Dem Zürich Marriott Hotel hat Hansjörg Hefel innerhalb von fünf Jahren ein Umsatzplus von über 30 Prozent beschert, indem er es von Grund auf modernisieren ließ. Nun nahm sich der GM das zentraleuropäische Flaggschiff der Gruppe vor – mit einem ambitionierten Ziel: Das Frankfurt Marriott Hotel & Conference Center soll das führende Tagungshotel der gesamten Rhein-Main-Region werden und seinen Marktanteil unter den Frankfurter Hotels innerhalb der nächsten zwei Jahre um mindestens zehn Prozent steigern.
Was für den Rennfahrer der »Duft« von Benzin ist, das ist für Hansjörg Hefel der Staub − pures Adrenalin, sozusagen. Je dicker die Wolke ist, die er aufwirbelt, desto besser. Denn Staub ist ein Zeichen dafür, dass etwas passiert – und wenn etwas passiert, ist Hansjörg Hefel glücklich. Also strahlte der 47-jährige Manager, als er im Juli dieses Jahres seinen Besuch durch die Etagen des Frankfurt Marriott führte. Denn zu diesem Zeitpunkt passiert hier gerade richtig viel. Sämtliche 587 Zimmer und Suiten in Deutschlands höchstem Hotel (159 m) wurden renoviert, die Executive Lounge im 43. Stock modernisiert und der Gastronomiebereich in der Lobby umgebaut. Zehn Millionen Euro wurden allein in diese Maßnahmen investiert − nachdem bereits vor zwei Jahren der Ballsaal des Hotels neu gestaltet und die Außenfassade des Gebäudes energieeffizient saniert wurden. Insgesamt wurden für die Renovierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre 50 Millionen Euro aufgewendet.
Dass sich die Vorgabe, pünktlich zur IAA im September mit allem »durch« zu sein, dann auch tatsächlich realisieren ließ, dafür steht Hansjörg Hefel. Schließlich hat er schon bei seinen letzten Umbauprojekten – dem Renaissance Zürich Hotel und dem Zürich Marriott Hotel – quasi das Unmögliche möglich gemacht: »Da liefen Wetten unter den Baufirmen, ob der Terminplan einzuhalten sei – aber wir haben es jedes Mal geschafft«, erzählt der gebürtige Vorarlberger, nicht ohne dabei vergnügt zu grinsen. Wenn es darum geht, ein Bauvorhaben sinnvoll zu planen, stringent durchzuziehen und pünktlich zu beenden, ist für Hefel eine gute Vorarbeit die halbe Miete. Dazu gehört auch genügend Zeit, um sich in ein Hotel hineinzudenken: »Man braucht optimaler Weise sechs Monate, um ein Hotel zu verstehen, und zwei Jahre, um es neu konzeptionieren zu können.«
Wenn das gedankliche Gerüst für den Umbau steht, studiert Hansjörg Hefel jeden Originalbauplan und alle alten Baugenehmigungen, um vor Überraschungen so gut es geht gefeit zu sein. Dann − Tipp 1 − heißt es: »Fertig planen, bevor man anfängt – also detaillierte Ablauf- und strikte Zeitpläne für alle Gewerke erstellen, die jede Baufirma und jeder Handwerker unterschreiben müssen.« Wer sich nicht daran hält, kann durchaus in Bedrängnis kommen. In Frankfurt beispielsweise passierte Folgendes: »Der Malermeister, der den Terminplan nicht einhielt, wurde schon nach kurzer Zeit vom Teppichleger überholt«, schildert Hefel. Konfrontiert mit erheblich mehr Arbeitsaufwand auf eigene Kosten, verdreifachte der Maler jedoch flugs seine Mannschaft und holte innerhalb einer Woche den Rückstand wieder auf. Damit war auch die Verbindlichkeit des Terminplans geklärt.
