Dehoga Hessen nennt Zahlen Ein Viertel aller Hotels könnte bis Jahresende Insolvenz anmelden

Hotels, Restaurants und Caterer leiden unter den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung. (Bild: Pixabay)

Schwere Einbußen und eine mögliche Insolvenzwelle im Herbst: Eine Umfrage des Dehoga Hessen belegt die prekäre Situation im Gastgewerbe. Städtische Hotels sind überproportional hart betroffen. Dem Verband zufolge gibt ein Viertel der Hotellerie in Hessen an, bis zum Jahresende Insolvenz anmelden zu müssen.

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Anlässlich der Sommerpressekonferenz hat der Dehoga Hessen aktuelle Zahlen zur wirtschaftlichen Lage im hessischen Gastgewerbe veröffentlicht und auf die prekäre Situation der Mehrheit der Betriebe aufmerksam gemacht. Geschäftsaufgaben würden vor allem für das letzte Quartal des Jahres in einem erheblichen Umfang von bis zu einem Fünftel der Betriebe erwartet. „Uns steht eine Insolvenzwelle im Herbst dieses Jahres bevor.“, sagte Hauptgeschäftsführer Julius Wagner und beschreibt, welche Bereiche der Branche besonders betroffen sind: „Clubs, Discotheken und die von Geschäftsreisenden und dem Tagungsgeschäft abhängige Stadthotellerie kämpfen mit den akutesten Existenzsorgen.“

Städtische Hotels überproportional hart betroffen

Während die speisegeprägte Gastronomie in Stadt und Land weit überwiegend davon ausgeht, die Krise radebrechend zu überstehen, gibt rund ein Viertel der Hotellerie in Hessen an, bis zum Jahresende Insolvenz anmelden zu müssen. Die städtischen Hotels sind überproportional hart betroffen. Doch auch bei Restaurants, Cafés oder Bistros ist eine wirtschaftliche Überlebensperspektive nur aufgrund der Möglichkeiten der Kurzarbeit, teilweisen Stundungen von Dauerverbindlichkeiten oder durch staatliche Förderprogramme und Kredite gegeben.

Bei über der Hälfte der hessischen Betriebe in Hotellerie und Gastronomie bricht der Umsatz in den aktuellen Sommermonaten um über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Bei einem weiteren Drittel der Betriebe liegt der Umsatzeinbruch zwischen 40 und 20 Prozent. Ein Viertel verzeichnet sogar Umsatzeinbußen von über 70 Prozent. Die Schätzungen für bis Ende August sind mit diesen validierten Umsatzzahlen nahezu identisch.

“Run” auf hessische Destinationen hat nicht stattgefunden

Damit steht laut Dehoga fest: „Urlaub im eigenen Bundesland und die Ferienzeit haben keinen Boom in Hessens Tourismuswirtschaft ausgelöst. Einerseits können verlorene Umsätze im Gastgewerbe nie nachgeholt werden und andererseits hat der erhoffte ‚run‘ auf viele hessische Destinationen bis jetzt einfach nicht stattgefunden.“, kommentiert Wagner die Rückmeldungen von knapp 1.000 Betrieben.

Insgesamt würden die neuesten Erkenntnisse den seit Monaten mahnenden Verband nicht überraschen, so dessen Präsident Gerald Kink, doch in konkreten Zahlen seien die Szenarien umso alarmierender: „Wir müssen mit bis zu 1.500 Betriebsaufgaben in den kommenden Monaten rechnen. Angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Gastgewerbes für unser Bundesland ist das ein herber Schlag für Wirtschaft und Beschäftigung. Das Gastgewerbe hat mit mehr als vier Prozent einen gewaltigen Anteil am Bruttoinlandsprodukt.”

„Das Schlimmste steht uns noch bevor“ …

75 Prozent der gastgewerblichen Unternehmen in Hessen gäben an, dass sie nur durch begleitende Maßnahmen, eine Chance sehen, die Krise zu überstehen. Begleitende Maßnahmen seien in diesen Zusammenhang das bereits erwähnte Kurzarbeitergeld, die Corona-Soforthilfen, die aktuell laufenden Überbrückungshilfen sowie die staatlichen Kredite. „Dabei muss uns allen klar sein, dass Kredite nur beschränkt eine Lösung darstellen und die Belastungen zeitlich verlagern. Der Druck auf der Branche bleibt immens.“, so Kink.

Zudem fielen viele Betriebe bei den Überbrückungshilfen durch das Raster. Der Verband sei der verantwortlichen Politik in Bund und Land dankbar für ihr schnelles Handeln. Doch nun dürfe nicht der Fehler begangen werden, zu glauben, die Krise sei überstanden. Gerald Kink: „Das Schlimmste steht uns noch bevor!“

Immobilienwirtschaft und Banken in der Verantwortung

„Eine Verteilung der Lasten auf alle und insbesondere die breiten Schultern in Wirtschaft und Gesellschaft ist notwendig. Andernfalls brechen lange gewachsene Strukturen zusammen.“, ergänzt Gerald Kink. Niedergang und späterer Wiederaufbau würden Staat und Gesellschaft noch weitaus tiefgreifender belasten. In diesem Zusammenhang rief der Dehoga Hessen- Präsident sowohl die Immobilien- als auch die Bankenwirtschaft dazu auf, sich stärker am Krisenmanagement an der Seite gerade der kleinen Unternehmen zu beteiligen.

„Die Rückmeldungen der Betriebe bei der Frage nach Krediten ihrer Hausbanken oder auch bei Aussetzungen von Mieten sind nicht durchweg befriedigend.“ Fast 40 Prozent der Unternehmen des Gastgewerbes würden durch ihre Banken nicht unterstützt. Die Gründe dafür könnten vielfältig sein und zuweilen mit der Krise nicht unmittelbar im Zusammenhang stehen. Kink: „Aber in all den Fällen, in denen die Hausbanken schlicht die Gesamtlage den Unternehmen anlasten, und dabei handelt es sich um unzählige gut aufgestellte und traditionsreiche hessische Betriebe, erwarten wir ein deutlich spürbareres Bekenntnis zum gastgewerblichen Mittelstand!“

38 Prozent der Pachtbetriebe der Branche konnten mit Ihren Vermietern Lösungen in Form von Mieterlassen oder Stundungen insbesondere in der Lockdown-Phase finden. Rund die  Hälfte der befragten Unternehmen bewirtschafte den Betrieb im Eigentum. Bei gut 12 Prozent hingegen seien die Fronten verhärtet. „Wir danken allen umsichtigen Vermietern für das zukunftsgerichtete Zusammenwirken mit den Unternehmen und appellieren zugleich an alle übrigen, die Lasten der Krise mitzutragen.“, sagte Kink.  Alternative Pächter oder Nachfolger werde es auf lange Sicht nicht geben.

 

 

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