Der Mangel an Mitarbeitenden in der Tourismus-, Hospitality- und Foodservice-Industrie hat sich durch die Coronapandemie weiter verschärft. Die Denkfabrik Union der Wirtschaft (UdW) hat deshalb im Rahmen einer Food-Truck-Aktion vor dem Deutschen Bundestag ihr neues Policy-Paper mit dem Titel "Mitarbeiter:innen gewinnen, halten und zurückgewinnen" vorgestellt.
"Wir denken Lobbyarbeit neu und wollen nicht nur bei den Inhalten, sondern auch bei der Art und Weise, wie wir mit Politikern ins Gespräch kommen, innovative Wege gehen. Einen 100sten parlamentarischen Abend braucht es in Berlin nicht. Daher haben wir mit unserer Food-Truck-Aktion frische Inhalte und Kulinarik einfach miteinander verbunden", so UdW-Präsident Gerhard Bruder.
Unterstützung erhielt der Thinktank dabei von Dreisterne-Koch Jan Hartwig aus München, dem Team von Guerilla Chefs um Simon Kolar und seinem Food-Partner "Frischeparadies". Außerdem waren viele der über 40 Mitgliedsverbände und 100 Mitgliedsunternehmen sowie Vertreter der "GastroFamily-Kampagne" (Leaders Club, Coca Cola und Metro) mit vor Ort.
Die Pop-up-Aktion kam laut den Veranstaltern gut an: Mehr als 300 Parlamentarier, Abgeordneten- und Fraktionsmitarbeiter folgten der Einladung und diskutierten mit Vertretern des Thinktanks über das neue Policy-Paper, das von 60 Experten der Denkfabrik (aus den Beiräten Tourismus, Hospitality, Catering, Food-/No-Food, Gastronomie und Digitales) im Frühjahr 2022 ausgearbeitet wurde.
Was beinhaltet das Policy-Paper?
"Uns war wichtig, mittels Schwarmintelligenz das große Knowhow unserer Beiräte bei diesem zentralen Zukunftsthema zu bündeln und dabei nicht nur von der Politik zu fordern, sondern auch selbstkritisch eigene Handlungsfelder aufzuzeigen", betont Marcel Klinge, früherer Bundestagsabgeordneter und Vorstandschef der Denkfabrik.
Herausgekommen sind mehr als 70 Vorschläge inklusive fünf Top-Maßnahmen. So schlägt die Denkfabrik – neben einer fairen Bezahlung und besserer Work/Life-Balance – vor, die 4-Tage-Woche durch eine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit flächendeckend für alle Unternehmen rechtlich möglich zu machen, die sie benötigen. Außerdem will der Thinktank unattraktive Arbeitstage wie Samstage durch steuerfreie Zuschläge attraktiver machen. "Die Menschen, die am Wochenende arbeiten, sollen etwas mehr davon haben als bisher. Die Betriebe profitieren ebenfalls davon, weil sie keine Betriebszeiten einschränken oder Angebote reduzieren müssen", so Klinge.
>> Hier ist das Policy-Paper abrufbar
Die Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt soll nach dem Willen der Experten radikal vereinfacht werden und zudem weltweit durch großangelegte Marketingkampagnen für Deutschland als Arbeitgeberland neu positioniert werden. Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) mache heute schon sehr erfolgreich Urlauber-Werbung im Ausland. Mit mehr Budget könne die DZT dank ihres exzellenten Netzwerks doch auch gezielt Lust machen, dauerhaft in Deutschland zu arbeiten, so Klinge weiter.
Fortsetzung geplant
Nach der Premiere soll die Food-Truck-Aktion im kommenden Jahr sehr wahrscheinlich fortgesetzt werden. "Der Zuspruch war riesig, jetzt gilt es, für unsere vielen Ideen in weiteren Gesprächen politisch zu werben. Außerdem werden wir das Papier kontinuierlich weiterentwickeln, denn es gibt noch viel zu tun", sagt Marcel Klinge.