Hoteltest im Pullman Erfurt am Dom Ein Hotel mit Potenzial

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Konstruktive Kritik gehört seit jeher zum journalistischen Credo von Top hotel. Nobeldomizile, die sich als hochpreisige Repräsentanten der Spitzenhotellerie betrachten und für die Branche Vorbildfunktion haben, stehen im Mittelpunkt des anonymen Luxushoteltests. Diesmal nahm unser Tester das Hotel Pullman am Erfurter Dom unter die Lupe.

 DI. 25/01, 16:29 Telefonische Reservierung

Das Reservierungshandling verläuft freundlich, flexibel und effektiv. Frau L. spricht mich persönlich mit Namen an und verfügt über eine angenehme Telefonstimme. Darüber hinaus versteht sie es, das Hotel ohne jegliche Hast und Aufdringlichkeit gut zu »verkaufen«. Noch besser wäre ihr Auftritt gewesen, hätte sie sich am Schluss für die Reservierung bedankt. Zum gewünschten Zeitpunkt kann mir Frau L. Zimmer bereits ab 99 Euro anbieten. Die schriftliche Bestätigung folgt umgehend und enthält alle relevanten Daten und Hinweise – zum Spa und zur Gastronomie ebenso wie zu meiner Tischreservierung im Gourmetrestaurant »Gloriosa«.
Wertung: sehr gut

Internetauftritt

Bei seiner Eröffnung 2004 hieß das Fünf-Sterne-Haus noch Mercure Grand Hotel am Dom, vor zwei Jahren wurde es zum Pullman am Dom Erfurt. Für den Gast hat sich wenig geändert durch die Erkenntnis von Accor, dass es sich bei diesem Haus nicht um ein Grandhotel handelt, sondern weit mehr um ein Hotel für Geschäftsreisende und Tagungsgäste. Das neue Branding spricht nun genau diese Zielgruppe an. In Zahlen ausgedrückt sind 70 Prozent Business- und 30 Prozent Freizeitgäste. Für Verwirrung sorgt die Umbenennung lediglich im Internet. Interessenten gelangen über beide Namen zum Hotel – allerdings auf zwei verschiedenen Hotelseiten. Die Pullman-Seite ist nüchtern und nicht gerade animierend aufgebaut; auf der des Grand Hotels (www.grand-­hotel-erfurt.de) steht zwar auch Pullman im Logo, doch hat man sich hier mehr Mühe bei der Gestaltung und Auswahl der Bilder gegeben. Bei Pullman spricht man ganz allgemein von »internationaler Küche«, im Falle des Grand Hotels ist die durchaus individuelle Speisekarte zu lesen. Beide Auftritte sind jedoch keineswegs aktuell: So erfährt man zum Beispiel nicht, dass im September 2010 der Küchenchef wechselte. Darüber hinaus ist die Speisekarte völlig veraltet und weckt falsche ­Hoffnungen.
Wertung: ungenügend

DI. 22/02 Anreise

Wer mit dem Zug anreist und ein Taxi zum Hotel benötigt, wird mit geballter Unfreundlichkeit konfrontiert. Der Grund: Das Hotel liegt nur rund sieben Euro Fahrtgeld vom Bahnhof entfernt. Nur unter Murren und Kopfschütteln nimmt sich der Taxifahrer meiner an und lässt mich spüren, dass ich nicht willkommen bin. Latente Aggression und »Fremdenfeindlichkeit« – das Taxiunternehmen G. ist keine Zier für den Berufsstand.

Zu ähnlichen Konfrontationen kam es bereits mehrmals in Leipzig, wo ich vom Bahnhof zum Westin wollte. Nicht nur die Taxivereinigung und die entsprechenden Behörden, auch die Hotels müssen ob solcher Missstände alarmiert sein: Gäste erhalten auf diese Weise keinen guten ersten Eindruck von einer Stadt und erleben den denkbar schlechtesten Start.

Sowohl in Leipzig als auch in Erfurt hatte ich wohlweislich zuvor beim Hotel angefragt, ob es wegen der geringen Distanz zu Problemen kommen könne – was in beiden Fällen verneint wurde. Ein Hotelier muss allerdings sehr daran interessiert sein, wie die unmittelbare Anreise zu seinem Haus ausfällt und sollte sich den Einsatz eines eigenen ­Shuttles überlegen.

DI. 22/02, 13:57 Check-in

Das Entree fällt mager aus: Einen Gepäckträger gibt es nicht und an der Rezeption werde ich mit unbewegter Miene begrüßt. Frau H. fragt mich eher beiläufig und mit abgewandtem Gesicht, ob ich eine gute Anreise gehabt hätte. Das Anmeldeblatt wurde korrekt ausgefüllt, sodass ich es nur noch unterschreiben muss. Danach zeigt mir die Mitarbeiterin den Weg zum Fahrstuhl – die Begleitung aufs Zimmer gehört offenbar nicht zu den Gepflogenheiten des Pullman. Auch die Informationen zu den gastronomischen Einrichtungen sind mehr als dürftig. Mir wird lediglich mitgeteilt, wo und wann es Frühstück gibt. Frau H. wünscht mir noch einen schönen Tag.
Wertung: sehr mangelhaft

Zimmer 218

Das eigentlich für mich reservierte Zimmer 230 fällt so klein und arbeitsunfreundlich (kein Telefon auf dem Schreibtisch) aus, dass ich sogleich nach einer höheren Kategorie frage. Im neuen Zimmer 218 herrscht dann weit weniger Enge und es steht ein Telefon auf dem Schreibtisch. Vom Mobi­-
liar her bemerke ich kaum Unterschiede, allerdings sind in dem neuen Zimmer Arbeits- und Schlafbereich getrennt.

