Klimatechnik "Engpässe bei Service und Wartung"

F-Gase_Verordnung
Heikel: Werden Kältemittelmengen verknappt, könnte das schwerwiegende Folgen haben. © Alisaa - stock.adobe.com

Die Europäische Union hat sich auf ein Verbot von F-Gasen in Wärmepumpen und Klimaanlagen geeinigt. Was das konkret bedeutet.

Nach längerem Hin und Her hat sich die EU auf einen Kompromiss zur Novellierung der F-Gase-Verordnung geeinigt. Heißt konkret: Ab 2027 sollen bestimmte Kältemittel vom Markt genommen werden. Bis zum Jahr 2050 soll sogar ein Totalverbot von fluorierten Treibhausgasen in der EU erzielt werden. Der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF) hatte auf eine Entschärfung des Entwurfs der Novelle gehofft. Das Gegenteil ist eingetreten. Für Service- und Wartungsarbeiten an Bestandsanlagen wurde der zulässige GWP-Wert drastisch gesenkt. Demnach dürfen ab 2032 nur noch Kältemittel mit einem GWP-Wert von bis zu 750 verwendet werden. Hinter dem GWP-Wert verbirgt sich das Erderwärmungspotenzial eines Stoffs im Vergleich zu CO2.

Viele Anlagen werden mit dem Kältemittel R404A (GWP-Wert 3.943) betrieben, deren Laufzeit weit über das Jahr 2032 hinausreichen würde. Heribert Baumeister befürchtet, dass auf Betreiber hohe Investitionen zukommen, wenn Anlagen vorzeitig außer Betrieb genommen werden müssen.

„Das widerspricht jeglichem Nachhaltigkeitsgedanken“, so der Bundesinnungsmeister des Kälteanlagenbauerhandwerks. Hinzu käme das Problem massiver Preissteigerungen bei populären Kältemitteln und die Suche nach Alternativen. Der Einsatz von natürlichen Kältemitteln wie Propan, Ammoniak oder Kohlendioxid (CO2) als Ersatz für die F-Gase erfordert ein spezielles Knowhow. „Diese Kältemittel sind entweder brennbar, toxisch oder es müssen sehr hohe Drücke beherrscht werden“, sagt Markus Freund, Kälte-Klima-Technik Hessen-Thüringen/Baden-Württemberg. Die Branche hatte sich mehr Zeit für den Wandel gewünscht. „Die schnelle Verknappung der Kältemittelmengen sehen wir sehr kritisch. Das wird zu Engpässen vor allem bei Service und Wartung von Bestandsanlagen führen sowie den illegalen Kältemittelhandel befördern“, sagt VDKF-Präsident Karl-Heinz Thielmann.

Martin Giese, Head of Global Strategy Hospitality bei Kampmann, ist überzeugt, dass die Regelung „ein weiterer Schritt in Richtung eines nachhaltigen Gebäudebetriebes“ sei. Er sieht die Lösung in der Reduzierung der Kältemittelmengen. Möglich werde dies durch den Einsatz von Kaltwassersätzen: „Der Vorteil einer wasserführenden Wärmepumpe steckt bereits in der Bezeichnung: Das Gerät transportiert die Wärme- oder Kälteenergie über das Medium Wasser in das Gebäude; in den Räumen temperieren damit etwa Fan Coils (Gebläsekonvektor) die Luft. Kältemittel kommt nur außerhalb des Gebäudes in einem sehr kleinen Kreislauf zum Einsatz. So gelingt die nachhaltige Transformation sicher, effizient und kostensparend.“

Was sind F-Gase?

Bei fluorierten Gasen („F-Gase“) handelt es sich um nicht natürlich vorkommende Gase, die in verschiedenen industriellen Anwendungen wie Wärmepumpen oder Klimaanlagen zum Einsatz kommen. Da sie die Ozonschicht nicht schädigen, werden sie häufig als Ersatz für ozonabbauende Stoffe eingesetzt. F-Gase besitzen allerdings eine starke Treibhausgaswirkung, die erheblich größer sein kann als die von Kohlendioxid (CO2). F-Gase aus Kälteanlagen gelangen ausschließlich durch Leckagen in die Atmosphäre.