Seit 1992 fühlt Top hotel den Vorzeigebetrieben der gastlichen Branche auf den Zahn. Standen bislang ausschließlich Hotels der Luxuskategorie im Fokus der Tester, hat Top hotel nun seine Mystery Checks auf das Business- bzw. Wellnesssegment ausgedehnt. Diesmal im Test: das East Hamburg.
Lage / Anfahrt / Parken
Wer vom Bahnhof aus mit der S-Bahn die zehn Minuten zum Hotel East fährt, erlebt gleich bei der Anreise Hamburg-Kult live: Er steigt nämlich an der Haltestelle »Reeperbahn« aus und läuft dann ein Stück die »Große Freiheit« hinauf. Mit dem Taxi dauert es genauso lang, ist aber längst nicht so lustig. Vom Flughafen aus braucht es – Stoßzeiten ausgenommen – etwa 20 Minuten und auch zur A 7 benötigt man nur zehn Minuten. Vom und zum Hafen kommt man locker zu Fuß – vielleicht gibt’s ja noch Gäste, die mit dem Ozeandampfer anreisen. Ihre Schrankkoffer sollten diese dann aber besser transportieren lassen. Parkplätze gibt es in der hoteleigenen Tiefgarage für 14 Euro à 24 Stunden und in den umliegenden Parkhäusern – das Parken in Letzteren kann vor allem abends und am Wochenende erforderlich werden, wenn Hamburgs Szenepublikum das East bevölkert. Ach ja – das Hotel liegt zwar in der Nähe der bekannten Amüsiermeile, aber weit genug entfernt, um davon nicht negativ beeinträchtigt zu werden.
Wertung: sehr gut
Internetauftritt / Onlinebuchung
Wie das Hotel selbst, so ist auch die Homepage von A bis Z durchgestylt. Grafisch klar gegliedert, bauen sich die Seiten trotz der vielen guten Fotos schnell und übersichtlich auf. Wie in einem schönen Bilderbuch kann man darin herumblättern, was beinahe zwangsläufig Lust auf das Hotel macht. Die eintönige, aus nur einer sich wiederholenden Songzeile bestehende Loungemusik im Hintergrund kann man dabei ja ausschalten. Wer eine Tagung plant, findet neben ansprechenden Fotos eine Menge Informationen im Pdf-Format zum Herunterladen und auch eine Anfrage lässt sich online starten. Ansprechpartner werden allerdings nicht genannt. Die Onlinebuchung funktioniert unkompliziert, verlangt aber in jedem Fall, selbst wenn man über HRS bucht, eine Kreditkarte. Die Reservierungsbestätigung wird unmittelbar angezeigt.
Wertung: sehr gut
Sa. 29/05, 15:50 – Telefonische Buchung
»Hallo!«, grüßt eine fröhlich-informelle Telefonistin und verbindet mich mit der Reservierung, was offenbar einiges Hin- und Herschalten erforderlich macht und definitiv zu lange dauert. Frau K. schließlich bietet mir zum gewünschten Zeitpunkt ein Zimmer der Kategorie »Medium« an, zu dem sie lediglich die Größe von circa 30 Quadratmetern und den Preis von 175 Euro ohne Frühstück angibt – bei HRS gibt es dieselben Optionen für 162,25 Euro. Erst auf Nachfrage bestätigt mir Frau K., dass es sich bei dieser Kategorie um die günstigste verfügbare handelt und es durchaus noch teurere Zimmer gibt. Im Sinne des Gastes wäre hier, gleich zwei Alternativen anzubieten, im Sinne des Hotels, wenn der Mitarbeiter diese »von oben nach unten« verkaufen würde. Darüber hinaus fragt Frau K. zwar nach, ob ich schon einmal Gast im East gewesen sei, nimmt meine Verneinung jedoch nicht zum Anlass, um mir das Hotel kurz vorzustellen bzw. mir dies anzubieten. Was ich wissen will, muss ich infolgedessen selbst erfragen. Immerhin empfiehlt mir die freundliche Dame, die angefragte Massage frühzeitig zu buchen. Schade auch, dass sie mein offenkundiges Interesse am Haus nicht dazu nutzt, mir Zusatzleistungen wie eine Tischreservierung im Restaurant anzubieten. Als ich bei der Aufnahme meiner Daten die Kreditkartennummer nicht parat habe, bietet mir Frau K. netterweise an, diese bei der Rückbestätigung der E-Mail anzugeben. Insgesamt agiert die Mitarbeiterin zuvorkommend; zum Schluss bedankt sie sich für die Reservierung und wünscht mir eine gute Anreise.
