Corona-Prämie: 8 Antworten auf die wichtigsten Praxisfragen zum steuerfreien Gehaltsextra

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Arbeitgeber, denen es trotz Corona-Krise finanziell einigermaßen gut geht, können ihren Mitarbeitern eine Corona-Prämie in Höhe von bis zu 1.500 Euro steuerfrei und sozialversicherungsfrei auszahlen. In der Praxis würden viele Arbeitgeber das gerne tun, trauen sich jedoch nicht. Der Grund: Zu viele Unsicherheiten. Hier deshalb die Antworten auf die acht häufigsten Fragen rund um die Corona-Prämie.

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Die neue Corona-Prämie wurde im Ersten Corona-Steuerhilfegesetz verankert. Die Voraussetzungen für diese steuerfreie Zuwendungen vom Arbeitgeber an seine Mitarbeiter finden sich im neuen § 3 Nr. 11a Einkommensteuergesetz. Das sind die wichtigsten Grundsätze, die Sie als Arbeitgeber zur Corona-Prämie wissen sollten:

  • Steuerfrei sind nur Zahlungen zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Dezember 2020.
  • Die Corona-Prämie darf nicht aus einer Gehaltsumwandlung stammen, sondern muss zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden.
  • Steuerfrei ist die Unterstützungszahlung bis zu einer Höhe von 1.500 Euro. Darüber hinausgehende Zahlungen sind wie Arbeitslohn zu versteuern.
  • Der Arbeitgeber kann wählen, ob er seinem Mitarbeiter im Rahmen der Corona-Prämie Geld überweist oder Sachbezüge gewährt.
  • Der Arbeitgeber muss die steuerfreie Corona-Prämie im Lohnkonto festhalten bzw. aufzeichnen.

8 wichtige Fragen rund um die Corona-Prämie

1. Welche Arbeitnehmer profitieren von der Corona-Prämie?

Diese Frage lässt sich weder aus dem Gesetz noch aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 9. April 2020 exakt beantworten. Im Gesetz heißt es, dass die Corona-Prämie “aufgrund der Corona-Krise” geleistet werden muss. Im besagten BMF-Schreiben heißt es vielsagend: “Aufgrund der gesamtgesellschaftlichen Betroffenheit durch die Corona-Krise kann allgemein unterstellt werden, dass ein die Beihilfe und Unterstützung rechtfertigender Anlass im Sinn der Richtlinie 3.11 Abs. 2 Satz 1 Einkommensteuerrichtlinien vorliegt.”

Die Finanzämter gehen unterschiedlich mit diesen Formulierungen um. In der Praxis lässt sich aber erkennen, dass die Steuerfreiheit für die Corona-Prämie nur akzeptiert wird, wenn die Zahlung zur Abmilderung der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Krise gewährt wird.

Praxis-Tipp 1: Hier dürfte allerdings nicht nur die Abmilderung der zusätzlichen finanziellen Belastung durch die Corona-Krise gemeint sein. Gemeint müsste hier auch die Abmilderung der Belastung in Form einer enormen Arbeitsbelastung aufgrund der Corona-Krise sein, etwa durch viele Überstunden wegen eines an Corona erkrankten oder in Quarantäne befindlichen Kollegen. Denn diese Vorschrift zur steuerfreien Corona-Prämie wurde eingeführt, weil Bundesfinanzminister Olaf Scholz den Helden des Corona-Alltags danken wollte.

Praxis-Tipp 2: Möchten Sie als Arbeitgeber die Corona-Prämie an Mitarbeiter als Dankeschön steuerfrei auszahlen, sind sich aber unsicher, sollten Sie beim Finanzamt nachhaken und fragen, ob die von Ihnen gewählte Zahlungsmethode die Steuerfreiheit nicht gefährdet. Das geschieht im Rahmen einer Anrufungsauskunft nach § 42e EStG ans Finanzamt. Die Überprüfung durch das Finanzamt ist ein kostenloser Service und bringt Ihnen in puncto Corona-Prämie und Steuerfreiheit die gewünschte Rechtssicherheit.

2. Darf ich die Corona-Prämie auch einem Minijobber in meinem Betrieb auszahlen oder verliert er dadurch seinen sozialversicherungsrechtlichen Status als geringfügig Beschäftigter?

Die steuerfreie Corona-Prämie bis maximal 1.500 Euro dürfen Sie auch einem Minijobber mit einem monatlichen Gehalt bis 450 Euro auszahlen. Die Corona-Prämie zählt nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 der Sozialversicherungsentgeltverordnung nicht zum sozialversicherungspflichtigen Entgelt. Das kann den “FAQ Corona (Steuern)” des Bundesfinanzministeriums vom 29. Juni 2020 entnommen werden.

