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EnergiekriseGasumlage heizt Energiekosten zusätzlich ein

Die staatliche Maßnahme bringt Hotels noch mehr unter Kostendruck – parallel werden erste Stimmen aus der Politik zur Entlastung von Unternehmen laut. In den Betrieben läuft derweil die Suche nach Energiesparmöglichkeiten weiter.

Das Gas noch teurer wird, steht seit Montag fest: Ab 1. Oktober 2022 bis 1. April 2024 greift für anderthalb Jahre die von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte neue Gasumlage. Diese soll die erhöhten Beschaffungskosten von Gas-Importeuren über Weitergabe an die Verbraucher stabilisieren.

Die genaue Höhe der Gasumlage wurde am 15. August von der Trading Hub Europe (THE) ermittelt und auf 2,419 Cent pro Kilowattstunde beziffert. Bei der THE handelt es sich um einem Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber, das im vergangenen Jahr zur gemeinsamen Organisation der deutschen Gasversorgung gegründet wurde.

Schon vor einigen Wochen hatte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Gasumlage angekündigt, zuletzt hatte das Kabinett zugestimmt. Ziel ist es, Gas-Großimporteure vor der Pleite und das deutsche Energiesystem infolge der Ukraine-Krieg-Verwerfungen vor dem Kollaps bewahren.


Hintergrund

Russlands Krieg gegen die Ukraine führt weiterhin zu Verwerfungen auf den Energiemärkten: Seit Mitte Juni kam es immer wieder zur Drosselung des Gasimports nach Deutschland durch russische Lieferanten. Gasimporteure müssen nach Ersatz suchen und die Lieferausfälle zu hohen Preisen kompensieren. Die zusätzlichen Kosten können sie aufgrund vertraglicher Regelungen häufig nicht an ihre Kunden weitergeben. Das hat für die betroffenen Gasimporteure Verluste zur Folge, die sie nur zeitlich begrenzt decken können. Um die hohen Beschaffungskosten der Importeure auszugleichen wurde die Gasumlage auf den Weg gebracht. Die Umlage soll ab 1. Oktober 2022 bei allen Gasverbrauchern erhoben werden und endet am 1. April 2024. Die Abrechnung erfolgt grundsätzlich bis zum 30. September 2024. Die Umlage wird monatlich abgerechnet und kann alle drei Monate angepasst werden. Quelle: www.bundesregierung.de


 

Politik arbeitet an Entlastungen

Für Hotellerie und Verbraucher stehen damit weitere Kostensteigerungen ins Haus: Laut Netzwerk der Verbraucherzentralen in Deutschland muss sich eine Beispiel-Familie mit einem Verbrauch von 20.000 kWh pro Jahr auf jährliche Mehrkosten von 575 Euro brutto einstellen – vorausgesetzt, die Umlage bleibt unverändert auf dem momentanen Niveau. Ob Steuern auf die Umlage gezahlt werden müssen, ist dabei noch offen.

Für Unternehmen, die auf Gas angewiesen seien, bedeute die Umlage Milliardenmehrkosten, so die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag, Julia Klöckner. Hinzu kämen stark gestiegene Gas- und Stromkosten. „Wir müssen aufpassen, dass nicht Arbeitsplätze in Gefahr geraten.“

Auch die Sicherheit der Energieversorgung im Herbst und Winter beschäftigt die Unternehmen sehr. DEHOGA-Präsident Guido Zöllick forderte jüngst: „Wir erwarten, dass jetzt alles unternommen wird, um die Sicherheit der Energieversorgung zu gewährleisten und die Kostenexplosion bei Gas und Strom einzudämmen.“

Damit Deutschland auf die geplante staatliche Gasumlage zugleich keine Mehrwertsteuer erheben muss, hat Finanzminister Christian Lindner (FDP) auf EU-Ebene bereits um eine Ausnahme gebeten. Laut CDU-Politikerin Julia Klöckner muss die Mehrwertsteuerbefreiung aber im EU-Rat erst noch einstimmig beschlossen werden. Die Genehmigung dafür könne bis zu acht Monate dauern.

