Energiekonzepte Strom und Wärme smart umwandeln

Es lohnt sich, frühzeitig eine ganzheitliche Bestandsaufnahme der Immobilie zu machen, um ein Gesamtkonzept für die Energieversorgung zu entwickeln.
Es lohnt sich, frühzeitig eine ganzheitliche Bestandsaufnahme der Immobilie zu machen, um ein Gesamtkonzept für die Energieversorgung zu entwickeln. © Pakin - stock.adobe.com

Zwei Konzepte, ein Ziel: Ein Wellnessresort und ein Stadthotel zeigen die nachhaltige Energieversorgung von heute.

Mehrere Saunen, ein Dampfbad und sogar ein Hotpool: Das umfassende Spa-Angebot im Viersterne-Superior-Hotel Das Stemp im Bayerischen Wald bringt einen hohen Energiebedarf mit sich. Frühzeitig setzte sich Inhaber Herbert Stemp daher das Ziel, sein Haus autark, sicher und nachhaltig mit Energie zu versorgen. Schon vor 20 Jahren hatte er die Vision, den Betrieb mit einem regionalen Brennstoff zu betreiben. Er startete mit einer Hackschnitzelheizung, „gefüttert“ mit Holz aus dem eigenen „Energiewald“. 2014 folgte der nächste Schritt: Stemp entschied sich für einen Umstieg auf die „HKA 30“-Holz-Kraft-Anlage des Unternehmens Spanner Re2. Der Grund: In dieser Holzvergaser-Anlage wird aus den Hackschnitzeln – alternativ auch Pellets – ein fossilfreies Synthesegas gewonnen, das in einem nachgeschalteten Blockheizkraftwerk (BHKW) verstromt wird. Damit liefert das System, anders als die frühere Hackschnitzelheizung, nicht nur Wärme, sondern zusätzlich auch Strom.

„Mir ist es wichtig, Ressourcen bestmöglich zu nutzen“, erläutert Herbert Stemp die Entscheidung. „Wir sehen uns als Teil der Energiewende.“ Ein Anspruch, der nicht nur aus persönlicher Überzeugung entstand, sondern auch mit der steigenden Sensibilität der Gäste zu tun hat: Immer häufiger wollen Besucher wissen, wie das Hotel mit Energie versorgt oder womit das Wasser der Pools beheizt wird.

Erfolg für den „Holzweg“

Die „HKA 30“ lieferte 30 Kilowatt elektrische und 73 Kilowatt thermische Energie – genug, um die Grundlast der Wärmeversorgung im Hotel abzudecken. Bei Bedarfsspitzen sprang der Hackschnitzelkessel ein. „Anfangs gab es, wie bei jeder neuen Technik, ein paar Kinderkrankheiten. Doch nach einer gewissen Zeit lief alles rund“, erinnert sich Herbert Stemp und sagt: „Die Einbindung von Strom- und Wärmeerzeugung in den Hotelbetrieb war völlig unkompliziert.

2016 erweiterte Stemp seinen Betrieb um eine freistehende Energiezentrale. Nach mehreren Hotelanbauten folgte 2020 ein zweiter, größerer Holzvergaser: die „HKA 70“ mit einer Leistung von 68 Kilowatt elektrisch und 144 Kilowatt thermisch. Seither ist die Energieversorgung optimal auf den gestiegenen Bedarf des Wellnessresorts abgestimmt. „Wir zählen inzwischen zu den größten Betreibern von Holzgasanlagen in Deutschland und sehen uns als Pioniere in der Stromerzeugung aus Holz“, sagt Stemp stolz.

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    Hotelier Herbert Stemp (links) und Re2-Geschäftsführer Thomas Bleul zeigen die Holz-Kraft-Anlage im Hotel Das Stemp.
    © Das Stemp
    Hotelier Herbert Stemp (links) und Re2-Geschäftsführer Thomas Bleul zeigen die Holz-Kraft-Anlage im Hotel Das Stemp.
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    Die Holz-Kraft-Anlage im Hotel Das Stemp.
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    Die Holz-Kraft-Anlage im Hotel Das Stemp.
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    Das Stemp ist ein Wellnessresort mit hohem Energiebedarf, der durch nachwachsende Rohstoffe gedeckt wird.
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    Das Stemp ist ein Wellnessresort mit hohem Energiebedarf, der durch nachwachsende Rohstoffe gedeckt wird.