Die Bestätigung trifft unmittelbar nach dem Telefonat ein und gibt alle Daten der Reservierung korrekt wieder. Sie bietet mir nun auch die Möglichkeit, in Form eines Ankreuzverfahrens eine Restaurantreservierung vorzunehmen.
Wertung: gut
Mo. 31/05, 12:40 – Anreise
Zum Zeitpunkt meines Besuches ist die Straße rund um das Hotel aufgerissen und präsentiert sich als Baustelle. Zum Halten kann man lediglich den Taxistandplatz vor dem Eingang nutzen. Diesem täte es mehr als gut, Bekanntschaft mit einem Besen zu machen. Die Backsteinfassade des historischen Gebäudeteils wirkt imposant und gepflegt; der Hoteleingang selbst ist allerdings relativ unspektakulär, sodass ich fast daran vorbeifahre. Eine Automatiktür würde das Eintreten deutlich erleichtern – vor allem, wenn der Gast mehr als nur ein Gepäckstück bei sich trägt, was auch bei Businessreisenden nicht ungewöhnlich ist. Apropos Gepäck – dieses muss ich zur Rezeption tragen, da ein Gepäckwagen erst im hinteren Teil der Lobby vor den Aufzügen steht.
Wertung: befriedigend
Check-in
Die Rezeption muss man erst einmal finden: Sie liegt ganz am Ende des Eingangsbereiches, in dem Lobby, Lounge und Bar ineinander übergehen. Gedämpftes Licht, eine braun-beige Einrichtung sowie Farbakzente in Grün und Pink verströmen heimeliges Höhlenambiente. Auch an der Rezeption ist es ziemlich duster – und darüber hinaus niemand da. Ich tröste mich mit Fruchtgummis und Speckmäusen aus einem großen Glas. Nach zwei Minuten kommt aus dem etwas unglücklich platzierten, weil hinter einer Trennwand gelegenen Büro eine Mitarbeiterin. Ihr apartes Outfit samt passender Kette ist veilchenfarben – keine Privatkleidung, wie man meinen möchte, sondern ausgefallene Empfangsuniform. Das Namensschild der jungen Frau ist kaum zu entziffern, aber Frau S. lächelt einnehmend und entschuldigt sich dafür, dass sie mich warten ließ. Mein Zimmer ist wie gewünscht bezugsfertig und ich werde ordnungsgemäß eingecheckt. Zu beanstanden ist lediglich: Aufenthaltsdauer, gebuchter Zimmertyp sowie Raucherpräferenz werden nicht noch einmal abgeglichen und die Informationen zum Hotel könnten etwas üppiger ausfallen. Ich erfahre weder etwas zu Art und Öffnungszeiten der Restaurants und Bars, noch erhalte ich Informationen zum »East Sporting Club«. Als ich meinen Koffer die Stufen Richtung Gästetrakt hochwuchte, schaut die Mitarbeiterin besorgt um die Ecke und erkundigt sich, ob ich es allein schaffe. Sinnvoller wäre an dieser Stelle der Hinweis gewesen, dass es auch einen Aufzug gibt.