Weitere Koalitionspolitiker stellen zudem erste Entlastungen in Aussicht, wenn ab Oktober die zusätzliche Gasumlage greift. So sagte Omid Nouripour, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, gegenüber den Zeitungen der Mediengruppe Bayern: „Die Krise betrifft auch viele Mittelständler und damit wesentliche Treiber unserer Innovation und Wirtschaftskraft. Auch sie werden wir in dieser Notsituation nicht allein lassen.“ Die Regierung habe sich bereits verständigt, den Schutzschirm für Unternehmen, die wegen der hohen Energiepreise in Schwierigkeiten seien, zu verlängern. Dazu kündigte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kündigte für Unternehmen an, weitere Maßnahmen zumindest zu prüfen. Die konkrete Ausgestaltung sei aber noch unklar.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil dringt wegen der neuen Gasumlage auf weitere Entlastungen für die Verbraucher – auch auf Kosten neuer Schulden. Für eine Notlage seien im Grundgesetz Ausnahmen von der Schuldenbremse vorgesehen, teilte der SPD-Politiker am Montag mit. „Der Staat kann also zur Gegenfinanzierung dieser weiteren Entlastungen gesonderte Kredite aufnehmen, und das sollte er meines Erachtens auch tun.“

Der niedersächsische CDU-Chef Bernd Althusmann forderte den Bund unter anderem auf, mehr Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen. „Bei der Gaspreisumlage muss es eine verlässliche Obergrenze und eine zeitliche Streckung geben, um Unternehmen eine Planungsgrundlage zu geben“, teilte Althusmann mit, der zugleich Niedersachsens Wirtschaftsminister ist. Die bisher von SPD, Grünen und FDP in Aussicht gestellten Entlastungen seien noch nicht konkretisiert worden, kritisierte er. Außerdem sei unklar, ob auch Unternehmen entlastet werden sollen. Eine Höhe für die Obergrenze und einen Zeitraum für die Streckung nannte er nicht.

Flüssiggas ausgenommen

Nicht betroffen von der ab Oktober geltenden Gasumlage ist aus den Gasen Propan und Butan bestehendes Flüssiggas (auch „Liquefied Petroleum Gas“ (LPG)). Darauf weist der Deutsche Verband Flüssiggas hin. Der Unterschied zwischen Flüssiggas und verflüssigtem Erdgas liege in der Art der Verflüssigung und damit der Nutzung, so ein Verbandssprecher. Propan und Butan ließen sich bei Raumtemperatur und geringem Druck verflüssigen, das entstehende Gas lasse sich lange in Tanks lagern. Wegen dieser Leitungsunabhängigkeit sei Flüssiggas besonders im ländlichen Raum beliebt.

Hotels suchen nach Energiesparmöglichkeiten

Angesichts steigender Energiekosten und einer möglichen Gasknappheit im Winter bereitet sich die Hotellerie auf die kalte Jahreszeit vor. Heizungen, Pools, Kühlungen – „es wird die gesamte Bandbreite an Energiesparmaßnahmen erneut durchdekliniert“, sagte etwa Rainer Balke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Niedersachsen, gegenüber der dpa. Auch Preiserhöhungen seien kein Tabu. Zugleich sei klar, dass Gäste keine ungeheizten Hotels oder Restaurants akzeptierten. „Wohlfühlen gehört zum Gastgewerbeerleben dazu“, so Balke.

Denkbar sei deshalb die Reduzierung der Temperatur in Pools oder Hotel- und Restaurantgebäuden. Betriebe würden beispielsweise bereits Heizungsanlagen neu einstellen und energieintensive Geräte abschalten oder ersetzen, so Balke. „Alles was schon seit Jahren propagiert wird, bekommt nun unter dem enormen Kostendruck eine neue Bedeutung.“ Teilweise würden auch Entscheidungen aus der Vergangenheit rückgängig gemacht. Etwa in Restaurantküchen, wo nun wieder die als träge geltenden Elektroherde als Alternative zum Gasherd ein Thema sind. Die Kosten müssten dabei immer berücksichtigt werden, so Balke.

Im Harz hat das The Hearts Hotel in Braunlage bereits auf die steigenden Kosten reagiert: Statt auf dem Gasherd in der Hotelküche brutzelt es dort in einer Open-air-Küche mit Holzkohlegrill. Auch die Gäste sitzen noch bis Ende September draußen. Die Rückmeldungen seien verständnisvoll bis positiv, so Hotelgeschäftsführer Meik Lindberg.

dpa/Brit Glocke


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