London, Durban, Split: Peter Lösch ist viel herum gekommen in der Welt. Zwei Jahrzehnte lang hat es ihn von einem Hotel ins andere getrieben, immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen und Herausforderungen. Mittlerweile ist der sonst so Umtriebige angekommen und sesshaft geworden – in Rovinj an der kroatischen Mittelmeerküste.
Auch in der riesigen Lobby fällt Peter Lösch auf: Der Hoteldirektor ist groß, fast schlaksig. freundliche Ausstrahlung, jungenhaftes Lächeln – er wirkt so, als ob ihn nichts aus der Ruhe bringen könnte. Mit der Leitung des Hotels Lone widmet sich Lösch einem spannenden Projekt: Mit 45 Millionen Euro gehört das Lone zu den größten Investitionen der kroatischen Hotellerie in den vergangenen Jahren. Das Fünf-Sterne-Domizil wurde als erstes Mitglied Kroatiens in die Kollektion der Design Hotels aufgenommen. Kein Wunder: Die Architektur ist aufsehenerregend, der Stil funktional, modern und elegant zugleich.
Das Designhotel ist das gemeinsame Werk führender Vertreter der jungen Architektur-, Design- und Marketing-Szene Kroatiens, die für dieses Projekt alle zusammenarbeiteten. Das Architektenteam 3LHD aus Zagreb entwarf einen futuristischen Bau, der von Weitem an ein großes Schiff erinnert, das in einer Bucht vor Anker liegt. Herzstück der Lobby ist ein lichtdurchflutetes Atrium. Es führt als spiralförmiger Gang terrassenartig über fünf Stockwerke nach oben. Für die Innengestaltung ist das international ausgezeichnete Designbüro Studio Numen/ForUse aus der kroatischen Hauptstadt verantwortlich. Viele Einrichtungsgegenstände wurden eigens für das Lone entworfen.
Jedes Detail im Hotel soll sich zu einem großen harmonischen Ganzen fügen. »Die Hauptaufgabe für uns besteht jetzt darin, dieses Konzept weiterleben zu lassen«, sagt Direktor Lösch. »Alles muss dem Design angepasst werden, der Service, das Essen.« Man arbeite weiterhin eng mit den Architekten und Designern zusammen. Im Haus gibt es sogar eine angestellte Design-Expertin. Sie ist »der Link zwischen mir, den Designern und den Eigentümern«. Es sei zwar manchmal mühsam, immer alles doppelt absprechen zu müssen, aber er sei auch dankbar für diese Unterstützung: »Früher war ich oft der Einzige, der immer die Standards reingepaukt hat.«
Jahrzehntelang hat Peter Lösch in der Hotellerie weltweit Erfahrungen gesammelt. Als Jugendlicher wollte der heute 43-Jährige noch Koch werden. Zwar änderte sich sein Berufswunsch später, aber die Affinität zu Food blieb. Als Food- und Beverage-Manager, so findet der Hotelier auch heute noch, könne man kreativ sein und in ganz verschiedenen Bereichen – Einkauf, Produktion, Personalführung, Finanzen – tätig sein. »Man bekommt in dieser Abteilung einen großen Rundumblick«, meint er. Das sei eine gute Schule für den Direktionsposten.
Wobei das nicht von Anfang an zu seiner Karriereplanung gehörte. »Während meiner Lehre Ende der 80er-Jahre waren Hoteldirektoren noch wie Götter«, schmunzelt er, »das hat sich Gott sei Dank geändert.« Nach der Ausbildung im renommierten Park Hilton Hotel in München folgten einige Lehr- und Wanderjahre in der internationalen Hotellerie. So arbeitete er als Barkeeper in Cannes, nahm saisonale F&B-Jobs in verschiedenen Hotels an und jobbte auch mal ein halbes Jahr als Kellner in einem Münchner Biergarten. Ein Jahr lang führte er sogar zusammen mit seinem Vater einen Berggasthof in der Steiermark. »Das waren meine wilden Jahre«, erinnert sich Lösch, »in denen ich eine andere Sicht auf die Dinge kennengelernt habe.«
Dann startete er bei Hilton weltweit durch. Zunächst als Chefsteward in London, dann als Food & Beverage Manager im Hilton Durban in Südafrika sowie im Hilton Budapest WestEnd in Ungarn. Hat er in diesen Ländern kulturelle Unterschiede empfunden? »Alle sagen immer, wie anders alles da oder dort ist«, resümiert er seine Erfahrungen, »aber Menschen sind Menschen. Alle haben dieselben Grundbedürfnisse. Wenn man die Leute mit Respekt behandelt, bekommt man den auch zurück.« Wenn man irgendwo neu hinkomme, müsse man sich klar darüber sein, dass man selbst der Gast ist; man dürfe nicht gleich alles besser wissen wollen. »Ich bin schon so lange aus Deutschland weg, für mich ist es ganz normal, Ausländer zu sein und mich anzupassen.«
Nach Jahren bei Hilton wechselte Lösch zu Le Méridien – in Bristol, Wien und auf Malta. Im Sommer 2006 verschlug es ihn erstmalig nach Kroatien ins Le Méridien Lav in Split. Schon ein Jahr später wurde er dort General Manager. Der große Hotelkomplex war eine »schöne Herausforderung«. Fünf Jahre blieb er dort, seine bisher längste Zeit in einem Hotel. Schließlich wollte ihn die Starwood-Kette, die Le Méridien inzwischen übernommen hatte, nach Ägypten schicken. Doch Lösch blieb in Kroatien. »An diesem Punkt traf ich zum ersten Mal die Entscheidung, mein Privatleben vor den Beruf zu stellen«, erklärt Lösch seine Beweggründen. Zwei Jahrzehnte lang war er alle zwei, drei Jahre in einem anderen Land, hatte nie privat etwas aufgebaut. Das wollte er ändern. Inzwischen hat er eine kroatische Lebenspartnerin und mit ihr einen kleinen Sohn.
