Bei Energiespeichern ist der Name Programm: Sie bevorraten je nach Typus Strom, Wärme oder Kälte und geben die „Power“ bei Bedarf wieder ab. Sind die Geräte auch die Zukunftslösung für die Hotellerie?
Speichersysteme erhöhen die Energieeffizienz und -autarkie. Sie nehmen einen zunehmend wichtigen Part bei der Energiewende ein. Stromspeicher, konkret unter anderem Lithium-Ionen- oder Blei-Gel-Batterien, haben bis dato die höchste Marktrelevanz. „Ein Hotel kann mittels Stromspeichern ohne weiteren Netzausbau oder andere technische Umrüstungen seine elektrische Leistung erhöhen“, erläutert Jörn Menke, Speicherspezialist und Fachberater für komplexe Energielösungen bei Adler Solar.
Ein klassischer Einsatzbereich besteht im Lastspitzenmanagement. In der Hotellerie kommt es häufig zu hohen Lastspitzen im Stromverbrauch, die die Kosten bei den Netzentgelten nach oben treiben. Mithilfe der Energiespeicher lassen sich die Lastspitzen kostensenkend kappen. Natürlich haben auch Speichersysteme ihren Preis, sodass Jörn Menke im Vorfeld zu einer genauen Analyse der Verbräuche und weiterer Rahmenbedingungen wie Bezugspreise oder Preisstaffelung rät. Er nennt als erste wichtige Anhaltspunkte: „Für Hotels, die einen hohen Leistungspreis von mehr als 85 Euro je kW zahlen oder deren Netzanschluss limitiert ist, kommen Speicher besonders in Frage. Ebenso für jene, die über eine Photovoltaikanlage verfügen und Energie in andere Tageszeiten verschieben möchten.“
Unterstützung der Elektromobilität
Denn während die Sonne nur tagsüber scheint, ist der Strombedarf oftmals in den Abendstunden am höchsten. Die mangelnde Konstanz ist der Nachteil der erneuerbaren Energien, was die Energiespeicher geradezu auf den Plan ruft. Durch das Einspeichern des selbst erzeugten Stroms bei Überschuss und die Stromabgabe bei Bedarf kann ein Hotel seinen Eigenverbrauch deutlich erhöhen, die Nutzung seiner Anlagen effizienter gestalten und gleichzeitig den CO2-Fußabdruck reduzieren. Die Unterstützung der Elektromobilität ist ein weiterer wichtiger Aspekt.
Eine eigene PV-Anlage auf dem Hotel- oder Carport-Dach in Kombination mit Energiespeichern und den passenden Ladesäulen bietet die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge der Gäste (und eigene natürlich auch) rund um die Uhr mit eigenerzeugtem Strom zu versorgen. Die Speicher dienen dann wie bereits erwähnt auch als Leistungslieferant: In der Nacht, wenn keine Sonne scheint, und tagsüber, wenn das Stromnetz oft leistungsbegrenzt ist, was zu längeren Ladezeiten führt, insbesondere, wenn eine größere Zahl von Fahrzeugen gleichzeitig versorgt werden will. Hoteliers können im Sinne der Renditeverbesserung überdies zu Energiehändlern werden, zeigt Jörn Menke auf: „Die Batterieleistung kann in Zeiten der freien Verfügbarkeit netzdienlich eingesetzt werden. Beziehungsweise, es kann Energie zu günstigen Börsenzeiten eingekauft und zu Spitzenzeiten freigegeben werden. Netzbetreiber honorieren bereits die atypische Netznutzung, also die geringere Stromabnahme in besonders belastenden Zeiten.“
Spitzenlast um 180 kW gesenkt
Stromspeicher werden darüber hinaus zur Sicherstellung einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) bis hin zur Notstromversorgung eingesetzt. Schließlich können selbst sehr kurze Stromausfälle zu großen Schäden führen. Daniel Schneiter, Moderator Wäschereien, Hotels und Bäder bei der Schweizer Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW), mahnt auch hier eine sorgfältige Planung an: „Es muss eine Schaltanlage eingebaut werden, die das Stromnetz bei Notstrombetrieb abkoppelt, und es muss bestimmt werden, welche Verbraucher notstromberechtigt sind.“
Das Oberjoch Familux Resort, ein Viersterne-Superior-Hotel im Allgäu, unterhält eine Menge an Infrastruktur, um den Gästen Entertainment und Wohlfühlkomfort zu bieten. Der Jahresstromverbrauch liegt bei zwei Gigawattstunden. Nicht nur die Grundlast ist enorm, auch die Stromspitzen sind es, beispielsweise ausgelöst von Pumpen oder Heizungen im Spa-Bereich. Obwohl der Netzbezug mit einer 540-kWp-Photovoltaikanlage bereits deutlich reduziert worden war, schlugen die kurzzeitig sehr hohen Ströme noch immer erheblich zu Buche. Mittlere fünfstellige Jahresbeträge wiesen die Rechnungen des lokalen Energieversorgers diesbezüglich aus. Vor nunmehr fast drei Jahren wurde daher durch Adler Solar ein Speicher „TS HV 70“ von Tesvolt nachgerüstet.
