Kreativität, Kochkunst und Köpfchen – der Rudolf Achenbach Preis forderte erneut Deutschlands beste Nachwuchstalente der Gastronomie heraus. In einem intensiven Wettbewerb zeigten sie ihre Fähigkeiten.
Der Rudolf Achenbach Preis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen für junge Köche in Deutschland. Seit seiner Gründung 1975 steht der Wettbewerb für Exzellenz, Innovation und den Einsatz für die kulinarische Kunst. In diesem Jahr feierte er sein 50. Jubiläum und bot aufstrebenden Nachwuchskräften erneut die Möglichkeit, ihr Können vor einer hochkarätigen Jury und einem Fachpublikum unter Beweis zu stellen. Tophotel begleitete das Finale vor Ort und konnte den Wettbewerb aus nächster Nähe miterleben.
Der Sieg geht nach Wirsberg
Den diesjährigen Wettbewerb hat Dennis Straubmüller vom Posthotel Alexander Herrmann in Wirsberg für sich entscheiden. Der 24-jährige Auszubildende im zweiten Lehrjahr überzeugte die Jury mit Kreativität und handwerklicher Präzision.
„Ehrlich gesagt, habe ich Null damit gerechnet, den ersten Platz zu belegen. Mein Zeitmanagement war nicht perfekt. Geschmacklich war ich allerdings zufrieden – und offenbar hat genau das den Unterschied gemacht, wie mir die Jury bestätigte. Dass es dann tatsächlich für Platz eins reicht, damit hätte ich nie gerechnet", resümierte Dennis Straubmüller und ergänzte: „Was den Wettbewerb besonders gemacht hat, war das Miteinander. Es gab keinen Konkurrenzdruck, sondern echten Teamgeist – wir haben neue Freundschaften geschlossen und unsere Leidenschaft fürs Kochen gemeinsam gelebt. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht, und darauf bin ich sehr stolz." Für den ersten Platz erhielt Straubmüller einen Bildungsgutschein im Wert von 4.000 Euro, gestiftet von der Deutschen Hotelakademie (DHA).
Die Kulisse für das Finale am 12. und 13. Mai bildete das Produktionshaus Naxos in der Naxoshalle in Frankfurt am Main. Insgesamt sechs Auszubildende aus ganz Deutschland, die sich zuvor in den Halbfinals durchgesetzt hatten, traten gegeneinander an, um ihr Wissen und ihre Kochkünste unter Beweis zu stellen. Erstmals durften in diesem Jahr auch Auszubildende aus dem zweiten Lehrjahr antreten. „Gerade die Jüngeren haben gezeigt, dass Mut, Talent und Neugier keine Frage der Ausbildungsstufe ist“, betonte Katrin Achenbach, Mitglied der Geschäftsleitung der Achenbach Delikatessen Manufaktur.
Die Gewinner 2025 im Überblick:
- Platz: Dennis Straubmüller (24) | Posthotel Alexander Herrmann (Wirsberg)
- Platz: Moritz Range (23) | Hotel Traube Tonbach (Baiersbronn)
- Platz: David Stadler (21) | Brenners Park-Hotel & Spa (Baden-Baden)
Die Zweit- und Drittplatzierten, Moritz Range und David Stadler, durften sich über Bildungsgutscheine im Wert von jeweils 2.000 Euro freuen.
Den vierten Platz teilten sich:
- Jula Fenella Kutsche | Maritim Hotel Köln
- Isabelle Lorenz | Hotel Telegraphenamt (Berlin)
- Jonas Tamm | Maritim Pro Arte Hotel (Berlin)
Zusätzlich erhielten alle Final-Teilnehmer gestaffelte Prämien sowie Sachpreise, die von Partnern der Gastronomie zur Verfügung gestellt wurden.

Wissen, Würze, Wettkampf
Der erste Tag des Finales begann mit einem theoretischen Test, bei dem die Teilnehmenden ihr Fachwissen und ihre Kenntnisse der kulinarischen Welt unter Beweis stellen mussten. Im Anschluss folgte eine anspruchsvolle Warenerkennung, die hohe sensorische Präzision und ein tiefes Verständnis für Zutaten erforderte. Ein exklusives Networking-Event bot den jungen Talenten zudem die Gelegenheit, sich mit Branchenexperten auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.
Am zweiten Tag stand der kulinarische Showdown an. Hier mussten die Finalisten ihre kreativen Fähigkeiten und ihr technisches Können in der Küche auf den Punkt bringen – und das unter besonders herausfordernden Bedingungen. Erstmals wurde in Food Trucks auf engstem Raum gekocht. Die Herausforderung bestand darin, ein Menü für sechs Personen sowie Fingerfood zu kreieren – und das alles unter den wachsamen Augen der Jury. Besonders spannend: Der Warenkorb mit den Zutaten wurde traditionell erst am Wettbewerbstag selbst bekannt gegeben.
