Hoteltest im Kameha Grand Bonn Design ist nicht immer pflegeleicht

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Das Kameha Grand Bonn will durch die Neuinterpretation der klassischen »Grand Hotellerie« sowie durch außergewöhnliches Design und herzlichen Service zum »Lieblingsplatz« der Gäste avancieren. Ob dieses Vorhaben gelingt, prüfte der anonyme Hoteltester im Quality Check der aktuellen Ausgabe von Top hotel.

SA. 07/09, 19:23 – Telefonische Reservierung

»Ich traue mir durchaus zu, Ihnen weiterzuhelfen«, sagt der freundliche Herr B. vom Empfang selbstbewusst. Die Reservierungsabteilung des Kameha Grand ist nämlich am Samstagabend nicht mehr besetzt. Und tatsächlich: Herr B. hilft mir ganz wunderbar weiter. Von der Vorstellung der verfügbaren Kategorien über die Nachfrage nach bestimmten Präferenzen bis hin zur Aufnahme der Adressdaten klappt alles bestens. Darüber hinaus erkundigt sich der Mitarbeiter abschließend, ob ich noch weitere Fragen zum Haus habe (was seine Kol-legen in anderen Hotels nur allzu gern ­versäumen). Ich habe – und erhalte erschöpfend Auskunft über den Spa-Bereich und die Gastronomie, einschließlich der kurz vor meiner Anreise neu eröffneten »Rhein-Alm« am Rheinufer. Das Telefonat findet ohne störende Hintergrundgeräusche statt und verläuft in angenehmer Gesprächsatmosphäre. Am Schluss habe ich als günstigstes Offerte ein Standardzimmer der Premiumkategorie zu 205 Euro ohne Frühstück gebucht, was mir am folgenden Tag in einer drei Seiten langen E-Mail bestätigt wird. Neben ausführlichen Informationen zum Hotel ist die Bestätigung ­gespickt mit möglichen Zusatzpackages. Interessant finde ich das sogenannte »eStandby®-Upgrade«: Man wählt aus einer Liste möglicher Upgrades aus und erfährt bei Anreise, ob es damit geklappt hat. Die Zahlung des Aufpreises ist dann allerdings verpflichtend. So könnte ich jetzt für 81 statt 231 Euro Aufpreis die »im Telekom-Magenta-Stil eingerichtete« Telekom-Suite ordern oder für 3548 Euro statt für 3735 Euro zusätzlich die 240 Quadratmeter große Royal Suite. Ein Schnäppchen sozusagen. Ich verkneife es mir trotzdem.
Wertung: sehr gut

Internetauftritt/Online-Buchung

Wie ein prächtig-buntes, prall gefülltes Bilderbuch blättert sich die Website des Kameha Grand auf. Nichts bleibt ungesagt, keine Frage unbeantwortet. Jedes Thema ist mit großformatigen Fotos illustriert, alle Informationen sind im Druckformat abrufbar und/oder stehen als Download bereit. Zu jeder Abteilung gibt es mindestens einen Ansprechpartner mit Foto und Kontaktdaten und alle Kapitel scheinen up to date aufbereitet. Trotz der überwältigenden Vielfalt ist das Ganze übersichtlich gestaltet. Kompliment an die Macher.
Wertung: ausgezeichnet

Lage/Anreise

»Ihr neuer Lieblingsplatz« suggeriert die Kameha-Werbung dem Gast in gefühlt jedem zweiten Satz. Das könnte zutreffen, näherte man sich dem futuristisch anmutenden Gebäude zu Fuß von seiner Flussseite aus, nach einem Spaziergang in den malerischen Rheinauen mit ihrem schönen, alten Baumbestand. Auf der anderen, der Eingangsseite des Hotels, hat das am rechten Rheinufer neu entwickelte Areal »Bonner Bogen« jedoch teilweise noch Baustellencharakter, mit einem abgezäunten Gelände voller Erdaushub und Bauschutt gegenüber dem Hotel. Doch erst einmal ankommen ... Weil die Adresse »Bonner Bogen« auch nach drei Jahren noch in kaum einem Navigationssystem zu finden ist, gibt das Hotel auf der Reservierungsbestätigung die Joseph-Schumpeter-Allee für die Eingabe an. Die kennt mein Navi leider auch nicht, weshalb ich bei Fahrtantritt noch einmal im Hotel anrufe. »Tja«, meint die Dame am Telefon etwas ratlos, »dann geben Sie am bes­-ten die Königswinterer Straße ein. Und wenn Sie dann an einen Kreisel mit einer riesigen goldenen Vase und so komischen, bemalten Ostereiern kommen, sind Sie fast schon da.« Letzterer Hinweis ist hilfreich, ersterer weniger. Korrekt wäre die Angabe Karl-Duwe-Straße gewesen. Die Verkehrsanbindung des Kameha Grand ist ansonsten sehr gut, in wenigen Minuten ist man über die Rheinbrücke in der Bonner Innenstadt sowie am Bahnhof, der Flughafen Köln/Bonn ist 18 Kilometer, die Köln-Messe nur 20 Autominuten entfernt. Die öffentliche Tiefgarage mit Anbindung zum Hotel kostet 22,50 Euro pro Tag, einige wenige »Lieblings-Parkplätze« für 18 Euro gibt es direkt vor dem Hotel. Die günstigere Parkgebühr erscheint allerdings umgekehrt proportional zur Preisklasse der Autos, die hier stehen. Ungekrönter König und Hingucker par excellence: der Wiesmann Roadster MF 5, der in einem Package gebucht werden kann.
Wertung: gut