Im Sommer 2011 eröffnete Lösch als Direktor in Rovinj das neue Designhotel Lone der kroatischen Gruppe Maistra. »Bei einer nationalen Firma hatte ich vorher noch nie gearbeitet.« Dazu kam seine Vorliebe für Länder, in denen man »noch richtig die Ärmel hochkrem- peln und wirklich was hinterlassen kann«. Was könne man in westlichen Metropolen wie London oder Paris als Hoteldirektor wirklich noch besser und anders machen als die Vorgänger? Alles sei schon auf einem so hohen Niveau.
Das ist in Kroatien noch ein bisschen anders. Doch im vergangenen Jahrzehnt hat sich auch dort die Luxushotellerie etabliert. In diese wollte auch Maistra investieren, ein Unternehmen der Adris Gruppe, die eine der reichsten Firmen Kroatiens und der »größte Steuerzahler des Landes« ist. Vor einigen Jahren hatte sich der Konzern dazu entschlossen, mit der Maistra Group neben seinem Hauptgeschäft, dem Tabak, ein zweites Standbein im Touris-mus aufzubauen. »Das war einerseits ein Steuersparmodell, aber auch die Überlegung, dass im Tabak nicht die Zukunft liegt«, meint der General Manager.
Im malerischen Touristenort Rovinj ist der Hauptsitz der Firma angesiedelt; dort gehören ihr fast alle größeren Hotels. Die beiden Fünf-Sterne-Häuser von Maistra stehen hier an einer kleinen Bucht direkt nebeneinander – das Designhotel Lone und das Monte Mulini, das zu den Leading Hotels of the World gehört. Peter Lösch ist Chef beider Hotels, sein Büro hat er im Hotel Lone. »Das Haus habe ich selbst eröffnet, da habe ich eine emotionalere Bindung.« Außerdem fasziniert ihn das Konzept der Designhotels. Und natürlich sei es auch wieder die größere Herausforderung: Das Monte Mulini hat ganz strikte Standards.
»Beim Lone haben wir bewusst nicht so strenge Regeln«, erklärt Lösch. »Der Design-
gedanke umfasst auch, dass alles ein bisschen relaxt, ein bisschen cool zugeht.« Aber den Angestellten diesen Mittelweg zu vermitteln, zwischen diszipliniert einerseits und locker andererseits, das sei schon schwierig – vor allem bei einer Neueröffnung. Aber Lösch blieb dennoch entspannt: »Ins Lone kam ich ja erst kurz vor der Eröffnung. Da hätte man nicht mehr viel machen können«, erinnert er sich. »Also hab ich den Angestellten gesagt: Lächelt, seid freundlich und checkt die Gäste schnell ein.«
Es wurde eine der besten Hoteleröffnungen, die er mitgemacht hat – und er war immerhin schon bei sechs Eröffnungen dabei. Und schon jetzt scheint sich der Erfolg des Hauses abzuzeichnen. Das Interesse an der Destination und am Hotel Lone ist da. Im Sommer 2012 war das Hotel zu 90 Prozent ausgebucht; Ziel ist eine 50-prozentige Auslastung übers Jahr. Und Peter Lösch ist zufrieden. »Mir hat es eigentlich überall gefallen, wo ich bisher war«, meint er rückblickend, »denn es liegt doch an einem selbst: Wer an einem Ort glücklich ist, kann das überall sein.« Doch hier in Istrien möchte sich der Hoteldirektor vielleicht irgendwann ein altes Stein- bzw. Bauernhaus im Hinterland kaufen, wo er dann mit Frau und Kind auf Dauer leben möchte.