Ressourceneinsparungen im Winter

Nahezu alle Dachflächen des Stemp – inklusive Personal- und Heizhäuser – sind mit Solarmodulen versehen, die eine umfassende Stromversorgung garantieren. Der in den Holzvergasern erzeugte Strom wird daher größtenteils gegen Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist.

Spanner Re2, Hersteller der Anlagen, sieht die Holz-Kraft-Technologie als ideale Ergänzung zu anderen erneuerbaren Energiequellen und Batteriespeichern. „Scheint die Sonne, übernehmen die PV-Anlagen die Stromproduktion – bei Nacht, schlechtem Wetter oder höherem Bedarf springt unsere Holz-Kraft-Anlage ein. Das steigert die Gesamteffizienz“, erläutert Geschäftsführer Thomas Bleul. Das Unternehmen hat inzwischen mehr als 1.100 Holz-Kraft-Anlagen ausgeliefert, darunter mehrere an Hotels.

Der wirtschaftliche Nutzen überzeugt: „Wir sehen Einsparungen von 40 bis 50 Prozent bei den jährlichen Energiekosten. Zudem profitieren Betreiber von Förderprogrammen und aktuell von 30 Prozent Sonderabschreibung im Rahmen des steuerlichen Investitionssofortprogramms“, berichtet Bleul. Auch Herbert Stemp zeigt sich zufrieden: „Die Anlage amortisiert sich sehr schnell – vor allem durch die vielseitige Nutzung von Strom und Wärme.“ Nicht nur Räume, sondern auch Pools und Saunen werden ganzjährig mit der Wärme der Holzvergaser versorgt, was im Winter enorme Ressourceneinsparungen ermöglicht.

„Selbst unsere heißwassergeführten Wäschetrockner laufen deutlich effizienter, da die Vorlauftemperatur jetzt wesentlich höher ist“, ergänzt Stemp. Die beim Betrieb entstehende Prozesswärme wird im Hotel zusätzlich genutzt, um die Hackschnitzel vor der Nutzung zu trocknen. Betreiber, die Pellets verwenden, benötigen diesen Schritt nicht. Für Thomas Bleul von Spanner Re2 liegt gerade in der flexiblen Brennstoffwahl ein großer Vorteil der Technologie. Die Anlagen können neben Pellets auch Waldrestholz, Sägenebenprodukte, Altholz – etwa MDF-Reste, Paletten oder Obstkisten – sowie Durchforstungs- oder Schädlingsholz, Straßenbegleitgrün und verschiedenste biogene Reststoffe wie Nussschalen, Spelzen oder sogar bestimmte Kunststoffabfälle verwerten.

Ein weiterer Pluspunkt: die kompakte Bauweise. „Wird die Anlage mit Pellets betrieben, reicht eine Fläche von etwa zwei Pkw-Stellplätzen aus“, betont Bleul.

Effizienter Einsatz von Energie

Bei dem im 19. Jahrhundert errichteten Hotel Ross in Schweinfurt war die Integration der Technik in das Gebäude die größte Herausforderung.
Bei dem im 19. Jahrhundert errichteten Hotel Ross in Schweinfurt war die Integration der Technik in das Gebäude die größte Herausforderung. - © Hotel Ross

Die Holzgas-Technologie basiert auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung – und das ist eine Gemeinsamkeit mit dem Hotel Ross in Schweinfurt. „Wir haben uns bewusst für Kraft-Wärme-Kopplung entschieden, weil wir so Wärme und Strom effizient im eigenen Haus erzeugen können“, erläutert Julius Süß, in vierter Generation Inhaber des Stadthotels mit rund 50 Zimmern. „Gerade im Hotelleriebetrieb mit hohem Grundlastbedarf ist das eine besonders nachhaltige Lösung.“

Seinen Vater bezeichnet Süß als „revolutionär“: Bis 1997 wurde das Haus noch mit Öl beheizt, der Strom kam vollständig aus dem öffentlichen Netz. „Dann rüstete er auf die damals neu entwickelten Dachs-Blockheizkraftwerke der ebenfalls in Schweinfurt ansässigen Firma Senertec um.“ Dabei treibt ein Gasmotor einen Generator an, der Strom erzeugt – die dabei entstehende Abwärme wird zum Heizen genutzt. So lässt sich der Brennstoff Gas besonders effizient einsetzen.