DO. 26/09, 16:05 – Check-in

»Life is Grand« steht über dem Hoteleingang, und drei riesige Glasglocken symbolisieren nicht etwa immerwährendes Weihnachten, sondern: »Wo Glocken läuten, kommen Menschen zusammen«, wie Barkeeper S. mir am Abend erklärt. Ist das Gebäude samt Eingang schon aufsehenerregend, fühlt sich der Erstbesucher beim Eintreten wie Alice im Wunderland und nahezu erschlagen vom überdimensionalen, spektakulären Design. Auf der linken Seite die »Stage Bar & Lounge« mit ihren hohen, blumenbemalten Säulen und den markanten roten Ledersofainseln, geradeaus der Blick ins Atrium, auf meterhohe goldene Blumenvasen, aus denen Bäume in den Himmel wachsen. Hat man sich von diesem ersten Eindruck erholt, kann man sich einem der freundlichen Menschen zuwenden, die rechts vom Eingang lächelnd warten – sie sind es gewohnt, dass Gäste sich erst einmal fassen müssen. An einem der stehpultartigen Empfangstische, die anstelle eines Rezeptionstresens locker im Raum platziert sind, begrüßt mich S. (die Kameha-Mitarbeiter tragen Namensschilder mit ihrem Vornamen) und checkt mich ebenso liebenswürdig wie formvollendet ein. Als ich ihr von meinem An- reisedrama wegen der falsch genannten Straße erzähle, passiert etwas, was ich in ähnlicher Form mehrfach während meines Aufenthaltes erlebe: Die Mitarbeiterin entschuldigt sich nicht nur für das Vorkommnis, sondern sie bedankt sich ausdrücklich: »Wenn es noch jemanden bei uns gibt, der nicht weiß, welche Straße man in diesem Fall nennen sollte, dann müssen wir das ändern. Vielen Dank, dass Sie mir davon erzählt haben, nur so können wir es zukünftig besser machen!«
Wertung: ausgezeichnet

Zimmer 343/331

Die tageslichtlosen Zimmerflure des Kameha Grand sind nichts für Klaustrophobiker. Auch ich sehe hier Rot: der Teppichboden, die Wände, die Zimmertüren – alles rot, rot, rot. Rot geblümt, rot gelackt. Rot. Assoziationen zu China liegen nah, andere Assoziationen noch näher. Mein Zimmer 343 liegt über dem Hoteleingang, und ich weiß jetzt, warum mir S. eine Begleitung anbot, »die Ihnen das Zimmer erklärt«. Ich will nämlich das Fenster öffnen und weiß nicht wie. Ein Anruf beim »Just4You«-Team (= Kamehanisch für Rezeption) schafft Abhilfe, es gibt einen elektrischen Schalter dafür. Knirschend und Millimeter für Millimeter schiebt sich die abgeschrägte Scheibe nach außen und rastet bei ungefähr 15 Zentimeter Abstand ein. Das reicht jedoch, um die Züge auf der etwa 100 Meter entfernten Bahnlinie so wahrzunehmen, als rasten sie direkt durch mein Zimmer. Das geht gar nicht. Die Fenster sind zwar sehr gut schallisoliert, aber da ich zu den Menschen gehöre, die nur bei offenem Fenster schlafen können und das selten auf dem Bahnhof tun, bitte ich telefonisch um eine ruhigere Alternative. Während ich auf die Antwort warte, schaue ich mich in diesem Zimmer um – und bin von seinem schlechten Zustand überrascht. Nicht nur, dass es schon etliche Abnutzungserscheinungen zeigt wie in die Tapete gehauene Macken, verkratzte Möbelbeine, einen Winkelriss im Bezugsstoff des Betthauptes, einen großen Kaffeefleck auf dem Teppichboden und ein ebenfalls fleckiges Sitzpolster auf dem weißen Sessel, darüber hinaus ­ist es auch schlecht gepflegt: Über allen schwarzen Lackoberflächen liegt eine feine Staubschicht, die Lichtschalter am Bett tragen fettige Fingerspuren und das Lüftungsgitter im Boden vor dem Fenster ist mit dicken Staubflusen zugesetzt. In diesem Zimmer würde ich mich, auch wenn es ruhig gelegen wäre, nicht wohlfühlen. Es wirkt schlichtweg schmuddelig.

Zimmer 331, in das mich nach einer halben Stunde Wartens Portier S. führt, gehört zur Kategorie Deluxe, liegt auf derselben Etage, aber ein paar Meter weiter, ist etwas größer und hat »seitlichen Rheinblick«. Von den Zügen bekomme ich durch das hier manuell aufzuschiebende Fenster zwar genauso viel mit wie zuvor (die 30 € Aufpreis pro Nacht hätte ich mir im Prinzip sparen können), aber dieses Zimmer scheint deutlich sauberer und gepflegter zu sein. Dominiert wird es zum einen von der raumbreiten und bodentiefen Glasfront, durch die man die Menschen im gegenüberliegenden Bürogebäude wie in einem Puppenhaus beobachten kann. Und zum zweiten durch das Doppelbett, dessen riesige schwarze Betthauptumrandung wie ein schräg gestellter Bilderrahmen anmutet. Designergag oder Nachtlicht? Ein Vollmond leuchtet auf Knopfdruck unter dem schwarzen Stoff. Überhaupt ist Design im Zimmer, wie überall im Hotel, ein wichtiges Thema. Als Farben wurden Schwarz, Grau und Weiß gewählt, Akzente setzen Accessoires in Gold, und ein immer wiederkehrendes Element ist die eigens fürs Hotel kreierte Kameha-Blume. Corporate Design ist gar kein Ausdruck: Vorhänge, Teppichboden, Tapete, Lampenschirme, Guest Supplies, selbst die Zahnputzbecher, das Gehäuse der Senseo-Kaffeemaschine und die Verpackung des drei Euro teuren Kondoms sind schwarz geblümt. Der an der Wand hängende TV-Flat-Screen ist fast so groß wie der kleine, mit allerlei Info-Broschüren, drei Bibeln, Telefon und Lampe vollgestellte Schreibtisch. Das dazugehörige Sitz­möbel, ein lederbezogener Hocker, prädestiniert das Auftreten von Rückenproblemen. Bequemer ist da schon der einzelne Polstersessel, über dessen empfindlichen, weißglitzernden Bezug jede Hausfrau den Kopf schütteln dürfte. Genauso empfindlich sind die zahlreichen schwarzen Lackflächen für Staub, Kratzer und Fingerabdrücke. Viel Raum nimmt der Badetrakt ein, in dem auch der Schrank angesiedelt ist. Dieser verfügt über wenig Stauraum (eine Kleiderstange, ein sehr hohes Bord, Kofferbock, darunter eine Schublade, die nur für Unterwäsche geeignet ist, und eine Klapplade, hinter der sich der Safe befindet), zu wenig Kleiderbügel (sieben Stück plus ein Krawattenhalter), und seine Falttüren schleifen mit unangenehmem Geräusch über den Boden. In der Minibar sind die beiden Kölsch und ein Kombucha seit zwei Wochen abgelaufen, es gibt nur zwei Wein- und zwei Wassergläser, und die auf der Karte angegebenen Artikel »Kameha Cap« sowie das Schuhputzset fehlen. Eine Begrüßung in Form von Obst, einer Süßigkeit oder auch nur Mineralwasser fehlt ebenso.