Wertung: gut
Zimmer 112
Hinter der Tür 112 gibt es wenig zu sehen, aber viel zu gucken. Soll heißen: Das etwa 32 Quadratmeter große Zimmer ist zwar sparsam, aber ziemlich spektakulär möbliert. Echte Hingucker sind das frei stehende Bett und der ebenfalls frei stehende, einem Bartresen ähnelnde Waschtisch, hinter dem der begehbare Schrank und die Toilettenkabine eine überdimensionale Badewanne einrahmen. Als Arbeits- fläche – Schreibtisch mag ich dazu wirklich nicht sagen – fungiert das Betthaupt. Allerdings muss ich dieses erst einmal von Prospekten, der Briefmappe und Gläsern frei räumen, ehe ich dort Platz für eigene Unterlagen und/oder einen Laptop habe. Sitzt man einmal dort, überschaut man das Bett vor sich wie ein Frachterkapitän die Ladefläche seines Schiffes. Das Drehgelenk der Schreibtischlampe ist ausgeleiert und lässt sich deshalb nicht arretieren; das Stromkabel hängt mir genau zwischen den Beinen, da sich die Steckdosenleiste mittig an der Rückseite des Betthauptes befindet. Als ebenso schwer wie unbequem erweist sich der Designerstuhl – lehne ich mich zurück, schaue ich aufgrund der Lehnenneigung an die Zimmerdecke. Und auch wenn ich drei Kissen darauf stapele, sitze ich immer noch zu niedrig, um bequem schreiben zu können. Also nichts mit »form follows function«. Gleiches gilt für die einzige weitere Sitzgelegenheit: einen purpurfarbenen Sitzsack, der für zwei – es sei denn, sie wollen miteinander kuscheln – so gar nicht taugt. Wer hier übernachtet, sollte folglich nicht allzu viel im Zimmer arbeiten und sich am besten auch nicht länger darin aufhalten müssen. Aber originell ist die Einrichtung, das muss man ihr lassen. Schade, dass im Vergleich dazu die Beleuchtung so armselig ausfällt – vor allem, weil durch die große Terrasse im Stockwerk über mir kaum Tageslicht ins Zimmer dringt. Das vordere Drittel des Zimmers, in dem sich Sitzsack, Flatscreen und ein Minitischchen verlieren, ist überhaupt nicht beleuchtet. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass sich die beiden Lampen-Schaltkreise mittels einer Fernbedienung anschalten und dimmen lassen. Als komfortabel dürfen hingegen gelten: der geräumige Kleiderschrank, der auch einen Laptop-Safe beinhaltet, das separate WC und die Riesen-Badewanne. WLAN ist kostenlos und funktioniert, indem ich einen Code eingebe, den ich an der Rezeption erhalte. Das »Gäste A-Z« fällt etwas dürftig aus und enthält beispielsweise zum Thema Internetzugang überhaupt keine Informationen. Mit einer Klimaanlage ist das Zimmer nicht ausgestattet; das Heizungsthermostat funktioniert jedoch schnell und gut.
Die Roomservice-Karte ist breit sortiert und offeriert auch Kleinigkeiten mit Kultstatus wie East-Rinderfrikadellen, die East-Currywurst und Chili-Hotdogs deluxe. Zu den normalen Restaurantpreisen kommt lediglich eine Servicepauschale von drei Euro pro Bestellung hinzu. In der Minibar, die seitlich im Waschtisch untergebracht ist, stehen neben den klassischen auch einige ausgefallenere Soft- und zwei Energy Drinks, außerdem Grüner Tee in der Dose, Wasser, Bier und Sekt. Warum als einziger Wein ausgerechnet eine Riesling Auslese zum Preis von 20 Euro für die 0,375-l-Flasche offeriert wird, kann ich nicht nachvollziehen. Prima hingegen die kleine Nespresso-Maschine mit verschiedenen kostenlosen Kaffeepads. Wer schnell etwas aufgebügelt haben möchte, muss beim Housekeeping nachfragen – ein Expressservice wird auf der Wäschereiliste nicht angeboten. Dafür wird mir das zu bügelnde Kleidungsstück schon nach 15 Minuten korrekt geglättet zurückgebracht und nicht berechnet. Wie bestellt, ist das Zimmer schon anderthalb Stunden vor der offiziellen Check-in-Zeit bezugsfertig. Es ist etwas kühl, aber sehr gut gereinigt. Insofern überrascht es, dass auf der Schreibfläche und dem Waschtisch einige Fettflecken prangen. Spätestens bei der Hausdamenkontrolle hätten die deutlich ins Auge fallen müssen. Bettwäsche und Matratze sind einwandfrei sauber und von sehr guter Qualität. Beim Fernseher fällt auf, dass die Kanalbelegung nicht exakt mit der in der Programmzeitschrift übereinstimmt, da einige Programme nicht (mehr) angeboten werden.
