Bauen & Instandhalten Diese Vorteile haben eigene Handwerkerteams

Bautrupps Hotellerie
Allzeit bereit: Für Hoteliers kommt es oft günstiger, eigene Handwerker zu beschäftigen. © Andrej Popov – stock.adobe.com

Warten auf Handwerker kann für Hotels finanzielle Einbußen mit sich bringen. Aus diesem Grund setzen manche Betriebe auf ein eigenes Handwerkerteam. Hoteliers berichten über ihre individuellen Lösungen.

"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“ – das wusste schon Wilhelm Tell in Schillers gleichnamigem Drama. Diesem Motto folgt seit Januar 2022 auch die Halbersbacher Hospitality Group, Betreiberin von derzeit 19 Hotels in Deutschland. „Wir haben ein eigenes Unternehmen gegründet, um die immer umfangreicheren Renovierungs- und Sanierungsarbeiten bei bestehenden Hotels oder Projekten besser abbilden zu können. Daher gibt es nun die Anton Martha Design GmbH“, erläutert Geschäftsführer Arne Mundt.

Insgesamt beschäftigt dieses Unternehmen sechs Mitarbeitende in der Planung, darunter Hochbauarchitekten, Innenarchitekten, Interior Designer und Projektleiter. „Wir sind theoretisch in der Lage, die gesamten Leistungsphasen 1 bis 9 abzubilden, teilweise auch mit externen Partnern. In erster Linie entwerfen wir die kompletten Konzepte für die Hotels, das Interior Design und den Möbelbau, welcher dann durch die eigenen Handwerker oder durch externe Partner ausgeführt wird“, so Mundt.

Haustechniker ist Allrounder

Das eigene Handwerkerteam des Unternehmens besteht derzeit aus 13 Mitarbeitenden, die jeweils in einer Viertagewoche die Arbeit von Dachdeckern, Tischlern, Zimmerleuten, Malern und Lackierern, Fliesenlegern, Sanitär- und Heizungsinstallateuren sowie Trockenbauern übernehmen. „Für Elektroarbeiten greifen wir grundsätzlich auf die örtlichen Handwerker zurück, um dann im operativen Geschäft des Hotels direkt einen Ansprechpartner vor Ort zu haben. Ebenso vergeben wir Sauna- und Wellnessbau sowie sämtliche technischen Neuinstallationen fremd“, erläutert Mundt. Idealerweise verfüge zudem jedes Hotel über einen echten Allrounder als Haustechniker, wobei hier die Ausrichtung des jeweiligen Hotels zu beachten sei.

Persönliche Leidenschaft: Bauen

Ähnlich wie Mundt denkt Gert Göbel, geschäftsführender Gesellschafter der Göbel Hotels, zu denen 16 Hotels, ein Chalet-Park, 34 Ferienwohnungen und sechs Erlebnisgastronomien zählen. „Fast alle unsere Immobilien befinden sich in unserem Besitz. Bei uns vergeht kein Jahr, in dem wir für ihre Instandhaltung nicht zahlreiche Aufträge vergeben. Jährlich investieren wir etwa vier Millionen Euro in diesen Bereich, zusätzlich zu weiteren Mitteln für die Erweiterung unserer Hotelgruppe“, sagt er. Die kontinuierliche Renovierung, Sanierung und Modernisierung sei zu seiner persönlichen Leidenschaft geworden. Er habe sich weitestgehend aus dem operativen Hotelgeschäft zurückgezogen, um diesem Thema vermehrt Aufmerksamkeit zu widmen. Lediglich größere Aufträge würden an spezialisierte Fachfirmen vergeben, etwa für Haustechnik, Bodenbelagsarbeiten und Innenausbau.

Kostengünstiger als Externe

„Vor etwa zwei Jahrzehnten begannen wir, Mitarbeiter mit handwerklichen Fähigkeiten einzustellen. Dieses zwölfköpfige Team arbeitet auf unseren Baustellen an allen Standorten und übernimmt bauvorbereitende Arbeiten sowie Instandhaltungen wie Entkernung, Trockenbau und Malerarbeiten im Innen- und Außenbereich. Auch im Garten- und Landschaftsbau setzen wir häufig unsere eigenen Mitarbeiter ein“, erläutert Göbel.