Ganzheitlich planen

Gestartet wurde im Hotel Ross mit zwei Anlagen des Typs „Dachs 5.5“ – ein Schritt, der bereits spürbar zur Senkung der Energiekosten und CO₂-Emissionen beitrug. Lastspitzen wurden über einen separaten Brenner abgefangen. 2010 ersetzte man die beiden Geräte durch drei neue desselben Typs und ergänzte sie in Kaskade um einen „Pro Dachs 20“ mit VW-Motor.

2024 folgte die nächste Modernisierung: Seither sind zwei größere Anlagen des Typs „Dachs 20.0“ im Einsatz, jeweils mit 20 Kilowatt elektrischer und 40 Kilowatt thermischer Leistung. „Jetzt ist unser Keller endlich mal aufgeräumt“, sagt Julius Süß mit einem Schmunzeln. Er rechnet mit einer Amortisationszeit von fünf bis sieben Jahren.

Auf eine Förderung musste er verzichten. „Bei einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert sind exakte Berechnungen und ein hydraulischer Abgleich nur mit erheblichem Aufwand möglich“, erläutert Haustechniker Thomas Kneißl. Die größte Herausforderung sei die Integration ins bestehende Gebäude gewesen. „Durch die Fachplanung und eine schrittweise Umsetzung konnten wir den Hotelbetrieb jedoch jederzeit aufrechterhalten“, betont Süß. Sein Rat an andere Hoteliers: „Es lohnt sich, frühzeitig eine ganzheitliche Bestandsaufnahme der Immobilie zu machen, um ein passendes Gesamtkonzept für die Energieversorgung zu entwickeln.“

Das Hotel Ross profitiert ganzjährig von seinen Blockheizkraftwerken, denn Strom kann nur erzeugt werden, wenn die Anlagen in Betrieb sind. In der Heizperiode ist das selbstverständlich, im Sommer sorgt ein cleverer Kniff für durchgehende Nutzung: Die beim Betrieb entstehende Wärme treibt eine Adsorptionskältemaschine an, wird in Kälte umgewandelt und klimatisiert die Räume. Anders als herkömmliche Klimaanlagen nutzt dieses System also Wärme statt Strom als Antriebsenergie.

Perfekt abgestimmte Systeme

Die neue Anlage befindet sich auf dem Hoteldach; die vorher genutzten Geräte waren kleiner und befanden sich bei der Schwimmbadtechnik. Das Schwimmbad, das früher mit Wärme aus den Blockheizkraftwerken beheizt wurde, wich 2021 mehreren neuen Suiten – ein weiterer Grund, warum die beiden „Dachs 20.0“ heute die optimale Lösung darstellen.

„Aktuell laufen unsere Systeme perfekt“, sagt Julius Süß zufrieden, denkt aber bereits weiter: „Für die kommenden Jahre prüfen wir zusätzliche Maßnahmen wie Photovoltaik und Batteriespeicher, um unsere Autarkie und Versorgungssicherheit weiter zu steigern und den Eigenverbrauch zu optimieren.“

Schon jetzt speist das Hotel Ross überschüssigen Strom gegen Vergütung ins Netz ein und betreibt eine eigene Stromtankstelle mit selbst erzeugtem Strom. Auch in der Küche wurde 2020 umgestellt – von Gas auf Strom. Das Restaurant mit 120 Plätzen und die angeschlossene Vinothek mit 60 Plätzen profitieren seither von einer durchgehend effizienten, nachhaltigen Energieversorgung.

>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 10-11/2025 erschienen.