Im April 2012 eröffnete Swissôtel in exponierter Lage ein stylisches Luxushotel, das in Dresden seinesgleichen sucht. Unser anonymer Tester sah sich Ende vergangenen Jahres in dem 235-Zimmer-Haus um, das »typisch schweizerische Gastfreundschaft« und »jeden nur erdenklichen Komfort« verspricht.
MO. 25/11, 11:15 – Telefonische Anfrage / Internetbuchung
Frau N. erinnert mich an eine dieser Sprechpuppen, die es früher gab. Drückte man denen auf den Bauch, gaben sie einen Satz von sich oder fingen an zu weinen. Nun drücke ich Frau N. weder auf den Bauch, noch fängt sie an zu weinen, aber die Reservierungsmitarbeiterin des Swissôtel Dresden Am Schloss spricht während unseres Telefonats eben immer erst dann, wenn ich ihr eine Frage stelle. Im Normalfall müsste Frau N. die Gesprächsführung übernehmen, gerade weil ich mich bezüglich einer Buchung in ihrem Hotel noch unentschlossen zeige. Auch müsste es ihr ein Leichtes sein, mir die in Erwägung gezogene Kurzreise zum Dresdner Weihnachtsmarkt schmackhaft zu machen, liegt dieser doch direkt vor der Hoteltür. Doch während des Telefonats bin ich es, die das Gespräch führt. So frage ich beispielsweise nach einem Package über zwei Tage, das Frau N. allerdings verneint. Warum bloß? Packages sind zwar – aus welchen Gründen auch immer – nur online buchbar, aber es gibt sie definitiv. So buche ich schließlich nicht persönlich, sondern über die Hotel-Website ein »Spa-Package« mit zwei Übernachtungen, Frühstück, einer Stadtführung, einem Drei-Gänge-Menü und einer einstündigen Massage zum Preis von 395 Euro. Das günstigste Einzelzimmer mit Frühstück hätte 158 Euro pro Nacht gekostet. Vorbildlich: Der automatischen Online-Bestätigung des Packages folgt eine persönliche Mail der Reservierungsabteilung mit der Bitte um Absprache der einzelnen Programmbausteine meines Aufenthalts.
Wertung: befriedigend
Internet-Auftritt
Kein Paradebeispiel für Schweizer Präzision ist der Einleitungstext auf der Homepage: »Das neue, exklusive Hotel Swissôtel Dresden Am Schloss öffnet im April 2012 im Herzen der historischen Altstadt seine Pforten.« Ein kleines »e« würde genügen (»öffnete«) und alles wäre gut. Fünfmal wird das Wort »modern« verwendet, dreimal allein in der Formulierung »modernste Technologie«. Sieht man aber einmal davon und von der mit blumigen Adjektiven gespickten Sprache ab (»Veranstalten Sie hier Ihre elanvollen Morgensitzungen«) präsentiert sich die Website des Hauses übersichtlich, gut gegliedert und informativ.
Wertung: sehr gut
Lage / Anreise
Dresden hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark gewandelt und verändert sich immer noch. Auch das Gebäude des Swissôtel Dresden, direkt am wieder aufgebauten Schloss gelegen, ist trotz seines historisch anmutenden Äußeren erst 2012 fertiggestellt worden. Es passt sich hervorragend in seine Umgebung ein und hat an dieser Stelle einen − verkehrsberuhigten − Logenplatz inne. Semper-Oper, Zwinger, Frauenkirche – alles um die Ecke, das Schloss gegenüber. Dass Autofahrer die Tiefgarage von einer anderen Seite des Gebäudeblocks anfahren müssen, ist da nur ein kleiner Wermutstropfen. Einen Portier gibt es im Hotel allerdings ebenso wenig wie einen Pagen. Erst als ich die imposante Lobby betrete, kommt ein junger Mann auf mich zu, begrüßt mich freundlich und bittet mich an die Rezeption.
Wertung: sehr gut
MI. 04/12, 16:20 – Check-in
Wie aufmerksam: Da die Dame am Empfang mit einem Gast beschäftigt ist und außer mir bereits ein weiterer Gast wartet, bittet mich der junge Mann um einen Moment Geduld, verschwindet im Back Office und organisiert dort weitere Empfangsmitarbeiter. In der Zwischenzeit werfe ich einen Blick in die zweigeschossige, von einem Glasdach überwölbte Halle, deren viel fotografierter Blickfang − eine überdimensionale Stehlampe − weihnachtlich mit einer riesigen roten Schleife geschmückt ist. Auf dem marmorgefliesten Boden bilden zwei Teppiche und bequeme Designermöbel eine Art Sitzinsel und fungieren als zweiter Hingucker. Und der dritte ist definitiv das am Treppenaufgang aus Tausenden Mosaiksteinchen zusammengesetzte Bild des berühmten Pfaus aus der Meißener Porzellanmanufaktur. Licht, hell, hoch, frisch – ein klar positioniertes Design, das Spaß macht und nicht übertrieben wirkt.
