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StartHotel+TechnikGebäudetechnikEnergiemanagement::Mit diesen Maßnahmen erhalten Hoteliers mehr Kostenkontrolle

EnergiemanagementMit diesen Maßnahmen erhalten Hoteliers mehr Kostenkontrolle

Die steigenden Energiepreise machen der Hotellerie zu schaffen. In vielen Häusern finden sich jedoch zahlreiche Möglichkeiten, die Energieeffizienz zu steigern. Energie-Experte Holk Schubert vom BFE Institut für Energie und Umwelt gibt Tipps.  

Fünf Prozent des Jahresumsatzes, lautete bislang die Faustformel für den Anteil der Energiekosten. Derzeit reicht das sicher nicht aus, denn die Strom- und Gaspreise sind in den vergangenen Monaten erheblich gestiegen, während die Umsätze durch die Corona-Beschränkungen lange Zeit deutlich unter dem üblichen Niveau lagen. Viele Hoteliers fürchten zudem erneute Einschränkungen in der bevorstehenden Herbst- und Winter-Saison. Umso wichtiger sind Effizienzmaßnahmen, mit denen Hotels, ihre Energiekosten reduzieren und an den jeweiligen Bedarf anpassen können, betont Holk Schubert, Prokurist bei BFE Institut für Energie und Umwelt.

Holk Schubert, Prokurist bei BFE Institut für Energie und Umwelt: „Mit regelmäßigen Messdaten haben Hoteliers eine Basis für Effizienzmaßnahmen.“ (Bild: BFE Institut für Energie und Umwelt)

Laut dem Experten sollte der erste Schritt immer darin bestehen, Transparenz über die Verbräuche zu schaffen. Denn meist sei nicht bekannt, wofür und wann wie viel Energie verbraucht werde. Werden trotzdem Maßnahmen umgesetzt, könne es passieren, dass die Investitionen weitgehend verpuffen, so Schubert, weil das Einsparpotenzial an dieser Stelle gar nicht so groß war.

Um Transparenz zu erhalten, genügen anfangs temporäre Messungen für einen Zeitraum zwischen mindestens zwei und zwölf Wochen. Die Messtechnik sollte sekundengenau die Verbräuche aller Geräte und Aggregate erfassen, so Schubert. Ideal seien platzsparende Messgeräte, die sich schnell und unterbrechungsfrei installieren lassen.

Technik macht nur 20 Prozent des Energieverbrauchs aus

Erfahrungsgemäß bestimme die Technik jedoch nur rund 20 Prozent des Energieverbrauchs, rund 80 Prozent beeinflusse der Mensch mit seinem Verhalten. Weil das nicht immer konstant ist und zum Beispiel Personalwechsel Änderungen mit sich bringen, empfiehlt der BFE-Experte an den betreffenden Stellen dauerhafte Messungen. Diese helfen auch bei einer stark schwankenden Auslastung, den Energieverbrauch dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Mit der Auswertung der Messdaten haben Hoteliers eine Basis für Effizienzmaßnahmen, die exakt dort ansetzen, wo die größten Einsparungen erzielt werden können. Sie bringen oft schon innerhalb von wenigen Wochen einen Return on Investment, so Schubert.

Spa und Küche als Energiefresser

Die wichtigsten Stellschrauben für den Energieverbrauch liegen im Spa, in der Küche und Wäscherei sowie in der Wärme- und Kältetechnik. Im Spa hätten viele Hotels bereits hervorragende, moderne Steuerungen, so Schubert, doch diese brächten nur so viel Effizienz, wie es ihre Programmierung erlaube. Sei nicht bekannt, wie lange beispielsweise die Reinigungspumpen des Pools laufen müssen, um eine gute Wasserqualität zu erreichen, oder wie lange die Sauna zum Aufheizen tatsächlich benötigt, ließen sie sich auch nicht optimal programmieren. Mit Hilfe der Messungen liegen diese Daten vor, sodass sich die Steuerungen wirklich bedarfsgerecht einstellen lassen. Auch manuell können die betreffenden Geräte dann effizienter genutzt werden.

In der Küche ist der Herd meist ein großer Verbraucher. Häufig läuft er fast den ganzen Tag hindurch in der Annahme, das neu Aufheizen würde zu lange dauern und mehr Energie verbrauchen, weiß Holk Schubert. Auch hier würden Messungen zeigen, wie lange es wirklich dauert, bis der Herd heiß ist und wie viel Energie hierfür nötig ist.

Ähnliches gilt für die Lüftung, die oft nicht an die aktuelle Nutzung der Küche angepasst ist. Außer einer bedarfsorientierten Nutzung kann sich hier auch die Nachrüstung eines Wärmetauschers lohnen. Damit lässt sich die warme Abluft aus der Küche zum Heizen von anderen Räumen oder für die Warmwassererzeugung nutzen.

