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StartHotel+TechnikGebäudetechnikElektrosmog::Strahlung im Fokus

ElektrosmogStrahlung im Fokus

Wie in der Gesamtgesellschaft schreitet auch im Hotelgewerbe die Digitalisierung weiter voran. In der Folge nimmt die Exposition durch elektromagnetische Felder zu, und findige Hotels machen Digital Detox und Strahlenschutz zu ihrem USP. Doch wie berechtigt ist die Sorge vor Elektrosmog wirklich? Praxisbeispiele und Expertenmeinungen.

Ob smarte Türöffner, digitale Gästemappen, funkfähige Heizthermostate, sprachgesteuerte Rollos oder Smart-TVs: Digitale Technologien sind aus der Hotellerie nicht mehr wegzudenken und vielfach auch wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe. Die Kehrseite der Medaille: Von den Geräten gehen elektromagnetische Felder aus. Hinzu kommen zunehmende Funk-Belastungen aus der Umgebung. Mit beidem geht die Befürchtung einher, die Frequenzen, die den biologischen teils sehr ähnlich sind, könnten die zellulären und besonders neurologischen Abläufe des Menschen aus dem Takt bringen.

Ist diese Sorge berechtigt? Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) gibt Entwarnung auf Basis seiner wissenschaftlichen Risikobewertung, Verbraucherschutzorganisationen wie Bürgerwelle e.V. und „diagnose:funk“ kommen dagegen zu kritischeren Einschätzungen.

Regenerative Nachtruhe in den Blickpunkt rücken

Hoteliers, denen das Thema wichtig ist, empfiehlt Manfred Mierau, Sachverständiger für Baubiologie und Diplom-Biologe aus Aachen, zunächst eine Bestandsaufnahme und gegebenenfalls eine Messung der elektromagnetischen Strahlung im Haus. Er rät: „Alles, was geht, mittels Kabel übertragen.“ Zudem sollte man Funk nur dann entstehen lassen, wenn er auch genutzt wird, und auf Geräte achten, die nicht permanent funken und möglichst strahlungsarm sind. So gibt es zum Beispiel bei vielen schnurlosen Telefonen, die den Funk-Standard DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications) nutzen, die Möglichkeit der kompletten Strahlungsabschaltung außerhalb von Telefonaten (Eco-Modus).

Unter Kontrolle: Elektrosmog-Messung im Biohotel Eggensberger. (Bild: Biohotel Eggensberger)

Bezüglich WLAN-Sendern sei es oftmals besser, mehrere kleine dezentrale Router einzusetzen als einen starken, so Mierau. „Überhaupt sollte die Leistung so niedrig wie möglich eingestellt werden“, sagt der Experte. Wer sich vor Strahlung von außen schützen möchte, könne dies etwa durch Abschirmung tun. „Spezielle Abschirmmaterialien wie Farben – zum Beispiel von Yshield oder Biologa Danell –, Tapeten und Vorhänge reflektieren den Funk und führen zu deutlichen Dämpfungseffekten“, so Mierau. Hoteliers legt er nahe, den Schutz-Fokus insgesamt vor allem auf die Schlafphasen zu richten.

Dass es einen gewissen Bedarf und elektrosensible Menschen gibt, unterstreichen Plattformen wie „Hotels ohne WLAN – Adressen für entspannte Reisen“. Auch die Bio Hotels weisen inzwischen auf ihrer Webseite gezielt 27 Elektrosmog-reduzierte Häuser aus. Darunter das Allgäuer Biohotel Eggensberger aus Hopfen am See mit angeschlossenem Therapiezentrum. Schon 2004 wurden in acht Zimmern des Hauses Abschirmmaßnahmen ergriffen, unter anderem mit Kupfergewebe in den Wänden, Netzabkopplern in den Zimmern – sodass keine Spannung anliegt, wenn der Stromfluss nicht aktiviert ist – und Vorher-Nachher-Messungen.

2020 wurden dann alle Schlafbereiche von der Elektrotechnik-Ingenieurin Stephanie Zeller, die in Füssen ein Ingenieurbüro für Baubiologie und Umweltmesstechnik betreibt, erneut vermessen und im Jahr darauf flächendeckend Wireless Accesspoints mit individueller Abschaltbarkeit installiert. Zwischen 23 Uhr und 7 Uhr morgens gilt dieses „Aus“ für alle. Stephanie Zeller wurde auch zu Rate gezogen, als es 2021 gesundheitliche Auffälligkeiten bei Mitarbeitenden des Reservierungsbüros gab. Die Expertin empfahl mehrere Maßnahmen, darunter geschirmte Leuchten, Anrufbeantworter, Steckdosenleisten und Gerätekabel.