Doch zurück zum Empfang. Ich werde jetzt von Manja eingecheckt, deren ungewöhnlicher Name (thailändisch; bedeutet »die Liebliche«) hervorragend zu ihr passt. Zwar trägt sie an ihrem Nadelstreifenanzug kein Namensschild, doch stellt sie sich mir vor – eine ebenso sympathische wie höfliche Geste. Sie checkt mich formvollendet ein, freut sich über das gebuchte Package (»Da dürfen wir Sie ja rundum verwöhnen!«) und organisiert mir gleich das darin enthaltene Abendessen (»Haben Sie irgendwelche Vorlieben? Oder Allergien?«). Die Massage habe ich bereits vorab mit dem »Pürovel Spa« terminiert und bezüglich der Stadtführung, sagt Manja, möge ich mich doch bitte an den Concierge wenden. Dann wünscht sie mir strahlend einen schönen Aufenthalt. Am Concierge-Desk herrscht gerade Hochbetrieb, was eine aufmerksame Rezeptionistin dazu veranlasst, nach meinem Begehr zu fragen. Sie notiert sich dieses samt Zimmernummer und verspricht mein Anliegen weiterzuleiten. »Der Concierge wird Sie dann schnellstmöglich auf dem Zimmer anrufen!« Was auch geschieht. So viel Um- und Rücksicht lobe ich mir.
Wertung: ausgezeichnet
Zimmer 431
Nach dem Design-Erlebnis Lobby und dem alpin anmutenden, Zirbenholz-hinter-Glas-gestylten Aufzug enttäuschen die Zimmerflure ein wenig. Sie sind ebenso lang wie langweilig, mit schilfgraugrün gewischten Wänden und einem Teppichboden in gleicher Farbe mit wenigen roten Akzenten. Auch vom Zimmer hätte ich mir ein größeres Aha-Erlebnis erwartet. Es liegt im vierten Stock zu einer schmalen Gasse, hat schräge Wände und als Fenster zwei hohe, rundum verglaste Gauben. Wer den Einblick aus den gegenüberliegenden Wohnungen scheut oder das Zimmer verdunkeln möchte, kann per Knopfdruck dichte, weiße Stoffrollos herunterlassen, die an der Gaubenschräge geführt werden. Allerdings muss man zum einen aufpassen, die Stehlampe nicht zu köpfen, die in einer der Gauben steht, zum anderen kommt man bei heruntergelassenen Rollos nicht mehr ans Fenster, um dieses zu öffnen.
Die schwere Eingangstür, die direkt ins Zimmer führt, schluckt jeglichen Schall, sodass es kein Nachteil ist, dass das Zimmer keinen Flur hat. Links hinter der Eingangstür steht der Kleiderschrank mit integrierter Minibar, Safe und einem offenen »Küchenfach«, in dem Heißwasserbereiter und Nespresso-Maschine untergebracht sind. In einer Nische vor der Fenstergaube ist ein geräumiger Schreibtisch platziert, samt höhenverstellbarem Drehstuhl aus weißem Leder. Dominiert wird das Zimmer durch das rote Boxspring-Doppelbett mit ebenfalls knallroter Rückwand, über der eine riesige grüne Blume an die Wand gemalt ist. Die Einrichtung komplettiert ein hellgrauer »Swan Chair« von Arne Jacobsen, samt weißem Designertischchen – leider an einer Stelle, wo sich garantiert kaum jemand hinsetzen mag: direkt unter einer Gaube, hinter dem Fernseher. Zu guter Letzt verfügt das Zimmer noch über ein schickes, weißes TV-Standmodell und eine weiße Stehlampe im Retrodesign. Die in den Zimmern verwendeten Farben – Schilf, Weiß und Rot sowie das helle Holz am Schrank – passen gut zum Thema Schweiz. Die Größe des Raumes ist zudem so komfortabel, dass die Schrägen nicht negativ ins Gewicht fallen. Und wer sein Hotelzimmer überwiegend dazu nutzt, sich im Bett aufzuhalten, wird bequeme Sitzmöglichkeiten für zwei vielleicht gar nicht vermissen. Nur dass die Kofferbank an der dem Schrank gegenüberliegenden Seite des Bettes steht, scheint unüberlegt.
Im Schrank hängen zwei Bademäntel in Größe M, für deren Nutzung man die 60-Kilo-Marke besser nicht überschritten haben sollte. Auch die Badeschlappen haben Einheitsgröße. Der Safe ist groß genug für einen Laptop, für Kaffee stehen Becher und Espressotassen bereit. Die Minibarbar ist leer und wird nach Wunsch befüllt. Für den ersten Durst gibt es daher außer Kaffee und Tee gratis zwei kleine Flaschen Mineralwasser.
