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StartHotel+TechnikEnergiewende:: Wie schaffen wir das?

Energiewende Wie schaffen wir das?

Wer Nachhaltigkeit ernsthaft angehen will, muss regenerative Energien im Blick haben. Welche Lösungen sich für die energieintensive Hotelbranche empfehlen und warum der Sanierung im Bestand eine Schlüsselrolle zukommt, erklärt Andreas Christen vom Experten für Heizsysteme Buderus.

Hotel+Technik: Was genau steckt hinter dem Buderus-Claim „Für die Zukunft des blauen Planeten“?

Andreas Christen: Die Klimaneutralität bis 2045 ist beschlossene Sache, es gibt einen Fahrplan der Bundesregierung für alle Sektoren. Der Gebäudesektor spielt mit jährlich über 100 Millionen Tonnen CO2 und damit 15 Prozent des CO2-Ausstoßes eine tragende Rolle. Der Claim verbindet uns alle mit dem Ziel, die Emissionen in diesem Bereich auf Null herunterzufahren.

Verändert sich das Investitionsverhalten der Hoteliers, auch wenn erneuerbare Energien finanziell schmerzen können?

Durch die Energiewende hat die Entwicklung noch mal einen ganz anderen Drive bekommen. Die Energieeffizienz verbunden mit Betriebskosten steht schon lange im Fokus. Einerseits muss dem ökologischen, andererseits dem betriebswirtschaftlichen Gedanken Rechnung getragen werden. Letztlich ist das aber kein Widerspruch, sondern ein guter Kompromiss oder sogar eine Win-win-Situation.

Inwiefern?

Bei der Investition hilft der Staat mit Förderungen. Bei den Betriebskosten helfen wir mit Energieeffizienz. Ich glaube, dass der Zeitpunkt, um in fortschrittliche Energien zu investieren, nie besser war als heute.

Ein Hotelbetreiber kommt zu Ihnen und möchte im Bestand sanieren. Welche Empfehlung sprechen Sie aus?

Eine gesunde Absprungbasis ist oft das Blockheizkraftwerk, kurz BHKW, weil damit Strom vor Ort erzeugt und die Abwärme komplett im Hotel genutzt werden kann. Hotels haben eine relativ hohe Grundlast bei Strom und Wärme inklusive Warmwasserbeheizung. Das ist gut mit einem BHKW vereinbar, das auf möglichst viele Betriebsstunden kommen sollte, um wirtschaftlich zu arbeiten. Das BHKW sollte um einen Spitzenlastkessel ergänzt werden, der mit erneuerbaren gasförmigen Stoffen wie Biomethan betrieben werden kann.

Sie würden also eine Kombination aus mehreren Lösungen anbieten?

Genau, und das ist auch eine unserer Stärken: Wir sind nicht auf eine Techno­logie festgefahren. Ein BHKW in Kombination mit einem Brenn­wertkessel ist oft die Basis, es lassen sich jedoch Ergänzungen einbeziehen, zum Beispiel in Form von Solarthermie oder einer Wärmepumpe. Im Gegenzug kann dafür vielleicht der Spitzenlastkessel reduziert werden. Eine Wärmepumpe, eventuell in Verbindung mit Photovoltaik, ist ebenfalls eine sehr gute Systemergänzung, um regenerative Energien einzusetzen.

„Wichtig und zukunftsweisend ist, dass erneuerbare Energien genutzt werden, also grüner Strom oder Biomethan.“

Für welche Häuser eignet sich ein BHKW?

Nicht nur für größere Häuser. Wir können aufgrund der Verbräuche der Hotels gut simulieren, wie groß ein BHKW sein muss. Üblicherweise dienen als Richtwert circa 25 Prozent der Heizlast, damit bestimmen wir die ungefähre Größe des BHKWs. Das Schöne am BHKW: Man kann nahezu die gesamte Abwärme der Stromerzeugung im Hotel nutzen. Das ist bei der zentralen Stromversorgung nicht so, die Wärme wird zu großen Teilen aus dem Schornstein herausgeblasen. Mit einem BHKW erreichen wir in einem Hotel Gesamtnutzungsgrade von 85 bis 90 Prozent.

Wann wird die Amortisation bei einem BHKW erreicht?

Nach fünf Jahren, eventuell auch früher. Es ist wichtig, dass das BHKW hohe Betriebszeiten hat. Ein häufiger Fehler ist, dass es zu groß ausgewählt wird und dann nicht auf ausreichend Betriebsstunden kommt. Circa 5.000 bis 6.000 Stunden im Jahr sind ideal.

Welche Fehler können Hoteliers bei der Planung unterlaufen?

Falsch ist, keine Analyse zu machen. Die Auslegung ist sehr wichtig. Hotelbesitzerinnen und -besitzer haben eine gute Transparenz über die Energieverbräuche. Wenn ich weiß, welchen Strom-, Öl- oder Gasverbrauch ich habe, kann man das Heizsystem schon gut auslegen.

Begleiten Sie Sanierungen im Bestand eher als im Neubau?

Am Ende machen wir beides mit gleicher Wichtigkeit. Es ist aber so, dass im Heizungsmarkt der Bestand eine viel größere Rolle spielt. Er hat aus unserer Sicht sogar eine Schlüsselrolle in der Energiewende, denn: Die Sanierungsquote ist aktuell zu gering. Es nützt nichts, tolle Technik einzusetzen, das aber viel zu selten. Veraltete ineffiziente Bestandsanlagen werden oft nicht getauscht.