Wertung: sehr gut
Das Badezimmer
Ob bei Doppelbelegung ein ins Zimmer integriertes Bad angenehm ist, sei dahingestellt. Die opulente Wanne mit großer Regendusche und hohem Wasserdruck sowie das separate WC sind es definitiv. Das nierenförmige Aluminiumwaschbecken und der ovale Mini-Standspiegel hingegen sehen zwar hübsch aus, sind aber unpraktisch in der Handhabung. Hinzu kommt, dass die Beleuchtung darüber nicht nur schlecht platziert ist, sondern schlichtweg nicht ausreicht. Der unbeleuchtete Kosmetikspiegel an der Wand neben dem Ganzkörperspiegel schafft diesbezüglich ebenfalls keine Abhilfe. Auf dem kleinen Tablettwagen unter dem Waschtisch entdecke ich den Schriftzug »Ikea« und bemerke: Auch die Schweden machen gutes Design.
Schick und qualitativ gut sind die drei bunten Guest-Supplies-Tuben der Designermarke »Etro«. Die wenigen Reinigungsdefizite im Bad: Der Filter des Ventilators müsste dringend ausgetauscht werden, die Lüftungsöffnung des Haartrockners ist voller Staubflusen und die Zahnputzgläser erweisen sich bei näherer Betrachtung zwar als sauber, aber schlecht poliert. Die Anzahl der Handtücher und Bademäntel scheint sich an der voraussichtlichen Belegung zu orientieren und umfasst in meinem Fall ein Duschtuch, zwei Handtücher und einen Bademantel. Das kann ins Auge gehen, wenn kurzfristig Belegungsänderungen vorgenommen werden.
Wertung: gut
Housekeeping
Die Mitarbeiter des Housekeepings treten gepflegt auf, tragen aber keine Namensschilder. Alle meine Anliegen werden prompt und mit einem freundlichen Lächeln erledigt. Dabei lässt man durchaus auch einmal Fantasie walten: Scheint meine Bitte um ein härteres Kissen zunächst nicht erfüllbar, wird mir kurze Zeit später und mit sichtlichem Stolz doch ein solches überreicht. Des Rätsels Lösung: In einen Kopfkissenbezug wurden drei kleine Sofakissen gestopft, was tatsächlich in der Summe ein festes Kissen ergibt und – zumindest für eine Nacht – funktioniert. Die Wäsche- und Housekeeping-Wagen wirken soweit aufgeräumt und ordentlich. Sie stehen allerdings lange Zeit unbeobachtet in den Gängen, sodass sich Gäste mit einnehmendem Wesen beispielsweise an den schicken Guest Supplies bedienen können.
Wertung: sehr gut
Sicherheit
Nahezu vorbildlich werden im East die Sicherheitsvorschriften erfüllt. Außer den gängigen Vorgaben wie dem Notfallplan im Zimmer, einer guten Fluchtwegebeleuchtung und freien Fluchtwegen heißt das: Die Zimmertrakte sind gesichert und nur mit dem Zimmerschlüssel zugänglich. Zur Öffnung der Lagerräume braucht man spezielle Decoder. Inforechnung sowie Zweitschlüssel erhalte ich erst nach einer Identitätsprüfung und eine Reinigungskraft weigert sich ebenso standhaft wie korrekt, mir meine Zimmertür aufzuschließen. Auf einem Wäschewagen finde ich allerdings eine Housekeepingliste mit den unverschlüsselten Namen der Gäste. Auch wundere ich mich, als plötzlich ein mir unbekannter Herr auf meiner Terrasse sitzt – ich muss mir diese offensichtlich mit dem über Eck liegenden Nachbarzimmer teilen.