Streng betrachtet finde ich das auf Geschäftsreisende zugeschnittene Zimmer farblos und nüchtern. Die ruhige sachliche Optik und die warmen Cappuccino-Farben könnten eine angenehme Arbeitsatmo­-sphäre schaffen, doch leider ist das Zimmer nicht effizient und praktisch genug, um die Ansprüche von Geschäftsreisenden befriedigend zu erfüllen. Es gibt vor allem zu wenig Ablagemöglichkeiten und Schubladen, Letztere auch im Schrank nicht. Die meis­ten meiner Sachen muss ich deshalb offen platzieren, wobei der Schreibtisch hierfür noch die größte Fläche bietet. Der Beistelltisch am Sofa ist mit einer Zeitschrift und den zwei Flaschen Wasser bereits überfüllt. Auch im Schlafzimmer gibt es keine einzige Ablage. Die Folge: Meine Utensilien verteilen sich offen im Raum, es sieht unordentlich aus und ich bin dauernd auf der Suche nach irgendetwas. Das alles verbreitet optisch und mental Unruhe; stört sowohl private als auch berufliche Aufenthalte.

Des Weiteren finden sich allenthalben Hindernisse: Wenn ich den Koffer auf der viel zu kleinen Kofferablage im Flur aufklappe, kann ich gerade noch so die Tür öffnen. Wollte hier der Roomservice mit einem Servierwagen passieren, müsste ich den Koffer entfernen. Gut ist der Kaffee- und Teekocher, an dem Pads und Teebeutel bereit liegen. Es gibt zwar keine Betriebsanleitung, aber das Gerät lässt sich relativ einfach bedienen. Mangelhaft: Bereitet man sich damit einen Tee zu, schmeckt er nach Kaffee. Kocher und Behältnisse sind ausschließlich für Kaffee gedacht, sodass man Teebeutel gar nicht erst dazulegen sollte. Besser wäre ein Einsatz, mit dem man nach Belieben Kaffee und Tee zubereiten kann. In der Kaffee-Ecke wäre außerdem Platz für Ablagemöglichkeiten gewesen, dieser wurde jedoch mit einem eher nutzlosen Beistelltisch verschenkt.

Das Schlafzimmer ist eine Parzelle mit Bett und Fernseher; auf den beiden Nachttischen – ebenfalls ohne Schubladen – ist kaum Platz. Dabei ließe sich das Problem der fehlenden Ablagemöglichkeiten in dem fast leeren Schlafzimmer relativ einfach lösen: durch ein zusätzliches Schränkchen mit Schubladen und eine Kofferablage am Bettende, womit die unzumutbare Situation an der Tür ein Ende hätte. Ich musste die Möbel teilweise umstellen, damit ein Aufenthalt überhaupt möglich wurde.

Weitere Minuspunkte: Der Kleiderschrank ist viel zu klein und ich kann meine Kleidungsstücke nur hintereinander und nicht nebeneinander platzieren – das ist in Herbergen akzeptabel, nicht aber in einem Fünf-Sterne-Hotel. Der Minisafe befindet sich in optimaler Höhe für Kleinkinder; mich zwingt er zum Kniefall. Der Inhalt der Minibar ist ausgesprochen bescheiden und umfasst lediglich acht 0,25- bzw. 0,33-Liter-Fläschchen: Bier, Wasser und Softdrinks für jeweils drei Euro. Wein, Sekt und Spiritu­osen gehören nicht zum Angebot, weshalb auch nur zwei Gläser für Wasser und zwei für Bier danebenstehen – alle sauber, doch ein Bierglas hat einen Schlag am Rand. Drei Nussmischungen decken das Snacksortiment ab. Der schwächliche Plastikkorkenzieher / Flaschenöffner erweist sich als völlig untauglich. Insgesamt ist das eine etwas sonderbare Minibar-Politik, zumal die Hotelbar ebenfalls kein Magnet ist.

Die Hoteldirectory bietet viele Infos nebst Telefonnummern und Öffnungszeiten, wurde aber überhaupt nicht animierend abgefasst und enthält nur das Allernotwendigste. Wenn ich etwas genauer wissen will, muss ich selbst aktiv werden. So ist beispielsweise in den Informationen die Rede davon, dass Computer und Drucker in der Lobby stünden – aber ohne jede Preisangabe. Erst meine Nachfrage ergibt: Ich kann beides zum Nulltarif nutzen.

Eine Fernsehzeitschrift und eine Kanalübersicht mit allen 33 Programmen liegen aus. An persönlicher Ansprache oder individuellen Details fehlt es jedoch vollends: kein Begrüßungskärtchen der Direktion, nicht einmal der obligate Fernsehmonitor kann mit dem ­Gästenamen programmiert werden. Blumen und Obst – ebenfalls Fehlanzeige.