»Smarte« Technologie wird im Kameha Grand groß geschrieben, der virtuelle Fischteich im verglasten, für Veranstaltungen genutzten Kameha Dome ist von Eröffnung des Hotels an ein Besuchermagnet. Und an den verschiedensten Orten sind iPads installiert, auf denen Gäste ihre Meinung zum Hotel eingeben können. Im Zimmer steht unter dem Flat-Screen eine »i-fuze«-Station, und ein Aufsteller bittet um »i-feedback« über einen QR-Code oder das Internet. Seinen WLAN-Code erhält man von einer Computerstimme auf Tastendruck am Telefon; eine Stunde Highspeed Internet ist kostenlos, 24 Stunden kosten 19 Euro. Außer einem Verdunkelungsvorhang gibt es innen angebrachte Sonnenjalousien, die insofern unpraktisch sind, als man, sind sie heruntergelassen, nicht mehr ans Fenster kommt. Beim elektrischen Betätigen quietschen die Jalousien im Übrigen erbärmlich. Das Bus-System, mit dem die ganze Zimmertechnik gesteuert und geregelt wird, hat seine Tücken. Wie ich am nächsten Tag beim Frühstück mitbekomme, bin ich nicht die einzige, die in der Nacht davon aufgewacht ist, weil alle Lampen im Zimmer brannten. Das Problem sei bekannt, heißt es am Empfang. Ein weiteres (Sauberkeits-)Problem offenbart sich beim näheren Überprüfen des Zimmers: Ganz oben, auf der Bettumrahmung, wo man nur hinkommt, wenn man aufs Bett steigt und sich streckt, liegt fingerdick der Staub. Ein Bettbezug hat ein Loch, alle vier Kopfkissen sind mit gelblichen Schweißrändern verunreinigt, der Matratzenschoner des einen Bettes hat einen Urinfleck, das andere Bett hat gar keinen Matratzenschoner, dafür aber einen Blutfleck auf der Matratze. Das ist nicht Grand, das ist unappetitlich.
Wertung: mangelhaft

Bad

Es ist zwar immer noch schwer in Mode, aber nicht jeder mag ein offenes Bad im Zimmer. Eine gute Lösung wie im Kameha Grand sind Schiebetüren, die dem Gast die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, wie offenherzig er es gern hat. Der Badtrakt meines Zimmers ist großzügig gestaltet. Die Milchglastür des separaten WCs schließt im geöffneten Zustand gleichzeitig  Dusche und Badewanne. Mehr als ein Hingucker ist das riesige, über der Wanne angebrachte Unterwasser-Fotomotiv, das ein feenhaft schwebendes weibliches Wesen zeigt. Wirklich beeindruckend. Schade, dass sich die Handbrause nicht an der Duschstange fixieren lässt. So muss man das Risiko eingehen, sich unter der hoch angebrachten Regendusche nasse Haare zu holen oder eine Duschkappe tragen. Leider sind viele Düsen der Regendusche verstopft, sodass der Strahl nicht kräftig ist und sprüht. Erstaunlich, dass die Verfugung der Bodenfliesen schon nach vier Jahren derart unschöne, rostbraune Verfärbungen zeigt. Im rechteckigen Waschbecken, dessen Ablauf aus einem Schlitz an der hinteren Seite besteht, staut sich bei Benutzung das Wasser und fließt nur langsam ab. Der Kunststoffhalter für die Guest Supplies, zigarrenförmige, schwarze Röhrchen mit silbernem Schraubverschluss, ist zweimal gebrochen; es gibt nur Shampoo und Body Lotion, das Duschgelröhrchen ist ersetzt durch einen kleinen No-Name-Flakon. Geklaut, aber nett ist der Gag mit der Seifenbeschriftung (»Unschuld«); die Badetücher sind groß und kuschelig. Wenn die beiden Bademäntel tatsächlich Größe M haben, möchte ich gerne mal einen in XXL sehen ... Einheitsgröße (groß) haben die Badeschlappen. Das Licht über dem Waschbecken ist ausreichend, zudem gibt es einen beleuchteten Rasierspiegel. Die Milchglaskugeln über der Wanne hingegen spenden seltsam schwaches, diffuses Licht. Wie defizitär das Housekeeping arbeitet, macht sich auch daran bemerkbar, dass die Ersatzrolle Toilettenpapier fehlt. Ansonsten ist das Bad sauber.
Wertung: noch befriedigend