Wertung: sehr gut
Frontoffice
Die Damen und Herren am Frontoffice zeigen bei all meinen Ansinnen ein hohes Maß an Dienstleistungsbereitschaft und eine sehr natürliche, lockere Freundlichkeit. Als ich abends am Empfang über Unwohlsein klage und mitteile, umgehend auf mein Zimmer zurückkehren zu müssen, bittet mich der diensthabende Herr K. besorgt, mich innerhalb der nächsten halben Stunde noch einmal zu melden, damit er sicher sein könne, dass ich keinen Arzt benötige. Solch eine nette Geste schafft Nähe zwischen Mitarbeiter und Gast und ist durchaus nicht selbstverständlich. Der persönliche Weckruf hingegen ließe sich noch verbessern: indem sich der Mitarbeiter namentlich meldet und den Gast mit Namen anspricht. Zudem sollte selbst in einer kurzen Weckformel der Wunsch für einen schönen Tag Platz finden. Gänzlich daneben ging die Übermittlung einer telefonischen Nachricht, die nur unvollständig und nicht korrekt wiedergegeben wurde.
Wertung: gut
Öffentliche Bereiche
Die öffentlichen Bereiche des Hotels geben kaum Anlass zur Beanstandung. Allerdings erschwert die schummrige Beleuchtung – beispielsweise in den Restauranttoiletten und in den Aufzügen – die Prüfung beträchtlich. Ins Auge fallen etliche weiße Schrammen auf den dunklen Wänden der Zimmerflure, außerdem die schwergängigen Seifenspender in den Toiletten und die fehlende Checkliste. Dass in Lobby, Lounge und Restaurant Wachs von den unzähligen Kerzen auf Wände, Sideboards und Tische tropft, fällt wohl eher unter »Bohemien Ambiente« als unter Verunreinigung.
Wertung: sehr gut
13:10 – Business Lunch
Das Restaurant befindet sich im historischen Teil des Hotels, einer alten Eisengießerei, und erstreckt sich über drei Stockwerke sowie mehrere Ebenen. Sowohl tagsüber als auch abends ist das innenarchitektonisch außergewöhnliche, sehr stylishe Outlet eine gefragte Location. Mittags lockt der Business Lunch für 12,50 Euro (zwei Gänge) oder 15 Euro (drei Gänge) Publikum ins Lokal. Zwar lässt sich darüber streiten, ob Jägerschnitzel mit Pommes frites und überbackenem Blumenkohl (das Tagesgericht am Tag meines Besuches) zum Stil des Hauses passt – gegessen wird es allemal. Ich probiere das »Single Sushi & Sashimi« für 16 Euro und werde nicht enttäuscht – schließlich leistet sich das East einen eigenen Sushimeister. Überhaupt erweist sich der Business Lunch als sehr erfreuliche Angelegenheit: Ich werde schnell und zuvorkommend bedient, das Essen ist leicht, geschmacklich hervorragend und bezahlbar. Nach 50 Minuten einschließlich Bezahlens bin ich wieder draußen.
Wertung: hervorragend
19:42 Abendessen
Nicht nur meine telefonische Tischreservierung wird charmant und locker entgegen genommen – am Treppenabgang zum Restaurant werde ich vom gleichen Mitarbeiter ebenfalls zuvorkommend begrüßt und anschließend zum Tisch geleitet. Dort übernimmt eine junge Frau, die mich willkommen heißt und sich mit Vornamen vorstellt. Darüber hinaus bringt sie zum Ausdruck, dass sie sich freut, heute Abend meine Gastgeberin zu sein. Welch schöne Geste. Und offenbar passt man die Begrüßungsformel dem Alter und Stil der jeweiligen Gäste an, denn meine jugendlichen Tischnachbarn werden von einem Servicemitarbeiter mit den Worten begrüßt: »Hallo, ich bin der XY und heute Abend ganz für euch da.«
Die Atmosphäre ist warm und »cool« zugleich: Das gedämpfte Licht, die vielen Kerzen und die hauseigene Lounge-Musik wirken stressreduzierend und entspannend. Etwas karg fällt die Tischdekoration aus. Besteck und Servietten liegen auf der blanken Tischplatte, eine kleine Stumpenkerze tropft auf einem Holztellerchen vor sich hin und auf Blume oder Pflanzendeko wurde gänzlich verzichtet. Die Speisekarte umfasst Kleines und Großes, Europäisches und Asiatisches, Eintopf und Entenbrust. Viele Vorspeisen und Salate werden in zwei unterschiedlichen Portionen angeboten. Die Weinkarte enthält neben Flaschen eine gut sortierte Auswahl offener Weine; der von mir bevorzugte Sauvignon Blanc (einer von dreien dieser Rebsorte) ist allerdings leider gerade »ausgetrunken«. Vor dem Essen gibt es zweierlei Baguette und eine leichte Pestocreme. In angenehmen Abständen serviert meine Gastgeberin die Speisen und erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden und weiteren Wünschen. Fragen zur Karte wie zum Wein weiß sie korrekt zu beantworten. Und ich kann ihr ein positives Feedback geben: Die Kokos-Zitronengrassuppe schmeckt köstlich, wenngleich der dekorativ darüber gelegte Puten-Ananas-Spieß bereits angetrocknet ist. Nicht nur optisch ein Gedicht, sondern auch perfekt zubereitet, ist der lauwarme Thunfisch – er hat nur minimal von beiden Seiten die Pfanne touchiert. Der feine Gurkensalat und die mildscharfen Pimientos passen als Beilagen hervorragend.