Auf dem Schreibtisch ist zwar einiges drapiert, es bleibt aber trotzdem genügend Platz zum Arbeiten. Neben einem Telefon mit abnehmbarem Mobilteil, einer funktionalen Büroleuchte und drei Magazinen liegt dort eine Schreibmappe mit Briefpapier und dem Gäste-A-Z. Das Room-Service-Menü mit separater Kinderkarte, ein hübsches Stiftekästchen mit Bleistift, Radiergummi, Lineal und Büroklammern sowie ein Notizblock und ein Aufsteller, mit dessen Hilfe man besonders positiv aufgefallene Swissôtel-Mitarbeiter loben kann, vervollständigen das Setting. Als Grundbeleuchtung des Raumes dienen Downlights, zum Lesen im Bett gibt es punktgenaue Leselampen. Geheizt wird per Klimaanlage mit leicht bedienbarem Touch Screen Panel. Die Anlage läuft ruhig und reagiert schnell. Das Bett ist sehr ordentlich mit einer zwei Meter breiten Bettdecke gemacht, die fest in die Seiten gezurrt ist. Nur für die Kissenauswahl gibt es ein Menü, dass »süessi Tröim« verspricht. Das Zimmer ist gut gereinigt, lediglich auf den oberen Ablagen im Schrank zeigt sich eine deutliche »Bis-hierhin-bin-ich-gekommen«-Staubwischgrenze. Und der Teppichboden hat auch schon ein paar Flecken abbekommen.
Wertung: gut
Bad
Nach Eröffnung des Swissôtel Dresden war in der Fachpresse zu lesen, dem Gast würden beim Check-in via iPad Zimmer mit verschiedenen Bad-Szenarien (ein ins Zimmer integriertes oder ein klassisches Bad) vorgestellt, auf dass er sich die ihm genehme Variante aussuchen könne. Davon ist man in der Praxis wohl schnell wieder abgekommen, denn weder ich noch andere Gäste, die ich beim Check-in beobachtete, erhielten diese Wahlmöglichkeit. So ist mein Zimmer mit einem durchschnittlich großen, geschlossenen Bad in hellgrauem Marmor ausgestattet. Komfort bietet es vor allem in Form einer begehbaren Dusche, großformatiger Badetücher und eines zwar nicht tiefen, aber raumbreiten Waschtisches mit reichlich Ablagefläche. Letztere geht zulasten eines zweiten Waschbeckens − auch bei Doppelbelegung müssen sich die Gäste ein kleines, rechteckiges Becken teilen. Fußbodenheizung oder den Luxus eines separaten WCs gibt es hier nicht. Der breite Spiegel wird nur durch Downlights beleuchtet, die so platziert sind, dass sie das Gesicht beschatten statt zu erhellen. Der Standrasierspiegel schafft wenig Abhilfe, da er nicht beleuchtet ist. Ein kleines Holztablett offeriert zwei Keramik-Zahnputzbecher, zwei Waschlappen und drei kleine Tuben der hauseigenen Pürovel-Spa-Linie mit Duschgel, Shampoo und Body Lotion. Sie erinnern vom Duft her an eine Bergwiesenwanderung. Seife und ein Vanity Set vervollständigen die Ausstattung; auf Spender wird im Swissôtel gänzlich verzichtet. Das Bad ist sauber − bis auf die Toilette, die nicht nur unschöne braune Ablagerungen im Ablauf zeigt, sondern auch dunkle Sprengsel am oberen Rand der Schüssel. Außerdem ist ein Downlight defekt.
Wertung: gut
Spa
Das kleine, feine Spa im Untergeschoss des Gebäudes fasziniert durch seine geschichtsträchtigen Mauern. Die beim Aushub der Baugrube entdeckten mächtigen Gewölbe stammen teilweise aus dem 12. und 13. Jahrhundert und gehören somit zu den ältesten baugeschichtlichen Zeugnissen der Stadt. Geschickt wurden sie in die Gestaltung des Spa integriert und verleihen diesem ein wirklich außergewöhnliches Ambiente. Schade, dass man den Ruheraum nicht durch eine Glastür vom Saunabereich abgetrennt hat – der Optik hätte dies keinen Abbruch getan, dem Gast aber zu mehr Ruhe verholfen. Nur gut, dass der überwiegend mit Cardiotrainern ausgestattete Fitnessraum weit genug weg liegt. Sauna und Biosauna sind großzügig gehalten, der ganze Bereich ist schön designt und angenehm beleuchtet, selbst Heidi würde sich angesichts der großformatigen, hinterleuchteten Bergfotos hier zu Hause fühlen. Lecker, gesund und originell gleichermaßen schmeckt das auf einem Tresen offerierte, mit Gurke, Zitrone und Rosmarin aromatisierte Wasser. Nur der Fußboden ist überall unangenehm kalt – aber man soll ja auch Badeschuhe tragen, mahnt die Saunaordnung, die mit Schweizer Akkuratesse strenge Regeln vorgibt.
Wertung: sehr gut
17:00 – Spa-Treatment
Das vor Anreise terminierte, im Package enthaltene Spa-Treatment kann ich von unterwegs telefonisch problemlos um eine Stunde verschieben. Zum vereinbarten Zeitpunkt begrüßt mich eine adrette Spa-Mitarbeiterin mit Handschlag und stellt sich mit dem schönen Namen Tosca vor. Tosca zeigt mir das Spa, lässt mich einen Fragebogen zu meinem Gesundheitszustand ausfüllen und führt mich schließlich in einen sehr ansprechend gestalteten, nur von Kerzenlicht und gedimmten Lampen erleuchteten Raum. Die 60-minütige »Alpine Spring«-Entspannungsmassage ist auch im kalendarischen Winter ein Genuss und wird von Tosca ebenso kraftvoll wie einfühlsam und absolut professionell durchgeführt. Unter ihren Händen und im angenehmen Ambiente des Raumes lässt es sich wunderbar abschalten. Zum Abschluss erhalte ich ein Glas aromatisiertes Wasser und werde gebeten, im Ruheraum noch ein wenig nachzuruhen.