Ladesäulen beim Energiemanagement beachten

Außer der Betrachtung der einzelnen Bereiche und Großverbraucher sollten Hoteliers auch den Lastverlauf des gesamten Gebäudes beziehungsweise der Liegenschaft im Blick haben. Werden beispielsweise morgens die Küchengeräte, Pools und Sauna zeitgleich angeschaltet, kann es zu Lastspitzen kommen. Diese gilt es dringend zu vermeiden, so Schubert, denn eine einzelne Lastspitze von wenigen Minuten könne den Strompreis für ein ganzes Jahr in die Höhe treiben.

Das gelte besonders auch für Hotels, die eine Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge installiert haben. Diese zusätzlichen Verbraucher müssten beim Energiemanagement berücksichtigt werden, vor allem, wenn es sich um Schellladesäulen handelt. Hier, so der Experte, könne sich sogar ein dynamisches Lastmanagement lohnen, das alle relevanten Verbraucher der Liegenschaft automatisiert optimal steuert.

Außer der Verbrauchs- bietet auch die Erzeugungsseite Möglichkeiten, um die Energiekosten zu reduzieren. Eine Photovoltaik-Anlage (PV) ist längst für viele Hotels eine interessante Variante der Eigenstromerzeugung. Sie liefert für rund 25 Jahre grünen Strom zum gleichbleibend günstigen Preis ohne Abhängigkeiten. Je nach verfügbarer Fläche kann sich die Anlage bei den derzeitigen Strompreisen schon in unter acht Jahren amortisieren, so Schubert. Und wenn der PV-Strom in die Ladesäulen beziehungsweise Wallboxen fließt, könnten Hotels für diese auch Fördermittel erhalten.

Die Faustregel bei einer PV-Anlage laute immer: Je mehr des hier erzeugten Stroms das Hotel selbst verbraucht, desto besser. Welchen Anteil seines Bedarfs ein Hotel tatsächlich aus einer PV-Anlage decken kann, hängt dabei von vielen Faktoren ab. Doch aus den genannten Gründen lohne sie sich fast immer, so Schubert. Für Hotels, die sich in einem gemieteten oder gepachteten Gebäude befinden, seien PPAs (Power Purchase Agreements) eine Möglichkeit, ebenfalls Photovoltaik zu nutzen.

Fördermöglichkeiten auf Bundes- und Landesebene nutzen

Für Energieeffizienz-Maßnahmen können Hoteliers derzeit verschiedene Förderprogramme nutzen. Zu den größten gehört die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW). In deren Rahmen werden nicht nur Energieeffizienz-Maßnahmen, sondern auch die Energieberatung sowie Anlagentechnik, Sensorik und Energiemanagement-Software gefördert, außerdem sogenannte Transformationskonzepte. Ein solches Konzept muss zehn Jahre umfassen und konkrete Maßnahmen beschreiben, mit denen das Hotel seine Treibhausgas-Emissionen um mindestens 40 Prozent reduziert.

Eine weitere Option bietet die Bundesförderung für energieeffiziente Gebäude (BEG). Sie gilt für Einzelmaßnahmen im Bestand sowie für Neubau, Sanierung und Kauf sowohl bei Wohn- als auch bei Nichtwohngebäuden. Förderfähig sind alle Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz beziehungsweise zur Reduktion der CO₂-Emissionen der Gebäude. Die Fördersätze wurden Ende Juli zwar um 5-10 Prozentpunkte gesenkt, viele Maßnahmen lohnen sich aufgrund der stark steigenden Energiepreise trotzdem, sagt Holk Schubert. Neu hinzugekommen sei zudem ein Heizungs-Tausch-Bonus, bei dem Gaskessel durch eine nicht-gasverbrauchende Anlage ersetzt wird.

Neben diesen Programmen auf Bundesebene gibt es zahlreiche länder- und branchenspezifische Förderungen. Deshalb ist es nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten, zumal sich Programme immer wieder ändern, ausgeschöpft sind oder geschlossen werden, während andere neu aufgelegt werden. Außerdem gilt es Fristen und Reihenfolgen einzuhalten, manche Förderprogramme lassen sich kombinieren, andere schließen sich dagegen aus. Deshalb, so Schubert, lohne es sich in der Regel, einen Energieberater hinzuzuziehen beziehungsweise ein Fördermittelmanagement zu nutzen. Manche Förderprogramme schreiben dies ohnehin explizit vor.

Last, but not least: Durch eine gesteigerte Energieeffizienz und die Nutzung von erneuerbaren Energien können Hotels quasi nebenbei ihre Klimabilanz verbessern – für Reisende und Hotelgäste ist diese ein zunehmend wichtiger Aspekt bei der Wahl ihrer Unterkunft.


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