Nach dem Espresso bestelle ich die Rechnung. Auf ihr steht auch der Sauvignon Blanc, den ich alternativ zum gewünschten bestellt hatte und zurückgehen ließ, da er mir nicht schmeckte. Die Be- rechnung des Weines ist zwar grundsätzlich berechtigt, ein wenig mehr Kulanz würde jedoch gut zum Haus passen. Umgehen könnte man diese Problematik durch das Einschenken eines Probe- schlucks. Meine Gastgeberin erkundigt sich nochmals, ob alles zu meiner Zufriedenheit war, verabschiedet mich dann ausnehmend freundlich und wünscht mir noch einen angenehmen Abend.
Wertung: sehr gut
23:10 – »Yakshi’s Bar«
Auch an einem Montagabend herrscht spätabends noch Leben im East, das sich allerdings auf die zentral gelegene »Yakshi’s Bar« konzentriert. Musik und Atmosphäre stimmen; wer will, findet Anschluss, wer nicht will, auf jeden Fall ein gutes Plätzchen zum Beobachten.
Obwohl der Barmann viel zu tun hat, bemerkt er mich sofort und reicht mir die Karte. Diese lässt praktisch keine Wünsche offen und listet unter anderem etliche fantasievolle Eigenkreationen der East-Barkeeper auf. Auch »mein« Barmann offeriert mir, als ich eine klassische Margarita bestelle, seine eigene Variante des Drinks. Als ich zögere, bietet er an: Falls mir die von ihm bevorzugte Version nicht schmecke, bereitet er mir kostenlos die klassische zu. Das ist jedoch nicht nötig, denn der Drink, dessen Zutaten ich aufgrund der wirbelwindartigen Geschwindigkeit des Profis beim Mixen kaum erfassen kann, schmeckt definitiv besser als das Original – schön herb und zitronig, aber weniger sauer. Leider gibt es zu den als Snack gereichten Wasabinüssen keinen Löffel; zudem ist das vor mir stehende Glas schon fast geleert und wird nicht aufgefüllt. Das ist allerdings das einzige Manko, das ich an dieser Bar feststellen kann. Immer wieder findet der Barmann Zeit, ein paar Worte mit mir zu wechseln, und den Pegelstand meines Glases hat er ebenfalls im Blick. Einen zweiten Drink lehne ich dankend ab und bitte stattdessen um die Abrechnung, die reibungslos und korrekt verläuft.
Wertung: sehr gut
Di. 01/06, 8:45 – Frühstücksbuffet
Morgens gibt es am Restauranteingang keine Zimmernummerkontrolle, später wird mir aber am Tisch ein Abrechnungsbeleg zum Unterzeichnen vorgelegt. Ich suche mir meinen Platz selbst und werde kurze Zeit später von einer freundlichen Servicemitarbeiterin in braunem Hemd, schwarzer Hose und lila Bistroschürze nach meinem Getränkewunsch gefragt.