Die Ausführung dieser Arbeiten mit eigenen Beschäftigten sei kostengünstiger als durch externe Handwerksfirmen. „Unsere eigenen Fachkräfte zeichnen sich durch hohe Flexibilität aus und sind stets bereit, termingerecht zu liefern. Dies ist in unserer Branche von entscheidender Bedeutung, da gesperrte Hotelzimmer oder Schwimmbäder zu Betriebsausfällen führen, die wir so kurz wie möglich halten wollen.“ Darüber hinaus arbeite er aber auch gern mit ortsansässigen Handwerkern zusammen, solange sie die erforderliche Flexibilität und Zuverlässigkeit bieten. Für die selbst durchgeführten Arbeiten wurden Werkzeuge und Materialien angeschafft und der Fuhrpark erweitert: darunter verschiedene Transporter sowie Radlader, mit denen im Winter der Schneeräumdienst übernommen wird, PKW-Anhänger und ein Hubsteiger für kleinere Reparaturen an Fassaden.

Leistungsphasen (LP)

  • LP1: Grundlagenermittlung
  • LP2: Vorplanung
  • LP3: Entwurfsplanung
  • LP4: Genehmigungsplanung
  • LP5: Ausführungsplanung
  • LP6: Vorbereitung der Vergabe
  • LP7: Mitwirkung bei der Vergabe
  • LP8: Objektüberwachung – Bauüberwachung und Dokumentation
  • LP9: Objektbetreuung

„Vor zwei Jahren haben wir im neuen Gewerbepark in Willingen eine Lagerhalle errichtet, um Baufahrzeuge unterzustellen und Platz für Baumaterialien sowie Inventar aus den Betrieben zu schaffen“, so Göbel. Hinzu kommen je nach Größe der Hotelimmobilien ein oder zwei Hausmeister, die in Renovierungsprozesse einbezogen werden. „In unserem Bautrupp beschäftigen wir Maurer, Fliesenleger, Schreiner und Maler. Von technischen Gewerken halten wir uns fern, da für diese in den meisten Fällen Abnahmebescheinigungen erforderlich sind, die wir nicht ausstellen dürfen“, argumentiert Göbel.

Hoteliers, die ihre Handwerker-Arbeiten lieber selbst verrichten als fremd vergeben, finden sich auch bei Einzelbetrieben wie beispielsweise dem Ringhotel „Silberkönig“ in Gutach-Bleibach, wo Seniorchef ­Georg Birmelin gemeinsam mit dem Haustechniker, einem gelernten Schreiner, das ganze Jahr über selbst Hand anlegt. Dabei werden nicht nur Maler- und Schreinerarbeiten geleistet, vielmehr hat Birmelin mit seinem Team sogar eine eigene Kapelle auf dem Hotelgrundstück gemauert. Allerdings hat er auch besondere Vorkenntnisse: Bevor er sich Mitte der 1980er-Jahre entschied, in den elterlichen Hotelbetrieb einzusteigen, hatte er eine Ausbildung zum Fliesenleger abgeschlossen und auch in diesem Beruf gearbeitet.

Techniker für die Maintenance

Die Regel ist der eigene Bautrupp bei Familienunternehmen jedoch nicht. Obwohl sich 23 Hotels in Deutschland und Österreich sowie sieben in Florida im Eigentum der Dr. Lohbeck Privathotels befinden, beschäftigt dieses Unternehmen, so Aufsichtsratsmitglied Stephan Lohbeck, kein eigenes Bauteam, sondern arbeitet bei der Sanierung mit regionalen Handwerkern zusammen. Auch die H-Hotels mit 65 Häusern haben, wie CEO Thomas Haas berichtet, keine Handwerker auf der Payroll, beschäftigen aber Haustechniker für die Maintenance. Bautätigkeiten werden je nach Standort ausgeschrieben, teils über einen Generalunternehmer (GU), teils in Einzelvergabe. Im Development werden auch Architekten beschäftigt.

