bearbeiteten Natursteins ausstrahlen. Diese Struktur tritt als funktionales Gerüst in den Hintergrund, während sie – wie ein menschliches Skelett – zugleich Schutz bietet und die Möglichkeit eröffnet, den zum Teil zweigeschossigen Raum frei zu bespielen.

Der Neubau hält vielfältige Rückzugsinseln bereit, die von den Architekten genau in die Rasterstruktur eingepasst wurden: runde oder längliche loungeartige Sitz- und Liegemöbel, ausgestattet mit flauschigen Bezügen, Kissen und Nackenrollen, praktischen Leselampen und zum Teil auch mit hohen Seitenrändern und weichen Vorhängen für mehr Privatsphäre. Im unteren Geschoss befinden sich zudem eine Lobby mit Bar für kleine Snacks sowie eine Panoramasauna, deren gerundete Holz-Sitzbänke an Blütenblätter erinnern. Ebenfalls rund sind nahezu sämtliche Leuchten: die großen und kleinen, teilweise sehr opulenten Pendelleuchten ebenso wie die Leuchten in den Umkleiden. Letztere sind mit schweren Samtvorhängen abgeteilt und verfügen über mit Glühbirnen gerahmte Spiegel, wie es sie in Künstlergarderoben im Theater gibt.

Die teilweise zweigeschossigen Rückzugsinseln bieten loungeartige Sitz- und Liegemöbel und viel Privatsphäre.

Licht, Luft, Wasser

Der 165 Quadratmeter große Außenpool ist integraler Bestandteil des neuen „Mohr Escape“. Er verläuft über die ganze Länge des Gebäudes und ist über eine mittige Einstiegszone mit dem Gebäudeinneren verbunden. Hier erleben die Gäste neben der sich im Wasser spiegelnden Bergkulisse und der gerasterten Gebäudestruktur insbesondere das als Infinity-Pool realisierte Wasserbecken. Es ist weder gefliest noch in Edelstahl ausgeführt, sondern besteht ebenfalls aus durchgefärbtem und sandgestrahltem Sichtbeton. Folglich fühlen die Badegäste sowohl am Beckenboden als auch am Beckenrand die raue Oberflächenstruktur des Betons und erleben einmal mehr den Eindruck eines natürlichen Umfelds. Die kühle blaue, an einen Bergsee erinnernde Farbe entsteht dabei ganz von allein.

Das Becken eignet sich zum Schwimmen ebenso wie zum Baden. Darüber hinaus sind im Wasserbecken insgesamt sechs Insel-Boxen zum Beispiel mit Spiegeln, Klangstäben, Farbscheiben und einem Wasservorhang verteilt. Sie regen zur Bewegung und zu kleinen sensorischen Entdeckungsreisen an und führen durch ihre Rahmenform die geometrische Struktur des dahinterliegenden Gebäudes weiter.

Die an einen Bergsee erinnernde kühl-blaue Wasserfarbe entsteht allein durch die raue Struktur des Sichtbeton­außenbeckens.

Mit dem neuen „Mohr Escape“ haben die Bauherren und Architekten ein gestalterisches Kleinod geschaffen, das den dort weilenden Menschen eine vollkommen entspannte Zeit ermöglicht. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Zutritt ausschließlich erwachsenen Hotelgästen vorbehalten ist.

Roland Pawlitschko

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