Eine neue Studie zeigt, wie verbreitet die Kombination aus Dienstreise und Privataufenthalt in Deutschland bereits ist – und wo das größte Wachstumspotenzial liegt.
Zwei Drittel der deutschen Geschäftsreisenden haben bereits berufliche Reisen mit privaten Aufenthalten kombiniert. Das geht aus einer Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) hervor, die in Kooperation mit dem GCB German Convention Bureau und dem Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) entstanden ist. Für die zweistufige Untersuchung befragte das Consumer-Intelligence-Unternehmen NIQ insgesamt 3.000 Geschäftsreisende.
Die Ergebnisse liefern ein umfassendes Bild darüber, wie deutsche Berufstätige ihre Dienstreisen gestalten, welche Motive sie antreiben und welches wirtschaftliche Potenzial für die Tourismusbranche und einzelne Destinationen daraus erwächst.
Wer häufig reist, kombiniert öfter
Laut der Studie waren 56 Prozent der Befragten im Jahr 2025 ein- bis zweimal geschäftlich unterwegs, rund ein Drittel absolvierte drei bis fünf Dienstreisen, weitere elf Prozent reisten noch häufiger. Dabei gilt ein klarer Zusammenhang: Je öfter jemand beruflich unterwegs ist, desto häufiger wird die Reise privat verlängert. „Die Affinität sinkt erst bei sehr mobilen Geschäftsreisenden wieder“, erläutert Alfred Bauer, Leiter des BZT.
Gut die Hälfte aller Befragten mit Bleisure-Erfahrung kombinierte im Jahr 2025 eine Geschäftsreise mit einem privaten Aufenthalt, weitere 25 Prozent taten dies bei zwei Reisen. Im Durchschnitt kam jede Person auf 1,8 Bleisure-Reisen pro Jahr. In 78 Prozent der Fälle hängen die Reisenden den privaten Teil an den beruflichen Termin an, statt ihn vorzuziehen. Das Durchschnittsalter der Reisenden liegt bei 36,7 Jahren, und eine deutliche Mehrheit von 65 Prozent reist allein.
Rund 24 Prozent der Befragten ohne Bleisure-Erfahrung geben an, Berufliches und Privates gezielt trennen zu wollen. BZT-Leiter Bauer ist der Überzeugung, dass daher noch deutlich mehr Berufstätige ihre Dienstreisen privat verlängern könnten, wenn sie diese Haltung überdenken würden.
Deutschland ist das beliebteste Bleisure-Ziel
Bei der Wahl des Reiseziels dominiert das Inland: 38 Prozent der Befragten verbringen ihren privaten Aufenthalt in Deutschland. Unter den internationalen Destinationen liegen Spanien mit acht Prozent, Italien mit sieben Prozent und Frankreich mit sechs Prozent vorn. Im Städte-Ranking stehen Berlin, Hamburg und München an der Spitze, gefolgt von den europäischen Metropolen London, Paris, Wien und Rom.
Die durchschnittliche Dauer der privaten Verlängerung beträgt 3,1 Nächte zusätzlich zum geschäftlichen Aufenthalt. Pro Bleisure-Reise fallen durchschnittliche Gesamtausgaben von rund 1.642 Euro an, wovon etwa 616 Euro auf den privaten Teil entfallen.
Motive ähneln denen klassischer Urlaubsreisender
Die wichtigsten Gründe für eine private Verlängerung sind der Studie zufolge Erholung und Entspannung (30 Prozent), Abwechslung vom Alltag (26 Prozent) sowie der Wunsch, neue Orte kennenzulernen (26 Prozent). Daneben spielen Besuche bei Familie und Freunden sowie das Bestreben, Reisezeit oder -kosten effizienter zu nutzen, eine Rolle. „Bleisure-Reisende unterscheiden sich damit in ihrer Freizeitgestaltung kaum von klassischen Touristinnen und Touristen“, ordnet Alfred Bauer die Ergebnisse ein.
Der Trend dürfte sich laut der Studie fortsetzen: 76 Prozent der Geschäftsreisenden mit Bleisure-Erfahrung planen auch für 2026 mindestens eine solche Reise. Darüber hinaus erwägt etwa ein Drittel derjenigen, die bisher keine solche Reise unternommen haben, erstmals eine Geschäftsreise privat zu verlängern. red/sar
Erhebungsmethode
Die Studie „Bleisure-Reisen deutscher Geschäftsreisender“ wurde vom Consumer Intelligence-Unternehmen NIQ im Auftrag des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) sowie der „blend_it!“-Initiative des GCB German Convention Bureau e.V. und des Verbands Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) durchgeführt.
Die Erhebung entstand in zwei Schritten. Nach einer bevölkerungsrepräsentativen Vorbefragung im November und Dezember 2025 unter 4.029 Personen der deutschsprachigen Bevölkerung erfolgte die Hauptbefragung im März und April 2026 auf Basis der vorher ermittelten Quotenvorgaben. In dieser Online-Befragung wurden 3.000 Personen befragt, die repräsentativ für deutsche Geschäftsreisende im Alter von 18 bis 74 Jahren mit mindestens einer Übernachtungsgeschäftsreise im Jahr 2025 sind.