17:30 – Kameha Spa I

Ein Nein bleibt ein Nein, auch wenn es liebenswürdig geäußert wird. Die Praktikantin an der Rezeption des Kameha Spa vertröstet mich auf die Aushilfskraft, »die gleich kommen muss«, die Aushilfskraft vertröstet mich auf den nächsten Tag. Nein, es sei niemand mehr da, der eine Rückenmassage durchführen könne, auch wenn die Zeiten für Treatments mit neun bis 21 Uhr angegeben seien. Außerdem solle man besser schon von zu Hause aus buchen. Wenn ich doch aber jetzt Rückenschmerzen habe?! »Morgen klappt es vielleicht«, lächelt die Aushilfskraft und notiert sich meine Wünsche. Zwei Stunden später ruft sie mich im Zimmer an und macht aus dem »vielleicht« ein »definitiv«.

19:50 – »Rhein-Alm«

Aus der Luft muss es aussehen, als habe man an ein Ufo ein hölzernes Klohäuschen geklebt. Tatsächlich handelt es sich bei dem Original Tiroler Holzbau um das jüngste kulinarische Angebot des Kameha Grand, die »erste Alm am Rhein«, und die damit verbundene Hüttengaudi wird von Hotelgästen wie dem Bonner Publikum begeistert beklatscht. Da macht es auch nichts, dass von einem Wiener »Backhändel« die Rede ist und »einem Maß Bier« und dass die zünftig gewandeten Jungs vom Service Turn- statt Haferlschuhe tragen: Die Stimmung in der gemütlichen Hütte ist gut. Das »Backhändel« samt lauwarmem Kartoffel-Gurken-Salat schmeckt ordentlich, das Tegernseer Helle noch besser, und die eingebayerten Bedienungen haben offensichtlich selbst ihren Spaß. Als ich am nächsten (Freitag-) Abend zu späterer Stunde noch einmal reinschaue, legt ein DJ auf. Tony Christie schmettert sein »Is this the way to Amarillo« und die Gäste schmettern mit. An der Hotelbar hingegen herrscht tote Hose.
Wertung: sehr gut

21:15 – »Stage Bar & Lounge«

Die frühere »Pure Gold Bar« am Ende des riesigen, verglasten Kameha Dome dient nur noch als Eventbar und wird tagsüber als Café und Take-away Deli für die umliegenden Büros genutzt. Die »Stage Bar & Lounge« in der Lobby ist ja auch strategisch günstiger positioniert. Tagsüber trifft man sich hier auf einen Snack oder zu Kaffee und den feinen Erzeugnissen der Patisserie; auch die Teeauswahl ist sensationell. Aber zum abendlichen Zeitpunkt meines Besuchs ist hier nichts los. Ein paar einzelne männliche Gäste sitzen auf Hockern an hohen Tischen und daddeln vor sich hin. Eine Familie lümmelt sich in neobarocken Sesselchen mit Plastikhartschalen in Strandkorboptik. Schwarz-weiße Fliesen, rotgeblümte Teppiche, Drehsessel aus Pseudorosenblättern, schwarze Schweinskulpturen in Originalgröße, die Tabletts tragen, riesige Glasglocken über den Köpfen und blumenbemalte Säulen: Wenigstens gibt es viel zu sehen, wenn es ansonsten langweilig ist. Die Beleuchtung ist sanft und angenehm, ein Gasfeuerchen flackert im Kamin, im Atrium werden die Blasenbäume in den Goldvasen angestrahlt, und die Musik ist – zumindest für meine Ohren – ein Spitzen-Barmix, in der Tonqualität hervorragend und in der Lautstärke genau richtig. Auch der Cocktail, den Barkeeper S. (ja, es fangen wirklich sehr viele Namen hier mit »S« an!) nach meinen Wünschen mixt, schmeckt so gut, dass ich im Anschluss daran noch einen zweiten bestelle. Dazu gibt es Chips und Oliven. Große Lust auf Konversation haben weder der Barkeeper noch seine Kollegin, aber sie beantworten meine Fragen freundlich.
Wertung: sehr gut

Turndown-Service

»Unser abendlicher Gute-Nacht-Service erfolgt zwischen 18 und 22 Uhr«, so steht es im Gäste-A-Z. Ich nehme an, dass damit ein Turndown-Service gemeint ist und nicht jemand, der Geschichten vorliest. Als an diesem Abend kein Turndown-Service erfolgt, mutmaße ich noch, es könne an der ausgehängten Wäscheservice-Karte liegen, die man leicht mit der gleichformatigen DND-Karte verwechseln könnte. Doch auch am nächsten Abend taucht niemand vom Housekeeping auf.
Wertung: ungenügend

FR. 27/09, 07:00 – Weckruf / Tageszeitung

Schon beim Check-in wurde ich gefragt, ob ich einen Weckruf wünsche und ob man mir eine kostenlose Tageszeitung an die Tür hängen dürfe. Beides bejahte ich. Der Weckruf samt Reminder erfolgt pünktlich und herzlich, die Tageszeitung fehlt jedoch.
Wertung: befriedigend

