Tourismusprojekt Ein Dorf wird zum Hotel

Der Schwarzwald denkt ländlichen Tourismus neu: Ein neues Projekt soll ganze Orte in Hotels verwandeln.
Der Schwarzwald denkt ländlichen Tourismus neu: Ein neues Projekt soll ganze Orte in Hotels verwandeln. © Funny Studio - stock.adobe.com

Der Schwarzwald Tourismus will gemeinsam mit der Beratungsfirma Co Compass leerstehende Gebäude in Dörfern zu verteilten Hotelzimmern umfunktionieren. Vorbild ist das italienische Konzept „Albergo Diffuso“.

Leerstehende Häuser, schrumpfende Ortskerne, Gasthäuser ohne Nachfolger – viele ländliche Gemeinden im Schwarzwald stehen vor ähnlichen strukturellen Herausforderungen. Ein neues Projekt des Schwarzwald Tourismus und der Tourismusberatung Co Compass will genau hier ansetzen und aus der Not eine Chance machen: Ganze Dörfer sollen zu Hotels werden, ohne dass ein einziges neues Gebäude entsteht.

Das Prinzip dahinter klingt simpel: Statt eines klassischen Hotelkomplexes verteilen sich Unterkünfte, Gemeinschaftsräume und gastronomische Angebote über einen ganzen Ort. Die Rezeption befindet sich im Dorfkern, das Frühstück wird beim örtlichen Bäcker serviert, das Abendessen findet im Gasthaus statt, und der Dorfplatz übernimmt die Funktion einer Hotellobby. Neue Gebäude sollen dafür nicht errichtet werden – stattdessen will man bestehende, teils leerstehende Bausubstanz nutzen. Gäste und Einheimische sollen so in direkten Kontakt kommen, was laut den Initiatoren ein Urlaubserlebnis schaffen soll, das über reine Beherbergung hinausgeht.

Ein italienisches Modell, angepasst an den Schwarzwald

Das zugrunde liegende Konzept stammt ursprünglich aus Italien, wo das „Albergo Diffuso“ bereits seit Jahren praktiziert wird. Laut dem Schwarzwald Tourismus soll das Modell jedoch nicht einfach kopiert, sondern gezielt an die regionalen Gegebenheiten angepasst werden. Dabei spielten die lokale Baukultur, die dörflichen Strukturen und die Tradition der Gastlichkeit im Schwarzwald eine zentrale Rolle.

„Wir verbinden touristische Innovation mit Ortsentwicklung im ländlichen Raum – und schaffen so Lösungen für mehrere Herausforderungen gleichzeitig“, sagt Karsten Palme Co Compass. Das Projekt ziele damit auf mehrere Problemfelder gleichzeitig: Leerstand in Ortskernen, wirtschaftlicher Strukturwandel im ländlichen Raum und die wachsende Nachfrage nach nachhaltigeren Tourismusformen.

Workshops und Modellkommunen als nächste Schritte

Der Umsetzungsprozess sei bewusst partizipativ angelegt. Derzeit würden interessierte Gemeinden im Schwarzwald identifiziert. In Workshops und Austauschformaten sollen Kommunen, Gastgeber und weitere lokale Akteure gemeinsam konkrete Ansätze erarbeiten. Ausgewählte Modellorte würden dabei von der Analysephase über die Konzeption bis hin zu fertigen Umsetzungsplänen begleitet. Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg. red/sar