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Start Coronakrise Debatte um Osterurlaub frustriert Gastgewerbe: Branche fordert klare Öffnungsperspektive

Debatte um Osterurlaub frustriert GastgewerbeBranche fordert klare Öffnungsperspektive

Im Zuge der Diskussionen um den möglichen Ausfall des Osterurlaubs (wir berichteten) zeigt sich die Branche empört. Laut einer aktuellen Umfrage des Dehoga Bundesverbandes fordern mehr als 80 Prozent der Betriebe eine Öffnung noch vor Ostern.

In der aktuellen Situation sorgen Vorstöße wie die des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer zum Osterurlaub für massive Empörung in der Branche, so Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Kretschmer wurde in der “Bild am Sonntag” wie folgt zitiert: “Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben” (mehr dazu lesen Sie hier).

“Pauschale Absage ist völlig inakzeptabel”

Dazu äußert sich die Branche massiv empört. Zöllick: „Die pauschale Absage des Osterurlaubs ist völlig inakzeptabel und ein erneuter Schlag ins Gesicht der Branche.“ Und weiter: „Die Politik hat die Aufgabe, das Infektionsgeschehen laufend zu analysieren und zu beurteilen, was gesundheitspolitisch geboten ist. Die Infektionszahlen sinken seit Wochen und so haben Gastronomie und Hotellerie die nachvollziehbare Erwartung, eine Öffnungsperspektive zu erhalten.“ 83,6 Prozent der Betriebe fordern laut Dehoga-Umfrage eine Öffnung vor Ostern. 40,5 Prozent der Betriebe sprechen sich für eine Öffnung zeitgleich mit dem Handel, möglicherweise am 7. März, aus. 43,1 Prozent plädieren für eine Öffnung rechtzeitig vor Ostern, zum Beispiel am 25. März.

78 Prozent Umsatzverlust im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahr

Die Verlängerung des Lockdowns ohne Öffnungsperspektive treffe das notleidende Gastgewerbe sowieso bereits besonders hart. Laut einer aktuellen Umfrage des Dehoga betrug der Umsatzverlust im Januar 2021 im Vergleich zum Vorjahr 78 Prozent. „Ende Februar sind wir schon wieder vier Monate geschlossen“, erklärt Zöllick. „Die Verzweiflung und die existenziellen Sorgen in der Branche sind immens groß.“

Sofortige Auszahlung der versprochenen Finanzhilfen gefordert

Die sofortige Auszahlung der versprochenen Hilfen an alle Unternehmen sei jetzt überlebenswichtig, sagt Zöllick und kritisiert die angesichts der dramatischen Lage zu langsame Abwicklung. Erst 63,5 Prozent der Betriebe haben laut der Dehoga-Umfrage die kompletten Novemberhilfen erhalten. Bei den Dezemberhilfen sind es sogar nur 23,3 Prozent. Größere Unternehmen könnten noch nicht einmal einen Antrag stellen, berichtet Zöllick. „Die Antragstellung und die schnelle Auszahlung der noch ausstehenden versprochenen Wirtschaftshilfen müssen jetzt absolute Priorität haben.“ So verwundere es nicht, dass immer noch 63,9 Prozent der Betriebe um ihre Existenz bangen und sogar jedes vierte Unternehmen (24,8 Prozent) konkret eine Betriebsaufgabe in Erwägung ziehe.

Konkreter Fahrplan ab spätestens 3. März nötig

Am 3. März findet die nächste Sitzung der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin statt. Spätestens dann müsse es einen konkreten Fahrplan geben, wann, wie und unter welchen Voraussetzungen, die Betriebe wieder Gäste empfangen dürften. Zöllick: „Wir leben in einem Rechtsstaat und ich erwarte, dass die Politik alles dafür tut, dass die Betriebe keinen Tag länger geschlossen bleiben als dies gesundheitspolitisch notwendig ist.“ Dafür sind die politisch Verantwortlichen aufgerufen, das Impftempo zu beschleunigen und flächendeckend kostenfreie Schnelltests zur Verfügung zu stellen. „Es geht um die wirtschaftliche Existenz der Unternehmer und die Rettung Hunderttausender Arbeitsplätze. Aber es geht auch um den Erhalt der öffentlichen Wohnzimmer, der Kommunikations- und Begegnungsstätten der Republik.“ Zöllick verweist zudem auf die große Bedeutung der Branche für die Partner und Lieferanten. „Brauereien, Getränkehersteller, Foodlieferanten, Fachgroßhandel und die Wäschereien haben ebenso dramatische Einbußen zu verzeichnen.“

An der Umfrage des Dehoga Bundesverbandes zur wirtschaftlichen Lage im Gastgewerbe beteiligten sich in der Zeit vom 12. bis 14. Februar 6.015 Betriebe.