08:38 – Frühstücksbuffet

Am Eingang zur Brasserie »Next Level« erlebe ich einmal mehr, wie angenehm es für einen Gast ist, wenn von Seiten der Mitarbeiter Floskeln nicht als Floskeln gebraucht werden. C. bittet mich um meinen Namen (nicht um meine Zimmernummer) und fragt freundlich, ob ich gut geschlafen habe. Als ich wahrheitsgemäß verneine und von meinem Lärmproblem mit den Zügen erzähle, nickt der junge Mann verständnisvoll und sagt: »Vergessen Sie nicht, das beim Check-out zu erwähnen. Dann können wir notieren, dass Sie beim nächsten Mal ein Zimmer möglichst nah zur Rheinseite bekommen.« Als ich C. auf die gerade stattfindenden Aufbauten im Kameha Dome anspreche, erklärt er mir begeistert, wie bei einem Event mit 1000 Personen die Logistik funktioniert. Seine Begeisterung wirkt ansteckend. Mit einer Tageszeitung ausgestattet, bewege ich mich durch das Restaurant und werde von einer höflichen jungen Frau angesprochen, die mir lächelnd einen »schönen Tisch am Fenster« anbietet. Ich nehme aber lieber auf einer der Bänke Platz, deren extrahochgezogene Rückenlehnen einen Teil des Raumes in grün-grau-weiß-geblümte Quadrate unterteilen. Das Areal vor der Glasfront zum Rhein wurde zugunsten des schönen Blicks mit Einzeltischen ausgestattet, deren weiße Mittelfüße teilweise arg in Mitleidenschaft gezogen sind. Vier riesige, massive, weiße Kronleuchter sowie tiefschwarze Vorhänge und Accessoires in Pink und Grün unterstreichen das Designkonzept von Innenarchitekt Marcel Wanders, wonach ein Hotel unterhalten, inspirieren und stimulieren sollte. Während unter dem einen Kronleuchter das Müslibuffet aufgebaut ist und unter dem anderen ein Kühler mit goldummantelten Sektflaschen steht, haben alle sons­-tigen Frühstücksofferten im Buffetbereich am Eingang der Brasserie Platz gefunden. Positiv fällt die üppige Auswahl offener Tees ins Auge, zu denen auch drei Eigenmischungen gehören.

Erstaunlicherweise fehlen Zitrone und Kandiszucker. Bei den Kaltgetränken begeistern neben frisch gepressten Säften zwei fruchtige Smoothies mit Namen Kameha Red und Green. Ansonsten ist das Frühstücksbuffet gut sortiert, ohne dass es jedoch große Überraschungen böte. Die Auswahl an warmen Speisen ist sogar trotz des hohen Anteils an ausländischen Gästen eher klein: Es gibt dreierlei Würstchen, Speck, Rührei, gekochte Eier, gegrillte Tomaten, gebratene Hähnchenkeulen und Pfannkuchen. Omeletts und Spiegeleier brät ein Koch frisch; das meine gerät ihm allerdings zu wabbelig. Brot und Brötchen (letztere in angenehmer Party-Größe) stammen vom ortsansässigen Bäcker und werden in ausreichender Vielfalt und guter Qualität angeboten. Hausgemachte Marmeladen können zwar – wie auch die Teemischungen und die goldene Sektflasche »Bubbles« – käuflich erworben werden, auf dem Buffet sind sie jedoch nicht zu finden. Die Service-Mitarbeiter zeigen sich aufmerksam und immer wieder sehr freundlich.
Wertung: gut

Housekeeping – Remake

Es wundert mich, dass ein Grand Hotel, welches sich ökologisches Denken und Handeln auf die Fahne schreibt, keinen Hinweis zum sparsamen Gebrauch von Frottierwaren gibt. Das ist auch für ein Luxushotel nicht mehr verwerflich. Und es ärgert mich, wenn die einmal benutzte Seife verschwunden ist und statt ihrer ein neues Seifenpäckchen ausgelegt wird. Aber das sind Fragen des Managements beziehungsweise der Leitung des Housekeepings. Ansonsten präsentieren sich Zimmer und Bad recht ordentlich gereinigt und aufgeräumt. Auch die fehlende Ersatzrolle Toilettenpapier wurde ergänzt und der Boden des Bades gewischt. Eine Markierung am Toilettensitz ist allerdings noch vorhanden – genauso wie die knapp unter das Bett ge- schobenen Kronkorken und Schokoladenpapierchen.
Wertung: befriedigend

Housekeeping

Zahnbürste und Tempurkissen wurden – wie gewünscht – am Vortag im Nu gebracht. Das Schild, das den Wunsch nach Wäscheservice signalisiert und das ich, wie darauf angegeben, vor acht Uhr außen an die Tür gehängt habe, hängt nach der Zimmerreinigung wieder ordentlich am Haken. Der Wäschebeutel indes liegt unangetastet am Boden. Ein Zimmermädchen, das ich anspreche, nimmt sich seiner freundlicherweise an. Nach viereinhalb Stunden überreicht mir ein junger Mann die Sachen auf zwei verschiedenfarbigen Drahtbügeln mit Zellophan umhüllt. Das Wasch- und Bügelergebnis der leichten Jacke ist mittelprächtig, auch die Strickjacke, die ich zum Entfusseln gegeben habe, hätte noch besser geglättet werden können. Die Mitarbeiter, die man auf den Fluren trifft, grüßen in der Regel freundlich.
Wertung: befriedigend

Message-Transfer

Beim Check-in wurde mir mitgeteilt, dass auf dem Zimmer bereits eine Nachricht für mich liege. Auf der hübschen Briefkarte mit Kameha-Blume und dem Schriftzug »Life is Grand« werde ich handschriftlich mit »Liebe/r …« angesprochen und man teilt mir mit, dass Herr XY um meinen Rückruf bittet. Unterschrieben ist das Ganze mit »Herzliche Grüße Just4You«. Zusätzlich blinkt das Nachrichten-Licht am Telefon. Eine zweite, ähnliche Message finde ich nach meinem Spa-Besuch vor, diesmal ein klein wenig ausführlicher und unterzeichnet mit »Guest Service Team«. Was allerdings immer fehlt, ist die Uhrzeit des Anrufs (kann durchaus wichtig sein) und der Name desjenigen, der den Anruf entgegengenommen hat (für eventuelle Rückfragen).
Wertung: gut