Und wo bleibt das Positive? Das Zimmer wurde picobello gereinigt und gut gelüftet übergeben. Das große Bett und seine stabilen Matratzen bieten guten Schlafkomfort. Die Klimaanlage funktioniert sehr gut und leise; die Fenster lassen sich kippen. Allerdings herrscht extrem trockene Luft. Der Zimmerwechsel hat sich also als richtig erwiesen. Der Größenunterschied und der getrennte Arbeits- und Schlafbereich sorgen für ein weit besseres Gefühl und Arbeitsklima. Von der Ausstattung her entspricht das Zimmer zwar nicht den Standards eines Fünf-Sterne-Hotels, doch der Preis von 149 Euro relativiert das Verhältnis ein wenig.
Wertung: befriedigend

Technik und Internet

Der Zugang erfolgt schnell und unproblematisch; die Verbindung ist jedoch grundsätzlich mühsam und langsam. Berechnet wird das Internet für 24 Stunden mit neun Euro.

Badezimmer

Das blitzsauber übergebene Bad ist sehr klein; kein Schmuck, keine Blume zieren es. Das Beste darin stellt die Fußbodenheizung dar. Ein Ärgernis ist die Badewanne: In ihr ist kaum ein fester, planer Stand möglich, was das Risiko erhöht auszurutschen. Der Handgriff wurde so angebracht, dass er beim Ein- und Aussteigen keine Hilfe bietet, wobei sich vor allem Letzteres als nicht ungefährlich erweist. Bei diesem Bad wäre ein Telefon – für den Notfall – besonders wichtig, ist aber leider nicht vorhanden. Ebenfalls Unmut erzeugen das Handling von Brausekopf und Duschhebel. Mit nassen Händen, und die hat man ja unter der Dusche, ist das Umstellen von normalem Wassereinlauf auf Dusche nicht möglich. Zudem ist der Duschkopf zu leicht und entweicht bei gewissem Druck, weshalb ich ihn ständig »einfangen« und nachjustieren muss. Eine ordentliche Duschkabine wäre vorteilhafter als dieses Konstrukt, das weder Badewanne noch Dusche ist.

Bidet und Radio gibt es in diesem Bad nicht; Bademantel und Schlappen von mittelmäßiger Qualität sind vorhanden. Am Bademantel wurden nachträglich Druckknöpfe angebracht, damit dieser keine allzu großen Öffnungen lässt – doch die Druckknöpfe schließen nicht. Handtücher liegen ausreichend in verschiedenen Größen bereit. Ausleuchtung und Belüftung befriedigen; Ablagemöglichkeiten bieten sich hier genügend. Der Wasserdruck ist gut und das Wasser fließt einwandfrei ab. Der große Wandspiegel vergrößert den kleinen Raum. Der Kosmetikspiegel wiederum hängt sehr niedrig und kann weder in der Höhe verstellt noch beleuchtet werden. Der Haartrockner lässt sich leicht handhaben. Als Guest supplies stehen in angenehmer Größe zu je 40 Milliliter parat: Shampoo, Duschgel und Bodylotion. Die Produkte französischer Herkunft sind stark parfümiert – vor allem die extrem duftende Seife muss man morgens vertragen können.
Wertung: noch befriedigend

DI. 22/02, 14:55 Roomservice

Auf dem Zimmer liegt keine Roomservice-Karte aus und auf meine Nachfrage liest mir die freundliche Mitarbeiterin einfach alle Speisen vor – am Telefon. Bequemer und besser: schnell die Karte aufs Zimmer bringen, zumal in dieser zusätzlich Preise und Getränke stehen. Leider vergisst die Mitarbeiterin auch bei der Auslieferung, eine Speisekarte mitzubringen. So treten gleich zwei gravierende Fehler auf, von denen der eine zulasten des Housekeepings, der andere zulasten des Etagenservices geht. Sollte ich noch etwas bestellen wollen, fehlt mir immer noch die Speisekarte und die Prozedur beginnt von vorn.

Der Roomservice wiederholt die Bestellung nicht und gibt die Servierzeit mit rund 20 Minuten an. 18 Minuten später bringt mir eine strahlend lächelnde Mitarbeiterin das Gewünschte auf einem undekorierten Trolley; den Teller bedeckt eine Cloche. Es wird viel Weißbrot gereicht, aber keine Butter dazu. Das Vitello Tonnato fällt erstklassig aus: Produkte und Zubereitung sind perfekt; die sonst oft aufdringliche, feis­te Soße ist fein und dezent. Pointiert wird das Gericht durch gerös­tete Salzlake-Kapernbeeren, die dem Ganzen eine sehr pikante, individuelle Note geben. Das saftige gebratene Perlhuhn mit krosser Haut ist ebenfalls erste Wahl und tadellos zubereitet. Die schöne Jus reizt zum Tunken, sodass die fehlende Butter gar nicht vermisst wird. Der zum Perlhuhn gehörende, sehr gut angerichtete Feldsalat enthält Geflügelgeröstl, Speck und Croutons.
Fazit: Das Handling mag beim Etagenservice verbesserungsfähig sein; die Küchenleistungen sind jedoch hervorragend.
Wertung: sehr gut

DI. 22/02, 20:03 »Bar Lounge«

Die Bar ist Teil des riesigen turmhohen Atriums, in dem Lobby und Rezeption fließend ineinander übergehen. Als Gesamtheit ist es der sehenswerteste Teil des Hotels, das an dieser Stelle Profil zeigt. Als ich die Bar betrete, sind vier Gäste anwesend, später werden es acht sein. Ich werde freundlich begrüßt; die Barkarte mit Getränke- und Speisenangebot kommt umgehend.

