Coronakrise Tausende Verfahren wegen Betrugs bei Soforthilfen

In der Coronakrise unterstützt der Staat die Wirtschaft mit Milliarden. © Pixabay/Mable Amber

In der Coronakrise unterstützt der Staat die Wirtschaft mit Milliarden. Angaben des Wirtschaftsministeriums zufolge besteht der Verdacht, dass die Hilfen in Tausenden Fällen missbraucht wurden. Forderungen, die Hilfen weiterzuführen, bleiben bestehen.

Mit Soforthilfen wollte der Staat Unternehmen schnell und unbürokratisch durch die Coronakrise helfen - es besteht aber der Verdacht, dass sie in Tausenden Fällen missbraucht wurden. Im Zusammenhang mit den Hilfen aus dem Frühjahr 2020 gebe es rund 15.000 Strafanzeigen und Ermittlungsverfahren, heißt es in der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der AfD-Fraktion, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Eine hohe Dunkelziffer sei wahrscheinlich.

Meiste Strafanzeigen in Nordrhein-Westfalen

Die mit Abstand meisten Strafanzeigen gab es mit mehr als 4.300 in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Hessen und Berlin. Zuletzt hatte die Bundesregierung im März wegen Betrugsverdachts die Auszahlung von Abschlagszahlungen gestoppt, nach wenigen Tagen aber wieder aufgenommen (wir berichteten). Der AfD-Abgeordnete Anton Friesen kritisierte, mit krimineller Energie könne man leicht Steuerzahlergeld bekommen, während kleine und mittelständische Unternehmen "massenweise zugrunde gehen".
Mit verschiedenen staatlichen Finanzhilfen, darunter die Abschlagszahlungen, werden in der Corona-Pandemie durch die Krise belastete Unternehmen und Selbstständige unterstützt. Zuletzt hatte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dafür ausgesprochen, die Überbrückungshilfe III bis zum Jahresende zu verlängern - das zentrale Kriseninstrument des Bundes ist bisher bis Mitte des Jahres befristet. Firmen bekommen darüber Zuschüsse zu betrieblichen Fixkosten.

Verlängerung der Wirtschaftshilfen?

Mit Blick auf das Anhalten der Pandemie hat sich der "Wirtschaftsweise" Achim Truger für eine Verlängerung der Wirtschaftshilfen ausgesprochen. Ebenso plädierte er für eine längere Bezugsdauer des Arbeitslosengelds. Die Unterstützung "für Wirtschaft und Beschäftigte muss so lange aufrechterhalten werden, wie die Einschränkungen anhalten und die Erholung sich verzögert", sagte Truger dem "Münchner Merkur" (Online).
Weiterhin sprach er sich zur Ankurbelung des privaten Konsums für Einkaufsgutscheine für die Bürger aus. Entsprechende Forderungen der Grünen und des Handelsverbands HDE halte er "für sinnvoll, weil es gezielt den im Lockdown geschlossenen Branchen nach der Krise eine Perspektive bietet". dpa