Energie-Monitoring in Hotels Wer seine Kosten kennt, hat schon gewonnen

An der energetischen Kostenschraube zu drehen und damit bares Geld für Ihren Hotelbetrieb einzusparen, gelingt am besten, indem Sie Ihre Verbrauchsdaten für Wärme und Strom kontinuierlich erfassen und auswerten. © Fotolia – Olivier Le Moal
In den meisten Hotels ist der Wille da, Energie einzusparen. Denn das ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Dennoch zögern viele Betreiber und Eigentümer, das Thema anzugehen. Dabei zeigt die Praxis: Es braucht nicht immer große Investitionen. Allein das Wissen um die größten Kostentreiber hilft beim Sparen. - von Heike Marcinek, Leiterin Immobilien und Bauforschung, Bedreich Energieeffiziente Gebäude, Dena

Der Preisdruck in der Hotellerie ist enorm, die Personaldecke oft dünn. „Da bleibt wenig Zeit, sich mit Fragen des Energieverbrauchs intensiv zu befassen“, sagt der Bauphysikexperte Professor Karsten Voss von der Bergischen Universität Wuppertal. Er arbeitet mit der Dena im Modellvorhaben „Check-in Energieeffizienz“ zusammen und führt das Monitoring bei den Hotelgebäuden durch. Voss weiß: Eine der ersten Herausforderungen ist, für die einzelnen Objekte realistische Verbrauchswerte und Einsparziele zu definieren. Doch genau dafür fehlt meist die Datengrundlage. Um sie zu schaffen, ist Energie-Monitoring notwendig – die kontinuierliche Messung und Bewertung von Strom- und Wärmeverbrauch sowie -erzeugung. Dazu kann das Personal eines Hotels selbst regelmäßig die Zählerstände ablesen und aufschreiben. Alternativ können Hotelbetreiber die Daten bei ihrem Energieversorger abfragen oder einen Dienstleister mit dem Monitoring beauftragen.

Sparen, ohne zu investieren

Karsten Voss geht noch einen anderen Weg: In seinem Projekt hat er in zehn Hotels für jeweils typische Zeiträume Raumklimasensoren installiert. Sie messen Werte wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxid. Diese Daten geben Aufschluss über den realen Betrieb von Hotelzimmern und können dann in die Energieplanung einfließen. „Wir versuchen, die Annahmen, die der Planung künftiger Hotels zugrunde liegen, realistischer zu machen.“ Die Erkenntnisse sollen in verbesserte Berechnungswerkzeuge für den Energiebedarf von Hotels einfließen.  Dass sich durch die kontinuierliche Erfassung und Auswertung von Verbrauchsdaten hohe Potenziale erschließen lassen, weiß auch Gerhard Petersen aus Erfahrung. Er war früher technischer Direktor einer Hotelkette, erstellt heute Technikkonzepte für Hotels und führt anlässlich des Dena-Modellvorhabens Energieberatungen durch: „Mit Einführung des Energie-Controllings beobachten wir bei unseren Kunden langfristig einen Rückgang der Verbrauchskennwerte. Über Zeiträume von zirka zehn Jahren ergeben unsere Auswertungen Einsparungen zwischen 13 bis 30 Prozent beim Strom, zwischen sechs und 60 Prozent bei Wärme und zwischen 32 und 54 Prozent beim Wasser.“ Die Einsparungen können dabei ohne wesentliche Investitionen erreicht werden. Zur Einsparung tragen bereits die Sensibilisierung der Mitarbeiter für das Thema Energie, die Auswahl effizienter Geräte beim Gerätetausch oder eine Optimierung der Betriebszeiten technischer Anlagen bei. Die zügige Beseitigung von Störungen und Fehlfunktionen ist ebenfalls sehr effektiv. Die Kosten einer umfassenden Beratung durch Experten wie Gerhard Petersen liegen zwischen 4.000 und 8.000 Euro, je nach Größe der zu betreuenden Anlage. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gibt dafür einen Zuschuss von  80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten (Programm „Energieberatung im Mittelstand“).

Energieberatung bei Hotels ist komplex, denn es kommt darauf an, die Bedingungen der einzelnen Häuser genau im Blick zu haben. Erst eine aufgeschlüsselte Energieverbrauchserfassung erlaubt einen Vergleich. Benchmarking sei auch wichtig, um Energieberatern eine Richtschnur zu geben, betont Karsten Voss: „Energieberater verfügen teilweise noch über wenig Erfahrung mit Hotels. Derzeit ist die Qualität der Beratungen sehr unterschiedlich. Es ist daher wichtig, dass sie objektscharfe Vergleichsgrößen haben, um gut zu beraten. Hier gibt es noch Verbesserungsbedarf.“ Die Komplexität des Themas wird auch im Dena-Projekt „Check-in Energieeffizienz“ deutlich. Es läuft über vier Jahre und soll systematisch Energieeinsparpotenziale im Beherbergungssektor erschließen. Vorgesehen sind die Phasen Energieberatung, Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen und Monitoring der Energieverbräuche. In den Projekten müssen für ein großes Tagungshotel andere Lösungen gefunden werden als für ein Hotel, dessen Schwerpunkt auf Wellness liegt. „Der CO2-Fußabdruck von Wellness ist noch eine große Unbekannte“, sagt Karsten Voss. Niemand wisse, wie viel Energie in einzelne Wellness-Segmente fließe. Daran arbeitet sein Team: „Wir wollen exemplarisch herausfinden, wie der typische Energieverbrauch einzelner Bereiche ist.“ Daten dazu sollen bis Ende des Jahres vorliegen. Benchmarking ist wichtig, um für möglichst viele Segmente und Arbeitsbereiche Vergleichsdaten zu haben. So hat beispielsweise die Beratung eines großen Hotels ergeben, dass die Umstellung der Küche von Strom auf Gas enorme Einsparungen bringen würde. Das bedeutet für das Energiekonzept, dass auch der Küchenchef zustimmen muss.  Nicht nur die Randbedingungen der Nutzung sind ein limitierender Faktor. Auch seien die geforderten Amortisationszeiten in Hotels extrem kurz, so Energieberater Petersen. Er habe schon häufiger den Einsatz von Photovoltaik bei einer geplanten Amortisation von zirka zehn Jahren vorgeschlagen. „Die Anlagen sind dann wahrscheinlich 30 Jahre im Betrieb“, sagt Petersen. Die Rentabilität wäre also da. Trotzdem werde eine solche Investition zwar häufig angefragt, aber dann doch nicht umgesetzt.  Das sei eher der Fall bei Maßnahmen, die nicht unbedingt Energie sparen, aber die Kosten senken. Doch auch dafür ist Energie- und Kostenmonitoring hilfreich. Ein anderes Hotel hat anlässlich des dena-Projekts die Netzanschlussebene von einem Niederspannungs- zu einem Mittelspannungsanschluss gewechselt. „Das Haus spart in diesem Fall jährlich zirka 10.000 Euro“, so Petersen. Jetzt wollen die Betreiber des Hotels weitermachen und den Energieverbrauch bis 2018 um rund die Hälfte senken. Gerhard Petersen: „Wer einmal angefangen hat, konkrete Maßnahmen umzusetzen, und die positiven Effekte sieht, ist offener dafür, weitere Schritte anzugehen.“ |

Infos unter www.check-in-energieeffizienz.de.