Der Milchkaffee kommt in einer großen Tasse und ist schön heiß und schaumig. Tee gibt es am Buffet zwar in guter Qualität, aber nur in Beuteln und begrenzter Auswahl. Der Orangensaft ist frisch gepresst, außerdem stehen mehrere andere Säfte ebenso bereit wie Mineralwasser und Kombucha. Das Buffet ist auf dem Tresen der Sushibar aufgebaut, was mobile Kühlung erfordert. Sie erfolgt in Form größerer Eispacks in normierten Holzbehältern, auf denen die Porzellanschalen und -platten stehen. Es ist soweit alles vorhanden, was zu einem ordentlichen Hotelfrühstück gehört, es wird jedoch kaum etwas angeboten, was über den Durchschnitt hinausgeht. So gibt es beispielsweise weder rohen Schinken noch hochwertige Käsesorten. Beim mundfertig geschnittenen Obst werden nur Melone und Ananas offeriert, aber keine saisonalen Früchte wie Erdbeeren. Als warme Speisen stehen zweierlei Würstchen und gekochte Eier zur Auswahl. Letztere sind zwar heiß, aber hart. Weitere Eierspeisen kann ich beim Service bestellen.
Die Qualität der Speisen ist im Großen und Ganzen gut, insbesondere die des dunklen Körnerbrotes. Die kleinen Brötchen hingegen sind fad, die süßen Hörnchen viel zu groß. Gut angemacht ist der für Norddeutschland typische Heringssalat; außerdem stehen zum Selberbacken Teig und Waffeleisen bereit. Was fehlt, ist eine eindeutige Beschriftung der Speisen: Wer will denn erst probieren müssen, ob der Joghurt naturbelassen ist oder nach Vanille schmeckt? Sehr positiv: Mein Extrawunsch nach einer Portion Porridge wird innerhalb von zehn Minuten erfüllt – in korrekter Zubereitung. Die Servicekraft fragt mich zwar zwischendurch im Vorübergehen, ob alles in Ordnung sei, kommt aber nicht auf die Idee, das benutzte Geschirr abzuräumen, das ich bereits auf dem Nachbartisch abgestellt habe. Das macht sie erst, als ich meinen zweiten Milchkaffee bekomme. Eine Tageszeitung kann ich nicht entdecken, erhalte jedoch unentgeltlich ein Exemplar an der Rezeption. Beim Verlassen des Restaurants werde ich freundlich verabschiedet.
Wertung: noch gut
Sauna / Fitness
Klein, aber fein ist der Wellnessbereich im dritten Stock des East, dessen Nutzung im Zimmerpreis enthalten ist. Er besteht aus einer komfortablen Sauna, einer schönen Ruhezone samt großer Dachterrasse und drei Behandlungsräumen. Wer sich auspowern möchte oder mehr Saunaauswahl braucht, findet im Nebengebäude den »East Sporting Club«. Für zehn Euro extra kann ich hier unter professioneller Aufsicht trainieren, Fitnesskurse besuchen und gepflegt saunieren. Wasser und Handtücher sind im Preis inbegriffen.
Alle Einrichtungen zeigen sich bei meinem Besuch bestens gepflegt und ich kann nur minimale Mängel entdecken: eine defekte Lampe in der Sauna und leichte Abnutzungserscheinungen an den Duschköpfen. Hochwertige Handtücher werden ebenso bereitgehalten wie Tee, Mineralwasser, Obst und Lesestoff. Erstaunlich umfangreich und international ist das Angebot des Beauty- und Massagebereichs mit dem Namen »Mandarin Body & Soul«. Drei Tage vor meiner Anreise konnte ich hier problemlos die Behandlung »East Relax« buchen. Dabei handelt es sich um eine 30-minütige Entspannungsmassage für Füße, Beine, Rücken und Nacken – die klassische Offerte für gestresste Businessreisende. Sie wird von einer Spa-Mitarbeiterin, die sich mir nur mit Vornamen vorstellt, professionell und angenehm durchgeführt. Der fernöstlich eingerichtete Behandlungsraum ist angenehm temperiert und wird leise musikalisch untermalt. Störend ist nur, dass ich Wort für Wort ein Gespräch mitverfolgen kann, das am Spa-Empfang vor dem Behandlungsraum geführt wird.