Öffentliche Bereiche

Die Bodenfliesen des Atriums bedürften einer Grundreinigung – wie von der »Brücke« aus, die über den Kameha Dome führt, gut zu sehen ist. Gleiches gilt für die Verglasung des At-riums – sobald die Sonne auf die Scheiben scheint: auweia. Auch die Teppichböden im Tagungsbereich sehen aus, als könnten sie eine Behandlung mit dem Shampoonierer vertragen. Ansonsten gibt es eher Abnutzungserscheinungen als Reinigungsdefizite, die ins Auge fallen, beispielsweise bei den weißen Sesseln in der »Stage Bar«, deren Polster abgeschubbert aussehen, oder die gesprungenen weißen Bodenfliesen im Kameha Dome. Design ist halt nicht immer pflegeleicht.
Wertung: befriedigend

13:12 – Room Service

K. ist ein ganz Netter. Der junge Mitarbeiter, der mir in Rekordzeit nach Bestellung (zwölf Minuten!) den Lunch aufs Zimmer bringt, zaubert kurzerhand auch noch von irgendwoher einen Stuhl – tatsächlich lässt es sich nämlich weder auf dem Schreibtischhocker noch im weißen Sessel sitzend bequem essen. K. klappt den Servierwagen aus, lässt sich den Beleg unterschreiben, nimmt die Cloche ab und gleich mit, als er sich, mir fröhlich »Guten Appetit« wünschend, verabschiedet. Ich habe einen Caesar‘s Salad mit gegrillten Garnelen bestellt und einen frischen Obstsalat. S. vom Empfang – pardon: dem »Just4You« – hatte die Servicezeit mit 25 Minuten angekündigt und aufmerksamerweise auch gefragt, ob das Dessert zeitgleich mit dem Hauptgang serviert werden dürfe. Die Private-Dining-Karte listet ausschließlich Klassiker und als originellstes Angebot ein dreigängiges »Workaholic Menü« mit einem Burger als Hauptgang und zwei Bier dazu (oder Soft Drinks) für 34 Euro. Da bei jeder Bestellung ein Zimmerzuschlag von zehn Prozent erhoben wird (mindestens vier Euro, maximal neun Euro pro Bestellung), kostet mein Lunch ohne Getränke 31,50 Euro. Der Servierwagen ist makellos eingedeckt, es gibt Brötchen und Butter, eine Blume in schnörkeliger Designervase und einen Abräumhinweis. Kapern und Sardellen werden in kleinen Extraschälchen gereicht, wofür ich dankbar bin. Der Salat schmeckt ausgezeichnet, ganz im Gegensatz zum Obstsalat, der Frühstücks-Convenience ist und lediglich mit ein paar Heidelbeeren und einer kleinen Erdbeere aufgepeppt wurde. Das ist der Küche eigentlich nicht würdig. Meiner telefonischen Bitte, den Wagen wieder abzuholen, vergisst man leider zu entsprechen. Selbst als ich Stunden später aus dem Spa zurückkomme und ein »Just4You«-Mitarbeiter zwischenzeitlich eine Nachricht aufs Zimmer gebracht hat, steht der Wagen immer noch da. Das ganze Zimmer mieft jetzt nach abgestandenem Essen.
Wertung: befriedigend

Spa / Spa Treatment

Die großformatige (natürlich käuflich zu erwerbende) Chronik des Hauses zeigt auf einem Foto, wie der 15 Meter lange Pool mit einem Kran passgenau in die Dachterrasse im dritten Stock eingesetzt wird. Der nachts pink leuchtende Infinity Pool ist definitiv das Highlight des Kameha Spa, welches aber auch sonst als Kleinod in Sachen »Entspannen, aber schick!« bezeichnet werden darf. Man schwimmt – sogar im Winter – mit Blick auf den Rhein. Zwei Saunen, ein Dampfbad, Ruheräume mit extravaganten Designerliegen und vier Behandlungsräume stehen zur Verfügung. Es gibt kostenlos Wasser, Tee und Obst sowie eine kleine Speisenkarte mit gesunden Leckereien. Die Mitarbeiterinnen des Spa-Empfangs sind, egal ob Praktikantin, Aushilfskraft oder Festangestellte, ausnehmend freundlich und hilfsbereit. Allerdings könnten sie ein bisschen aufmerksamer sein, was das Wegräumen gebrauchter Handtücher und benutzten Geschirrs anbelangt. Meine »vergessene« Badekleidung hängt noch am nächsten Morgen da, wo ich sie aufgehängt habe, am Sonnenschirm. Die Saunaanlage ist ebenso gepflegt wie der einen Stock darüber liegende Fitnessraum, der nicht nur professionell ausgestattet ist, sondern seinen Charme gleichfalls aus dem Blick über den Rhein bezieht. Spitzenmäßig ist auch die Rückenmassage durch J., die mir darüber hinaus ein paar richtig gute Tipps gegen Verspannungen mit auf den Weg gibt.
Wertung: sehr gut

Front Office / Concierge

Ob das Ganze jetzt etwas gequält lifestylig »Just4You« heißt, »Guest Service Team« oder klassisch Empfangsmitarbeiter und Concierges – wichtig ist, dass der Service funktioniert. Und das tut er im Kameha Grand. Sofort ist jemand zur Stelle, nähert man sich einem der Stehpulte, die Ansprache ist liebenswürdig, die Mitarbeiter zeigen sich hilfsbereit und kompetent. Meine Anliegen werden alle einwandfrei erledigt, auch ein (rezeptfreies) Medikament wird mir aus der Apotheke besorgt. Darüber, dass dafür zehn Euro »Service-Charge« berechnet werden, ließe sich allerdings streiten.
Wertung: sehr gut