Wertung: ausgezeichnet
Message-Transfer
Als ich nach der Massage ins Zimmer zurückkehre, finde ich auf dem Bett einen Umschlag mit einer wohlformulierten Nachricht vor − während meines Spa-Aufenthaltes nahm die Rezeption einen dringenden Anruf für mich entgegen. Die Nachricht ist vollständig und korrekt. Und als ich später in anderer Sache noch einmal an der Rezeption vorspreche, erkundigt sich die Mitarbeiterin dort besorgt, ob ich die Nachricht auch wirklich erhalten habe.
Wertung: ausgezeichnet
20:25 – Restaurant »Wohnstube«
Das A-la-carte-Restaurant heißt »Wohnstube«. Mir wird jedoch ein Tisch im »Esszimmer« angeboten, welches eigentlich als Frühstücksraum fungiert. Es liegt vor dem Wohnzimmer, das an diesem Abend offenbar mangels »Gästemasse« nicht benutzt wird. Die ineinander übergehenden Räume sollen – nomen est omen – eine private Atmosphäre kommunizieren, was die Innenarchitekten mit der Art der Möblierung zu unterstreichen versucht haben. So gibt es unterschiedliche Sitzbereiche in unterschiedlichen Höhen mit unterschiedlichen Tischen und einer Vielzahl von Sitzmöbeln. Bei Tageslicht mag dieses Konzept aufgehen, wie ich am nächsten Morgen beim Frühstück zugestehen muss. Jetzt am Abend aber wirkt die Möblierung unruhig, die dunklen Wände und die für mein Empfinden teilweise zu helle, teilweise zu schummrige Beleuchtung lassen kein Gefühl von Heimeligkeit aufkommen. Das Gegenteil ist der Fall, denn das Esszimmer hat auch noch eine ziemlich hallende Akustik, weshalb ich die Gespräche an den wenigen anderen besetzten Tischen Wort für Wort mitverfolgen kann.
Der junge Mann, der mich zum Platz gebracht hat, ist wie seine Kolleginnen von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet. An seinem breiten Gürtel trägt er eine Tasche, die fast wie ein Halfter anmutet. Doch der namenlose Mitarbeiter (Namensschilder sind im Swissôtel ganz offensichtlich verpönt) zieht weder Block noch Stift, die samt Handy in seinem Halfter stecken. Statt meinen Aperitifwunsch aufzunehmen, entzündet er nur das Teelicht auf dem mit Tischsets und einem Tannenzweiglein in einer Vase eher spärlich eingedeckten Tisch und verschwindet wieder. Diese Verhaltensweise ist leider symptomatisch für die folgenden zwei Stunden, in denen ich jeweils immer erst deutlich auf mich aufmerksam machen muss, wenn ich einen Wunsch habe oder mit etwas nicht zufrieden bin; Blickkontakt zum Gast wird nur sporadisch gehalten. Offenbar nach Rücksprache mit der Küche kehrt der junge Mann an meinen Tisch zurück und erkundigt sich, ob ich bei meinem Drei-Gänge-Menü mit einer Waldpilzsuppe und einem Lachsforellenfilet mit Kürbisrisotto − ich hatte vorab um einen Fischhauptgang gebeten − einverstanden sei. Als er nach meinem Einverständnis kehrt macht, rufe ich ihm hinterher, dass ich für ein Glas Sekt vorweg dankbar wäre. Was es mit den Aufstrichen auf sich hat, die mir kurz darauf samt zweierlei schmackhaftem Baguette serviert werden (Griebenschmalz und Olivenfrischkäse), muss ich erfragen, das Amuse-Gueule (»Lachstatar mit Chutney von Birne und Mango auf Avocadopüree«) wird mir hingegen annonciert. Es klingt allerdings wesentlich interessanter als es schmeckt.
Während ich auf die Vorspeise warte, bitte ich darum, einen Blick in die reguläre Speise- und Weinkarte werfen zu dürfen. Dann muss ich wieder mit einem Zeichen darauf aufmerksam machen, dass ich einen Wein bestellen möchte. Erfreulich: Bis auf wenige nachvollziehbare Ausnahmen sind die Weine sowohl flaschen- (0,75 l) als auch schlückchenweise (0,1 l) zu haben. Die Speisekarte spricht in verwirrender Sprache von zeitgemäßer, ehrlicher und kreativer Küche, in der sächsische und Schweizer Klassiker wie zu Hause schmecken und bei der »im Sinne des Zeitgeistes und der Nachhaltigkeit neue Ressourcen« genutzt werden sollen. Auf jeden Fall lobenswert: Symbole kennzeichnen schweizerische, vegetarische, vegane und Zöliakie-Speisen. Hinter jeder Speise steht zudem die »Herkunft« und der Lieferant. Eine Seite listet »Vitality«-Speisen samt Nährstoff- und Kalorienangaben. Ob wohl jemand, der auf den Kaloriengehalt seines Essens achtet, den sächsisch-schweizerischen Käseteller mit Früchtebrot und Tessiner Birnensenf bestellt, nachdem er gelesen hat, dass dieser mit 1030 Kalorien zu Hüfte schlägt? Das Speisenangebot weist ansonsten Klassiker, Schweizer Fondues, aber auch durchaus neugierig machende Offerten auf wie »Solothurner Ambassadoren Weißweinsuppe mit hausgemachtem Blutwurstravioli«.