„Um die Ziele der Bundesregierung zu erreichen, muss deutlich mehr Tempo auf die Straße.“

Welche Hotelprojekte haben Sie zuletzt umgesetzt?

In Friedrichshafen beispielsweise haben wir im Hotel Traube am See eine sehr große Solarthermieanlage in Verbindung mit einem Gasbrennwertkessel installiert. Im Hotel am Delft in Emden haben wir ein BHKW mit Gasbrennwertkessel eingesetzt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Tausch des alten Heizkessels?

Am besten nicht erst, wenn der Kessel kaputt ist, sondern wenn die Betriebskosten zu hoch werden, wenn man unabhängiger werden will oder wenn man den ökologischen Gedanken hat. Letztendlich ist der finale Zeitpunkt da, wenn eine Anlage zu alt wird. Aber das ist vielleicht die Kehrseite für die Energiewende: Heizungsanlagen halten oft sehr lang, bis zu 20 Jahre. Trotzdem: Die Technik hat sich in den letzten zehn bis 20 Jahren so stark verändert, dass sich jeder Gedanken machen sollte, wenn eine Anlage älter als zehn bis 15 Jahre ist.

Der Ukrainekrieg verschärft den Drang nach Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland. Mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?

Sicherlich können die Rahmenbedingungen, die gerade einwirken, einen zusätzlichen Schub hinsichtlich regenativer Energien geben. Aber Gas ist nicht ganz abgeschrieben. Es gibt grüne, gasförmige Brennstoffe, die eingesetzt werden können, zum Beispiel Biomethan oder Bio-Erdgas und in der Zukunft wahrscheinlich auch Wasserstoff. Schon heute werden dem Erdgas bis zu 10 Prozent und in Kürze wahrscheinlich bis zu 20 Prozent Wasserstoff beigemischt. Aber auch hier ist wichtig, dass es grüner Wasserstoff ist.

In vielen unsere Gasgeräte können wir bereits 20 Prozent Wasserstoff beimischen. 2025 werden dann die ersten Gasgeräte „H2-ready“ sein. Das bedeutet: Sie können mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben werden. Übrigens, was viele nicht wissen: Biomethan kann schon heute eins zu eins in ein Gasgerät eingebracht werden.

„Prinzipiell kommt synthetisch erzeugten regenerativen Brennstoffen in Zukunft sicherlich eine größere Bedeutung zu.“

Wie weitreichend schätzen Sie staatliche Förderungen momentan ein?

Staatliche Förderungen gibt es und es gilt, sie auch zu nutzen. Wir können als Dienstleistung für die Hoteliers exakt berechnen, inwieweit für eine bestimmte Anlage eine Förderung möglich ist. Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude gibt es ein umfangreiches Förderprogramm für Gas-Brennwert-Hybrid, aber auch für regenerative Technologien wie Solarthermie oder Wärmepumpen. Etwas teurere Technologien, die aber energieeffizient sind, werden über eine Förderung dann doch wirtschaftlich gemacht. Das ist im Ergebnis gut für die Energiewende.

Wie können Hoteliers Energie sparen, ohne sich komplett neu aufzustellen?

Wir reden hier, ähnlich wie bei Autos, von Hybridanlagen. Das heißt, wenn ich heute ein „altes Schätzchen“ im Keller habe, das nicht mehr so effizient ist, kann ich das wunderbar mit regenerativen Wärmeerzeugern kombinieren. Ich kann es mit einer Wärmepumpe kombinieren, die dann die Grundlast abdeckt. Perfekt ist es, wenn das Gesamtsystem mit einer Regelung, die sich Hybridmanager nennt, gesteuert wird.

Dann kann man einstellen, bis zu welchem Punkt die Wärmepumpe arbeitet, und dass die alte Heizung dann nur noch die Spitzenlast macht. Alternativ kann ich eine Solarthermie ergänzen, sicherlich vorzugsweise mit einem Gasgerät. Und Photovoltaik eignet sich besonders in Kombination mit einer Wärmepumpe.

Welche Rolle spielt die Hotellerie auf dem Weg zur Klimaneutralität?

Buderus kann viel mit Anlagentechnik bewirken, und wir können die Energieträger beeinflussen, weil wir diese miteinsetzen. Letztendlich geht es aber um die Sanierung von Gebäuden, um regenerative Energien noch besser einsetzen zu können. Ich glaube, dass jedes Mosaikstück hilft, die Energiewende zu schaffen. Wir müssen alle an unseren Stellschrauben drehen. Mit dem Claim, dass wir für den blauen Planeten einstehen, möchten wir unsere Verantwortung wahrnehmen und unseren Beitrag leisten.

„Unsere Stärke ist die Energieeffizienz
im System.“

Es ist nicht der einzelne Wärmeerzeuger, sondern die Kombination der Wärmeerzeuger und der Hybridgeräte der regenativen Energien. Die Systeme hören nicht mehr im Keller auf, sondern führen mit einer Vernetzung bis zum Endkunden. Systeme müssen in Abhängigkeit des Verbraucherverhaltens, zum Beispiel des Hoteliers, und in Abhängigkeit des verfügbaren Stroms optimal fungieren. Das ist die größte Herausforderung. Wichtig ist, dass wir gemeinsam mit dem Hotelgewerbe die Energiewende voran­treiben und jeder seine Verantwortung trägt. | Interview: Tanja Bürgle

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