19:51 – Brasserie »Next Level«

Der exklusive »Yu Sushi Club« im 5. Stock des Hotels, bekannt für seine authentische asiatische Küche, ist leider ausgebucht. Die Brasserie »Next Level« im Erdgeschoss mit Blick auf den Rhein ist gleichfalls gut besucht. Es ist Freitag, und an den Freitagabenden wird ein mediterranes Buffet zu 49 Euro pro Person angeboten, das offensichtlich viele externe Gäste ins Kameha Grand lockt. Um ins eigentliche Restaurant zu gelangen, muss man den Buffetbereich passieren; hier spricht mich bereits eine junge Köchin an und fragt, ob sie mir das Buffet einmal zeigen und erklären dürfe. Diese Mühe machen sich Köche, Servicepersonal und Restaurantleiter tatsächlich mit allen ankommenden Gästen – eine aufwendige, aber sinnvolle und freundliche Geste. Mein Platz ist ein Zweiertisch am Fenster. Mit  »Mein Name ist P., ich bin Ihr Kellner heute Abend« stellt sich ein aufgeweckter junger Mann vor, und ich verschlucke mich beinahe wegen des altmodischen Wortes, hätte ich doch eher ein »Ich bin heute Ihr Personal Food Assistant« oder Ähnliches erwartet. Während P. das zweite Gedeck abräumt, nehme ich die Restaurantatmosphäre in mir auf, die am Abend für meinen Geschmack deutlich weniger attraktiv ist als tagsüber. Die großen, dunklen Glasflächen wirken kalt, die Beleuchtung durch Downlights in der hohen Decke und die Kronleuchter schaffen keine anheimelnde Wärme, der mehrarmige Kerzenleuchter in der Raummitte steht einsam auf verlorenem Posten. Am Tisch flackert ein Teelicht im pinkfarbenen Designerkästchen, und die grüne Flasche als Deko reißt das Ganze auch nicht heraus. Zudem schafft das Kommen und Gehen vom/zum Buffet eine gewisse Unruhe und hebt den Geräuschpegel. Gibt es Musik? Ich kann mich nicht erinnern. Die Speisekarte ist in ein Brasserie-Journal eingelegt, das auf den vier Umschlagseiten reichlich Werbung für Produkte und Veranstaltungen macht. In Sachen Verkaufsförderung lässt man im Kameha wirklich keine Gelegenheit aus. Die Karte ist durch Küchenchef Raoul Mühlan deutlich französisch geprägt und spart auch nicht mit entsprechenden Bezeichnungen. Zu den Lieblingsgerichten des Maître, die in der Karte umrahmt sind, gehören Tartare de bœuf, Soupe au poisson oder auch die lange von deutschen Speisekarten verschwundenen Escargots de Bourgogne. Das Preisniveau ist gehobenes Brasserie-Level, aber nicht überteuert.

Da ich weniger Hunger als Gusto habe, ordere ich ein hausgemachtes Entenleber-Parfait mit Brioche, Portweinreduktion und Quittenkompott, danach (eigentlich ein Zwischengericht) das Hummer-Risotto mit gebratenem Hummer, Minzschaum und Melone. Dazu lasse ich mir von P. zwei Weißweine empfehlen, den Hausriesling vom Naheweingut Dönnhoff, der hier unter der eigenwilligen Bezeichnung »Kameha Spicy« läuft, und zum Hummer einen kräftigen spanischen Sauvignon Blanc. Vorab gibt es zweierlei Brötchen, Olivenöl und Meersalz. Von der Foie Gras bin ich enttäuscht: Sie schmeckt zwar in Verbindung mit der Portweinreduktion und dem Quittenkompott klasse, solo verkostet aber nur fett. Die Briochescheibchen sind auf der Schnittfläche angetrocknet. Der, obwohl trocken ausgebaut, fast feinherb zu nennende Riesling (5,50 € für 0,1 l) begleitet dieses Gericht gut. Das Hummer-Risotto ist vielleicht eine Spur zu bissfest, aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, ansonsten ist es einfach nur lecker mit dem Minzschaum und den Melonenkügelchen als süß-frischen Akzenten dazu. Ich hätte eigentlich beim Riesling bleiben können, aber auch der Sauvignon Blanc hat etwas und passt ausnehmend gut zum Risotto. Zum Dessert nehme ich die pochierte Rotweinbirne aus dem Wild-Menü mit Vanille-Parfait und Zimtsoße – ein klassisch-guter Abschluss dieses kleinen Menüs. P. bedient mich für die Dauer meines Mahles äußerst aufmerksam und liebenswürdig, hat Zeit für einen kleinen Plausch und ist somit der perfekte Gastgeber. Nur als ich nach dem Espresso zahlen möchte, erscheint es mir, als sei ich aus seinem Blickfeld verschwunden. Schließlich kann ich aber doch die Aufmerksamkeit von P. wieder auf mich ziehen und zahle 92,50 Euro. Jeder Mitarbeiter, an dem ich auf dem Weg nach draußen vorbeikomme, verabschiedet sich herzlich von mir.
Wertung: noch gut