Meine Waldpilzsuppe, zu der ein Schinkencrostini gereicht wird, ist zwar schön schaumig geschlagen, aber leider so versalzen, dass ich mein Wasserglas in einem Zug austrinken muss. Anstandslos nimmt der Kellner den Teller zurück und bringt mir wenig später als Ersatz eine ordentliche, wenngleich wenig originelle Tomatensuppe. Zum Lachsforellenfilet mit Kürbisrisotto gibt es − ebenfalls wenig originell − ein paar Broccoli-Röschen und etwas Weißwein-Pernod-Schaum. Vom Geschmack her präsentiert sich der Hauptgang als guter Durchschnitt. Kaum ist der Teller abgeräumt, reicht mir eine weibliche Servicekraft schon den Dessertteller − ohne mir das darauf Servierte zu erläutern. Ein Besteck muss sie nachreichen. Der eingedeckte Löffel ist zu groß, um die Schokoladencreme aus dem engen Glas zu löffeln; auf dem Teller liegen noch ein kleines Stück Biscuitrolle und eine Kugel Pistazieneis. Als sich die junge Frau beim Abräumen erkundigt, ob es geschmeckt habe, erwidere ich, dass ich die Schokoladencreme nur mit dem Stiel der Gabel probieren konnte. Sie wird rot und entschuldigt sich. Ihr Angebot, mir einen Kaffeelöffel zu bringen, lehne ich dankend ab und bitte stattdessen um einen Espresso. Nach dem Begleichen der Getränkerechnung verlasse ich das »Esszimmer« mit einer Speise- und einer Weinkarte unter dem Arm − unbehelligt und unverabschiedet.
Wertung: mangelhaft
22:40 – »Schloss-Bar«
Die kleine »Schloss-Bar« fällt unter die Kategorie »eierlegende Wollmilchsau« und dient als Frühstücksbar, Tagesbistro, Café und Abendbar. Sie hat auch einen Straßen-Zugang und ist daher zu unterschiedlichen Tageszeiten immer gut besucht. Am Abend fehlt ihr allerdings trotz des dominanten Bartresens die typische Baratmosphäre, die ein gelungener Mix aus Beleuchtung, Möblierung und Musik auszumachen vermag. Hinzu kommt bei meinem kurzen Besuch, dass eine Gruppe angetrunkener »Best Ager« ziemlich viel Radau macht, was eine so kleine Bar nicht zu kompensieren vermag. Also leiden die anderen Gäste still vor sich hin und auch der Service rollt gelegentlich mit den Augen, greift aber nicht ein. Ich nehme am Bartresen Platz und lasse mir aus der originellen, überwiegend mit Eigenkreationen bestückten Cocktailkarte einen Drink empfehlen. Vom »Karl May Trip« rät mir die nette Mitarbeiterin ab, »Martins Matterhorn« macht mich nicht an und so einigen wir uns schließlich auf einen »Lychee & Thyme Daisy« zu moderaten acht Euro. Bei dessen Zubereitung aus Gin, Lycheelikör, Orangenblütenwasser, Limettensaft, Zuckersirup und Soda vergisst sie beinahe den frischen Thymian, der den Charakter des Drinks ausmacht, worauf sie der Barkeeper gerade noch rechtzeitig hinweist. Ein kleiner Thymianzweig ziert dann auch den Glasrand der Cocktailschale, welche die Servicekraft auf den Bartresen stellt. Das Getränk schmeckt frisch, bizzelig und durchaus apart; es wird es aber wohl nicht in die Top Ten meiner Lieblingscocktails schaffen. Auch das dazu gereichte salzige Popcorn ist nicht mein Fall. Aber die beiden jungen Leute hinter der Bar sind ebenso kommunikativ wie aufmerksam und alle anderen Gäste scheinen sich zumindest so wohl zu fühlen, dass sie sich von den 50plus-Rowdys nicht ins Bockshorn jagen lassen. Negativ: In einem Becken an der Rückseite der Bar türmen sich Servietten, Obstschalen und sonstige Abfälle, was keinen schönen Anblick bietet, wenn man am Tresen sitzt.
Wertung: befriedigend
Schuhputzservice
Wer auf saubere Schuhe Wert legt, muss sich mit dem Schuhputztüchlein aus dem Schrank zufrieden geben. Ein nächtlicher Schuhputzservice wird im Swissôtel Dresden nicht angeboten.