„Wir machen sehr gute Erfahrungen damit. Alle Ansätze, die durch die Installation angedacht waren, wurden voll erfüllt“, berichtet Volker Küchler, General Manager des Oberjoch Familux Resorts, und ergänzt: „Die Spitzenlast wurde um 180 kW gesenkt. Die Eigenverbrauchsquote der PV-Anlage erreicht mehr als 98 Prozent. An guten Ertragstagen im Sommerhalbjahr sind wir von circa 9 bis 18 Uhr autark. Und bis dato gab es keine einzige Störung der Anlage.“
"An guten Ertragstagen im Sommerhalbjahr sind wir von 9 bis 18 Uhr autark."
Volker Küchler, Oberjoch Familux Resort
Batteriespeicher als Notstromversorgung
Auch im Biohotel Eggensberger in Füssen hat sich der Stromspeicher – geplant und realisiert durch das Photovoltaik-Systemhaus GermanPV – laut Geschäftsführer Andreas Eggensberger bewährt. Der Strombedarf des Allgäuer Betriebs wird zu großen Teilen durch die 1.000 Quadratmeter umfassende Photovoltaikanlage sowie das mit Biogas betriebene hauseigene Blockheizkraftwerk gedeckt. Ist die Erzeugung niedriger als der Bedarf, überbrückt der Speicher „Sirio Power Supply“ von Riello Power Systems. Ist die Batterie leer, wird Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen.
Ist sie voll, wird es ihm wiederum zur Verfügung gestellt. Bei einem externen Stromausfall fungiert der Batteriespeicher schließlich als Notstromversorgung. „Wir sind bereits mit dem nächsten Projekt beschäftigt, das die Leistung unseres Hausanschlusses von 90 kW auf 200 kW erhöhen soll. Denn wir projektieren zehn weitere E-Ladesäulen über die zwölf bereits bestehenden hinaus“, so Andreas Eggensberger. Wärmepumpen sind ein ähnlich großes Thema in der Energiewende wie Photovoltaikanlagen und werden immer häufiger verbaut. Sie wiederum sind mit Eisspeichern kombinierbar, auch wenn sich diese laut Daniel Schneiter (EnAW) wegen des umfangreichen Platzbedarfs und der hohen Kosten bisher nur in Ausnahmefällen für die Hotellerie lohnen.
Eine dieser Ausnahmen ist das Valsana Hotel Arosa der Tschuggen Collection in Arosa (Schweiz), das dank Eisspeicher durch Geothermie und Wärmerückgewinnung ohne jegliche Brennstoffe beheizt und in Teilen im Sommer auch gekühlt wird (Restaurant und Küche).
Wie ein Wassertank mit Wärmetauschern

Das Ursprungshaus des Traditionshotels wurde 2015 abgerissen. Es verbrauchte im Schnitt 135.000 Liter Heizöl pro Jahr. Im unterirdischen Bauch der Neubauanlage befinden sich nun ein Eisspeicher, 18 Erdsonden und Verbindungen zu den Kühlanlagen des benachbarten Coop-Supermarkts. Deren Abwärme wird ebenso in den Eisspeicher eingespeist wie jene der eigenen Kühlanlagen der Küche. Ebenso wird Abwärme des Abwassers
der Zimmerduschen, des Spa-Bereichs, der Wäscherei oder Küche rückgewonnen. „Abwasser hat einen Durchschnittswert von 15 bis 22 Grad Celsius. Nach der Wärmerückgewinnung sind es bis zu vier Grad weniger, bevor das Wasser in die Kanalisation läuft“, erläutert Christian Meier, Cheftechniker des Valsana Hotels. Weitere Heizleistung wird durch die Erdsonden gewonnen und in den Eisspeicher geführt.
Die Wärmepumpen beziehen die Energie direkt aus diesem Speicher, welchen man sich wie einen großen Wassertank mit Wärmetauschern vorstellen kann. Bei großer Energieentnahme gefriert das Wasser zu Eis, bei Abwärmezuführung verflüssigt es sich wieder. „Mit 49 kWh je Logiernacht für Wärme und Strom zählt das Hotel zu den Spitzenreitern energetischer Optimierung“, bestätigt EnAW-Berater Daniel Schneiter, der in das Projekt eingebunden war.
Pufferspeicher für das Brauchwasser
Energiespeicher in vielfältigsten Ausprägungen werden sicher künftig ein noch wichtigeres Thema, zumal die Weiterentwicklung voranschreitet. Daniel Schneiter hält es schon heute für sinnvoll, bei Neubau oder Sanierung von Heizungsanlagen anstelle von Boilern für das Brauchwarmwasser auf die Frischwassertechnik kombiniert mit einem Heizungsspeicher (Pufferspeicher, Warmwasserspeicher oder Solarspeicher) zu setzen. Damit würden
Energiesparen und hohe Sicherheit in puncto Hygiene in Einklang gebracht. Last, but not least sei angemerkt, dass es diverse Förderprogramme und Unterstützungsmöglichkeiten für Energiespeicher auf EU-, Bundes- und Landesebene gibt.