
den steigenden Energiekosten.
Auch das "The Hearts Hotel" im niedersächsischen Braunlage, das mit jährlichen Mehrkosten für Energie in Höhe von 200.000 Euro rechnet, hat eine Energiepauschale bei Zimmerbuchung von drei Euro pro Nacht und Gast gestartet. "Insbesondere für die Wintermonate müssen wir aufgrund der Preise am Strom- und Gasmarkt sowie der generell anhaltenden Inflation mit erheblichen Verlusten rechnen. Spätestens im März wären demnach alle Rücklagen aufgebraucht und der ansonsten kerngesunde Betrieb pleite", rechtfertigt Hotelier Meik Lindberg die Maßnahme. "Nach Bekanntwerden des Abwehrschirms der Bundesregierung und in der Hoffnung, dass die Energiemehrkosten dadurch deutlich sinken, haben wir die zuvor auf fünf Euro kalkulierte Pauschale direkt um zwei Euro reduziert", so Lindberg, der auch zukünftig transparent und unmittelbar auf die starke Preisdynamik reagieren will.

Energiepauschalen und angepasste Zimmerpreise
Spa- und Wellnesshotels sind naturgemäß besonders betroffen. Das Hotel Victory Therme Erding mit 128 Zimmern ist an die größte Therme der Welt angebunden. Es gilt, 185.000 Quadratmeter Fläche wirtschaftlich zu betreiben. "Wir rechnen allein für das Hotel mit Zusatzkosten im sechsstelligen Bereich, bei der Therme werden sie siebenstellig sein", berichtet Hoteldirektor Jens Bernitzky. Die Gegenmaßnahmen: "Dank einer guten und langfristig ausgelegten Revenue-Management-Strategie und einer derzeitigen Nachfrage auf Vor-Corona-Niveau können wir die zu erwartenden Mehrkosten für Energie, aber auch für die gestiegenen Löhne einigermaßen über die angepassten Zimmerpreise ausgleichen. Doch wie weit werden die Energiepreise noch steigen? Wo liegt bei Zimmer- und Eintrittspreisen die Schwelle, ab der die Gäste nicht mehr kommen?"
Ratgeber
Das Informationsangebot der „Dehoga Energiekampagne“ hält zahlreiche Handlungsempfehlungen bereit. Es reicht von den "20 Top-Maßnahmen zur schnellen Senkung Ihrer Energiekosten" über eine Fallbeispiele-Datenbank, einen Energiecheck und Wirtschaftlichkeitsrechner bis hin zum Fördermittelwegweiser. Zudem zeigt ein „virtuelles Hotel“ interaktiv an typischen Energieverbrauchsstellen auf, wo sich wie viel Energie einsparen lässt. www.energiekampagne-gastgewerbe.de Energiespartipps, noch spezifischer auf die Gastronomie ausgerichtet, hat der Beraterverband FCSI Deutschland-Österreich (Foodservice Consultants Society International) in einem kostenlosen Whitepaper zusammengefasst. Diese reichen bis hin zur Anpassung der Speisekarte. Grundsätzliche Empfehlung: Die Energiekennzahl ermitteln. Dafür dividiert man den Gesamtverbrauch in kWh aus der letzten Jahresabrechnung durch die Gesamtfläche des Hotelrestaurants in Quadratmetern (Produktion, Toiletten, Gastraum). Der Wert sollte laut FSCI zwischen 230 und 300 kWh pro Quadratmeter und Jahr liegen. Liegt er darüber, gebe es deutliches Einsparpotenzial. www.fcsi.deAuch das Bilderberg Bellevue Hotel Dresden hat sich zu diesem Investment entschlossen. Die gesamte Fläche der Flachdächer auf Ost- und Westflügel wird dazu genutzt. Zuvor werden diese saniert und mit neuer Dämmung ausgestattet. "Energie sparen ist schon seit Jahren Bestandteil unseres Tagesgeschäfts", so General Manager Sebastian Klink. "Aufgrund der gestiegenen Kosten ist es jetzt aber notwendig, besondere Maßnahmen einzuleiten."

Lohnend: Photovoltaik und ganzheitliches Agieren
"In Investitionen für einen möglichst hohen Autarkiegrad liegen die größten Stellschrauben, um steigenden Energiepreisen entgegenzuwirken und gleichzeitig die Versorgung so gut es geht zu sichern", bestätigt Matthias Kodal, Leiter Energieeffizienz & Fördermittelbeschaffung bei Green Aktiv in München. "Zu den relevanten Maßnahmen gehören Umstellungen in der Wärmeerzeugung für Heizung und Trinkwarmwasser, energetische Verbesserungen an der Gebäudehülle wie Fassade, Dach, Fenster und Türen sowie die Eigenversorgung des Strombedarfs über Photovoltaik." Holk Schubert, Prokurist beim BFE Institut für Energie und Umwelt in Mühlhausen macht zudem darauf aufmerksam, dass Photovoltaik (PV) für rund 25 Jahre grünen Strom zum gleichbleibend günstigen Preis ohne Abhängigkeiten liefert. "Bei den derzeitigen Strompreisen kann sich eine PV-Anlage je nach verfügbarer Fläche schon in unter acht Jahren amortisieren und lohnt sich fast immer", so Schubert. "Und für Hotels, die sich in einem gemieteten oder gepachteten Gebäude befinden, sind langfristige Stromliefervereinbarungen (PPAs, Power Purchase Agreements) eine Möglichkeit, ebenfalls Photovoltaik zu nutzen."
Der erste Schritt zu mehr Energieeffizienz sollte allerdings immer darin bestehen, Transparenz über die Verbräuche zu schaffen, legt Schubert nahe. Dann stellt sich die Frage: Wie viel ist zu viel Energie? "Fünf Prozent des Jahresumsatzes, das war bislang die Daumenregel für den Anteil der Energiekosten, derzeit reicht das aber sicher nicht aus", so der Experte. Laut dem "Bundesweiten Energieeffizienz-Berater-Netzwerk" gliedert sich der Bedarf der Hotellerie durchschnittlich zu 30 Prozent in Heizwärme, 17 Prozent Warmwasser, 15 Prozent Kühlung und zwölf Prozent Beleuchtung. Oder anders ausgedrückt: 70 Prozent gehen zu Lasten der Wärmeerzeugung und 30 Prozent zu Lasten von elektrischer Energie.
"Wir empfehlen zunächst jedem Betrieb ein energetisches Gutachten, die sogenannte Auditierung nach DIN EN 16247", rät Matthias Kodal von Green Aktiv. "Hierin werden sämtliche energetischen Verbraucher eines Unternehmens bewertet und anschließend individuelle Optimierungsinvestitionen vorgeschlagen." Und zwar inklusive möglicher Förderungen, von denen es gegenwärtig eine ganze Reihe gibt.
www.energieeffizienz-im-betrieb.net
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