Der Warenkorb
- Amuse-Bouche/Happy Spoon: Jakobsmuschel und Granny Smith Apfel – ein Balanceakt zwischen zarter Meeresfrische und spritziger Säure, der die Jury auf den Wettbewerb einstimmte.
- Vorspeise: Aubergine und Trockenpflaume – eine Kombination aus erdigen Aromen und süßer Tiefe, die handwerkliches Geschick und sensorische Feinheit verlangte.
- Hauptgang: Kaninchen und rote Beete – eine anspruchsvolle Herausforderung in Textur und Aroma, die Präzision in der Fleischzubereitung forderte.
- Dessert: Kaffir Limette, weiße Schokolade und Honig – ein süßes Finale, das Frische, Süße und Cremigkeit harmonisch vereinen musste.
Mit geschultem Blick
Die Expertenrunde bestand aus erfahrenen Profis, die die praktische Arbeit und die fertigen Gerichte bewerteten. Jury A beurteilte Menüerstellung, Zeiteinteilung, Mise en Place, Sauberkeit, Rohstoffverarbeitung, Materialverwertung und die Arbeitstechnik:
- Marvin Böhm – bis vor Kurzem Souschef im Drei-Sterne-Restaurant Aqua des Ritz-Carlton Hotels Wolfsburg
- Matias Uhlig – Culinary Director bei Capital Catering in Berlin
- Hans-Peter Achenbach – Mitglied der Geschäftsleitung der Achenbach Delikatessen Manufaktur
Jury B legte ihr Augenmerk besonders auf die Anrichteweise und den Geschmack der Gerichte:
- Bernd Zehner – Inhaber der Kochwerkstatt in Wiesbaden, Koch, Content-Creator und Internetpersönlichkeit aus Frankfurt
- Mira Maurer – Selbstständige Pop-up-Köchin und Drittplatzierte des Rudolf Achenbach Preises 2011
- Dominik Wetzel – CEO bei Redrock Cooking, Food-Experte und Travel-Chef
Als „Special Agent of Jury“ begleitete Michael Schneider vom Verband der Köche Deutschlands (VKD) den Wettbewerb von den Halbfinals bis zum Finale. Dabei übernahm er die Aufgabe, die faire und fundierte Bewertung der jungen Talente sicherzustellen – ein wesentlicher Kern des Wettbewerbs. Durch seine enge Begleitung der Teilnehmenden hatte er einen besonders tiefen Einblick in die Leistungsentwicklung der Kandidaten.
Preis mit Strahlkraft
Zur feierlichen Abendgala und Siegerehrung kamen Branchenvertreter, ehemalige Preisträger sowie die Familien der Finalisten zusammen, um die Leistungen zu würdigen. „Ihr habt heute Großartiges geleistet. Ihr seid auf einem beeindruckenden Weg. Die Teller, die wir gesehen und probiert haben, könnten in vielen etablierten Restaurants serviert werden – das war absolute Spitzenklasse", kommentierte Hans-Peter Achenbach bei der Siegerehrung die Leistung der Finalisten. "Mein Rat an euch: Bleibt der Branche treu, zeigt, was ihr könnt, entwickelt euch weiter und sucht immer wieder die Herausforderung.“ Im Anschluss bot ein kulinarisches „Meet & Greet“ eine Gelegenheit zum Austausch.
Johann Lafer: "Einzigartige Möglichkeiten"
Special Guest des Abends war der österreichische Spitzenkoch und Autor Johann Lafer. In einem kurzen Statement gegenüber der Redaktion betonte er, welche besonderen Chancen das Leben als Koch bietet: „Es gibt kaum einen Beruf, der so viel Leidenschaft und Perspektiven eröffnet. Natürlich ist die Anerkennung durch zufriedene Gäste ein wichtiger Teil unserer Arbeit, aber es geht noch viel weiter: Wer die Welt entdecken, die Vielfalt der Produkte und die Eigenheiten verschiedener Küchen und Kulturen kennenlernen möchte, findet hier einzigartige Möglichkeiten. Dieser Beruf öffnet Türen, die sonst oft mühevoll erarbeitet werden müssen.“
Ein Gedanke, der auch bei den diesjährigen Finalisten spürbar war – junge Talente, die mit Mut, Neugier und handwerklicher Präzision gezeigt haben, dass die Zukunft der deutschen Küche in besten Händen liegt.