Das Getränkeangebot entspricht herkömmlichem Standard, den man so längst in jeder Provinzbar findet. Eigene Kreationen, originelle Ideen und andere über das Normalmaß hinausgehende Offerten gibt es nicht. Die Weinkarte listet bezahlbares Mittelmaß – auch bei den offenen Weinen, deren 0,2 Liter akzeptabel kalkuliert ausfallen. Auffällig und positiv: Im Pullman gibt es statt der üblichen, mit oder ohne Löffel gereichten Nussmischungen kleine Karaffen, aus denen sich die lauwarmen Nüsse und Mandeln nicht einzeln herausfischen, sondern nur herausschütten lassen – was der Hygiene dienlich ist.
Das Clubsandwich mit Pommes frites fällt sehr gut aus, womit die F&B-Abteilung auch hier eine sichere Hand beweist. Keineswegs zufriedenstellend sind die Getränke. Die »Pina Colada« entpuppt sich als dünner Fruchtsaftcocktail – Convenience vom Schlechtesten. Der Prosecco ist fade und leblos. Auf Nachfrage wird mir bestätigt, dass es sich um einen »Frizzante« handelt – der dann aber auch als solcher deklariert gehört, um die ganz entscheidende Abstufung zum höherwertigen »Spumante« deutlich zu machen. Zudem ist der so gar nicht perlende »Frizzante« eher ein stilles Wasser – kein Wunder, wurde die Flasche doch schon am Tag zuvor geöffnet. Ich lasse ihn zurückgehen und wechsle zu einem Riesling aus der Thüringer Weinregion Saale-Unstrut. Dieser fällt befriedigend aus und wäre in einem Riesling-Glas weit besser aufgehoben als in dem großen Rotweinglas.

Der Service arbeitet teilweise sehr forsch, teilweise sehr verhalten – beides untrügliche Anzeichen von Unsicherheit. Gästebetreuung, Reklamationshandling und Beratung fallen trotzdem recht ansprechend aus. Insgesamt agiert der Service jedoch viel zu wenig individuell und beratend. Er müsste sich viel mehr Zeit nehmen. Ich persönlich fühle mich wie eine Nebensache behandelt – vielleicht aber wollte auch nur niemand stören. Dabei stehen an diesem Abend immerhin drei Servicekräfte acht Gästen gegenüber. Wie agiert der Service da erst, wenn das Verhältnis ganz anders aussieht? Fazit: Die Bar ist sympathisch, aber keineswegs professionell und handwerklich nicht gut aufgestellt.
Wertung: noch befriedigend

Schuhputzservice

Ein individueller Schuhputzservice wird nicht angeboten: Auf Nachfrage verweist man auf die Schuhputzmaschine im Flur. Wünschenswert ob dieser Situation: ein Schuhputztuch oder -schwämmchen auf dem Zimmer, doch beides fehlt. Darüber hinaus arbeitet der Schuhputz-
automat nicht zufriedenstellend.
Wertung: ungenügend

Turndownservice

Ein zweiter Abendservice gehört nicht zu den Hotelangeboten.

MI. 23/02, 8:30 Weckruf

Der Weckruf gerät zum zackigen Morgenappell: Guten Morgen Herr X und einen schönen Tag. Keine Nennung der Uhrzeit, kein Reminder-­Angebot, einfach nur schnell heruntergerattert. Da sind mitunter Bandansagen charmanter.
Wertung: unbefriedigend

MI. 23/02, 9:16 Frühstücksbuffet

Das Frühstücksbuffet wird im einzigen Restaurant des Hause, dem »Gloriosa«, angeboten und ist mit 20 Euro ausgesprochen günstig – gemessen an dem, was man dafür geboten bekommt. Die Begrüßung fällt freundlich aus und ich kann mir aus den vielen freien Plätzen einen auswählen. Das Restaurant ist sehr übersichtlich gestaltet und am Eingang liegen gut sichtbar verschiedene Tageszeitungen aus. Das ebenfalls übersichtliche Buffet wurde sehr appetitlich bestückt und wirkt nicht überladen. Die Positionen sind durchgängig beschriftet und bequem zu erreichen. Eierspeisen gibt es à la carte.

Das Speisenangebot macht einen handwerklich sehr soliden und individuellen Eindruck; es gibt nichts Abgepacktes. Zum Einsatz kommen regionale Produkte, darunter viel »Hausgemachtes« und entsprechend gekennzeichnete Bio-Produkte. Es macht Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen, findet man solche Frühstücksangebote doch leider viel zu selten. Meist wird man mit der immergleichen Allerweltsware konfrontiert. Geschmacklich erzielt nahezu jede Kostprobe ein gutes Ergebnis: Die Nürnberger mögen Standard sein, schwimmen aber nicht im Fett und schmecken. Der Speck ist kross und alles andere als nur ein zähes Fettprodukt. Weit über dem Durchschnitt liegen die Rösti mit Speck, die gebratenen Pilze mit Soße und die Weißwürste. Eine gute und ungewöhnliche Frühstücksidee sind zudem die japanischen Hühnchen-Yakitorispieße.