Wertung: sehr gut
Check-out
Zügig und professionell verläuft der Check-out. Die Rechnung über 320,65 Euro ist korrekt. Frau M. erfragt den Minibarverzehr, bedankt sich für meinen Besuch und wünscht mir noch einen schönen Tag. Noch besser wäre das Ergebnis ausgefallen, wenn sie sich erkundigt hätte, wie mir der Aufenthalt im Hotel gefallen hat, und wenn sie mich im Verlauf der Interaktion ein- oder zweimal mit Namen angesprochen hätte.
Wertung: gut
Di. 08/06, 15:42 – Telefonische Bankettanfrage
Au weia – mit dem Handling meiner telefonischer Bankettanfrage ist kein Staat zu machen. Die saloppe Begrüßung »East Eventabteilung, N., hallo« ist eine Sache, mich nach der Endloswarteschleife mit den Worten »Oh, da muss ich mich ja ganz doll entschuldigen. Aber da tun wir jetzt einfach mal so, als sei nichts gewesen« zu »trösten«, ist dann doch ein bisschen zu leichtfüßig. Richtig dick kommt es, als Frau N. meine Anforderungen an ein geplantes Seminar abfragt – oder besser gesagt nicht abfragt. Datum, Personenanzahl und benötigte Übernachtungen ist alles, was sie wissen will, bevor sie sich schon in der Lage fühlt, mir »dann mal ein richtig schönes Angebot zu machen«. Um was für eine Tagung es sich handelt, wie sich die Teilnehmer zusammensetzen, welche Technik benötigt wird, welche Mahlzeiten eingenommen werden sollen, ob ich ein Rahmenprogramm wünsche und welche Anforderungen ich an Raum und Hotel stelle – alle nicht erfragten Details hier aufzuführen, würde glatt den Rahmen sprengen. Auch der »Event coordinator«, der das schriftliche Angebot verfasst, nutzt die angegebene Telefonnummer nicht für Rückfragen. Er betont lediglich, dass das vorliegende Angebot »auf den uns derzeit vorliegenden Eckdaten basiert«. Das am nächsten Morgen per E-Mail eingehende Angebot ist demzufolge absolut allgemein gehalten. Selbst die Anlagen – 17 Seiten Tagungsinfos sowie zwei Pdf-Dateien zum Haus und den Zimmern, sehr aussagekräftig und gut gestaltet – können das nicht kompensieren. Ich jedenfalls fühle mich als anfragender Kunde nicht wirklich ernst genommen – und auch nicht gut aufgehoben.
Wertung: mangelhaft
Bilanz
»Mehr Schein als Sein« ist häufig das Fazit, wenn das Design eines Hotels eine tragende Rolle spielt. Im Hamburger East trügt der schöne Schein allerdings nicht. Hier haben es die Verantwortlichen verstanden, das außergewöhnliche Design in ein schlüssiges Gesamtkonzept einzubinden, das Fantasie und Gelassenheit ebenso transportiert wie Lifestyle und Lebensfreude. Und das durch die Mitarbeiter und ihren Umgang mit dem Gast getragen wird. Die sehr guten F&B-Leistungen könnten durch ein Aufwerten des Frühstücksbuffets noch abgerundet werden. Ansonsten findet der Businessgast vom Logis- bis zum Sport- und Wellnessbereich ein sehr stimmiges Angebot vor.
Nicht stimmig und sicher nicht im Interesse des Hotels kann es sein, wenn die sehr guten, originellen Veranstaltungsräume nur unzureichend vermarktet werden. Ein sympathischer und am Telefon locker agierender Mitarbeiter ersetzt nicht das notwendige professionelle Handling einer Veranstaltungsanfrage.
Ergebnis: 76%
Testurteil: gut
100-81 sehr gut; 80-61 gut; 60-41 befriedigend; 40-21 mangelhaft;
20-0 ungenügend.
Der Gesamteindruck ist nicht das arithmetische Mittel;
die Check-Bereiche sind unterschiedlich gewichtet!