Development Manager im Gespräch Caspar Kraushaar über die Veränderung des Hotelimmobilien-Marktes

Caspar Kraushaar, Development Manager bei ECE, über die Zukunft der Hotelimmobilien-Branche. © ECE Projektmanagement

Das Unternehmen ECE Projektmanagement stellt die Weichen für die Zukunft. Neben drei neuen Development-Teams in den Geschäftsfeldern Residential, Office und Logistik, treibt ein neues Hotel Development Team seit April 2020 auch die Hotelentwicklung des Immobilienspezialisten voran. Welchen Einfluss die Corona-Krise auf diese jüngste strategische Entscheidung nimmt und was er sich für die Hotellerie nach dem Restart erhofft, schildert der gelernte Hotelfachmann und Development Manager Caspar Kraushaar im Gespräch mit Tophotel.

Caspar Kraushaar absolvierte seine Ausbildung zum Hotelfachmann im Park Hyatt Hamburg. Nach Abschluss seines Hotelmanagement-Studiums an der Hotelschool The Hague in Amsterdam fand er bei der Intercontinental Hotels Group seinen Einstieg ins Development. Seit März 2020 treibt er als Development Manager bei ECE die Entwicklung und Realisierung von Hotelprojekten voran, welche neben Neuentwicklungen auch den Einstieg in Bestandsprojekte und deren Repositionierung bei auslaufenden Mietverträgen beinhalten. © ECE Projektmanagement

Tophotel: Herr Kraushaar, Sie sind Teil des neuen Hotel-Development-Teams. Dieses fokussiert sich seit 1. April national und international auf die Neuentwicklung und Realisierung von Hotelprojekten. Durchkreuzt die Corona-Pandemie diese strategische (Neu-) Ausrichtung der ECE?   
Caspar Kraushaar: Die ECE hat auch schon vor der Corona-Pandemie sehr erfolgreich tolle Hotelprojekte realisiert, zum Beispiel das Motel One am Wiener Hauptbahnhof, das 25hours Hotel in Düsseldorf oder das, in diesem Jahr in Betrieb gehende, Steigenberger Airport Hotel am BER. Dabei hat man erkannt, was Hotels für eine spannende Assetklasse sind und wie gut die Hotelentwicklung zum Leistungsspektrum der ECE passt. Aus diesem Grund wurde die Hotelentwicklungsabteilung kürzlich weiter ausgebaut und wird zukünftig im gesamteuropäischen Raum verstärkt Hotelprojekte entwickeln und realisieren. Dabei stehen vor allem auch innovative und zukunftsorientierte Hotelkonzepte im Vordergrund, wodurch sich auch die Beteiligung an Ruby Hotels erklärt. Wir glauben, dass wir durch die engere Zusammenarbeit noch mehr über die effiziente und gastorientierte (Um-)Nutzung von Flächen lernen können. Unser Anspruch, dabei hochwertige Räume zu schaffen, in denen sich Menschen treffen, erholen und gut essen können, bleibt von der derzeitigen Corona-Situation unberührt.
Sehen Sie sich zu Kursänderungen in der Hotelprojektentwicklung gezwungen?  
Ich denke, dass sich am Reiseverhalten nach Corona kaum etwas ändern wird. Menschen werden sich weiterhin treffen und dabei etwas Besonderes erleben wollen. Unsere Aufgabe ist es, interessante Angebote zu schaffen und auf die Herausforderungen unserer Zeit zu reagieren, egal ob Klimawandel, Fachkräfte- oder Flächenmangel.
Hohe Renditen und hohe Pachten kennzeichneten die Hotelprojektentwicklung der jüngsten Vergangenheit. Wie sieht die nahe Zukunft im Development aus?
Die harte Vollbremsung der Hotellerie hat nach einer langen Hochphase, in der wir ein Rekordjahr nach dem anderen beobachten konnten, sicherlich einigen vor Augen geführt, dass hohe Pachten und Renditen allein kein gutes Hotelprojekt ausmachen. Vielmehr wird es in Zukunft darum gehen, noch genauer auf die Lage des Hotels, die Marktverträglichkeit des Gesamtkonzeptes und ganz besonders auf die wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit des Betreibers zu achten. Die ECE sieht sich durch eine sehr gründliche Sondierung von Projekten und den maßgeblichen Projektakteuren weiterhin in der Lage, Projektentwicklungen zu machen und auch während einer solchen Zeit auf gute Gelegenheiten reagieren zu können.
Was haben Sie aus dieser Krise gelernt?
Ich persönlich habe in der Krise sehr viel Demut und Dankbarkeit empfunden. Zum einen dafür, dass die ECE sehr professionell und zügig auf die Situation reagiert hat und mir die Gewissheit gab, weiterhin einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Darüber hinaus Dankbarkeit für ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitssystem, das den allermeisten von uns die Lohnfortzahlung in Kurzarbeit und die Sicherheit einer sehr guten medizinischen Betreuung garantiert. Dies ist, selbst unter den wirtschaftsstärksten Ländern dieser Welt, keine Selbstverständlichkeit.
Der Restart der Branche steht kurz bevor. Was erhoffen Sie sich davon?
Für die Hotellerie hoffe ich sehr, dass ein Neustart auch die Möglichkeit bringt, das Raten- und Preisniveau in eine Richtung zu entwickeln, das mit europäischen Metropolen vergleichbar ist. Dies würde allen Beteiligten deutlich mehr Spielraum auch für künftige Hotelentwicklungen geben.
Wie wird sich der deutsche Hotelmarkt Ihrer Ansicht nach mittelfristig entwickeln? War diese Krise in Zeiten von „höher, schneller, weiter“ in gewisser Weise ein notweniger Dämpfer?
Ich denke, dass die Folgen dieser Krise insbesondere für die nationale Ferienhotellerie eine große Chance sind, sich als Alternative zu den üblichen internationalen Feriendestinationen zu positionieren. In der Stadthotellerie wird man sich fragen müssen, ob das '25. Midscale Hotel-Projekt' wirklich Sinn macht oder ein individuelleres Konzept (Privat- oder Markenhintergrund) gegebenenfalls doch besser passt. Besonders vor dem Hintergrund der steigenden Erwartungshaltung der Gäste wird dann vielleicht aus 'höher, schneller, weiter' ein 'innovativer, nachhaltiger und interessanter'. Wir freuen uns darauf, diese Entwicklung zu begleiten.