Ebenfalls außergewöhnlich: Für dieses Buffet wurden selbst Nebensächlichkeiten mit viel Liebe, Sorgfalt und Geschmack zubereitet. Selten habe ich bisher einen so erstaunlich guten Karottensalat, einen so lecker marinierten Fenchel, so schön gewürzte Zucchinischeiben und so gute asiatisch gebratene Nudeln mit Gemüse erlebt. Auch die Salate sind deutlich anders und besser als gewohnt – vom Eiersalat über den Hühnchensalat und Pilzsalat bis hin zur Rohkost, die man sich individuell zusammenstellen kann. Ausgezeichnet fallen alle »Hausmacher«-Positionen aus, allen voran die Sülze. Wurst und Schinken sind durchweg tadellos. Weitere Highlights sind die zwölf Thüringer Senfsorten und das umfangreiche Käsesortiment unter der Haube. Der Räucherfisch ist gut, nur der Lachs schwächelt etwas in der Qualität. Die Brot- und Brötchenauswahl kann als gut bewertet werden. Laugengebäck fehlt und hätte zur Weißwurst gehört. Sehen lassen können sich auch die Müsliabteilung und das Joghurt-Quark-Sortiment. Von Einfallsreichtum zeugt das süße Angebot, in dessen Mittelpunkt dekorativ Produkte der Goethe Schokoladentaler Manufaktur aus Bad Frankenhausen stehen: süße Brotaufstriche und Chutneys. Zum Probieren und Naschen gibt es kleine Eiswaffelbecher, die man gleichzeitig für die zahlreichen, adrett präsentierten Marmeladen und Konfitüren verwenden kann. Nicht weniger hervorragend ist das Angebot an diversen Honig­sorten, unter dem sich ein interessanter Eukalyptushonig befindet. Außer einem Obstsalat gibt es – ständig nachgelegt – Ananas und Melone. Betreut wird das Buffet grundsätzlich gut; sollte mal ein Gast etwas unschön verschoben oder hinterlassen haben wird optisch korrigiert. Mein Heißgetränkewunsch wird sogleich abgefragt, doch leider kommt das Kännchen bereits mit eingehängtem Tee-Einsatz und ich erfahre vom Service nicht, wie lange der Tee schon zieht. Ich nehme das Sieb zwar gleich heraus, dennoch schmeckt der Tee bitter – auch, weil für die kleine Kanne zu viel Tee verwendet wurde. An weiteren Getränken stehen am Buffet verschiedene, zum Teil frisch gepresste Säfte bereit. In einem Kühler warten stilles und sprudelndes Wasser sowie Prosecco.
Um 10:27 Uhr macht man mich darauf aufmerksam, dass man das Buffet nun abräume, und ich werde von dem flinken Service freundlich verabschiedet.
Wertung: ausgezeichnet

Housekeeping

Die Standards wurden gut abgearbeitet: Bettenmachen, Handtuchwechsel, Abfallbehälter leeren. Allerdings hat das Housekeeping vergessen, die verbrauchten Wattepads und Q-Tipps nachzufüllen. Gleiches gilt für die Notizblöckchen. An den von mir platzierten Markierungen wurde zwar überall sichtbar gearbeitet, aber nicht gründlich genug. Und: Die von mir voreingestellte Temperatur im Badezimmer hat das Zimmermädchen kurzerhand zurück auf Null gestellt. Später am Tag stehen zudem zwei junge Mitarbeiterinnen vor meiner Tür und bitten darum, das Zimmer kurz inspizieren zu dürfen: Sie möchten überprüfen, ob das ­Housekeeping korrekt gearbeitet hat.
Wertung: befriedigend

Wäscheservice

Das auf dem Bett hinterlassene Bügelhemd bringt man zurück, während ich noch frühstücke, das Waschhemd um 15 Uhr. Beide wurden bestens bearbeitet und auf Drahtkleiderbügeln unter Zellophan retourniert. Das Bügelhemd stellt einen Gratisservice des Hotels dar; das Wäschehemd kostet mich 4,50 Euro.
Wertung: sehr gut

Rezeption

Die Rezeption ist nicht durchgängig gut aufgestellt: Hier auf einen freundlichen und leistungsbereiten Mitarbeiter zu treffen, erweist sich beinahe als Glückssache. Manche Mitarbeiterin agiert etwas spröde, unsicher und nicht professionell genug. Befragt nach einer stadtbekannten Straße beispielsweise muss eine erst länger im Computer nachsehen. Der größere Teil der Mitarbeiterinnen erweist sich allerdings als freundlich und einsatzfreudig.

Mitarbeiter/innen

Es ist sehr auffällig, dass in diesem Hotel ausschließlich weibliches Personal anzutreffen ist. Die meist jungen Damen sind sehr bemüht und freundlich, was sich vor allem im Restaurant, beim Frühstück und in der Bar zeigt. Mit einem Lächeln wissen sie so manches Defizit in der Schulung auszugleichen. Außerdem auffällig ist die biedere Uniform, die nicht allen steht. In einem modernen Designhotel wie dem Pullman wirkt ein solcher Aufzug wie ein Störfaktor. Angebrachter wäre Smart Casual.