DO. 05/12, 07:30 – Weckruf
Der Weckruf erfolgt pünktlich und bis auf die Tatsache, dass der Mitarbeiter sich nicht mit Namen vorstellt, korrekt. Tatsächlich geweckt wurde ich schon früher durch eine Kakofonie heiserer Vogelschreie. Ein Blick aus dem Fenster vermittelt mir das Gefühl, in den Hitchcock-Thriller »Die Vögel« versetzt zu sein.
Myriaden von Krähen haben die Dachfirs-te der umliegenden Häuser besetzt und stieben immer wieder kurz in Riesenschwärmen auf. Wie gut die Isolierung der Fensterscheiben ist, merke ich erst, als ich das Fenster schließe und plötzlich herrliche Ruhe herrscht.
Wertung: sehr gut
10:20 – Frühstücksbuffet
»Isch bin mir ni sischer«, gibt der junge Mann in schönstem Sächsisch zu, als ich ihn nach dem böhmischen Schwarzbierbrot frage, welches laut Beschilderung am Frühstücksbuffet vorhanden sein sollte. Er holt freundlicherweise eine Vorgesetzte, die mir zum einen erklärt, dass das Schild die Vielzahl von Brotsorten ausweist, aus der man dem Gast täglich eine Auswahl anbietet, und die mir zum anderen einen Teller mit zwei Scheiben des gewünschten Brotes aus der Küche holt – ebenso wie ein Glas Sekt und ein Glas frisch gepressten Orangensaft, um die ich bat. Die ebenfalls anonyme, weil nicht mit Namensschildern ausgestattete Service-Crew ist freundlich und redlich bemüht, alles recht zu machen. Leider liegt ihr Augenmerk weniger auf dem Buffet, vielleicht ist es aber auch Aufgabe der Küche, dieses frisch und vollständig zu halten. Um 10:20 Uhr jedenfalls präsentiert es sich nicht mehr sehr attraktiv. Die Kuchen sind ebenso trocken wie die Gurkenscheiben, die wässrigen Tomaten in groben Schnitzen bieten ein unappetitliches Bild, gleiches lässt sich über das abgegessene Käsebrett sagen. Hier gilt: Lieber kleinere Portionen anbieten und diese häufiger nachlegen.
Apropos nachlegen: Der Speck ist alle und wird nicht aufgefüllt. Neben Rührei gibt es noch Würstchen, gebratene Kartoffeln und gefüllte Tomaten, ein Spiegelei wird mir korrekt gebraten an den Tisch gebracht. Intensiv »duftet« die heiße Käsesuppe, die als typische Schweizer Offerte angeboten wird. Das Bircher Müesli schmeckt ebenso wie das Brot ordentlich. Weniger überzeugen können die offenbar hausgemachten Marmeladen, die auch merkwürdige Farben aufweisen. Das Buffet ist generell durchschnittlich gut bestückt, bei den Wurstwaren hat man den Eindruck, es werde gespart − zwar liegen etliche Sorten Aufschnitt und auch Geflügelwurst auf den Platten; Schinken oder gar Roastbeef werden jedoch nicht angeboten. Auch zieren weder Sekt noch frische Säfte das Buffet, wobei erwähnt werden muss, dass die von mir extra bestellten Getränke nicht berechnet werden. Überhaupt ist die für meinen Tisch zuständige Servicemitarbeiterin zwar noch sehr unsicher, aber aufmerksam und höflich. Den grünen Tee bringt sie mir mit einem bereits im Heißwasser hängenden Caddy. Wie lange der da schon drinhängt, »gonn isch Ihn leider net soochen«. Die Auswahl an Zeitungen beschränkt sich um diese Uhrzeit auf die »Sächsische Zeitung« und die »Herald Tribune«.
Wertung: befriedigend
Housekeeping – Remake
Sauber und ordentlich sind Assoziationen, die man gern mit der Schweiz verbindet. Auf die Zimmerreinigung des Russisch sprechenden Housekeepings lassen sich diese Vokabeln jedoch nicht anwenden. Zwar wurde das Bett gemacht, das benutzte Glas gespült und im Bad wurden alle Handtücher ausgetauscht – auch die, die eigentlich zum Verbleib gedacht waren –, aber weder wurde der Teppichboden gesaugt, noch der Badezimmerboden gekehrt, noch der klebrige Nachttisch abgewischt, noch die Wäsche mitgenommen. Entwendet wurde stattdessen der Fünf-Euro-Schein, der – von mir dort platziert – gerade noch so unter dem Bett hervorlugte.
Wertung: ungenügend
Housekeeping – Wäscheservice
Die Damen, die mein Zimmer saubermachen, lassen den Beutel mit der Wäsche einfach auf dem Bett liegen. Erst ein Anruf beim »Swiss Service«, der Rezeption, bewirkt, dass die Sachen abgeholt werden. Sieben Stunden dauert es anschließend, bis das T-Shirt und die Strickjacke gebügelt retourniert werden. Je- doch sind auch die Hundehaare von der Strickjacke verschwunden.
