InterContinental FrankfurtDunkelgraue Eminenz

Das InterContinental Frankfurt wirbt damit, seinen Gästen »Räume für höchste Ansprüche« zu bieten und die »Haute Cuisine aus ganz Europa unter einem Dach« zu vereinen. Unser Tester prüfte nach, ob das Fünf-Sterne-Hotel diese ambitionierten Versprechungen erfüllen kann.

FR. 19/07, 07:00 – Telefonische Reservierung

Morgenstund hat Gold im Mund? Im InterContinental Frankfurt wohl eher Blei in den Gliedern. Zumindest geht um 7:00 Uhr in der Reservierungsabteilung, die ab diesem Zeitpunkt besetzt sein sollte, niemand ans Telefon. »Wahrscheinlich fahren die gerade die Computer hoch«, vertröstet mich Herr P. vom Empfang und schlägt vor, in zehn Minuten noch einmal anzurufen. Einen Rückruf anzubieten, wäre besser gewesen, aber bitteschön: Um 07:12 Uhr erreiche ich eine Dame, die meine Reservierung entgegennimmt. Sie bietet mir drei unterschiedliche Zimmerkategorien an, die sich außer im Preis anscheinend vor allem im Ausblick unterscheiden. Andere Informationen erhalte ich jedenfalls nicht. Das Classic Zimmer zu 149 Euro einschließlich Frühstück liegt in einem der unteren Stockwerke und geht zur Stadt hin. Die »fantastische Aussicht auf die Skyline Frankfurts« (Homepage) endet hier allerdings schon am gegenüberliegenden Bürogebäude. Das Zimmer mit garantiertem Mainblick kostet 184 Euro, und das preislich dazwischen angesiedelte Superior Zimmer ist tatsächlich in einem »höheren« Stockwerk gelegen − zu welcher Seite bleibt dem Hotel überlassen – und kostet 169 Euro. Ich bitte um ein Superior Zimmer »mit erhofftem Mainblick«. Schließlich ist Sommer und Saure-Gurken-Zeit in der Stadthotellerie. Nach den Angaben zu meiner Kreditkarte bitte ich um Bestätigung per Post statt per E-Mail – »kein Problem«, sagt die Mitarbeiterin, vergisst aber meine Adresse aufzunehmen. Für sie ist der Reservierungsvorgang jetzt beendet. Näheres zum Hotel erfahre ich erst auf Nachfrage. Der Lapsus mit der vergessenen Adresse fällt später auf und ich werde auf der Mailbox um Rückruf gebeten. Diesmal habe ich einen jungen Mann mit osteuropäisch rollendem »R« und militärischem Tonfall an der Strippe, der gar nicht versteht, warum ich ihm meine Adresse durchgeben will. »Rrrreservierungsnummer?«, fragt er. »Keine Ahnung«, sage ich. »Gastname?« Da kann ich weiterhelfen. Nach einem Blick in den Computer versteht er endlich. »Wirrr können auch eine Bestätigung per SMS schicken«, sagt er. »Ich hätte aber gern eine schriftliche Bestätigung«, sage ich. »SMS ist auch schrrriftlich!«, rollt er ein wenig patzig. Da werde ich deutlich. Endlich nimmt er meine Adresse auf. Eine Bestätigung erhalte ich dennoch nicht.
Wertung: mangelhaft

Internetauftritt/Online-Buchung

469 Zimmer, Tagungs- und Veranstaltungsräume, ein Restaurant, eine Bar, ein Fitnessraum, Punkt. Vielleicht weil das Hotel selbst so übersichtlich ist, lässt sich auf der Website des InterContinental Frankfurt alles erfahren, was der Mensch darüber wissen wollen könnte. Sehr gut mit Fotos, E-Mail-Adresse und Durchwahl der Ansprechpartner (»Unser Hochzeitsteam um Kathleen V. …«), attraktiv mit originellen Packages (Übernachtung plus Führung durch die Frankfurter Börse) und informativ im Hinblick auf lohnenswerte Unternehmungen in Frankfurt, von Shopping bis Sightseeing. Der Download der Businesslunch-Karte erweist sich allerdings als nutzlos, wenn diese von vergangener Woche ist. Gleiches gilt für das Rezept des Monats, das Küchenchef Klaus Bramkamp im Video vorstellt: Spargel-Lachs-Gratin − im August? Online buchen ist kein Problem − wenn man Englisch versteht. Ob die Rate mit oder ohne Frühstück ist bzw. was das Frühstück extra kostet, finde ich auch nach aufmerksamem Studium nicht heraus.
Wertung: noch gut

Lage/Anreise

Eine Schönheit ist es nicht gerade, das 21-stöckige Gebäude mit der schmutzig-grauen Fassade aus den 1960er-Jahren. Vom Museumsufer, der anderen Seite des Mains, aus betrachtet, gehört das Hotel zwar zum gewohnten Stadtbild dazu, wirkt aber gerade vor der Skyline der modernen Bankentempel wie ein müder Senior unter schicken, jungen Leuten. Die Lage am Main, fußläufig zu Römer, zur Shoppingmeile Zeil und den Museen am anderen Ufer sowie nur wenige Minuten zu Messe, Hauptbahnhof und Frankfurter Flughafen, macht das InterConti dann aber doch zu einem beliebten Anlaufpunkt vor allem für ausländische Gäste. Die Vorfahrt auf der stadtzugewandten Wilhelm-Leuschner-Straße ist modernisiert und wirkt adrett mit ihren grauen Buchsbaumkübeln und dem stets gekehrten roten Teppich. Leider werde ich nicht empfangen und muss erst aus dem Auto aussteigen, um den dann aus der Lobby eilenden Pagen nach dem Parkhaus zu fragen. Er nimmt mir aber freundlicherweise das Gepäck ab und wartet anschließend vor der Rezeption auf mich. Das Parkhaus gehört nicht zum Hotel und knöpft dem Pkw-Reisenden satte 27 Euro pro Tag ab.
Wertung: gut

MO. 05/08, 13:45 – Check-in

Die weitläufige Lobby ist in hellen Braun-Grün-Beige-Tönen gehalten und hat vom gestalterischen Gesichtspunkt her keinerlei Erinnerungswert. Aber sie wirkt gepflegt. Gepflegt ist auch die Erscheinung der Damen und Herren an der Rezeption. Im dunklen Anzug und mit heller Bluse und Halstüchlein empfängt mich Frau P. und heißt mich höflich willkommen. Der Meldeschein ist nur unvollständig vorausgefüllt, die Straße falsch geschrieben, der Ort fehlt ganz. Kein Wunder, dass ich keine Bestätigung erhalten habe. Frau P. vergewissert sich meines An- und Abreisedatums und meiner Nichtraucherpräferenz. Sie sagt »Wir haben ein schönes Superior Zimmer mit Mainblick (!) im neunten Stock für Sie« und überreicht mir einen Zimmerpass mit Kärtchen. Sie weist Richtung Aufzug, nennt mir noch die Frühstückszeiten und das wars dann auch schon. Der Page bringt mir mein Gepäck aufs Zimmer.
Wertung: befriedigend

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