Im hauseigenen Therapiezentrum, in dem es einen Untersuchungsraum ohne jegliche Hoch- und Niederfrequenzen gibt, wurde im vergangenen Jahr sogar eine Studie in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und dem Studiengangsleiter Informationstechnik, Professor Mario Babilon, gestartet. Diese will die Wirkung von DECT- und WLAN-Signalen auf die Herzratenvarianz des menschlichen Organismus erforschen.

Strahlenreduziert und mit WLAN-Beschränkungen

Weiter nördlich, im hessischen Fulda, hat das Hotel Lindengut, ebenfalls ein Bio-Hotels-Mitglied, Baubiologen, Geomanten und elektrosensible Menschen in seine Umbaumaßnahmen einbezogen. Das Ergebnis auch hier: Netzfreischalter, abgeschirmte Kabel, Abschirmfarbe, viel Holzeinsatz, und das WLAN wird nachts abgeschaltet. „Die Arbeitswilligen unter den Gästen können dann noch über LAN-Kabel tätig werden“, sagt Gastgeberin Anja Lindner.

Viel Holz und
abschaltbares WLAN: Die Zimmer im
Biohotel Lindengut sind gegen Strahlung abgeschirmt. (Bild: Hotel Lindengut)

Im Naturhotel Saalerwirt im Südtiroler St. Lorenzen wurde das neu erbaute Refugium „imHaus“ mit strahlenreduzierten Suiten ausgestattet. Alle Stromverbindungen – außer dem Kühlschrank – sind an einen Netzfreischalter gekoppelt. Die Leitungen wurden doppelt isoliert und sternförmig unter dem Fußboden verlegt. Sie sind also nicht wie üblich in der Wand hinter dem Kopfteil des Bettes verbunden, vielmehr wird jede Nachttischlampe einzeln angesteuert. Internet steht in den Zimmern nur via LAN und entsprechendem Adapter zur Verfügung. „Wir haben nachträglich im Foyer eine begrenzte WLAN-Zone für das Zeitfenster zwischen 7 bis 23 Uhr eingerichtet, da ein Haus ganz ohne WLAN dann doch nicht akzeptiert wurde“, berichtet Geschäftsführer Gabriel Tauber.

Im Refugium „imHaus“ des Saalerwirts sind die Stromleitungen nicht in der Wand hinter dem Kopfteil des Bettes verbunden, vielmehr wird jede Nachttischlampe einzeln angesteuert. (Bild: Saalerwirt/Tiziano Scaffai )

Das Posthotel Achenkirch in der gleichnamigen Tiroler Gemeinde bezeichnet sich selbst als „Kraftplatz inmitten der Alpen“. Nach einer Testphase, in der eine Raumklimamessung und sogenannte Dunkelfeld-Untersuchungen gemacht wurden, hat sich Inhaber Karl Reiter für die Zusammenarbeit mit Memon Bionic Instruments entschieden. Das Unternehmen verspricht, die negativen Wirkungen von Elektrosmog und Mobilfunk-Strahlung auf den Menschen weitgehend zu neutralisieren, ohne dass die Funktionsfähigkeit der modernen Technik beeinträchtigt werde. Zwar sei die Strahlung bei Einsatz der sogenannten „Memonizer“, die mit dem natürlichen Lichtspektrum arbeiten, nach wie vor messbar, doch würde in Räumen wieder ein ausgeglichener Ionenfluss und dadurch ein natürliches Raumklima geschaffen.

„Wir haben Stammgäste gewonnen, die unter anderem wegen der Technologie zu uns kommen, weil sie spüren, wie angenehm diese wirkt“, sagen Georg Aurbacher und Martin Moser vom Marketing im Posthotel Achenkirch. Alle Kreisläufe wurden „memonisiert“, der Strom, die WLAN-Router, die unternehmenseigenen Handys und DECT-Telefone, ebenso Wasser und Heizung. „Auch unser Mitarbeiter-Refugium mit 68 Einheiten ist damit veredelt.“ Laut Memon sind bereits mehr als 100 Hotels mit den Produkten ausgestattet.

Fazit: Natürlich, und das macht den Spagat aus, lässt sich mit der Angst vor Elektrosmog auch Geld verdienen. Es ist also eine gewisse Vorsicht geboten, wenn es an die Umsetzung geht. Für Hotels gilt es daher, seriöse Angebote von weniger seriösen und relevante von weniger nützlichen Maßnahmen zu unterscheiden. Schließlich hat selbst Wissenschaft einen diskursiven Charakter.

Stefanie Hütz

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