Wertung: befriedigend
Sicherheit
Wer die Not-Treppenhäuser nach unten benutzt, kommt zwar an der Rezeption wieder heraus. Aber wer umgekehrt an der Rezeption das Treppenhaus betritt, um vielleicht unlauteren Sinnes auf die Etagen zu gelangen, hat Pech: Deren Türen lassen sich nicht so einfach öffnen. Auch sonst sind alle Brandschutzvorkehrungen getroffen, alle Fluchtwegebestimmungen und -beschilderungen in Ordnung. Also einmal mehr das Schauspieltalent auf die Probe gestellt und dem Housekeeping-Mitarbeiterinnen-Duo etwas von vergessener Zimmerkarte vorgejammert. Ob man mich versteht, weiß ich nicht, aber man lächelt freundlich und schließt mir die Tür zu meinem Zimmer auf.
Wertung: mangelhaft
Öffentliche Bereiche
Flure, Treppenhäuser, Aufzüge – bei einem so jungen Haus ist alles noch tipptopp in Schuss; es wird offenbar auch sehr gut gepflegt. Spaß machen die knallrot gefliesten öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss mit ihren großen hinterleuchteten Bildern alpiner Wasserfälle. Auch sie werden regelmäßig gecheckt. Lediglich die »Teppich-Insel« in der Lobby leidet stark unter dem hereingetragenen Schmutz der Gäste und ist bereits am Vormittag nicht mehr ansehnlich.
Wertung: gut
Front Office / Concierge
Weihnachtsmärkte, Zugfahrpläne, Kabarettprogramm – der weibliche Concierge kennt sich bestens aus. Bezüglich ihres Tipps ob des besten Dresdner Christstollens ist die Antwort allerdings vorprogrammiert, hat die Dame doch einige Exemplare davon in formschöner Blechdose vor sich zum Verkauf. Doch auch dieser Empfehlung zu folgen, war kein Fehler – der Christstollen erweist sich zu Hause als ein Gedicht.
Wertung: ausgezeichnet
10:20 – Roomservice
Clubsandwich, Beefburger, Käse-Schinken-Platte, Tomatensuppe – ohne diese Klassiker kommt auch die Roomservice-Karte des Swissôtel Dresden nicht aus. Zudem gibt es Gemüselasagne, Zürcher Geschnetzeltes, Seeteufel- und Rinderfiletmedaillons, einen Salat, den 1000-Kalorien-Käseteller und einen Nachtisch. Alles zwei Euro teurer als auf der Restaurantkarte. Ich rufe den »Swiss Service« an und lande an der Rezeption, wo der freund-liche Herr Sch. meinen Auftrag entgegennimmt: vorweg den bunten Blattsalat (»Knackiges Gemüse / Gemischte Kerne / Honig & Thymian Vinaigrette«) zu elf Euro und hinterher die »Saisonalen Früchte mit Himbeersorbet« (neun Euro). Dazwischen wünsche ich mir aus der »Vitality«-Restaurantkarte die »Suuri« Kalbsleber mit Butter-Rösti, Himbeerbalsam, Kräutern, Schalotten und Äpfeln. Ob das wohl machbar ist? Herr Sch. hört nach und sagt ja, aber mit zwei Euro Aufpreis (20 Euro). Einverstanden. Darf es dazu vielleicht ein trockener Spätburgunder sein? Es darf. Eine Servicezeit gibt Herr Sch. vorsichtshalber nicht an – und das ist auch gut so. Erst nach 31 Minuten klopft es an meine Tür. Der junge Kellner grüßt freundlich und schiebt den Servierwagen erst ins Zimmer und dann vors Bett: »So können Sie beim Essen schön fernsehen!« Er zeigt mir, wo die Hauptspeise in einem Warmhaltefach des Servierwagens wartet und warnt mich vor dessen heißem Griff. Dann lässt er mich den Beleg unterzeichnen und wünscht guten Appetit.
Auf dem Serviertablett steht neben dem Salat auch schon der Nachtisch; das Sorbet schmilzt gemächlich vor sich hin. Der Salat wirkt appetitlich und ist tatsächlich knackig, kernig und fruchtig. Dazu gibt es ein wohlgefülltes Brotkörbchen, Butter und Olivenfrischkäse. Der Wein kommt als Piccoloflasche (8,50 Euro) und schmeckt akzeptabel. An Menagen wurde ebenso gedacht wie an ein Brotmesser, einen Untersetzer und ein Vorlegebesteck für das Hauptgericht. Dafür fehlen der Brotteller und ein Ess-Besteck. Bis ich zum Hauptgang komme, ist dieser trotz Warmhaltebehälter schon ziemlich abgekühlt. Die Rösti schmecken trotzdem gut, vor allem aber überrascht mich die Leber, die in einer Kasserolle kommt und in kleinen Stücken in einer kräftigen dunklen Sauce angerichtet wurde. Ob da der Himbeerbalsam dran ist? Wie dem auch sei, das Ganze schmeckt samt Apfelspalten genau so, wie Leber schmecken muss – und die Sauce dazu ist kein Fehler. Wirklich schade, dass alles nicht mehr richtig heiß ist. Genau wie der Nachtisch umgekehrt nicht »kalt« bleibt, beziehungsweise das Sorbet zerlaufen ist, bis ich mich seiner annehmen kann.