Der zweite Tipp des Umbau-Managers lautet: »Der billigste Handwerker ist nicht immer die günstigste Lösung. Das Wichtigste an einem Umbau ist die Logistik – und eine nicht funktionierende Logistik kann richtig teuer werden.« Also sollte bei der Vergabe der Aufträge unbedingt auch danach entschieden werden, welche Firmen schon einmal an einem Hotelumbau mitgearbeitet haben – und zwar bei laufendem Betrieb. Wie unabdingbar es ist, dass alle Rädchen nahtlos ineinander greifen, dafür ist die Renovierung des Frankfurt Marriott ein gutes Beispiel. Von Anfang März bis Anfang September galt es, die in den Etagen 28 bis 44 liegenden Zimmer nahezu in Rohbauzustand zu versetzen, vom Boden über die Wände bis zur Elektrik umzubauen und praktisch neu einzurichten. Auch die Bäder wurden einem Facelift unterzogen. Gearbeitet wurde immer in fünf Etagen gleichzeitig − in einem rotierenden Verfahren von oben nach unten. Während beispielsweise in Etage 34 noch der erwähnte Staub qualmte, Möbel entsorgt, Teppichböden herausgerissen und Tapeten abgelöst wurden, befand sich Etage 35 schon in sauberem Rohbauzustand, wo Elektriker und Sanitärfirmen arbeiteten. In Etage 36 wurden Wände gestrichen und tapeziert sowie Teppichböden verlegt, in Etage 37 Möbel eingebaut und Lampen installiert, und Etage 38 lag mit dem Einrichten, Dekorieren, dem Aufstellen der neuen 42-Zoll-LCD-Fernseher und der Endreinigung voll im Finish. Rund um die Uhr an sechs Tagen pro Woche war die Baucrew zugange. Baumaterial und Möbel mussten in der Nacht geliefert und nach oben in die Stockwerke transportiert werden − schließlich wurden die Serviceaufzüge während des Tages für den laufenden Betrieb benötigt. 160 bis 170 Bauarbeiter und Handwerker arbeiteten während der Umbauphase gleichzeitig im Hotel. Dass die Gäste davon kaum etwas mitbekamen, lag an den strikt eingehaltenen »Lärmzeiten« von 14 bis 17 Uhr und auch am Bemühen des Bautrupps. Denn (Tipp 3): »Behandele Bauarbeiter und Handwerker wie deine eigenen Mitarbeiter.« Hansjörg Hefel verköstigte die Baumannschaft in seiner Hotelkantine (»So kommen Bau- und Hotelmitarbeiter in Kontakt und entwickeln Verständnis füreinander«), spendierte bei 30 Grad Außentemperatur auf den Etagen eine Runde Eis und versuchte auf seinen Rundgängen so viele Handwerker wie möglich mit Namen anzusprechen. »Miteinander reden und aufeinander eingehen ist das A & O«, so Hefel. Das betrifft natürlich auch die eigenen Angestellten, für die der Hotelchef einen Grillabend organisierte, um sich für deren besonderen Einsatz während der Bauphase zu bedanken. Die wichtigste Unterstützung fand Hefel aber in seinem Bauleiter Jean-Paul Lagaly, dem Chief Engineer des Renaissance Zürich Hotels, mit dem Hefel schon in Zürich zweimal erfolgreich umgebaut und den er sich eigens für Frankfurt »ausgeliehen« hatte. Und in seiner Assistentin Katharina Wolf, von ihm liebevoll »die Bautante« genannt. Alle drei eint, was Hansjörg Hefel das »Bau-Gen« nennt. Darunter subsummiert er das Interesse an Technik und die Geduld, sie zu verstehen, aber auch die Fähigkeit, sich komplett in ein anderes Metier hineinzudenken. Eine gewisse Detailbesessenheit gehört ebenfalls dazu. Vor allem aber gute Nerven − »die ersten drei Wochen sind immer der Horror.« Danach aber beginne der schöne Teil des Bauens: »Man sieht etwas wachsen. Aus Plänen, Skizzen und Mustercollagen entstehen reale Räume mit genau der Stimmung und Atmosphäre, die man ihnen zugedacht hat. Und das ist etwas ungeheuer Befriedigendes.« Ganz im Gegensatz zu dem Punkt in Flensburg, den sich Hansjörg Hefel höchstpersönlich als »Verkehrssünder« für einen nicht korrekt geschlossenen Bauzaun einhandelte.