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Start Coronakrise Dr. Clemens Ritter von Kempski im Interview: So könnte eine Welt nach...

Dr. Clemens Ritter von Kempski im InterviewSo könnte eine Welt nach Corona aussehen

Dr. Clemens Ritter von Kempski ist Arzt und Hotelier. Im Interview wagt der Gründer und Geschäftsführer der Ritter von Kempski Privathotels einen Blick in die Zukunft: Wie könnte die Zeit nach Corona aussehen? Wie werden sich Hoteliers, Mitarbeiter und Gäste verändern? Und was muss die Branche tun, um künftig auf stabileren Beinen zu stehen?

Tophotel: Herr Dr. Clemens Ritter von Kempski, Sie sind Arzt und Hotelbetreiber. Welche “Seite” ist gerade emotionaler?

Dr. Clemens Ritter von Kempski: Da ich näher an meinen Mitarbeitern im Hotel bin, sicher diese Seite. Ich habe so wertvolle Teams, die sich jetzt – unverschuldet – in der Krise befinden. Die Kurzarbeit ist für alle finanziell und psychisch sehr hart.

Wie schätzen Sie die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung und Länder zur Verlangsamung der Coronavirus-Ausbreitung ein? Aus ärztlicher und unternehmerischer Sicht?

Aus Respekt vor den vielen hochengagierten Menschen, die im Moment unser Grundsystem am Laufen halten, möchte ich folgendermaßen antworten: In Zukunft erwarte ich von dem Krisenmanagement im Vorfeld validierte Strategien und Konzepte. Der Parameter „positiv getestet durch Rachenabstrich“ scheint mir qualitativ zu wenig zu sein, um die weitreichenden gesellschaftlichen, staatsrechtlichen und wirtschaftlichen Folgen der eingeführten Maßnahmen zu rechtfertigen. Auch verbleibt so die Exitstrategie aus dem Shutdown eher im Spekulativen.

Wir brauchen zum Beispiel dringend Erkenntnisse über den Immunstatus der Bevölkerung. Dieser Bluttest kann Aufschluss über durchlaufene Infektionen und die Immunität von Zielgruppen geben. Daraus ließen sich gezieltere Maßnahmen ableiten, die nicht pauschal alle und alles gleich lahmlegen.

Das Naturresort Schindelbruch ist aktuell geschlossen. Wie schwer ist die Entscheidung gefallen und wie ist die Lage heute?

Ich habe mich am 20. März entschlossen, das Naturresort Schindelbruch noch am selben Tag zu schließen. Man ist an solch einem Punkt sehr einsam. Die Mitarbeiter dürfen aber zu Recht erwarten, dass es jemanden gibt, der die Entscheidungen trifft und dafür einsteht. Gerade auch in der Krise übernehme ich als Hotelier die volle Verantwortung.

Wie ist Ihre Prognose: Wie wird sich die Reisebranche nach der Krise entwickeln? Werden die Menschen wieder reisen oder bleibt eine gewisse Angst?

Nach dieser Krise wird sich auch der Tourismus verändert haben. Die Businesshotellerie mit den Tagesflügen und kurzen Meetings wird sich nicht vollständig erholen. Der qualitativ höherwertige Inlands-Resort-Tourismus kann profitieren. Zwei Dinge sind schon jetzt klar: Erstens wird es mindestens zwölf bis 18 Monate dauern, um die Hotels wieder vollständig hochzufahren. Zweitens werden wir noch deutlicher machen und selbstbewusster daran arbeiten müssen, dass dieser Industriezweig in Zukunft vernünftige Margen braucht. Das ist weniger eine Chance, sondern vielmehr unsere Pflicht, damit wir bei der nächsten Krise besser vorbereitet sind.

Inwiefern wird die Krise das Verhalten von Hoteliers, Mitarbeitern und Gästen nachhaltig beeinflussen?

Das Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer wird weniger reaktiv sein und bekommt mehr Chancen auf eine gemeinsame Gestaltung. Wir müssen endlich höhere Preise durchsetzen, dann können wir auch bessere Löhne bezahlen. Die Gäste werden lernen und akzeptieren, dass die Qualitätsangebote in Deutschland nicht zum Schnäppchenpreis zu haben sind.

In diesen Zeiten der Unsicherheit empfinden die Beteiligten oft großen Stress. Wie raten Sie Ihren Kollegen, damit umzugehen?

Da kann ich nur für mich sprechen: Als Hotelier konzentriere ich mich voll und ganz darauf, unsere Hotels durch die Krise zu steuern. Vor allem die Mitarbeiter brauchen jetzt die Zuversicht, dass wir als Qualitätsunternehmen gut durch diese schwierige Phase gehen. Diese Zuversicht zu geben, hilft mir selber am meisten. Deshalb aktiviere ich auch alle verfügbaren Ressourcen innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Ich würde es wieder tun – sicher.

Interview: Verena Usleber

 

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