Corona-Hilfen Dorint kämpft und wächst weiter

Dirk Iserlohe
Dirk Iserlohe ist Dorint-Aufsichtsratvorsitzender und kämpft seit der Coronakrise um die Gleichstellung der großen mittelständischen Unternehmen des deutschen Gastge-werbes. © Stephan Pick

Dirk Iserlohe setzt sich für die Gleichstellung der mittleren Unternehmen bei den Corona-Hilfen ein. Mit Tophotel sprach er über den Status quo seiner Bemühungen und die Pläne mit Dorint.

Tophotel: Herr Iserlohe, Sie konnten einen Teilerfolg bei Ihren Klagen auf Gleichstellung und Schadensersatz vermelden. Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Dirk Iserlohe: Unsere Klagen auf Gleichstellung und Schadensersatz, die in 14 Bundesländern anhängig sind, bewegen sich langsam durch die Instanzen. Jetzt hat tatsächlich eine von ihnen, nämlich die aus Bremen, den Bundesgerichtshof erreicht. Dieser hat angekündigt, die Revision zuzulassen. Ich werte das neutral bis positiv, denn es könnte ja noch immer eine Rückweisung an das Oberlandesgericht Bremen wegen einer tatsächlich falsch angewendeten Norm geben. Unser Anwalt, übrigens einer von 40 zugelassenen BGH-Anwälten in Deutschland, glaubt, dass wir das bis Januar 2024 erfahren.

Und was geschieht dann?

Im besten Fall wird die Obergrenze für die Corona-Hilfen für Unternehmen unserer Größenordnung dadurch aufgehoben, dass der BGH sich dem Thema Sonderopfer (Artikel 14 GG) neu widmet und befindet, dass eine Obergrenze, die existenzielle Wirkungen der betroffenen Unternehmen auslöst, rechtswidrig ist. Das würde bedeuten, dass wir weitere 45 Millionen Euro zuzüglich Zinsen und Gerichtskosten erhalten müssten. Doch angesichts der langen Verfahrenszeiten könnte sich dies alles bis über das Jahr 2026 hinauszögern.

Sie scheinen das einzige Unternehmen zu sein, das daran noch Interesse hat. Weshalb hört man dazu nichts mehr von anderen ähnlich strukturierten deutschen Hotelgesellschaften?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Ich unterrichte meine Kollegen stets über unsere Fortschritte und empfehle ihnen, ihre Bescheide „offen“ zu halten. Jedes der anderen etwa 20 betroffenen verbundenen mittelständischen Unternehmen wird seine eigenen Gründe haben, weshalb es nicht mitkämpft oder klagt. Das könnte beispielsweise mit der Investorenstruktur zusammenhängen oder auch mit der Umsatzmarke. Fördergelder flossen nur dann, wenn das Unternehmen mehr als 30 Prozent seines Umsatzes mit Hotel- oder Gaststätteneinnahmen bestreitet.

Dorint Hotels in Planung

  • Erstes Quartal 2024: Dorint Hotel ­Esplanade Jena mit 140 Zimmern
  • April 2024: Essential by Dorint ­Interlaken mit 94 Zimmern
  • August 2024: Dorint Resort & Spa Locarno/Riazzino mit 72 Zimmern
  • Anfang 2025: Essential by Dorint ­Düsseldorf mit 137 Zimmern
  • Erstes Quartal 2025: Dorint Seehotel & Resort Klink Müritz mit 247 Zimmern
  • Ende 2025: Dorint Hotel Frankfurt/Hochheim (114 Zimmer) mit der Boris Becker Tennisakademie
  • Frühjahr 2026: Essential by Dorint Altenrhein (130 Zimmer) und Dorint Schloss Lerbach Bergisch Gladbach (125 Zimmer)

Welche finanziellen Auswirkungen hatte die Pandemie auf Dorint?

Vor allem hat sie sich negativ auf unsere Eigenkapitalquote niedergeschlagen. Vor der Pandemie sind wir mit 90 Millionen Euro Eigenkapital in die Coronakrise eingetaucht und verzeichnen jetzt den niedrigsten Stand mit rund 15 Millionen Euro.