MI. 23/02, 15:57 Day Spa »Qi«

Den offensiven Charme der Spa-Mitarbeiterin wünsche ich mir in allen Abteilungen des Hotels: Ich werde mit einem strahlenden Lächeln begrüßt und in eine Kabine geführt, die zwar klein ist, aber eine angenehme Atmosphäre ausstrahlt. Das liegt nicht allein an der hübschen Gestaltung, auch Temperatur und Musik stimmen. Die Kabine wirkt zudem picobello, alles steht griffbereit an seinem Platz. Und: Die Liege ist angenehm weich. Ihre Arbeit verrichtet die freundliche und informative Mitarbeiterin sehr professionell und handwerklich gut. Ein Besuch bei ihr macht Freude und schafft Entspannung. Mich spricht sie während der Behandlung stets persönlich mit Namen an und verabschiedet mich danach auch sehr freundlich. In Anspruch nehme ich eine 30-minütige Aromaöl-Rückenmassage für 35 Euro. Auch die übrigen Angebote sind ansprechend und preislich ausgeglichen: Eine 90-minütige Lomi-Lomi-Hawaii-Massage mit warmen Ölen kostet 95 Euro, eine Maniküre 25 Euro. Verwendung finden ausschließlich hochwertige Produkte von »Ligne St. Barth«.

Das Spa selbst ist klein, aber fein: Auf 320 Quadratmetern wurden Sauna, Dampfbad, Whirlpool, Solarium und Fitnessbereich untergebracht. Hotelgäste können sich mit ihrer Magnetkarte bis 22 Uhr Zutritt verschaffen. Die Abteilung ist in jeder Hinsicht gut in Schuss, überall liegen Handtücher bzw. stehen Wasserflaschen bereit. Glasgläser oder ähnliche Sicherheitsrisiken kann ich nicht entdecken. In den Ruhezonen liegt Leküre aus.
Wertung: sehr gut

Bankettabteilung

 

 

 

Die Kontakte mit der Bankettabteilung verlaufen freundlich und professionell. Frau L. kennt ihr Hotel und weiß gut zu informieren – ohne vom PC-Bildschirm abzulesen. Anfragen werden sehr zügig beantwortet, Menüvorschläge schlüssig unterbreitet, Bilder zur Verdeutlichung der Hotelangebote gleich mitgeschickt. Frau L. bedankt sich außerdem in Wort und Schrift für mein Interesse und wünscht mir noch einen schönen Tag.
Wertung: sehr gut

Lage des Hotels

Das Hotel Pullman Erfurt am Dom steht nicht unmittelbar am Dom, sondern gute fünf Gehminuten davon entfernt. Ich logiere demnach nicht, wie durch den Namen suggeriert, mitten in der Altstadt, sondern eher an deren Rand. Zudem wurde das Hotel auf einem Platz errichtet, auf dem es früher im Grunde nichts außer der Schreibmaschinenfabrik Olympia (später Optima) gab – woran ein riesiges historisches Bild in der Atrium-Bar erinnert. Das Umfeld wirkt dementsprechen trübe und bietet keine schönen Ausblicke.

Außenansicht

Der profan gestaltete Außenbereich präsentiert sich während meines Aufenthalts ordentlich: Zu keiner Zeit ist Unrat oder sonst etwas Deplatziertes auszumachen. Der am Eingang stehende Aschenbecher ist ebenfalls zu keinem Zeitpunkt ein Störfaktor. Der Schriftzug mit dem Hotelnamen ist zwar kaum zu erkennen, da es jedoch kein anderes Hotel am Dom mit diesem Namen gibt, kann es ja auch nicht zu Verwechslungen kommen.
Wertung: noch gut

Flure, Aufzüge, Treppen

Diese Bereiche befinden sich in einem sehr gepflegten Zustand. Die ­Gestaltung ist sachlich, ruhig und übersichtlich. Auf den inspizierten Fluren sind keine Schadstellen, Verunreinigungen oder sonstige Abnutzungserscheinungen zu erkennen.
Wertung: gut

Sicherheitsaspekte

Versuche, an meine Zimmernummer zu kommen, scheitern am Sicherheitsverständnis der Mitarbeiter. Die Fluchtwege sind gut gekennzeichnet und auch abends erkennbar. Bei Stichproben ist keiner der Notausgänge verschlossen oder zugestellt.

Die Trolleys vom Housekeeping sind so abenteuerlich überladen wie indische Reisebusse, weshalb es Gauner schwer hätten, auf diesem Weg an Informationen zu kommen – allerdings sind auf den Gästelisten ohnehin keine Namen erkennbar. Zu Schlüsselverwechslungen kann es dank der Magnetkarten nicht kommen. Diese funktionieren während meines Aufenthalts stets einwandfrei und verschaffen Zugang zum eigenen Zimmer sowie zum Spa. Die Aufzüge werden dadurch nicht eigens in Gang gesetzt.
Wertung: sehr gut

MI. 23/02, 19:07 »Gloriosa«

Das Restaurant mag einen nach Ruhm klingenden Namen haben, wurde aber nach der Glocke des Erfurter Mariendoms benannt. Der Auftritt jedoch gleicht eher einem Glöckchen, wobei zumindest optisch auch das nicht erklingen will. Allein die hässliche Luftschlitzdecke erinnert an einen profanen Konferenzsaal. Die wenigen Gäste flüstern, im Hintergrund läuft Fahrstuhlmusik vom Band. Hier will kein Wohlgefühl aufkommen.

Gegen all diese Freudlosigkeit anzukämpfen, versucht mit großem Engagement und wohltuender Freundlichkeit eine Mitarbeiterin, die offenbar als Restaurantleiterin fungiert. Außer ihr ist nur noch eine Hilfskraft zur Stelle: eine besonders liebenswürdige, aparte Auszubildende, die mit viel Charme und einem herzlichen Lächeln auftritt. Die Restaurantleiterin Frau B. versucht ihr Bestes – berät, empfiehlt, vermittelt Freude. Doch kann sie ja auch nicht mehr anbieten, als der Fundus bereithält. Dazu gehört eine banale Aperitif-Auswahl, die nostalgisch Campari-Orange und andere Oldtimer in Erinnerung ruft, aber kaum Lust auf eine Bestellung macht.