SA. 28/09, 09:09 – Zimmerfrühstück

Kein Turndown Service, kein Frühstücksbestellformular, das ich hätte an die Tür hängen können. Der Hänger selbst mit der originellen Aufschrift »Kikerikiiie« ist zwar vorhanden, aber eben ohne Innenleben. Also studiere ich das Private-Dining-Menü. Viel origineller als die Room Service Karte klingen die Frühstücksofferten, welche man sich aufs Zimmer bestellen kann. Vom Quickie-Frühstück »Energy« mit Red Bull, Brötchen, Banane und Powerriegel über Müslimischungen, die Namen wie »Der Wachrüttler« haben und die man – man ahnt es – auch käuflich erwerben kann, bis hin zu eher klassischen Zusammenstellungen. Etwas merkwürdig finde ich die Komposition des »Bönnsche« Frühstücks (ich vermute, dass das so viel wie »Bonner Frühstück« bedeutet): frische Vollkornbrötchen, Röggelchen, Brotauswahl vom ansässigen Bäcker, Konfitüre, Honig, Schokoladencreme, Butter, frisch gepresster O-Saft, Milchreis mit geriebenen Äpfeln, Räucherlachs, Roastbeef, Essiggemüse, Auswahl von Wurst und Käse, Bauernomelette und ein Heißgetränk. Zu 29 Euro plus vier Euro Room Service Aufschlag – warum muss ich für ein Frühstück, das sowieso nur im Zimmer serviert wird, Room Service-Aufschlag bezahlen? Dieses Frühstück bestelle ich. Vorweggenommen: Es ist genauso viel wie es klingt. Aber nachdem ich 39 Minuten gewartet habe, habe ich auch Hunger. Der junge Mann, der schließlich den Servierwagen ins Zimmer schiebt, ist einer der wenigen weniger kommunikativen Mitarbeiter, auf die ich im Kameha treffe. Er schiebt den Wagen vors Fenster, lässt mich unterschreiben und verschwindet. Kein Stuhl, kein Ausklappen, kein Hinweis auf das Abräumen, auch nicht auf dem Wagen. Uff! Schon von einem Drittel des riesigen Bauernomeletts wäre ich satt, also probiere ich nur davon. Es ist noch heiß und schmeckt gut. Gleiches gilt für den Milchkaffee. Statt des O-Safts bat ich um einen frisch gepressten Karottensaft, der lecker ist, aber den Schuss Olivenöl vermissen lässt, welcher ihn besser verträglich machen würde. Ansonsten: Die Brotauswahl fehlt, die Brötchen sind ok, der Milchreis schmeckt total künstlich, von frisch geriebenem Apfel außer ein paar roten Fäden keine Spur, es gibt vier dicke Scheiben fetten Räucherlachs, sechs Scheiben durchgebratenes und trockenes Roastbeef, eine seltsame Wurst- und Käseauswahl (mit Paprikawurst und irgendetwas in Aspik, aber beispielsweise keinen Schinken), das Essiggemüse besteht aus ein paar Silberzwiebelchen – kurzum: Einmal abgesehen davon, dass man mit diesen Mengen eine Kleinfamilie für den Tag satt bekommen würde, ist die Qualität des Gereichten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht adäquat.
Wertung: gerade noch befriedigend

Sicherheit

Alles in puncto Sicherheit ist gut und passt – bis ich ein männliches Mitglied des Housekeepingteams bitte, mir meine Zimmertür aufzuschließen. »No problem« antwortet dieser und tut, worum ich ihn gebeten habe. Das ist ein K.o.-Kriterium.
Wertung: mangelhaft

10:54 – Check-out

Am frühen Morgen habe ich eine Informationsrechnung samt der dazugehörigen Belege erbeten, die zusammenzusuchen erstaunlich viel Zeit in Anspruch nimmt. Beim Check-out selbst muss ich auf einen Rechenfehler beim Minibarposten hinweisen, außerdem steht ein »Frühstück to go« auf der Rechnung, das nicht von mir stammen kann. Die freundliche S. korrigiert beides umgehend und ohne mit der Wimper zu zucken. Dann unterhalten wir uns noch ein bisschen, und alles ist sehr nett und angenehm. Als ich mich schließlich danach erkundige, ob es eigentlich keinen Turndown Service im Hotel gibt, erschrickt S. und entschuldigt sich sofort dafür, dass dieser offensichtlich bei mir versäumt wurde. Dann bedankt sie sich für die Information: »So geben Sie mir die Chance, dem nachzugehen!« Ich werde herzlich verabschiedet mit dem Wunsch, doch bald wieder einmal vorbeizuschauen. Das Kameha Grand, mein neuer Lieblingsplatz? Ich weiß noch nicht.
Wertung: gut

Bilanz

»Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.« Im Kameha Grand Bonn hat man dieses Sprichwort verinnerlicht; hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. »Oase der Glückseligkeit«, »Willkommen in der Zukunft« und immer wieder »Lieblingsplatz«. Man kann derlei Superlative mögen oder nicht, man kann das extravagante Design grandios finden oder grausig, man kann sich hier wohlfühlen oder die Flucht ergreifen wollen – eines muss man auf jeden Fall: dem Hotel und seinen Erfindern Respekt zollen. In Sachen Design haben die Bonner sich 2009 wirklich einzigartig positioniert. Und die Zielsetzung, dem Gast ebenso leidenschaftliche wie professionelle Gastgeber gegenüberzustellen, wurde voll und ganz erfüllt. Aber: An meinem »Lieblingsplatz« will ich mich nicht dauernd gedrängt fühlen, irgendetwas zu kaufen. Im Gegenteil: Wenigs­tens ein Mineralwasser müsste im Zimmer kostenlos für mich bereitstehen. Und: Mein »Lieblingsplatz« muss picobello sauber sein. Daran hapert es im Kameha Grand jedoch deutlich. Mit einer nahezu durchgängig schwachen Leistung des Housekeepings erlebt man »Grand Moments« der ganz anderen Art.

Gesamteindruck: 70%

Testurteil: gut

100-81 sehr gut;   80-61 gut;   60-41 befriedigend;   40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend. Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!

 

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