Später bitte ich um Abholung des Wagens – ein entsprechendes Kärtchen ist vorhanden – und schiebe ihn vor die Tür. Zehn Minuten später ist er verschwunden.
Wertung: gut
Fr. 06/12, 10:20 – Zimmerfrühstück
Die Auswahl auf dem Türhänger ist begrenzt: Kontinentales Frühstück (16 Euro), »Swissness Frühstück« (22 Euro) und diverse A-la-carte-Offerten, darunter nichts Aufregendes, nicht einmal ein Glas Sekt. Ich kreuze das »Swissness Frühstück« an und wähle darüber hinaus Rührei mit Tomaten, frisch gepressten Orangensaft, frische Ananas und Grapefruit. Dass das Frühstück ohne Heißgetränk serviert wird, ist mein eigener Fehler – den telefonisch georderten Milchkaffee erhalte ich schnell und perfekt zubereitet nach. Ansonsten ist das pünktlich gelieferte Frühstück sehr übersichtlich: Bei der »Auswahl an Brötchen, Brot, Croissant, Zöpfli« vermisse ich sowohl Brot als auch Zöpfli. Der »Wurst- und Käseaufschnitt« ist tatsächlich Wurst- und Käseaufschnitt – mit Pistazien- und Paprikawurst sowie Salami kann man nun aber wirklich keinen anspruchsvollen Gast abholen. Wohlgemerkt: Es gab auch keine anspruchsvollere Ankreuz-Alternative. Konfitüre und Honig in Portionsgläschen, Butter und Becel vervollständigen mein Zimmerfrühstück, das die junge weibliche Servicekraft Punkt acht Uhr ins Zimmer geschoben hat. Saft und Obst sind in Ordnung, das Rührei könnte fluffiger sein. Der schön heiße, schaumige Milchkaffee in der großen Tasse versöhnt mich, wie auch die Tatsache, dass das Zimmerfrühstück nicht gesondert berechnet, sondern anscheinend als Bestandteil meines Packages gebucht wird.
Wertung: befriedigend
10:25 – Check-out
Wirklich vorbildlich ist die Aufmerksamkeit der Menschen, die an Rezeption und Concierge Desk arbeiten. Und ihre Fähigkeit zum Multitasking. Da alle Rezeptionisten »belegt« sind, winkt mich die Concierge zu sich: »Sie können gern auch bei mir auschecken!« Die zwar in die Minibar bestellten, dann aber doch nicht verzehrten Artikel nimmt sie anstandslos von der Rechnung, das bestellte Lunchpaket schenkt sie mir (»gehört zum Frühstück«) und die Aufsplittung von einer in drei Rechnungen funktioniert reibungslos. Lediglich meinem Wunsch nach den einzelnen Restaurantbelegen kann sie nicht unmittelbar nachkommen, sondern muss diese erstaunlicherweise erst aus der Buchhaltung anfordern. Insgesamt beträgt die Rechnung 498,80 Euro. Während ich warte, erkundigt sich eine elegant gekleidete Dame, wahrscheinlich die Hoteldirektorin, ob das Gepäck, das einige Schritte entfernt steht, mir gehört. Sie will nur sichergehen, »dass es nicht in fremde Hände gerät«. Vermutlich ist aber auch ein Sicherheitsaspekt mit im Spiel. Auf jeden Fall ist auch sie sehr aufmerksam. Dann erhalte ich meine Belege und werde herzlich verabschiedet mit den besten Wünschen für eine gute Heimreise und einem »Bis bald mal wieder!«.
Wertung: sehr gut
Lost & Found
Meine vergessene Sache ist gefunden worden. Das Procedere damit sieht so aus: Ich erhalte eine E-Mail, die ich mit einer Kreditkartennummernangabe rückbestätigen muss. Erst wenn sichergestellt ist, dass die Versandkosten zu meinen Lasten gehen, wird meine Fundsache in die Post gegeben. Ist Sparsamkeit eigentlich auch ein typisches Schweizer Attribut?
Wertung: gut
Bilanz
»Zwei minus« würde ich dem Schüler Swissôtel Dresden Am Schloss sagen, ihm dabei wohlwollend auf die Schulter klopfen und ihm versichern, dass er noch Luft nach oben hat. Denn das Potenzial ist da: Dieses Hotel ist ohne Zweifel eine Bereicherung für die Dresdner Hotellerie, ein attraktives, schön designtes Wohlfühl-Stadthotel, für Businessgäste und Touristen gleichermaßen. Es hat komfortable, schicke Zimmer im Portfolio, ein kleines, überaus feines Spa und ein hoch motiviertes Empfangs- und Conciergeteam. Aber: Für ein Luxushotel fehlt dem Swissôtel schlicht und einfach der Luxus! Schuhputz- und Turndownservice sollten im Fünf-Sterne-Segment selbstverständlich sein, ein Portier eigentlich auch und das Niveau der Gastronomie sowie die Qualität des Housekeepings müssen sich noch deutlich verbessern, um das Hotel zu einem Einserkandidaten aufsteigen zu lassen.
Gesamteindruck: 67%
Testurteil: gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!
Diesen Beitrag teilen:
![]()