Ohne eigene Bauabteilung expandiert auch Novum Hospitality mit 150 Hotels, davon rund zehn Prozent im Eigentum. „Beim Neubau kooperieren wir mit Projektentwicklern, die bauseitig die Verantwortung übernehmen“, sagt CEO und Owner David Etmenan. „Unsere eigene Projektmanagementabteilung übernimmt die Projektsteuerung und -koordination für Neubauten oder Revitalisierung. Auch wenn wir nicht über eine unternehmenseigene Bauabteilung verfügen, bleiben wir so in alle Schritte der Prozesse involviert.“ Die ganzheitliche Projektbetreuung umfasst außerdem die Interior-Design-Planung und -Umsetzung. Die zugrunde liegenden Designkonzepte werden von Etmenans Schwester Samira Said entwickelt. Als Geschäftsführerin und CBO der Novum Hospitality zeichnet sie für sämtliche markenrelevante Unternehmensbereiche verantwortlich.

Nach ihrer Inbetriebnahme oder Wiederinbetriebnahme unterstützt dann die 2010 von Novum Hospitality gegründete Abteilung Projekt- und Facility Management die Hotels. „Da die Instandhaltung der technischen Anlagen in den meisten Fällen in unserer Verantwortung liegt, beschäftigen wir auf operativer Ebene insgesamt mehr als einhundert TechnikerInnen. Fünf weitere ergänzen unsere Facility-Management-Abteilung im Hamburger Headquarter, die sich zentralisiert um Brandschutz, ­Wartungsverträge oder Sachverständigenprüfungen kümmert“, so Etmenan. In Zeiten des Fachkräftemangels seien zudem auch langjährige Partnerschaften mit externen Experten in den Bereichen Elektrik, Sanitär und Heizung wichtig.

Premier Inn mit aktuell 50 Hotels und 50 Projekten in Deutschland beschäftigt in der von Kai Backeberg geleiteten Abteilung Construction derzeit sieben Mitarbeitende, darunter überwiegend Architekten und Ingenieure, aber auch einen Koch und einen Kaufmann. Die Abteilung agiert im Bereich Projektentwicklung, Projektmanagement, Tech­nical Due Diligence (TDD) und Pre-Con­struction, hat aber keine eigenen Handwerker eingestellt. „Die größten Kostenrisiken liegen nicht im Hochbau, sondern im Boden- und Tiefbau, etwa wenn es um Nachbarschaftsfragen oder den Bau von Tiefgaragen geht. Diesen Bereich decken wir mit unserer Expertise und klaren Vorgaben ab“, sagt Backeberg. Grundsätzlich arbeite man beim Bauen mit einem Generalunternehmer für Neubauten oder auch Umbauten und den Innenausbau. „Ein GU bewahrt uns vor Behinderungsanzeigen“, sagt der Construction Director.

GUs garantieren Preissicherheit

Bei der Zusammenarbeit mit den GUs sei die richtige Form der Ausschreibung entscheidend, darin habe Premier Inn eine sehr hohe Expertise. Die Zusammenarbeit mit GUs garantiere Preissicherheit, Gewährleistung und Skalierbarkeit. „Wir wissen, wann etwas ­ausgeschrieben werden muss und in welcher Form und erhalten so die passenden Angebote. Wir geben unseren Input ein.“ Innerhalb der GUs habe man drei Preferred Partner im Hochbau, mit denen mehrere Projekte gebaut werden. Für die Instandhaltung der einzelnen Betriebe beschäftigt Premier Inn einen Haustechniker je Hotel, in der Regel einen Elektriker oder jemanden aus dem HLS-Bereich. Ein bewährter Partner bei der Maintenance sei auch das Dienstleistungsunternehmen Wisag. „Unsere Haustechniker kommen zwei bis drei Monate vor der Eröffnung ins Team und werden von uns intern geschult.“