Auf der Weinkarte steht viel Gutes, aber sie trägt keine eigene Handschrift. Es gibt keine Entdeckungen oder individuelle Ideen und bei den regionalen Weinen hätte ich mehr erwartet. Das gilt ebenso für die acht offenen Offerten: Auch hier sollte die Heimatregion Saale-Unstrut besser vertreten sein. Außerdem waren gleich die ersten beiden verkosteten Weine stark fehlerhaft, was auch Rückschlüsse auf Einkauf und Kellerpflege zulässt. Einen Sommelier, der beides optimieren könnte, gibt es jedoch nicht.

Nicht weniger ärgerlich: Die Speisekarte des Restaurants entspricht nicht der im Internet einsehbaren. Zudem gibt es – wie bereits erwähnt – längst einen neuen Küchenchef, was allerdings an keiner Stelle kommuniziert wird. Vor diesem Personalwechsel war weit eher ein eigenes Profil zu erkennen, die jetzige Speisekarte bietet nur die gepflegte Langeweile sogenannter internationaler Küche. Die Küche des »alten Chefs« war dem sehr kritischen Restaurantführer »Gault Millau« noch 14 Punkte wert; jetzt gäbe es allein für die staubtrockene Brotauswahl und die Convenience-Terrine zum Auftakt viele Minuspunkte. Lieber gar nichts servieren als solch eine miserable Gedankenlosigkeit, die selbst den wohlwollendsten Gast verärgern muss.

Vom Produkt her sehr gut war wiederum das wirklich saftige »Rindfleisch-Sashimi«. Der gebackene Sellerie dazu sah zwar aus wie vorbereitet und aufgewärmt, fiel aber geschmacklich tadellos aus. Die versprochene Wasabi-Senf-Soße dagegen war neutral und glich einer banalen Mayonnaise. Ebenfalls im Grunde gut gedacht, im Ergebnis aber nicht befriedigend, präsentierte sich die »Kalbsschwanzessenz mit Ravioli von geschmorten Ochsenbacken unter der Blätterteighaube«. Die Essenz geriet passabel; die festen, matten Ravioli wurden offenbar nicht à la minute zubereitet. Die tournierten Gemüseperlen schließlich waren sinnbildlich für die ganze Küche, die wie aus den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts (und davor) wirkt. Und wer heute noch ein Gericht »Dialog von…« nennt, beweist damit nur seine Einfallslosigkeit. Diese Speisekartensprache stammt aus den Anfangsjahren des deutschen Küchenwunders und war seinerzeit originell. Heute wirkt sie jedoch antiquiert und provinziell.

In Gänze heißt besagtes Gericht im »Gloriosa«: »Dialog vom Lamm mit Pesto, Mille-feuille von Gemüsen und Maxim-Kartoffeln«. Gut und perfekt gegart war das Lamm in der Kräuterkruste, auch wenn mir nicht klar wurde, weshalb ein Stück davon paniert werden musste. Nennenswert bereichert hat es das Gericht nicht. Die müden Maxim-Kartoffeln waren leider nur aufgewärmt und am Rand zu stark erhitzt. Der Gemüseturm aus grünem Spargel und Karotten war knackig und gut. Wie schon beim Rindfleisch frage ich mich allerdings auch hier, warum nichts über die Herkunft des Fleischs gesagt wird – weder auf der Speisekarte noch vom Service. War es ein Deichlamm, ein Müritz-Lamm, ein Lamm aus Neuseeland?
Leider nicht überzeugen konnte das »mit Kartoffeln soufflierte Forellenfilet mit Kokosmilchschaum, glaciertem Gurkengemüse und Flusskrebsen«. Der Fisch für sich wäre durchaus noch gut gewesen, doch der keineswegs soufflierte, sondern pampige und alles erdrückende Kartoffelstampf walzte das zarte Fleisch nieder. Der dazu gehörende Kokosmilchschaum war als solcher nicht zu erkennen und erwies sich als nichtssagendes Schäumchen. Die Flusskrebse ließen den hehren Wunsch erahnen, aus Discounter-Ware mehr herausholen zu können. Nichts auszusetzen gab es am Gurkengemüse.
Unter der Dessertauswahl fiel die »Aprikosen-Mandel-Tarte mit karamellisierter Mango und Hibiskus-Eis« auf, doch auch bei dieser stimmte so gar nichts. Zum ersten handelte es sich nicht um eine französische ­Tarte, sondern um ein simples Küchlein ohne nur eines der gedachten Aromen. Zum zweiten war die Mango halbroh und nicht mariniert. Und zum dritten hatte das Hibiskus-Eis eine haptisch unangenehm bröselige Konsistenz und schmeckte chemisch nach süßen Drops.

