Das Lebendige Haus in LeipzigGelebter Mix & Match

Das Motel One nimmt immer wieder Bezug auf die Vergangenheit des Gebäudes als Postamt. (Bild: Motel One)

Der neue Hotspot in Leipzig gilt als Best-Practice-Beispiel für das zunehmend beliebte Mixed-Use-Konzept. Im alten Hauptpostamt gelegen, vereinen sich in der Location Designapartments mit dem Motel One, betreutes Wohnen mit Coworking, und Supermarkt mit Fitness.

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Bestandsgebäude haben eine Geschichte, Neubauten müssen erst eine erleben. Gründer machen sich das gern zunutze, indem sie neue Konzepte in alten Gebäuden ansiedeln und dadurch unmittelbar Lebendigkeit gewinnen. Vitalität war auch das Ziel des Lebendigen Hauses in Leipzig: Das alte, zentral am Augustusplatz gelegene Hauptpostamt ist die spannende Hülle für eine moderne Interpretation gelebter Urbanität. An einem Ort wird gleichzeitig gewohnt, gearbeitet, eingekauft und Urlaub gemacht. Dieses Konzept wurde in Dresden gerade erfolgreich umgesetzt, in Leipzig wird es nun auf einer Fläche von 70.000 Quadratmetern realisiert. Mit fünf Gebäudeteilen und einem Mieter- und Branchenmix, wo Gewerbe- und Büroeinheiten dominieren, und mit Designapartments – den Felix-Suiten, die das Unternehmen Denkmalneu selbst betreibt. „Für uns bedeutete das, dass wir den Standort und die Leipziger noch mehr in den Fokus rücken“, betont Wilhelm Andreas Büscher, PMO/COO der Denkmalneu-Gruppe, und verweist auf das schnelle Wachstum der Stadt, das dem Tourismus und vielen niedergelassenen Unternehmen zu verdanken ist. „Wir wollen keine Zielgruppe ausschließen und das Haus mit seinen Angeboten ideal ins Umfeld integrieren. Das ist heute bei erfolgreichen Mixed-Use-Projekten entscheidend.“

Fünf Gebäudeteile, ein Konzept

Seit November 2018 sind im Bauteil 1 mit der denkmalgeschützten Fassade samt Post-Schriftzug und Uhr 109 Serviced Apartments als Felix-Suiten, das „Felix“-Restaurant und der Eventbereich untergebracht, sowie Coworking-Flächen von Design Offices, das Möbelgeschäft Who’s Perfect und ein Tesla-Store. Die Felix-Suiten sind bereits vom DTV mit „Fünfsterne F“ klassifiziert. Im rechten Winkel zum Haus 1 befindet sich der zweite Gebäudeteil. Dort untergebracht ist ein Motel One mit 300 Zimmern und ein Edeka mit 1.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Bald folgt noch eine Gastronomie von Design Offices. Der dritte Gebäudeteil, parallel zum ersten im Innenhof gelegen, beherbergt das Fitnessstudio John Reed sowie weitere Büros von Design Offices, die insgesamt 6.000 Quadratmeter angemietet haben. Im Haus 4 zieht noch im Laufe dieses Jahres auf 2.200 Quadratmetern Ambulantis mit 40 Senioren-Pflegewohnungen und 48 Tagespflege-Plätzen ein. Außerdem entstehen dort mehr als 200 Felix-Suiten. Im Haus 5 schließlich werden vor allem die Unternehmen Pricewaterhouse Coopers (PwC) und Fedex Mieter sein. Die ersten drei der fünf Bauteile sind nahezu fertiggestellt und die Parkgarage mit 366 Stellplätzen befahrbar. Bis Sommer 2019 sollen die Bauarbeiten an den verbleibenden Bauteilen 4 und 5 beendet sein.

Serviced Apartments als Herzstück

Herzstück und erste Anlaufstelle des Lebendigen Hauses ist das Felix im ersten Gebäudeteil. In der sechsten Etage ist der zentrale Check-in für die Gäste der Serviced Apartments. Von dort aus geht es zum Bistrokonzept „Kantine“ und eine Etage höher zum gehobenen Restaurant samt Sky-Bar. Ebenfalls im siebten Stock befindet sich der 400 Quadratmeter große Event- und Tagungsbereich mit einer vom Wiener Künstler Sha gestalteten Lichtinstallation. Als Glaskubus ist ein neues Obergeschoss auf dem Dach entstanden, das den Blick auf Leipzig freigibt.