Wie sieht Ihr Plan B aus, sollten Sie mit Ihren Klagen scheitern?

Unser Plan B ist die Kapitalerhöhung und Zuführung von Gewinnen aus Immobilienumsätzen. Wir wollen Dorint weiter unterstützen und mit der Gruppe eine kontrollierte Expansion betreiben. Die Dorint hat seit Ende der Pandemie alles getan, um das wiederangesprungene Geschäft weiter anzukurbeln. Doch leider genügt das nicht, da einige Unternehmen in Deutschland in diesem Jahr Verluste zu verzeichnen haben. Es finden zwar wieder mehr Reisen statt, aber nicht nur die Kosten sind explodiert, sondern auch die Nebenumsätze gesunken. Die Menschen greifen nicht mehr zur Tüte Chips aus der Minibar, trinken abends nur noch ein Bier oder kürzen ihren Aufenthalt um ein bis zwei Tage. Das tut weh.

Wie ist die Dorint-Prognose für 2023?

Wir gehen für das Wirtschaftsjahr 2023 voraussichtlich von 320 Millionen Euro Umsatz aus. Die durchschnittliche Belegung ist auf etwa 61 Prozent gestiegen und der durchschnittliche Zimmerpreis beträgt knapp 130 Euro netto. Trotz Rezession streben wir für 2024 eine schwarze Null an. Das ist immerhin zwei Jahre früher, als wir es während der Corona-Beschränkungen angenommen haben. Im Jahr 2023 sind es allerdings leider noch Verluste.

Wie möchten Sie die schwarze Null 2024 erreichen?

Durch das erwähnte kontrollierte Wachstum. Jedes weitere Hotel der Gruppe trägt zur größeren Sichtbarkeit der Marken und der Destinationen bei – und so auch zu mehr Umsatz. Da neue Projekte kaum realisiert werden, möchten wir unseren Ertragswert in erster Linie durch Konversionen erhöhen. Unsere letzten Akquisitionen waren allesamt Übernahmen, zum Beispiel das ehemalige Steigenberger Hotel in Jena. Im Augenblick haben wir acht Dorint und Essential by Dorint Hotels in der Pipeline. Darunter sind auch drei sehr gute Standorte in der Schweiz, die im Rahmen eines Multi-Franchise-Agreements mit der Helvetic Hotels & Resorts AG unter unseren Marken gebrandet werden. Wir sehen uns sehr selektiv auch nach weiteren Betrieben für unsere Hommage Collection um. Insgesamt prüft unsere Entwicklungsabteilung derzeit 19 Standorte in der DACH-Region. Bis 2028 möchten wir mit unseren drei Marken von aktuell 66 Häusern, davon 57 in Betrieb, auf rund hundert Hotels und Resorts wachsen.

Welche Vertragsart soll dabei im Fokus stehen?

Nach wie vor hat das Thema Pacht bei uns Priorität. Aber selbstverständlich bieten wir auch sehr gerne Franchise für Hotelbetreiber an, die eine deutliche Gastorientierung haben.

Wie verläuft die Kooperation zwischen Barceló und Dorint?

Damit sind wir sehr zufrieden. Beide Partner profitieren vom Bekanntheitsgrad des anderen und die Standorte kannibalisieren sich nicht. Es entstehen keine Kosten. Die Buchungen über die Plattform des jeweils anderen Partners werden mit sechs Prozent saldiert und sind sehr ausgeglichen.

Wie dramatisch ist es für Dorint, wenn die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie ab Januar wieder auf 19 Prozent steigt? Insgesamt macht F&B bei uns etwa 20 Prozent aus, und auf Getränke gab es die Reduzierung ohnehin nicht. Also wird uns die Mehrwertsteuer nicht umbringen, viele Gastronomen werden aber stark darunter leiden. Für mich ist das in der Ampel ausgemachte Sache. Die Regierung hat immer noch nicht verstanden, dass die Gastwelt mit 5,6 Millionen Arbeitnehmern und 350 Milliarden Euro Anteil am Bruttoinlandsprodukt für Deutschland relevant ist.