Dehoga NRW: Diskussionen sind “schallende Ohrfeige”

Die Diskussionen über den Ausfall des Osterurlaubs in Deutschland sind auch beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Nordrhein-Westfalen auf Kritik gestoßen. “Das Philosophieren über ausfallende Osterferien oder erst im Sommer geöffnete Biergärten sind das Gegenteil von einem Gesamtplan. Viele in der Branche empfinden das als schallende Ohrfeige”, sagte ein Dehoga-Sprecher der “WAZ” (Montag)

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern schlägt Phasenmodell vor

Der Landestourismusverband Mecklenburg-Vorpommern hält eine Öffnung von Teilen der Branche über Ostern für möglich. Geschäftsführer Tobias Woitendorf verwies am Montag auf das Phasenmodell für einen sicheren Neustart der Wirtschaft im Nordosten, nach der bei einer niedrigen Sieben-Tage-Inzidenz ein Übernachtungstourismus möglich ist. Dies sei jedoch zunächst nur für Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern möglich, für Touristen aus anderen Bundesländern werde es bis zum Beginn der Osterferien Ende März/Anfang April voraussichtlich nicht reichen.

Dehoga Berlin: “Viele sind kurz vor der Pleite”

“Klar hatte man die Hoffnung auf April. Das fällt jetzt weg”, sagte Thomas Lengfelder, der Hauptgeschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands, am Montag. Üblicherweise beginne nach mehreren Messen von Januar bis März für die Hoteliers in der Osterzeit das Geschäft mit Urlaubern. Die Betriebe seien auf die Einnahmen dringend angewiesen, weil sie großteils noch immer auf zugesagte staatliche Hilfen warteten.

Lengfelder verwies auf die sinkende Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Bundesweit waren es laut Robert-Koch-Institut am Montag binnen sieben Tagen rund 59 je 100.000 Einwohner. “Jeder hat gehofft: Wenn die 50 erreicht wird, wird gelockert”, sagte Lengfelder. Angesichts von Mutationen des Virus haben sich Bund und Länder in der vergangenen Woche jedoch verständigt, einen “stabilen” Wert von 35 als Richtschnur für Lockerungen zu nehmen.

Lengfelder forderte Öffnungsschritte mit klar festgelegten Bedingungen. “Es geht von einer Hängepartie in die andere, es gibt einen riesengroßen Frust“, beschrieb er die Lage. “Viele sind kurz vor der Pleite.” Von den staatlichen Hilfsgeldern seien meist erst Abschläge geflossen, Pacht und Gehälter liefen jedoch weiter. Bankkredite seien schwer zu bekommen, weil nicht klar sei, wann die Betriebe wieder Einnahmen haben.

Etwa jedes dritte Hotel in Berlin hat nach Dehoga-Angaben vorübergehend geschlossen. Die übrigen beherbergen noch wenige Geschäftsreisende. Von den knapp 100.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Branche seien knapp 15.000 gekündigt worden. 50.000 seien in Kurzarbeit.

Schleswig-Holstein: Tourismus-Chefin Bunge hofft auf Ostergeschäft im Norden

Schleswig-Holsteins Tourismus-Agentur hofft auf einen Neustart des Tourismus zu Ostern. “Eine Entscheidung gegen eine Öffnung zu Ostern ist meines Erachtens zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht“, sagte Geschäftsführerin Bettina Bunge am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Sie hoffe für die Branche “auf das lang geplante Ostergeschäft”. Bunge sagte, die Tourismus-Betriebe seien sehr gut vorbereitet mit den notwendigen Hygiene- und Schutznahmen sowie Kontaktnachverfolgungsmöglichkeiten. “Mit der nötigen Vorbereitungszeit können die Betriebe zu Ostern öffnen, wenn die Inzidenzzahlen weiter sinken, so dass sicheres Reisen möglich ist.” Die Menschen wollten wieder reisen, aber “möglichst erstmal in der Nähe zum Heimatort bleiben, und mit dem Gefühl der Sicherheit, Planbarkeit und kurzfristigen Änderungsmöglichkeit”.

IHK Dresden: “Bereits jetzt Stornierungen bis in den Frühsommer hinein”

Auch der Fachausschuss der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) zeigte sich verärgert. “Derartig pauschale Äußerungen, ohne die Entwicklung der nächsten Wochen vorhersagen zu können, und unabhängig einer konkreten Öffnungsstrategie, stoßen auf absolutes Unverständnis bei uns Unternehmern. Wir befinden uns seit mehr als 100 Tagen unverschuldet im zweiten Lockdown und kämpfen jeden weiteren geschlossenen Tag ums Überleben”, betonte Marc Arendt, Chef des IHK- Fachausschusses. Die Branche sei bereits seit der Konferenz der Ministerpräsidenten in der vergangenen Woche stark verunsichert.

“Die jetzt erfolgte Aussage des Ministerpräsidenten hat inzwischen schon zu Stornierungen bis in den Frühsommer hinein geführt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass unsere Regierung bis zum heutigen Tag keinen Stufenplan zum Neustart mit der Orientierung an belastbaren Kennzahlen vorlegen konnte”, kritisierte Arendt. (Mit Material der dpa)

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