109 Felix-Suiten können aktuell von Kurz- und Langzeitgästen zwischen der dritten und sechsten Etage gebucht werden, nach Fertigstellung aller Gebäudeteile werden es 322 sein. Serviced Apartments gehören derzeit zu den gefragtesten Immobiliensegmenten und werden vor allem bei Mixed-Use-Projekten vermehrt mitgeplant. Als Betreiber der Felix-Suiten hat die Denkmalneu-Gruppe das gesamte Lebendige Haus darum gestrickt. Das Spektrum der Apartments in Leipzig beginnt bei der Suite S mit 27 bis 32 Quadratmetern für zwei Gäste, kompaktem Bad- und Küchenbereich und Fensterbank. Hinzu kommen die Suite M mit zirka 43 Quadratmetern und die Suite L mit flexiblen Grundrissen zwischen 27 und 38 Quadratmetern und Balkon. Die Suite XL wartet schließlich mit bis zu 64 Quadratmetern und einem separaten Wohn- und Schlafbereich sowie einem zweitem Schlafzimmer mit Designerhochbett für vier bis sechs Gäste auf. Die Suiten sind mit Echtholzparkett, Möbelunikaten, Küche und viel rohem Stahl und Holz ausgestattet. Für eine persönliche Note sorgen Claims wie „Das will ich auch zuhause haben“, die kunststudierende, Mitarbeiter und der Creative Director der Gruppe, Franz Hoegl, selbst an die Wände geschrieben haben. An der Rezeption steht ein Concierge für alle Fragen rund um das Lebendige Haus und die Stadt bereit.

Gebäude-Geschichte als Stilelement

Das Motel One im Lebendigen Haus ist das dritte Leipziger Objekt der Hotelkette. Im Dezember 2018 hat es eröffnet und ist in Laufweite zu den beiden anderen Häusern der Gruppe gelegen. „Hier ist eine moderne Mischung aus Wohnen, Hotel, Gewerbe und Gastronomie entstanden“, sagt Stefan Lenze, Geschäftsführer und Head of Development von Motel One. „Wir freuen uns, Teil dieser Entwicklung zu sein, von der unsere Gäste auch durch ein großes Angebot an Restaurants, Tagungsräumen oder einem Fitnesscenter profitieren. Ein gut umgesetztes Mixed-Use-Konzept kann eine gute Ergänzung für unser Motel-One-Produkt sein.“

Die Hotelkette ließ sich der Location entsprechend auch vom Thema Post und Kommunikation inspirieren: Der Leipziger Künstler Paule Hammer fertigte im Eingangsbereich das 28 Quadratmeter große Gemälde „Geträumte Weltkarte“. Die Rezeption besteht aus stilisierten Briefumschlägen, dekoriert mit einem Poststempel. Postgelbe Sessel und Sofas in Paketoptik treffen auf Leuchten im Posthorn-Stil. Im achten Stock befindet sich die Bar „Cloud One“ mit Dachterrasse und einer Wand mit beleuchteten Binärcodes. An der Bar können sich die Gäste mit dem Bartender ihre Drinks selbst mixen. In den 300 Zimmern zieren die Wände „Briefmarken“-Gemälde mit Leipziger Motiven, die von Franziska Junge, Absolventin der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, gestaltet wurden.

„Die Mischung der wenigen, aber großen Anker-Mieter ist perfekt“, so Wilhelm Andreas Büscher. Sie alle werden zweimal im Jahr zum Mieter-Kick-off eingeladen, das Team des Lebendigen Hauses ist jeden Tag für die Mieterfragen präsent. Die Bewohner wiederum nutzen die Afterwork-Abende, die Felix-Suiten bieten ihren Gästen zudem attraktive Coworking-Angebote von Design Offices, und Motel One empfiehlt seinen Gästen die Fitnessmöglichkeiten im Areal. Longstay-Gäste können alles im Haus nutzen, eine App vernetzt die Konzepte miteinander. Sie wird ergänzt um neue, direkte Buchungsmöglichkeiten im Haus.

Weitere Standorte für das Konzept Lebendiges Haus sind in Bremen, Erlangen und Wien bereits in der Umsetzung. In Leipzig genießen derweil auch viele Ältere das neue Angebot an ihrem Erinnerungsort – sei es am Sonntag beim Mittagessen mit der Familie oder beim Einkaufen im Supermarkt. Die Post ist wieder auch ihr Quartier – und das ohne eingeschränkte Kommunikation.

Sylvie Konzack

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