Analyse Diesen Stellenwert hat der Schutz von Biodiversität in Unternehmen

Biodiversität Schutz
"Eine funktionierende Biosphäre ist entscheidend für das menschliche Wohlergehen und für das Erreichen weiter gefasster Nachhaltigkeitsziele", heißt es in der Studie. © InputUX - stock.adobe.com

Klimaschutzmaßnahmen setzen bereits viele Unternehmen um. Aber haben sie auch die Biodiversität im Blick? Das hat jetzt eine Studie untersucht.

Die neue Studie des Capgemini Research Institute, "Preserving the fabric of life: why biodiversity loss is as urgent as climate change" hat untersucht, welches Risiko Wirtschaftsvertreter weltweit im Verlust von Biodiversität für ihre Unternehmen sehen und welche Schutzmaßnahmen sie umsetzen oder planen.

Biodiversität noch ein Randthema

Die Studie zeigt, dass bei den meisten Unternehmen der Fokus derzeit auf Klimaschutzfragen liegt – und die Mehrheit der internationalen Führungskräfte (53 %, 48 % der deutschen) glaubt, dass der Schutz von Biodiversität im Vergleich eine geringere Priorität hat.

Das Studienteam schätzt, dass die weltweiten Unternehmensinvestitionen in den Erhalt der biologischen Vielfalt bislang weniger als fünf Prozent dessen betragen, was von allen staatlichen und privaten Stakeholdern innerhalb der nächsten zehn Jahre benötigt wird, um reversible Schäden an der biologischen Vielfalt der Ökosysteme auszugleichen.

"Unternehmen unterschätzen ihren Einfluss"

"Alle Wirtschaftszweige sind auf Biodiversität und Ökosysteme angewiesen. Sei es in Form von Ressourcen wie Wasser oder Naturfasern oder in Form von Ökosystemleistungen wie Gewässerregulierung oder Bodenfruchtbarkeit: Eine lebendige und funktionierende Biosphäre ist entscheidend für das menschliche Wohlergehen, für das Erreichen weiter gefasster Nachhaltigkeitsziele sowie für Wirtschaftswachstum und Stabilität", kommentiert Julia Müller, Head of Sustainable Futures bei Capgemini Invent in Deutschland. "Viele Unternehmen allerdings unterschätzen ihren Einfluss auf den Verlust biologischer Vielfalt sowie ihre Verantwortung für deren Schutz und Wiederherstellung."

Welche Strategien gibt es?

Ein weiteres Studien-Ergebnis: international verfügt nur ein Viertel der Unternehmen über eine Strategie zum Schutz der Artenvielfalt. Australien (15 Prozent), Deutschland (16 Prozent), Kanada (17 Prozent) und Italien (18 Prozent) liegen dabei am weitesten zurück. Biodiversitätsstrategien können nach Angaben der Experten unterschiedlichste Initiativen wie die Entwicklung wissenschaftsbasierter Ziele, Investitionen in Kreislaufwirtschaft oder die Berücksichtigung von Umweltfolgen bei Investitionsentscheidungen umfassen.

Um erfolgreich gegen die Biodiversitätskrise anzugehen, sind laut den Studien-Machern Veränderungen auf drei Ebenen erforderlich: in der Organisation, im Handeln und in der Unternehmenskultur. Eine wichtige Rolle könne dabei die Einführung der Kreislaufwirtschaft spielen. Fast zwei Drittel der Führungskräfte geben in der Studie an, dass ihr Unternehmen bereits einfache Praktiken der Kreislaufwirtschaft wie Recycling und Wiederverwendung implementiert hat.

Recycling und die Wiederverwendung von Materialien reduzieren die Abfallmenge und somit die Umweltverschmutzung, die Ökosysteme in den Meeren sowie an Land zerstört und Wildtiere gefährdet. Sie verringern zudem die Notwendigkeit, Rohstoffe aus der Natur zu gewinnen. Darüber hinaus ergreift mehr als die Hälfte der Unternehmen Maßnahmen, um negative Auswirkungen auf Landflächen und Gewässer zu reduzieren. red/sar