Fazit der Küchenleistungen: Ich frage mich, warum bei so wenigen Gästen so vieles vor- und nicht à la minute zubereitet wird? Art und Aufbau der Speisekarte sowie die Präsentation der Gerichte sind nicht einmal mehr als herkömmlich zu bewerten: So etwas erlebt man doch nur noch in den Allerweltsküchen mittelmäßiger Hotels. Stellenweise blitzt allerdings handwerkliches Können auf, das hoffen lässt. Die Küche sucht wohl noch nach Orientierung, ist aber keineswegs untalentiert. Es fehlen ­einfach ein Konzept und ein Coach, der dieses erstellt und allem eine Richtung gibt.
Wertung: mangelhaft

DO. 24/02, 10:13 Etagenfrühstück

Die im Grunde freundliche Mitarbeiterin wiederholt meine Order nicht, sagt keine Servierzeit an und bedankt sich auch nicht für die Bestellung. Als ich sie nach der Servierzeit frage, erklärt sie, dass es »schon einen Moment dauern wird«, weil ich ja nicht die Zimmerkarte an die Tür gehängt hätte. Das mag zwar stimmen, klingt aber leise nach Vorwurf. Schließlich kann ich die junge Dame doch noch zu einer konkreten Aussage nötigen und ihr eine Servierzeit von 15 bis 20 Minuten entlocken.
Innerhalb der angegeben Zeit wird mir das Frühstück von einer freundlich lächelnden Mitarbeiterin aufs Zimmer gebracht. Der Servierwagen wirkt etwas lieblos, wurde er doch weder hübsch angerichtet noch mit einer Blume dekoriert. Außerdem fehlt im Brotkorb die Serviette. Ein Kärtchen mit dem obligaten Abräumhinweis ist vorhanden, persönlich werde ich jedoch nicht noch einmal darauf hingewiesen.

Obwohl ich – abweichend von der Karte – keinen frisch gepressten Orangensaft, sondern einen Ananas-Orangensaft bestellt hatte, der angeblich auch frisch gepresst ist, wurde mir jetzt doch ein Orangensaft gebracht. Andere frisch gepresste Säfte gebe es angeblich nicht. Doch wo eine Saftpresse ist, kann man im Grunde jeden Saft frisch zubereiten. Dafür kommt mein Orangensaft in einem erfreulich großen Glas. Die bestellten Rühreier schmecken nicht frisch zubereitet, sondern fest, fade und plump wie aus dem Tetrapack. Der winzige Schnittlauch gibt kein Aroma ab und scheint ebenfalls ein Instantprodukt zu sein. Der Speck dazu ist, wie schon der auf dem Buffet, sehr gut. Die Brot- und Brötchenauswahl fällt befriedigend aus, der Aufschnitt noch gut. Auf dem Frühstücksbuffet lag die Qualität deutlich höher. Der Obstsalat kann gerade noch als passabel bewertet werden und besteht vor allem aus Apfel. Marmelade, Konfitüre und Honig im Minigläschen sind tadellos. Der Tee wird korrekt separat gebracht und sitzt nicht schon im Kännchen mit heißem Wasser. Allerdings wirken die Teeblätter matt und entfalten sich kaum, sodass der Tee kein Aroma entwickelt. Die Thermoskanne mit heißem Wasser riecht neutral und nicht nach Kaffee. Sie gehört jedoch nicht zum Standardrepertoire und wird nur auf Wunsch geliefert. Das Etagenfrühstück kostet 20 Euro, ein Etagenzuschlag wird nicht erhoben.
Wertung: mangelhaft

DO. 24/02, 12:03 Check-out

Frau F. arbeitet sehr freundlich und effizient. Sie fragt erst, wie mir der Aufenthalt gefallen habe, dann erkundigt sie sich nach dem Minibarverbrauch. Statt mir eine Inforechnung auszudrucken, liest sie mir die einzelnen Posten am Bildschirm vor. Das ist nicht nur unüberlegt, weil ich dazu keine Preise sehen kann, es ist auch indiskret, selbst wenn zu diesem Zeitpunkt niemand sonst an der Rezeption steht. Die Gesamtrechnung beläuft sich auf 566,56 Euro, wobei das Frühstück mit nur 18 Euro angeführt ist, statt mit den überall im Hotel genannten 20 Euro. Die Mitarbeiterin verabschiedet mich freundlich lächelnd und das bestellte Taxi wartet bereits.
Wertung: befriedigend

Lost & Found

Der von mir »vergessene« Gegenstand wurde gefunden und registriert. Die freundliche Mitarbeiterin kann ihn mir allerdings nicht kostenfrei zuschicken und bietet zwei Varianten an: für 15 Euro unfrei mit der Post oder für 6,90 Euro bei Nachbelastung der von mir gespeicherten Kreditkarte.
Wertung: kleinlich

Bilanz

Wäre das Hotel nicht mit fünf Sternen klassifiziert, müssten andere Maßstäbe angelegt werden. In diesem Missverständnis und eigentlichem Missverhältnis liegt ein Teil der Problematik: Das Pullman Erfurt am Dom könnte ein sehr gutes Vier-Sterne-Hotel sein. Auch Preis und Leistung stehen dafür in einem guten Verhältnis. Die imposante turmhohe Lobby ist beeindruckend, gespart hat man aber bei der Gestaltung des Restaurants und der Zimmer. Vor allem fehlt es jedoch an Professionalität, individueller Betreuung und einer Aufmerksamkeit, die über das normale Maß hinausgeht. Bei den wenigen spröden Mitarbeiterinnen wiegt das noch schwerer; die meisten freundlichen gleichen diese Defizite zumindest mit einem Lächeln aus. Das Pullman Erfurt am Dom hat mehr Potenzial und könnte nach einigen Nachbesserungen durchaus mit einer guten Bewertung abschließen.

 

Gesamteindruck: 57 %

Testurteil: befriedigend

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.

Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!