Dehoga Rheinland-Pfalz Sieben-Punkte-Plan zur Mitarbeitergewinnung

Bedienung serviert Essen für die Gäste im Restaurant
Das Papier sieht unter anderem Lohnerhöhungen für Auszubildende, Fach- und Hilfskräfte vor. © Denis Stankovic - stock.adobe.com

Um das Gastgewerbe als Arbeitgeber attraktiver für Arbeitnehmer zu machen, hat der Dehoga Rheinland-Pfalz einen Sieben-Punkte-Plan erarbeitet. Das Papier sieht unter anderem eine Lohnerhöhung vor.
In seinem Sieben-Punkte-Plan schreibt der Dehoga Rheinland-Pfalz, dass die Gastgeber gefordert sind, die Arbeitgeber-Attraktivität der Branche deutlich zu verbessern. Nur dann werde es gelingen, neue und an andere Branchen verloren gegangene Mitarbeiter zurückzugewinnen.

1. Bessere Löhne und Gehälter

Die Gremien des Dehoga Rheinland-Pfalz haben ihrer Arbeitgeberkommission ein weites Verhandlungsmandat erteilt, um noch in diesem Jahr mit der NGG sowohl einen neuen Entgelt- als auch einen neuen Manteltarifvertrag zu vereinbaren.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Gewinnung von Auszubildenden,
den zukünftigen Fachkräften. Hier sind folgende Vergütungen vorgesehen:
Erstes Lehrjahr:        1.000 Euro (+60 Prozent, aktuell 625/675 Euro)
Zweites Lehrjahr:      1.100 Euro (+42 Prozent, aktuell 775 Euro)
Drittes Lehrjahr:        1.200 Euro (+30 Prozent, aktuell 925 Euro)
Abiturienten mit verkürzter 2-jähriger Ausbildung starten mit dem Entgelt des 2. Lehrjahres
Die Entgelte für ausgebildete Fachkräfte sollen auf 15 Euro (aktuell elf Euro)
je Stunde und auf monatlich 2.535 Euro (+ 36,4 Prozent, aktuell 1.859 Euro) angehoben werden. Damit soll die Attraktivität einer Ausbildung im Gastgewerbe zusätzlich gesteigert werden.
Auch bei den Einstiegslöhnen für angelernte Hilfskräfte in der untersten Entgeltgruppe sind entsprechende Lohnsteigerungen vorgesehen. So soll das Entgelt in dieser Gruppe auf zwölf Euro je Stunde (aktuell 9,60 Euro) und damit auf 2.028 Euro (+25 Prozent, aktuell 1.622 Euro) angehoben werden. Die unterste Lohnstufe wird zukünftig jedoch immer mindestens fünf Prozent über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen. Die weiteren Entgeltgruppen werden der Höhe nach ebenso entsprechend angepasst.
Diese Gehaltserhöhungen in allen Entgeltgruppen führen laut Verband zu entsprechenden Kostensteigerungen der Personalbudgets von bis zu 30 Prozent und erfordern neben weiteren Maßnahmen auch eine Überprüfung der Zulagen des Manteltarifvertrages. Um Wettbewerbsverzerrungen bei den Lohnkosten in der Branche zu verhindern, soll die Allgemeinverbindlichkeit dieser Tarife angestrebt werden.

2. Vereinbarkeit von Beruf & Familie

Die Bedeutung von planbarer und ausreichender Freizeit wird gerade für die Beschäftigten im Gastgewerbe immer wichtiger, schreibt der Dehoga Rheinland-Pfalz. Vereinbarkeit von Beruf und Familie, von Arbeit und Freizeit sollen durch intelligente und verlässliche Dienstpläne abgebildet werden.
Dabei soll zukünftig eine 4-Tage-Woche ebenso möglich sein wie eine 6-Tage-Woche; erstere eher mit täglich zehn Stunden und letztere eher mit sechs Stunden täglich. Es brauche passgenaue Arbeitszeitmodelle, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der jeweiligen Mitarbeiter ausgerichtet sind. Dabei ist eine unterbrechungsfreie ganzjährige Beschäftigung anzustreben, um aus Saisonarbeitsplätzen sichere und wertige Dauerarbeitsplätze zu machen, sagt der Verband weiter.

3. Guter Gastgeber – guter Arbeitgeber

Die Atmosphäre im Team, die Wertschätzung der Mitarbeiter und der Umgang miteinander im täglichen Betriebsalltag als Unternehmenskultur sind dritter und ebenso wichtiger Meilenstein einer attraktiven Arbeitgeber-Marke, so der Dehoga. Daher seien hier neben den Gastgebern ganz besonders die Führungskräfte und Abteilungsleiter gefordert.

4. Gäste: Solidarität mit und Wertschätzung für das Gastgewerbe

Das Gastgewerbe hat in der Pandemie in großer Solidarität mit der Bevölkerung in Deutschland ein Sonderopfer erbracht, teilt der Dehoga Rheinland-Pfalz mit. Die Gäste hätten nun die Gelegenheit, einen Teil davon an die Branche zurückzugeben.
Die Lohnsteigerungen erfordern auskömmliche, faire Preise mit Steigerungen von neun bis 15 Prozent. Diese werden durch eine Wertschätzungskampagne des Dehoga begleitet.

5. Politik: Verlässlicher Rahmen für sichere Dauerarbeitsplätze notwendig

Der Dehoga Rheinland-Pfalz schreibt, dass die Politik das Vertrauen in die Dauerhaftigkeit und Sicherheit der Arbeitsplätze im Gastgewerbe durch den zweimaligen Lockdown mit insgesamt 9-monatiger Zwangs-schließung erschüttert hat. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen, sei Grundvoraussetzung, um Mitarbeiter für das Gastgewerbe zurückzugewinnen, die insbesondere während der zuletzt siebenmonatigen Zwangsschließung in andere Branchen wechselten.
Hier sei daher die Politik gefordert; sie müsse eine dauerhafte Öffnung des Gastgewerbes sicherstellen und damit die Voraussetzung schaffen, dass dieses Vertrauen wieder wachsen kann.

6. Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes

Außerdem könne die Politik das strukturelle Problem der Winterarbeitslosigkeit im Gastgewerbe durch eine Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes lösen. Wochenarbeitszeiten und Jahresarbeitszeitkonten seien geeignete Instrumentarien um saisonale Schwankungen abzufedern und Dauerarbeitsplätze zu schaffen. Überstunden in den Hochsaisonzeiten gewährleisten durch Freizeitausgleich in den schwachen Saisonzeiten ganzjährige Beschäftigung.

7. Fachkräfte aus dem Ausland

Abschließend hält der Verband fest, dass die Politik die Zuwanderung in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern und damit einen Beitrag leisten kann, dass die Zielgröße von 400.000 zusätzlichen Arbeitskräften aus dem Ausland erreicht wird. Dazu sollte die Politik als Einreisekriterium – auch für außereuropäische Herkunftsländer – einzig auf das Vorliegen eines rechtsverbindlichen Arbeits- oder Ausbildungsvertrages abstellen. Dabei sei die Zielgruppe deutlich über die des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes hinaus zu fassen.
Lesen Sie hier den kompletten Sieben-Punkte-Plan des Dehoga Rheinland-Pfalz nach.