3. Ich beschäftige einen Arbeitnehmer in Teilzeit, der daneben noch einen Hauptberuf und einen Minijob bei verschiedenen Arbeitgebern hat. Darf ich ihm die Corona-Prämie dennoch ausbezahlen?

Ja, die steuerfreie Corona-Prämie kann jeder Arbeitgeber bis zum Höchstbetrag von 1.500 Euro auszahlen. Ihr Mitarbeiter mit drei verschiedenen Arbeitgebern kann damit bestenfalls von steuerfreien Zuwendungen in Höhe von 4.500 Euro profitieren.

4. Ich habe meinen Ehegatten im Betrieb angestellt. Kann ich ihm die steuerfreie Corona-Prämie in Höhe von 1.500 Euro zuwenden oder macht das Finanzamt in diesem Fall Probleme?

Sie können Ihrem Ehegatten die steuerfreie Corona-Prämie zuwenden. Doch bei Jahre später stattfindenden Prüfungen des Finanzamts müssen Sie mit kritischen Überprüfungen rechnen. Denn das Finanzamt prüft die Fremdüblichkeit dieses Gehaltsextras. Das bedeutet: Die Steuerfreiheit und der Betriebsausgabenabzug bleiben nur unangetastet, wenn auch andere im Betrieb angestellte Mitarbeiter eine Corona-Prämie von Ihnen erhalten. Ist Ihr Ehegatte der einzige Angestellte in Ihrem Betrieb, müssen Sie die Gründe festhalten, warum Sie dieses Gehaltsextra steuerfrei auszahlen.

5. Muss der Arbeitnehmer die steuerfreie Corona-Prämie aufgrund des Progressionsvorbehalts doch versteuern?

Nein, anders als das Elterngeld, das Krankengeld oder das Arbeitslosengeld unterliegt die Corona-Prämie nicht dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Progressionsvorbehalt bedeutet, dass eine Lohnersatzleistungen steuerfrei bleibt, sich aufgrund dieser Lohnersatzleistung jedoch der Einkommensteuersatz auf das übrige Einkommen erhöht. Die Corona-Prämie ist dagegen allerdings komplett steuerfrei.

6. Kann ich eine vor dem 1. März 2020 zugesagte Sonderzahlung in einer steuerfreie Corona-Prämie umwandeln?

Nein, das funktioniert leider nicht. Denn die Steuerfreiheit für die Corona-Prämie setzt voraus, dass die Zahlung zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden muss. Besteht bereits ein Anspruch auf eine vor dem 1. März 2020 zugesagte Sonderleistung, wäre die Umqualifizierung in die Corona-Prämie eine schädliche Gehaltsumwandlung. Die Steuerfreiheit ginge damit verloren.

7. Ich bin beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH und möchte mir eine Corona-Prämie von 1.500 Euro gönnen. Bekomme ich hier Ärger mit dem Finanzamt?

Das kann passieren. Denn ähnlich wie bei einer Corona-Prämie an den angestellten Ehegatten prüft das Finanzamt bei einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH (beherrschend = mehr als 50-prozentige Beteiligung an der GmbH), ob die Corona-Prämie fremdüblich oder gesellschaftsrechtlich veranlasst ist. Kommt das Finanzamt zur Erkenntnis, dass die Corona-Prämie aus gesellschaftsrechtlichen Gründen bezahlt wird, liegt eine verdeckte Gewinnausschüttung vor. In Höhe der Corona-Prämie erhöht sich in diesem Fall das zu versteuernde Einkommen der GmbH und der GmbH-Gesellschafter muss Kapitalerträge versteuern.

Praxis-Tipp: Steuerlich auf der sicheren Seite steht ein GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer, wenn auch ein nicht an der GmbH beteiligter Geschäftsführer in gleicher Höhe eine Corona-Prämie ausbezahlt bekommt.

8. Ich gewähre meinen Mitarbeiter seit Jahren spontan eine steuerlich begünstigte Erholungsbeihilfe oder andere steuerfreie oder steuerbegünstigte Gehaltsextras. Kann ich stattdessen dieses Jahr die steuerfreie Corona-Prämie ausbezahlen?

Ja, vorausgesetzt, dass die Zahlung zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wird. Mit anderen Worten: Gibt es keine Vereinbarung über die freiwilligen Sonderzahlungen bzw. Gehaltsextras, hat der Arbeitnehmer auch keinen Anspruch darauf. Das gilt selbst dann, wenn er seit Jahren freiwillige Zahlungen bekommt. Zahlen Sie dieses Jahr on top zum Gehalt die Corona-Prämie, bleibt diese bis zu einem Betrag von 1.500 Euro steuerfrei.

Quelle: DHZ.net / Bernhard Köstler

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