Umbau und ModernisierungDer Umbau-Manager

Der zweite Tipp des Umbau-Managers lautet: »Der billigste Handwerker ist nicht immer die günstigste Lösung. Das Wichtigste an einem Umbau ist die Logistik – und eine nicht funktionierende Logistik kann richtig teuer werden.« Also sollte bei der Vergabe der Aufträge unbedingt auch danach entschieden werden, welche Firmen schon einmal an einem Hotelumbau mitgearbeitet haben – und zwar bei laufendem Betrieb. Wie unabdingbar es ist, dass alle Rädchen nahtlos ineinander greifen, dafür ist die Renovierung des Frankfurt Marriott ein gutes Beispiel. Von Anfang März bis Anfang September galt es, die in den Etagen 28 bis 44 liegenden Zimmer nahezu in Rohbauzustand zu versetzen, vom Boden über die Wände bis zur Elektrik umzubauen und praktisch neu einzurichten. Auch die Bäder wurden einem Facelift unterzogen. Gearbeitet wurde immer in fünf Etagen gleichzeitig − in einem rotierenden Verfahren von oben nach unten. Während beispielsweise in Etage 34 noch der erwähnte Staub qualmte, Möbel entsorgt, Teppichböden herausgerissen und Tapeten abgelöst wurden, befand sich Etage 35 schon in sauberem Rohbauzustand, wo Elektriker und Sanitärfirmen arbeiteten. In Etage 36 wurden Wände gestrichen und tapeziert sowie Teppichböden verlegt, in Etage 37 Möbel eingebaut und Lampen installiert, und Etage 38 lag mit dem Einrichten, Dekorieren, dem Aufstellen der neuen 42-Zoll-LCD-Fernseher und der Endreinigung voll im Finish. Rund um die Uhr an sechs Tagen pro Woche war die Baucrew zugange. Baumaterial und Möbel mussten in der Nacht geliefert und nach oben in ­die Stockwerke transportiert werden − schließlich wurden die Serviceaufzüge während des Tages für den laufenden Betrieb benötigt. 160 bis 170 Bauarbeiter und Handwerker arbeiteten während der Umbauphase gleichzeitig im Hotel. Dass die Gäste davon kaum etwas mitbekamen, lag an den strikt eingehaltenen »Lärmzeiten« von 14 bis 17 Uhr und auch am Bemühen des Bautrupps. Denn (Tipp 3): »Behandele Bauarbeiter und Handwerker wie deine eigenen Mitarbeiter.« Hansjörg ­Hefel verköstigte die Baumannschaft in seiner Hotelkantine (»So kommen Bau- und Hotelmitarbeiter in Kontakt und entwickeln Verständnis füreinander«), spendierte bei 30 Grad Außentemperatur auf den Etagen eine Runde Eis und versuchte auf seinen Rundgängen so viele Handwerker wie möglich mit Namen anzusprechen. »Miteinander reden und aufeinander eingehen ist das A & O«, so Hefel. Das betrifft natürlich auch die eigenen Angestellten, für die der Hotelchef einen Grillabend organisierte, um sich für deren besonderen Einsatz während der Bauphase zu bedanken. Die wichtigste Unterstützung fand Hefel aber in seinem Bauleiter Jean-Paul Lagaly, dem Chief Engineer des Renaissance Zürich Hotels, mit dem Hefel schon in Zürich zweimal erfolgreich umgebaut und den er sich eigens für Frankfurt »ausgeliehen« hatte. Und in seiner Assistentin Katharina Wolf, von ihm liebevoll »die Bautante« genannt. ­Alle drei eint, was Hansjörg Hefel das »Bau-Gen« nennt. Darunter subsummiert er das Interesse an Technik und die Geduld, sie zu verstehen, aber auch die Fähigkeit, sich komplett in ein anderes Metier hineinzudenken. Eine gewisse Detailbesessenheit gehört ebenfalls dazu. Vor allem aber gute Nerven − »die ersten drei Wochen sind immer der Horror.« Danach aber beginne der schöne Teil des Bauens: »Man sieht etwas wachsen. Aus Plänen, Skizzen und Mustercollagen entstehen reale Räume mit genau der Stimmung und Atmosphäre, die man ihnen zugedacht hat. Und das ist etwas ungeheuer Befriedigendes.« Ganz im Gegensatz zu dem Punkt in Flensburg, den sich Hansjörg Hefel höchstpersönlich als »Verkehrssünder« für einen nicht korrekt geschlossenen Bauzaun einhandelte.

 

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